zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Diskussionsforum Archiv Bücher & Aufsätze Verschiedenes Impressum      

Theodor Icklers Sprachtagebuch

Die neuesten Kommentare


Sie sehen die neuesten 12 Kommentare

Nach unten

Durch Anklicken des Themas gelangen Sie zu den jeweiligen Kommentaren.


Theodor Ickler zu »Hübsch ausgedacht!«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2020 um 16.28 Uhr verfaßt.

Wie ich gerade sehe, scheint der folgende Text, der sich teilweise mit Krimms Schreiben an Martin Valeske deckt, hier noch nicht eingetragen zu sein und auch nirgendwo im Internet zu stehen:

(Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus, Frühjahr 2006, Internet)
 
Reform der deutschen Rechtschreibung

Seit dem Inkrafttreten der bis 1996 gültigen Regelungen zur deutschen Rechtschreibung von 1901/02 war – vor allem auf dem Hintergrund der Entscheidung von Einzelfällen – ein Dickicht von Sonderregelungen entstanden, das im Interesse der Schreibenden der Vereinfachung bedurfte. Das Erlernen der Rechtschreibung in den Schulen war zu kompliziert geworden. Diese Einschätzung wurde auch durch die Redaktion des Duden geteilt, die an den Beratungen zur Neuregelung teilnahm.

Ab Beginn des Schuljahres 1996/97 wurden die Neuregelungen in den Schulen ohne nennenswerte Probleme umgesetzt. Zur Beseitigung einzelner Unstimmigkeiten sowie zur Verbesserung der Akzeptanz bei den erwachsenen Schreibern bedurften jedoch einzelne Bereiche des Regelwerks – vor allem die Getrennt- und Zusammenschreibung – einer Überprüfung.

Die Kultusministerkonferenz beschloss dementsprechend im Juni 2004, einen Rat für deutsche Rechtschreibung einzusetzen; im Oktober 2004 erklärte die Kultusministerkonferenz, dass sie von dem einzurichtenden Rat entsprechend einer Beschlussfassung der Ministerpräsidentenkonferenz ggf. Änderungen in den Bereichen „Getrennt- und Zusammenschreibung, Fremdwörter, Interpunktion und Trennung“ erwarte.

Nach der Abstimmung mit den internationalen Partnern trat der Rat für deutsche Rechtschreibung am 17.12.2004 zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen; den Vorsitz übernahm Staatsminister a.D. Zehetmair. Laut Statut vom 17.06.2005 i.d.F. vom 16.01.2006 gehören zu den Aufgaben des Rats (vgl. Ziff. 1 des Statuts) insbesondere


die ständige Beobachtung der Schreibentwicklung,
die Klärung von Zweifelsfällen (der Rechtschreibung),
die Erarbeitung und wissenschaftliche Begründung von Vorschlägen zur Anpassung des Regelwerks an den allgemeinen Wandel der Sprache.

Der seit Einführung der Rechtschreibreform zum Schuljahr 1996/97 bestehende Übergangszeitraum für die Bereiche Getrennt- und Zusammenschreibung, Worttrennung und Interpunktion sowie für den Überschneidungsbereich von Getrennt- und Zusammenschreibung und Groß- und Kleinschreibung wurde in Bayern bis auf weiteres verlängert, um dem Rat Gelegenheit zu geben, Vorschläge hierzu vorzulegen. In diesem Übergangszeitraum wurden in den Schulen frühere Schreibungen nicht als Fehler gewertet, sondern als „überholt“ gekennzeichnet.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat in acht Sitzungen über die Bereiche der Getrennt- und Zusammenschreibung, Worttrennung und Interpunktion beraten und sich nach Durchführung eines Anhörungsverfahrens auf die Änderungsvorschläge verständigt, die den staatlichen Stellen nun zur Beschlussfassung vorliegen. Dazu gehören außerdem Änderungsvorschläge zur Groß- und Kleinschreibung (Einzelheiten: vgl. die als Anlage beigefügte Übersicht).

Bei den Vorschlägen des Rats handelt es sich um begrenzte Modifizierungen, insbesondere im besonders nachhaltig kritisierten Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung. Auf die wesentlichen vorgebrachten Kritikpunkte wurde eingegangen, das bisherige System der Regelung einschließlich der Zahl der Paragraphen wurde gewahrt. Der Bayerische Ministerpräsident hat bereits im letzten Jahr erklärt, den Vorschlägen des Rats folgen zu wollen; der bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus hat bei den Beratungen der KMK den Vorschlägen des Rats für deutsche Rechtschreibung zugestimmt.

Der Beschluss der KMK lautet wie folgt:

1. Die Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung bilden eine gute und tragfähige Grundlage für die Fortentwicklung der Rechtschreibung. Die Kultusministerkonferenz stimmt ihnen (vorbehaltlich der Zustimmung der Ministerpräsidentenkonferenz) zu und dankt dem Rat und seinem Vorsitzenden für die geleistete Arbeit.

2. Die Kultusministerkonferenz wird der Bundesregierung und den internationalen Partnern - den Unterzeichnern der Wiener Absichtserklärung - die gemeinsame Übernahme dieser Empfehlungen vorschlagen. Sie ermächtigt die Präsidentin, entsprechende Vereinbarungen zu unterzeichnen.

3. Die Geschäftsstelle des Rats für deutsche Rechtschreibung und das Institut für deutsche Sprache werden gebeten,

1.Regeln und Wörterverzeichnis entsprechend den Empfehlungen des Rats im Netz zugänglich zu machen und
2.die vorgelegte synoptische Übersicht in Form einer Sonderausgabe des "Sprachreports" zu veröffentlichen und als Informationsmittel insbesondere auch für die Schulen zur Verfügung zu stellen.

4. Für den Umgang mit der deutschen Rechtschreibung gelten mit Beginn des Schuljahres 2006/2007 - also ab dem 01.08. 2006 – die folgenden Bestimmungen:

(1) Die Amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung in der Fassung von 2006 ist die verbindliche Grundlage des Unterrichts an allen Schulen.
(2) Die gültige Fassung von Regeln und Wörterverzeichnis (Stand 2006) ist im Internet zugänglich.
(3) Bis zum 31.07.2007 werden Schreibweisen, die durch die Amtliche Regelung (Stand 2006) überholt sind, nicht als Fehler markiert und bewertet.
(4) In Zweifelsfällen werden Wörterbücher zugrunde gelegt, die nach den Erklärungen des Verlages der Amtlichen Regelung (Stand 2006) vollständig entsprechen.


5. Schulbücher können weiter benutzt werden; sie werden im üblichen Erneuerungsturnus ausgetauscht.

6. Die Kultusministerkonferenz hofft, dass auch die bisher kritisch eingestellten Teile der Öffentlichkeit die Umsetzung der Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung als Konsensangebot verstehen und die jetzt gültigen Regeln und Schreibweisen übernehmen. Insbesondere appelliert die Kultusministerkonferenz an alle Verlage und Publikationsorgane, sich dem im Interesse der Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung anzuschließen.

Die bayerischen Schulen werden nach Zustimmung der Ministerpräsidentenkonferenz, der Bundesregierung und der internationalen Partner rechtzeitig vor Beginn des neuen Schuljahrs die notwendigen Informationen und Hilfen für eine reibungslose Umstellung des Rechtschreibunterrichts erhalten.

Nähere Informationen sind dem Internet-Auftritt des Rats für deutsche Rechtschreibung zu entnehmen; die Adresse lautet: www.rechtschreibrat.com




Anmerkungen:

Es fällt auf, daß die Existenz und Tätigkeit der Zwischenstaatlichen Kommission völlig verschwiegen wird; damit aber auch die im Jahre 2004 wirksam gewordene erste amtliche Revision der Neuregelung.

„Im Oktober 2004 erklärte die Kultusministerkonferenz, dass sie von dem einzurichtenden Rat entsprechend einer Beschlussfassung der Ministerpräsidentenkonferenz ggf. Änderungen in den Bereichen „Getrennt- und Zusammenschreibung, Fremdwörter, Interpunktion und Trennung“ erwarte.“

Es wird verschwiegen, daß der Rat nicht an einen Themenplan gebunden war; die Nennung der Bereiche war allenfalls eine Wunschliste ohne Verbindlichkeit. Die KMK-Präsidentin ließ im Sommer 2005 auf Anfragen brieflich mitteilen:
„Sie bitten darum, dem Rat für deutsche Rechtschreibung Freiheit und Zeit zu geben. Freiheit hat er in der Tat, da er keine Vorgabe bekommen hat hinsichtlich seiner Themenwahl. Auch die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz und der Kultusministerkonferenz aus dem vergangenen Jahr sind nicht als thematische Einengung anzusehen, sondern als thematische Prioritätensetzung. In diesem Zusammenhang hat der Rat auch Zeit, denn er ist nicht gebunden, zu einem bestimmten Termin Vorschläge zu unterbreiten.“

„Der seit Einführung der Rechtschreibreform zum Schuljahr 1996/97 bestehende Übergangszeitraum für die Bereiche Getrennt- und Zusammenschreibung, Worttrennung und Interpunktion sowie für den Überschneidungsbereich von Getrennt- und Zusammenschreibung und Groß- und Kleinschreibung wurde in Bayern bis auf weiteres verlängert, um dem Rat Gelegenheit zu geben, Vorschläge hierzu vorzulegen.“

Auch diese Darstellung ist irreführend. Der Übergangszeitraum galt für die gesamte Reform, nicht nur für die genannten Bereiche. Erst im Sommer 2005 wurde für die dreieinhalb Bereiche, mit deren Bearbeitung der Rat gerade beschäftigt war, eine Fristverlängerung verordnet, während die KMK zugleich jene Bereiche, die aus Termingründen noch nicht bearbeitet waren, durch Beendigung der Übergangsfrist einer weiteren Veränderung zu entziehen versuchte.

Das Verfahren läuft darauf hinaus, daß die Rechtschreibreform an den Schulen zwar „problemlos umgesetzt“ wurde, aber leider so fehlerhaft ist, daß sie mehrmals korrigiert werden mußte. Man hat also jahrelang etwas Falsches unterrichtet, dies aber „mit gutem Erfolg“ und „ohne nennenswerte Probleme“ ...




Manfred Riemer zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2020 um 11.21 Uhr verfaßt.

Gutmenschen sind weder gute noch böse Menschen, es sind vor allem einfältige Menschen, die glauben, gut zu sein.

Darüber, wie Flüchtlinge besser behandelt werden könnten, gehen die Meinungen sehr auseinander. Viele, die das wollen, sind in meinen Augen sehr vernünftig, Gutmenschen sind allerdings auch darunter.
Organspende hat für mich erstmal nichts mit Gutmenschen zu tun, obwohl es natürlich u.a. auch Gutmenschen tun.


Germanist zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2020 um 10.08 Uhr verfaßt.

Nach meinem Verständnis gibt es nun zwei Arten von "Gutmenschen": Den bösen, der die Flüchtlinge besser behandelt haben möchte, und den guten, der seine Organe zur Verfügung stellt.


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2020 um 06.56 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#42747

Kaesers Hilflosigkeit offenbarte sich in dem plumpen Angebot eines Aufsichtsratspostens für die junge Frau. Diese freihändige Vergabe von Kontrollämtern brachte nicht nur Aktionäre auf die Palme. Kaeser blitzte auch bei der Umworbenen ab. (Sven Astheimer, FAZ 18.1.20)

Das greife ich nur wegen seiner exemplarischen Bedeutung noch einmal auf. Man kann sich über den taktischen Fehler wundern, aber er scheint weniger verwunderlich, wenn man annimmt, daß in gewissen Kreisen alles nur für eine Frage des Preise gehalten wird. Jeder ist käuflich, man muß ihm nur genug bieten. Schon immer hat ein Diogenes ("Geh mir aus der Sonne!") die Mächtigen irritiert.

Die Einladung an mich, bei der Reparatur der Rechtschreibreform mitzumachen, mußte ich mir auch gut überlegen, und tatsächlich haben manche hinterher behauptet, ich hätte die Beschlüsse des Rates (als er noch etwas bewirken konnte), "mitgetragen". Das habe ich aber, wie ich glaube, erfolgreich zurückweisen können, allerdings nur durch meinen theatralischen Austritt nebst doppelseitiger Enthüllungsstory in der FAZ: "Aus dem Leben eines Rechtschreibrates".

Ich will mich aber nicht mit den Klimaaktivistinnen vergleichen, für mich gab es ja kein Risiko.


Theodor Ickler zu »Das große Lamento«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2020 um 05.15 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=880#9817

Elf Jahre nach der flächendeckenden Einführung der Reform sagen deren Propagandisten: "Ein Jahr nach Einführung...", um dann weiterzulügen von der fabelhaften Akzeptanz usw.

Daß die Schüler "schon nach der Reform lernen", war das Hauptargument gegen die Rücknahmeforderung sofort nach dem 1. August 1996.

Daß im Jahre 2017 die Unsicherheit beseitigt sei, erfindet Eckinger mit derselben Bedenkenlosigkeit, wie die Regenbogenpresse ungestraft ihre Prominenten-Stories erfindet, weil niemand etwas anderes erwartet. Die Schulministerien haben es von Anfang an vermieden, ihr gigantisches Unternehmen von einer Erfolgskontrolle überprüfen zu lassen - es gab überhaupt keinen Plan zu einer wissenschaftlichen Begleitung. Nur Reformkritiker wie Uwe Grund haben sich überhauüpt die Mühe gemacht, und sie werden geflissentlich ignoriert.


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 19.01.2020 um 04.40 Uhr verfaßt.

Ich verstehe die Frage nicht.


Germanist zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 18.01.2020 um 16.07 Uhr verfaßt.

Ist das die Rehabilitation des "Gutmenschen"?


Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 18.01.2020 um 15.26 Uhr verfaßt.

Ich hatte versucht, eine weithin herrschende Meinung (Weltanschauung) und auch das herrschende Recht in Worte zu fassen. Meine eigene Ansicht, über die ich mir auch gar nicht ganz klar bin, interessiert hier nicht. Der Akt der Nächstenliebe ist in den letzten Tagen auch oft erwähnt worden, mit dem Hinweis, daß er der Widerspruchslösung entgegensteht. Diese besagt ja im Grunde: Dein Körper gehört der Allgemeinheit, wenn du nicht ausdrücklich widersprichst. Gegenposition: Dein Körper gehört niemandem, nicht einmal ganz dir selbst.

Wie gesagt: Ich plädiere gar nicht für eine der beiden Seiten, sondern für Zurückhaltung angesichts der Tatsache, daß man keine der beiden durchdrücken kann, ohne schweren gesellschaftlichen Unfrieden zu stiften.

Es gibt ja auch Situationen, in die man einfach nie zu geraten hoffen kann, mehr nicht.


Manfred Riemer zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 18.01.2020 um 14.58 Uhr verfaßt.

Man kann alles immer von zwei Seiten betrachten. Die einen sprechen etwas boshaft vom menschlichen Ersatzteillager, die andern sehen darin einen Akt von Nächstenliebe und Menschlichkeit.

Die Berücksichtigung des Eigenbeitrags bei der Spendenvergabe, wofür ich eintrete, führt nicht zum Ersatzteillager. Man soll sich ja schon jetzt nach dem Wunsch der Politiker bewußt und freiwillig möglichst für die eventuelle Spende entscheiden, also ist das Ersatzteillager weitgehend bereits vorhanden und akzeptiert.
Es geht jetzt nur noch um die richtige Logistik, durch die das ganze überhaupt erst funktionieren kann.

Zur Ware werden Organe nur durch kriminelle Machenschaften. Die meisten Spendewilligen bekommen nie etwas für ihre Haltung, die meisten Spendewilligen nehmen ihre eigenen Organe mit ins Grab. Von Warenhandel sind wir da weit weg.




Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 18.01.2020 um 04.30 Uhr verfaßt.

Was Sie sagen, ist sehr plausibel und entspricht einem elementaren Gerehtigkeitsempfinden. Ich will mich auch gar nicht zum Advocatus diaboli machen, sondern wiederhole nur noch einmal, daß sehr viele Menschen ein anderes Menschenbild vertreten und daß man diese (anscheinend die Mehrheit) überfahren würde, wenn man ihnen die Vorstellung aufdrücken würde, daß der menschliche Körper ein Ersatzteillager ist. Für unsereinen mag gelten "tot ist tot", aber es gilt eben nicht für jeden. Darum kommt der Verstorbene nicht in den Sondermüll usw. Vielleicht ändert sich das mal, aber zur Zeit ist es eben so.
Wir haben die Technik der Transplantation - aber darauf folgt nicht, daß nun jederzeit die Organe zur Verfügung gestellt werden müssen, wie es manche Mediziner gern hätten. "Spenderherz" - wer hätte denn bis vor wenigen Jahren gedacht, daß das überhaupt möglich ist?
Die Maßstäbe verschieben sich. So gewöhnen wir uns ja auch langsam daran, daß, wie ich mal geschrieben habe, mißliebige Menschen ("Böse"!) überall auf der Welt von Staats wegen umgebracht werden, ohne das menschenrechtlich zugesicherte Gerichtsverfahren und außerhalb von Kriegshandlungen... Sehr viele finden das richtig. Andere meinen, auch ein Hitler hätte vor Gericht gestellt werden müssen, wäre man seiner habhaft geworden. Stattdessen kehrt das Faustrecht wieder (die Negation des Rechts).


Manfred Riemer zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 17.01.2020 um 14.09 Uhr verfaßt.

Ich bin keineswegs dafür, nur dem zu spenden, der auch selbst spendet. Aber der Nichtspender muß eben merklich länger warten.

Solange es nicht genug Spender gibt, gibt es zwangsläufig harte Wartezeiten für Kranke und so manchen, der diese Zeit nicht überlebt.
Wenn zwei gleichalte Menschen mit gleichen Überlebenschancen je ein Jahr auf ein Organ gewartet haben, ist es dann gerecht, wenn der, der immer gesagt hat, ich will meine Organe nicht spenden, als erster ein gespendetes Organ bekommt, und der andere, der bereit war zu spenden, muß noch länger warten und womöglich sterben?

Das kann mir keiner erklären, das ist einfach ein Unding. Deshalb muß dringend gesetzlich sanktioniert werden, daß die eigene Spendebereitschaft auf irgend eine Weise bei der Wartezeit berücksichtigt wird.

Ich verstehe wirklich nicht, wie man das negieren und gleichzeitig die zu geringe Spendenbereitschaft beklagen kann. Wenn so ein Gesetz alle Spendenprobleme löste, wer hätte davon einen Nachteil? Selbst die Nichtspender hätten keinen, weil es plötzlich gar keine Wartezeiten mehr gäbe.



Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 17.01.2020 um 10.16 Uhr verfaßt.

Ich habe auch die längeren Artikel, die seit Jahren zum Thema erschienen, nicht gelesen, weil sie mich langweilen wie alles, wo nur Meinung gegen Meinung stehen kann.

Nachdem ich heute morgen hier meinen Eintrag verfaßt hatte, kam die FAZ ins Haus mit der Kommentarüberschrift "Nicht leichtgemacht", und das trifft es meiner Ansicht nach, auch wenn man über die Zusammenschreibung streiten könnte.
Wie schon am Beispiel der Blutspende gesagt: Körperteile sind keine Waren, eigentlich kann man nicht darüber verfügen, nicht einmal als "Inhaber". Andererseits: "Mein Bauch gehört mir" - auch in diesem Zusammenhang war das schon mal Thema. Was soll man dazu sagen? Mir fällt nichts Vernünftiges ein.

Kennen Sie das Problem der "Triage"? Auch nicht befriedigend lösbar. Selbstmord ebenso...

Zu Ihrer Anregung, nur dem zu spenden, der auch selbst spenden würde: Soll man jemanden nicht aus dem brennenden Haus retten, der selbst nicht bei der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen wollte? Vertretbar wäre es. Übrigens alles schon in der Antike durchdiskutiert worden.


Die neuesten Kommentare

Zurück zur Übersicht | nach oben


© 2004–2018: Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V.

Vorstand: Reinhard Markner, Walter Lachenmann, Jan-Martin Wagner
Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Christian Stetter.

Webhosting: ALL-INKL.COM