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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Manfred Riemer zu »Synonymie«
Dieser Kommentar wurde am 25.03.2019 um 13.55 Uhr verfaßt.

So kriminell ist die Hälfte der Bevölkerung nun auch wieder nicht.

Doch, so kriminell ist die Hälfte der Bevölkerung durchaus

Spaßvögel sagen ja, daß zwischen diesen beiden Meinungen gar kein Widerspruch besteht.

Im Ernst: Natürlich muß Urheberschutz sein, aber es geht auch darum, daß nicht unter dem Deckmantel des Urheberschutzes die Meinungsfreiheit beschnitten werden kann. Das ist halt die Gratwanderung, die bewältigt werden muß. Und jeweils die Verteidiger der einen Seite tun so, als ob das andere Problem gar nicht besteht.



Erich Virch zu »Synonymie«
Dieser Kommentar wurde am 25.03.2019 um 11.55 Uhr verfaßt.

Doch, so kriminell ist die Hälfte der Bevölkerung nach geltender Rechtslage durchaus, und sie weiß es sogar. Urheberrechtsbrüche sind ihr trotz einer gewissen mulmigen Angst vor Abmahnanwälten zur lieben Gewohnheit geworden. Deshalb greift sie nun so bereitwillig die absurde Googlepropaganda gegen die Reform auf und spricht von Zensur und bedrohter Meinungsfreiheit. Daß der Hehlereipraragraph noch immer keinen Praxisbezug zur digitalen Welt hat, ist zu beklagen, macht die Ausbeutung der Urheber aber weder legitim noch legal – und die finanziellen Verluste der Urheber sind ebenso diesseitig wie die Milliardengewinne der Hehler.

Die digitale Welt ist an ihren Auswirkungen auf die analoge zu messen. Einer der ersten prominenten Piraten, Sebastian Nerz, erklärte vor Jahren mal:

„Wenn ich ne MP3 kopiere, hat der, von dem ich das kopiere, danach noch immer genausoviel wie davor.“

Derweil schrumpften meine Gema-Einnahmen. Ich wies ihn darauf hin, daß man mit seinem Argument auch das Kopieren von Geldscheinen gutheißen könne und fragte ihn, ob ich mal bei ihm vorbeikommen dürfe, um seine Freundin zu vögeln; die werde anschließend ja ebenfalls noch da sein.



Theodor Ickler zu »Synonymie«
Dieser Kommentar wurde am 25.03.2019 um 06.13 Uhr verfaßt.

Die FAZ (heute Jürgen Kaube) polemisiert gegen die Kritiker des geplanten Urheberrechts: Sie würden Hehlerei billigen usw.. Das kann man sicher so sehen; ich habe mich damit nicht näher beschäftigt. Aber klar ist auch, daß die Anwendung solcher herkömmlichen Rechtsbegriffe auf das „Neuland“ Internet sich nicht von selbst versteht. In Erinnerung ist noch die Frage, ob Elektrizität eine „bewegliche Sache“ ist, an der man Diebstahl begehen kann. Ähnlich sollte man auch der Internetdiskussion zugestehen, daß die üblichen Begriffe der Interpretation bedürfen, und Bedenkenträger nicht wie gewöhnliche Anstifter zum Rechtsbruch behandeln. So kriminell ist die Hälfte der Bevölkerung nun auch wieder nicht.


Manfred Riemer zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 25.03.2019 um 00.20 Uhr verfaßt.

Die immer schnellere Wissensentwicklung wird natürlich durch die gesellschaftlichen Veränderungen begünstigt: Demokratisierung, individuelle Freiheiten, dadurch bessere Lebensbedingungen für alle, bessere Bildung für alle, das alles nützt den Wissenschaften und bringt sie schneller vorwärts. Auch der Konkurrenzkampf wirkt beschleunigend, das ist ganz klar. Aber das Grundprinzip ist viel einfacher. Wissen verzweigt sich wie ein Baum, es wird immer detaillierter. Erst bilden sich drei Zweige am Stamm, dann weitere drei an jedem Zweig und Stamm, und schwubs sind es schon über eine Million Zweige in der 10. Generation. Mehr Wissen ist jeweils die Grundlage für noch mehr Wissen. Es muß einfach explodieren, wenn man es nicht gewaltsam daran hindert.


Theodor Ickler zu »Synonymie«
Dieser Kommentar wurde am 24.03.2019 um 07.34 Uhr verfaßt.


Ein Soziologe (Martin Schröder, Marburg) hat in vielen Aufsätzen dargelegt, warum die Soziologie konstitutionell dazu neigt, die Gesellschaft und ihre Entwicklung negativer darzustellen, als sie ist, die Fortschritte geringer, als sie sind usw.
Das hat ähnliche Gründe wie der Grundfehler der distinktiven Synonymik. Wenn man sich zwei Wörter isoliert, also vermeintlich „kontextfrei“, vornimmt und nach ihrer Bedeutung fragt, schafft man unwissentlich einen (in Gaugers Sinn) „synonymischen“, also unterscheidenden Kontext. Dann treten die Bedeutungsunterschiede hervor, die Neutralisierungsmöglichkeiten dagegen kommen gar nicht in den Blick. Ähnlich interessiert sich die Soziologie vorwiegend für Unterschiede, hebt also Ungleichheit (und Ungerechtigkeit) hervor usw. Darum ist die Lage meistens besser als die Stimmung.

Das ist politisch folgenreich: Es begünstigt diejenigen, die "das System zerschlagen" wollen.


Theodor Ickler zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 24.03.2019 um 06.34 Uhr verfaßt.

Die beschleunigte Entwicklung von Wissenschaft und Technik in den letzten Jahrhunderten und Jahrzehnten (exponentiell, kann man wohl locker sagen) ist also meiner Ansicht nach nicht auf irgendwelche Veränderungen im menschlichen Gehirn oder "Geist" zurückzuführen, sondern auf Veränderungen im Umgang der Menschen miteinander, insbesondere die Schaffung von Freiräumen, in denen Neuerung und Widerspruch nicht mehr bestraft, sondern belohnt wurden. Man könnte auch sagen, daß die Einführung des Konkurrenzprinzips wie (parallel dazu) in der Wirtschaft den plötzlichen Schub verursacht hat.


Theodor Ickler zu »Kognitivismus«
Dieser Kommentar wurde am 24.03.2019 um 06.10 Uhr verfaßt.

Zwischen einem realen Gegenstand und einem zu seiner Erklärung erfundenen Konstrukt kann es keine „Beziehung“ geben. Also auch nicht zwischen Sprechen und Denken. Sinnvoll ist dagegen die Frage, ob und wie das Sprachverhalten mit anderem Verhalten zusammenhängt. Nur so kann man das „linguistische Relativitätsprinzip“ beurteilen. Whorf hat ja im Grunde auch schon diesen empirischen Weg aufgezeigt, wenn er etwa den brandgefährlichen Umgang mit „leeren“ Benzintonnen auf die Verführung durch das Wort „leer“ zurückführte.
Aber wenn wir zum Beispiel die doch sehr verschiedene chinesische Sprache nehmen und dazu die chinesische Wissenschaft und Technik, die uns mit modernem Gerät aller Art versorgt, und wenn wir außerdem sehen, wie die Chinesen sich im Alltag verhalten, dann kommen uns schon Zweifel, ob es da überhaupt einen Zusammenhang gibt. Philosophisches Sprachverhalten muß man drüben wie hüben beiseite lassen, denn die Philosophen spinnen (oder lassen „die Sprache feiern“, um es mit Wittgenstein etwas schonender zu formulieren).

William Chafe versuchte einen vermittelnden Standpunkt einzunehmen: Ein Teil unseres Denkens sei durch die Sprache strukturiert. Aber da er das Konstrukt des Denkens dann wieder zur Erklärung der Sprache nutzen wollte, drehte er sich im Kreis, wie es ja in dieser kognitivistischen Schule nicht zu vermeiden ist.



Theiodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 24.03.2019 um 05.51 Uhr verfaßt.

Ja, und jetzt diskutieren Freund und Feind darüber, was sie zur Kernenergie sagt - als ob sie wie der Papst ein Lehramt hätte und jede ihrer Äußerungen genau abgeklopft werden müßte. Das lenkt von den Sachfragen ab, auf die sie verdienstvollerweise aufmerksam gemacht hat. Manche jener Fachleute und auch die genannten Politiker sind vielleicht neidisch, weil sie selber mit all ihrer Überlegenheit nicht soviel Beachtung gefunden haben. Ein neuer Artikel der WELT über Greta Thunberg ruft gleich über 1600 Leserzuschriften hervor. Das ist bemerkenswert. Nur die Migration kann da mithalten.

Das gute Mädchen interessiert mich, ehrlich gesagt, überhaupt nicht, und ich finde es geschmacklos, sich über sie lustig zu machen oder gar Haßtiraden gegen sie vom Stapel zu lassen.

Seit wir mehr über die "merchants of doubt" wissen, lassen sich die Sachfragen besser diskutieren. Es geht nicht um kleine Mädchen.


Theodor Ickler zu »Die Tyrannei des Vermeintlichen«
Dieser Kommentar wurde am 24.03.2019 um 05.43 Uhr verfaßt.

Ich habe auch schon oft von Gleichschaltung gesprochen, auch hier, vor allem im Zusammenhang mit der Rechtschreibung. Es ist ja im Grunde ein normales und praktisches Wort.
Etwas anders sieht es aus, wenn man sich selbst als Inhaber der Wahrheit sieht, die auszusprechen eine riskante Tat sei - gegen die rot-grün versifften Mainstream-Medien.
Ich selbst nehme auch deshalb nicht am Fernsehen teil, weil es mir zwar nicht gleichgeschaltet vorkommt, aber doch eine gewisse Schlagseite hat, wenn nicht nach links oder rechts, dann doch nach dumm. Diesen Eindruck gewinne ich bei meinen Fernseh-Stippvisiten in Ferienwohnungen oder Hotels.
Es ist aber objektiv nicht so, daß die Rechten ihre Meinung nicht äußern könnten. "Merkel muss weg!" kann man ungehindert sagen und schreiben. Das wäre in der oft beschworenen Merkeldiktatur nicht selbstverständlich.


Theodor Ickler zu »Recht haben«
Dieser Kommentar wurde am 24.03.2019 um 05.34 Uhr verfaßt.

Grossarths Verdienst ist es, denen zuzuhören, denen sonst keiner zuhört, erst Recht kein Wirtschaftsredakteur der FAZ. (SPON 30.5.11, auch bei Wikipedia über G. so zitiert)

So liest man es seit der Reform sehr oft, auch in der Wendung jetzt erst Recht. Erstaunlich, daß deutsche Muttersprachler das für möglich halten.

(Grossarth ist übrigens bei der FAZ ausgeschieden. Zum Monsanto-Deal sagt der Bayer-Chef Baumann: „Der Monsanto-Kauf war und ist eine gute Idee“. (FAS 24.3.19) Er selbst halte viele Aktien seines Unternehmens.)


Manfred Riemer zu »Die Tyrannei des Vermeintlichen«
Dieser Kommentar wurde am 24.03.2019 um 00.10 Uhr verfaßt.

Ja, genauso trifft es zu. Allerdings hat der tägliche Sprachgebrauch der AfD schon auch mit der Hitlerschen Politik zu tun, und vor allem, das würde ich sogar an erster Stelle sehen, mit der Gleichschaltung in der DDR.
Wenn ich auch die heutigen Verhältnisse in Deutschland noch mit keiner der beiden Diktaturen gleichsetzen möchte, so sollte man doch die bedenklichen Tendezen, die der JU-Vorsitzende anspricht, ernst nehmen und den Anfängen wehren.



Christof Schardt zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 24.03.2019 um 00.04 Uhr verfaßt.

...die FAZ läßt ausgewachsene Wirtschaftswissenschaftler auf die sechzehnjährige Greta los, weil sie in ihrem blauäugigen Idealismus keine vollständig durchgerechnete Lösung des Klimaproblems parat hat.

Der Spiegel dagegen sendet seine Reporter nach Schweden, um ihre Stellungnahme zum deutschen Kohleausstieg zu erfragen.

So die Extreme. Was ist wohl sinnvoller?


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