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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Das „bilaterale Zeichen“«
Dieser Kommentar wurde am 13.07.2020 um 04.27 Uhr verfaßt.

Ich bin überrascht und verstehe nun andererseits besser, warum wir uns nicht verstehen. Ich kenne keinen Biologen, der Zeichen in der Natur anzweifelt. Das hat mit meinem Behaviorismus gar nichts zu tun. (Der Begriff des AAM gehört hingegen zu einer ethologischen Schule, die heute weniger Anerkennung findet, weshalb der Begriff auch seltener anzutreffen ist.)
Auf die unbelebte Natur wendet niemand Zeichenbegriffe an. Die Unterscheidung ist auch nicht schwer. Für mich wird es erst interessant, wo ich wirkiche Zeichen von Anzeichen (Symptomen) unterscheiden kann und mich damit von vielen Semiotikern absetze. Aber nicht "Bewußtsein" und dgl. sind mein Kriterium, sondern "Geschichte", wie in meinem Aufsatz "Wirkliche Zeichen" dargelegt.


Manfred Riemer zu »Das „bilaterale Zeichen“«
Dieser Kommentar wurde am 12.07.2020 um 23.46 Uhr verfaßt.

Ja, Blüten, Vogelgesang, Balztänze u.ä. würde ich in der Tat weglassen. Wo soll denn Schluß sein, wenn auch Tiere und Pflanzen sich nach "Zeichen" richteten? Und die "Zeichen" der leblosen Natur?

Kommunizieren wir etwa auch mit Sonne und Mond, oder diese untereinander? Eine Spur im Schnee oder der Sonnenaufgang werden wohl umgangssprachlich auch Zeichen genannt, aber im Sinne einer exakten Theorie würde ich das nicht übernehmen. Um sich nicht im Endlosen zu verlieren, finde ich, man sollte unter Zeichen nur Dinge verstehen, die der menschlichen Kommunikation dienen. Wirkliche Zeichen sind m. E. vom Menschen gemacht und an Menschen gerichtet. Tiere handeln instinktiv. Sie verstehen keine Zeichen. Ich sehe im tierischen Verhalten, erst recht im pflanzlichen, einen großen Unterschied zum menschlichen.

AAM ist doch ein passender Ausdruck in der Verhaltensforschung, muß man den unbedingt unter Zeichen subsumieren? Nun ja, ich glaube schon zu verstehen, es hängt mit Ihrem behavioristischen Ansatz zusammen, auch Instinkte steuern letztlich ein Verhalten. Ich denke aber, nur der Mensch ist sich der Zeichenhaftigkeit einer Sache bèwußt, kann die Bedeutung des Zeichens erfassen, es richtig deuten und sein Handeln wohlüberlegt danach ausrichten.


Erich Virch zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 12.07.2020 um 21.28 Uhr verfaßt.

„‚Sie hätten die Pest stoppen können, sie hätten sie stoppen können, Sie haben sie nicht gestoppt‘, so Trump weiter. Man hätte dafür gesorgt, die Ausbreitung des Coronavirus aus der Provinz Wuhan in andere Teile Chinas zu stoppen - nicht aber die weitere Verbreitung aufgehalten.“

Ein gruseliges Beispiel für einen falschen Konjunktiv, wie er inzwischen fast die Regel ist. Er quält hier besonders, weil ein echter Irrealis vorangeht.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 12.07.2020 um 04.01 Uhr verfaßt.

Auch unter Frauen gibt es Frauenfeindlichkeit, aber daraus läßt sich wenig machen. Neuerdings kommt Transphobie hinzu, die man auch Frauen vorhalten kann (wie im Falle Rowling). Nach einer gewissen Ermüdung des traditionellen Feminismus verspricht Transphobie neuen Schwung; allerdings ist die Interessengruppe der Transsexuellen viel kleiner als die der „Frauen“, von denen neuerdings gar nicht mehr gesprochen werden sollte (das „F-Wort“ laut SZ vom 11.7.20).
Wie aber, wenn man Transphobie als sexuelle Orientierung wie jede andere erkennen und anerkennen sollte? Früher hat man in diesem Sinn für Pädophilie geworben, ohne auf die Dauer deren Strafwürdigkeit verändern zu können.
Alles, was irgendwie queer ist, unter einem Titel zusammenzufassen, dürfte nicht dauerhaft möglich sein. Die Interessen sind zu verschieden, die Gruppierung ist zu offen. Vgl. die „People of Color“, unter denen es auch Streit gibt, wie auch unter Migranten, die keineswegs am selben Strang ziehen (u. a. was Entschädigungsansprüche betrifft). Die „Charta der Vielfalt“ verdeckt die Interessenkonflikte. Das ist der innere Widerspruch der Identitätspolitik; als einzige Lösung haben die Philosophen schon immer die schlichte Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz erkannt. Was darüber hinausgeht, zerfällt früher oder später oder schlägt in neue Gewalt, Unterdrückung und Vernichtung um. Die Revolution frißt ihre Kinder.


Theodor Ickler zu »Das „bilaterale Zeichen“«
Dieser Kommentar wurde am 12.07.2020 um 03.26 Uhr verfaßt.

Ich setze natürlich voraus, daß Sie den Vogel befragen.

Aber mal im Ernst: Der Ausschluß natürlicher Zeichen dürfte schwierig werden. Was die Ethologen "angeborene Auslösemechanismen" (AAM) nannten - alles weglassen? Blüten, Vogelgesang, Balztänze...


Manfred Riemer zu »Das „bilaterale Zeichen“«
Dieser Kommentar wurde am 12.07.2020 um 01.18 Uhr verfaßt.

Na ja, der Vogel muß im Prinzip ständig sagen, ich sehe nix. Was sollte ihn veranlassen, dies gerade in dem Moment zu sagen, wo es etwas zu sehen gäbe? Er sieht einfach immer nichts, hätte also in einer Kommunikation mit dem Falter selten Neues zu erzählen. Der Falter mag sich einseitig seines Überlebens freuen, aber ein Selbstgespräch ist ja auch keine Kommunikation.

Vielleicht hat die ganze Frage auch mit meinem allgemeinen bisherigen Zeichenverständnis zu tun. Ich habe immer Bedenken, die Zeichentheorie auf die ganze unbewußte Natur anzuwenden. Sind Zeichen im Rahmen der Sprachwissenschaft nicht eher nur eine Sache der zwischenmenschlichen Kommunikation? Führt die Anwendung auf Tiere und Pflanzen nicht ebenfalls zu der andernorts so oft als ein Ausschlußkriterium angeführten Zeicheninflation?


Theodor Ickler zu »Das „bilaterale Zeichen“«
Dieser Kommentar wurde am 11.07.2020 um 20.29 Uhr verfaßt.

Anders gesagt: Zwischen Sichverstecken und Nichtexistieren ist ein großer Unterschied. Nur für den Empfänger nicht, aber das ist eben nur die eine Hälfte des Gesamtvorgangs. Der Sender signalisiert dem Empfänger Nichtexistenz. Der Vogel sagt: "Ich sehe nix." Der Schmetterling reibt sich die Hände: Operation gelungen. Das ist doch nicht nichts, sondern ein kommunikativer Vorgang.


Theodor Ickler zu »Das „bilaterale Zeichen“«
Dieser Kommentar wurde am 11.07.2020 um 18.30 Uhr verfaßt.

Ja, genau! Das ist der Zweck der Tarntracht.


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 11.07.2020 um 18.27 Uhr verfaßt.

Einen Effekt auf die Ausbreitung von Viren haben Stoffmasken also auf jeden Fall - und wohl auch einen schützenden Effekt für den Träger. Denn ob und wie krank ein Mensch wird, der mit Sars-CoV-2 in Berührung kommt, hängt von der Zahl der Viren ab. "Meistens ist ein Viruspartikel nicht ausreichend, um eine Infektion zu verursachen", sagt Sars-Mitentdecker Yuen Kwok-yung. "Es braucht 40 bis 200 Viruspartikel, die auf das Nasenepithel, in die Augen oder den Rachen gelangen." Fachleute gehen davon aus, dass Menschen, die weniger Sars-CoV-2-Viren abbekommen, weniger schwer oder gar nicht erkranken. (SZ 11.7.20)

Der Artikel beruft sich wieder auf Zastrow, um die WHO und besonders seinen Erzfeind Wieler/RKI zu kritisieren. Seine eigenen Fehleinschätzungen sind ihm wohl entfallen:

Nehmen wir mal an, sie haben eine Million Viren auf der Hand, das ist nicht viel. Und jetzt spülen sie durch Wasser und Seife 950.000 davon runter. Dann haben sie immer noch 50.000. Diese reichen allemal, um eine Infektion hervorzurufen. Es reicht im Prinzip auch ein Virus, weil die Vermehrung bei dieser Erkrankung in der Mundhöhle stattfindet“, erklärt Zastrow. (28.3.20)

Was ist eigentlich aus dem Gurgeln geworden, das Zastrow im April als Patentlösung propagiert hatte?

Donald Trump erhebt in der Corona-Krise abermals schwere Vorwürfe gegen China. Laut Berichten der Bild wirft der US-Präsident der chinesischen Regierung um Präsident Xi Jinping vor, die Verbreitung des Virus, dass er dabei als „Pest“ bezeichnete, nach Amerika und Europa nicht gestoppt zu haben. „Sie hätten die Pest stoppen können, sie hätten sie stoppen können, Sie haben sie nicht gestoppt“, so Trump weiter. Man hätte dafür gesorgt, die Ausbreitung des Coronavirus aus der Provinz Wuhan in andere Teile Chinas zu stoppen - nicht aber die weitere Verbreitung aufgehalten. (merkur.de 11.7.20)

Das hätte nur durch ein sofortiges Ausreiseverbot für alle Chinesen geschehen können. Aber kein Land verhängt ein Ausreiseverbot, um andere Länder zu schützen, vielmehr ist es an diesen selbst, sich durch Einreiseverbote zu schützen. Die Europäer sind noch früher von den „chinesischen“ Viren befallen worden und haben die Krise mehr oder weniger im Griff, jedenfalls viel besser als die USA mit ihrer ausgezeichneten medizinischen Forschung und klinischen Ausrüstung. Die Schuld liegt also nur bei den Politikern. Inzwischen ist auch klar nachgewiesen, daß die USA weder bei den Tests pro Million Einwohner an der Spitze liegen noch die hohe Zahl der nachgewiesenen Infektionen an der Menge der Test liegt, sondern auch relativ zur Bevölkerungszahl um ein Vielfaches höher als in vergleichbaren Staaten.


Manfred Riemer zu »Das „bilaterale Zeichen“«
Dieser Kommentar wurde am 11.07.2020 um 17.28 Uhr verfaßt.

Der Vogel fliegt am Baum mit dem Falter genauso vorbei wie am Baum ohne Falter.

Ein Zeichen, welches das gleiche bewirkt wie kein Zeichen?


Thedor Ickler zu »Zyniker Zehetmair«
Dieser Kommentar wurde am 11.07.2020 um 17.20 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=884#42399 und zum Schutz von Markennamen hier noch eine Kuriosität aus aktuellem Anlaß (Massenbesäufnis von unmaskierten Deutschen auf Mallorca):

https://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Panorama/Annette-und-Andre-Engelhardt-wurden-mit-dem-Begriff-Ballermann-reich




Theodor Ickler zu »Das „bilaterale Zeichen“«
Dieser Kommentar wurde am 11.07.2020 um 14.51 Uhr verfaßt.

Ich glaube, Sie kleben zu sehr an der Negation. Darum hatte ich mit "übersehen, übergehen" eine Brücke zu bauen versucht. Das alles ist durchaus Verhalten, und es ist der Grund dafür, daß sich die Mimikry beim "Sender" herausgebildet hat. Das Nichtwahrnehmen ist sozusagen eine "bestimmte Negation" (um mal bei nicht gerade geliebten Philosophen eine Anleihe zu machen). Anders gesagt: In der Umgebung eines Birkenspanners oder einer Stabheuschrecke gibt es unzählige Tiere und Gegenstände, die alle "nichts wahrnehmen". Aber nur die Reaktion des Freßfeindes war Auslöser der Evolution von Tarntracht. Also war es nicht nichts.


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