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Theodor Ickler zu »Kognitivismus«
Dieser Kommentar wurde am 27.01.2026 um 16.16 Uhr verfaßt.
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Ja, natürlich, der traditionelle Glaube an eine substantielle Seele ist für mich und viele andere nur noch eine historische Episode. Ich meinte auch bloß, daß er verwunderlicherweise gar nicht so alt zu sein scheint.
Steinkistengräber habe ein Loch, aus dem die Seele herausschlüpfen konnte, und bis in die Neuzeit machte man das Fenster auf, wenn jemand gestorben war.
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Manfred Riemer zu »Kognitivismus«
Dieser Kommentar wurde am 27.01.2026 um 13.53 Uhr verfaßt.
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Teil der grundlegenden Änderung ist aber auch, daß die Seele nicht mehr durchweg als Teil gilt, der sich im Tode vom Körper trennt und weiterlebt. Heute wird sie von manchen als subjektiver Teil von Lebewesen verstanden, der mit ihrem Tod mitstirbt.
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Theodor Ickler zu »Kognitivismus«
Dieser Kommentar wurde am 27.01.2026 um 09.28 Uhr verfaßt.
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„Es ist in hohem Maße verwunderlich, aber nicht im mindesten bestreitbar, daß die Psyche bei Homer im irdischen Menschendasein ganz dieselbe müßige Rolle spielt wie der Seelendämon bei Empedokles. Sie scheint nur vorhanden, um sich im Tode vom Körper zu trennen und ihn in der Unterwelt fortlebend zu überdauern. Nicht ein einziges Mal wird sie als das Agens bezeichnet, das in uns denkt, will oder empfindet.“ (Theodor Gomperz: Griechische Denker Bd. 1. 4. Aufl. Berlin, Leipzig 1922:205)
Das hat sich später bekanntlich grundlegend geändert, daher unsere heutige Verwunderung.
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Erich Virch zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 26.01.2026 um 11.31 Uhr verfaßt.
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In der Diskussion über den deutschen Krankenstand werden die Arbeitnehmenden von vielen in Schutz genommen. Von Arbeitgebenden liest man wenig.
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Theodor Ickler zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 26.01.2026 um 05.01 Uhr verfaßt.
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Ich führe meine Bemerkungen zu Kinderzeichnungen einmal zusammen:
„A child begins to draw as a normal part of his effort to explore, to manipulate, to seek order, and to control himself in his environment. (...) In summary, children’s art follows a sequential pattern of growth and development. The art of each child reflects his level of self awareness and the degree to which he is integrated with his environment.“ (Peggy Pat Martin: https://cyc-net.org/cyc-online/cycol-1201-martin.html)
Das ist eine stark interpretierende Darstellung, die ausläßt, daß Kinder nicht von selbst zu zeichnen anfangen, sondern auf Anregung der Erwachsenen und nach Bereitstellung geeigneter Materialien. Nicht das Zeichnen entwickelt sich; vielmehr gehorcht die Annäherung an die Vorgaben der Erwachsenen-Bildnerei, mit dem heute üblichen „Realismus“ als Endstufe, einer gesetzmäßigen Reihenfolge.
Auch die sogenannte Sprachentwicklung, also die Übernahme der Sprache, folgt gesetzmäßigen Stadien, die teils der Reifung und Sozialisation des Kindes entsprechen, teils einer logischen Ordnung von Implikationen. Die Anteile von spontaner Entwicklung und kultureller Übernahme lassen sich schwer trennen, weil das entscheidende Experiment sich aus moralischen Gründen verbietet: Man kann Kinder nicht ohne Anregungen zu Sprache und Bildnerei aufwachsen lassen. Zeichnungen sind im Vergleich zur Sprache wegen ihrer geringeren Komplexität besonders lehrreich, um das Ineinanderwirken von Natur und Kultur zu verstehen. In beiden Fällen folgert der Nativismus irrigerweise, das Verhalten, dessen Weitergabe universellen Mustern folgt, sei selbst angeboren.
Die Stadien der sogenannten Entwicklung kindlichen Zeichnens enden gewöhnlich in der „realistischen“ Phase, Karl Bühlers „Werkreife“, d. h. einer von den Erwachsenen festgelegten, quasi-naturalistischen oder illusionistischen Darstellung, die aber keineswegs naturgegeben und universell verbreitet ist, sondern nur ein mögliches Ziel neben anderen. Zwar wird die naturgetreue, das Auge von Mensch und Tier täuschende Abbildung schon in bekannten Anekdoten über den griechischen Maler Zeuxis und andere gefeiert, aber ein Blick auf ältere und fremdkulturelle Bilder beweist, daß es auch andere Maßstäbe gibt. Die moderne Malerei, die bis auf wenige Ausnahmen den Fotorealismus hinter sich gelassen hat und dafür besonders theorielastig geworden ist, kehrt gewissermaßen zum Mitteilungscharakter der früheren, abstrakteren Kunst zurück. (Fotos sind in Wirklichkeit nicht das Optimum illusionistischer Darstellung, da die Fotografie ohne weitere Bildbearbeitung viele „Tricks“ des Sehapparats wegläßt.) Weder Kinder noch mittelalterliche Betrachter nehmen Anstoß, wenn eine Geschichte simultan auf einem einzigen Bild wiedergegeben ist, etwa der Sündenfall oder die Passionsgeschichte. Botticelli läßt Dante und seinen Führer Vergil mehrmals auf demselben Blatt erscheinen – ein lange Zeit übliches Verfahren des bildhaften Erzählens, nicht zuletzt für ein analphabetisches Publikum. In Kinderbüchern wird es immer noch genutzt.
Höhlenmalerei ist auch nicht auf das realistische Ziel festgelegt, wird aber zu Unrecht mit kindlichen Zeichnungen in Beziehung gesetzt: „Wer sich mit Kinderzeichnungen beschäftigt, entdeckt bald das Ursprüngliche, wie es auch in den Felsritzungen und Malereien unserer Vorfahren zum Ausdruck kommt.“ Die Höhlenmaler lebten aber nicht am „Ursprung“ der Menschheit. Eine lückenhafte Überlieferung stört auch unser Bild von der technischen Entwicklung des Homo sapiens. Die Knochenflöte von Geißenklösterle mit gebohrten Grifflöchern setzt, ebenso wie die oben erwähnte noch ältere der Neandertaler, eine lange Geschichte voraus, von der wir nichts wissen. Hinter den Büffeln und vermeintlichen Strichmännchen müssen Jahrtausende malerischer Tradition gestanden haben. Sie haben nichts Kindliches. Man findet überraschend elegante naturalistische Tierbilder neben hoch abstrakten Menschendarstellungen, aber keine frühkindlichen „Kopffüßler“ (s. u.) und keine menschlichen Gesichter. Noch die ungleich jüngere griechische Kunst im geometrischen Stil (z. B. der berühmte Hirschfeld-Krater aus dem 8. Jahrhundert v. Chr.) zeigt eine Abstraktion, deren Zweck wir nicht mehr verstehen; man darf daraus weder auf ein „Menschenbild“ der Griechen schließen noch auf ihre Weise, etwa Pferde wahrzunehmen. Die strichdünnen, vollkommen unrealistischen Beine der Pferde sind andererseits genau abgezählt: zu einem Dreiergespann gehören je sechs Beine vorn und hinten. Auch die heutige Kunst verschiedener Völker, wie sie in ethnologischen Museen und auf dem Kunstmarkt (hier oft aus Massenproduktion im Stil „primitiver“ Kunst) zu sehen ist, verfolgt offenbar nicht das Ziel naturalistischer Wiedergabe. Über Kinderzeichnungen heißt es:
„Das Haus wird meist mit roten Ziegeln versehen (da auch hier die Verwendung von schwarzen Ziegeln nicht dem kindlichen Drang nach reinen und bunten Farben entsprechen würde) und der Himmel wird blau gemalt.“
Die roten Ziegel stammen offensichtlich von Erwachsenen, ebenso die braunen Baumstämme und bis zu einem gewissen Grade sogar der blaue Himmel. Sie entsprechen weder dem Interesse des Kindes noch seiner eigenen Erfahrungswelt. Allenfalls Spielzeug und Bilderbücher liefern Vorlagen. Auch die Sonne mit ihrem Strahlenkranz, die auf wenigen Kinderbildern fehlt (oft in eine obere Ecke gezwickt), beweist den fremden Ursprung dieser Malerei. Kein Kind würde von sich aus darauf kommen.
Wenn Kinder zeichnen, wandert ihr Blick nicht wie bei einem Künstler zwischen Modell und Zeichnung hin und her; man sagt daher: Sie zeichnen nicht, was sie sehen, sondern was sie wissen oder für wichtig halten – soweit sie es verstehen. Je jünger sie sind, desto „intellektueller“ malen sie. Christian Winkler untersucht das Ineinander von Zeichnen und Sprechen bei einem Sechsjährigen: „Zwei Bilderbücher von Hartmut“. In: Hermann Helmers, Hg.: Zur Sprache des Kindes. Darmstadt 1969:326–352. Wilhelm Busch reimt über die Kinderzeichnungen des werdenden Malers Klecksel:
Zwei Augen aber fehlen nie, denn die, das weiß er, haben sie
– auch in der Seitenansicht. Die Kinderzeichnung auf dem bekannten Gemälde Giovanni Francesco Carotos (1520) kommt dem heutigen Betrachter überraschend vertraut vor.
Das schematische, kaum vom Auge geleitete Vorgehen führt zu unerwarteten Schwierigkeiten:
Ein Mädchen (3;2) malt ein T nach. Der senkrechte Balken ist sehr lang; den Querbalken macht sie jedesmal zu einem undefinierbaren Bündel oder Knäuel von Linien. Das überrascht den Betrachter, der in der geometrisch extrem einfachen Vorlage keine Schwierigkeiten vermutet. Das Mädchen sieht offenbar, daß der Querstrich mit dem senkrechten verbunden ist, beherrscht aber das Konstruktionsprinzip des rechten Winkels noch nicht und zwingt die beiden Striche irgendwie zusammen. Dadurch füllt sie die Kluft zwischen zwei unverbundene Strichen und der „übersummativen“ Gestalt, die sie sieht. Voraussetzung ist wiederum, daß das Zeichnen nicht unter der Kontrolle des Blickes auf die Vorlage steht, also nicht mit jenem Hin-und-her-Blicken einhergeht, das ein Kennzeichen echter Nachahmung ist.
Typischerweise deuten kleine Kinder ihre Bilder, auf denen der Erwachsene zunächst nichts wiedererkennt, nachträglich:
Ein Mädchen (3;6) malt mit Wasserfarben ein schwarzes Rechteck in der Mitte des Blattes, umgeben von verschiedenfarbigen, annähernd rechteckigen Flecken, außen herum noch einige Streifen, bis das Blatt ausgefüllt ist. Titel: Damit das Schwarz nicht ausreißt – recht treffend, aber sicher erst nachträglich gefunden.
Die naturalistische Kunst könnte man mit der Herstellung von Attrappen vergleichen. Das geht grundsätzlich über eine „Wiedergabe“ des Gesehenen hinaus und ist der frühen Kindheit offenbar fremd. (Die Tricks, die man in Zeichenkursen lernt, um im Betrachter schließlich die perfekte Illusion zu erzeugen, scheinen zunächst weit vom naiven Zeichnen wegzuführen. Solche Umwege zu beherrschen setzt viel Erfahrung und Disziplin voraus.) Der erwachsene Beobachter wundert sich über eine gewisse Diskrepanz zwischen der sonstigen feinmotorischen Geschicklichkeit des Kindes und der Unbeholfenheit seiner Zeichnungen. Wenn das Kind im vierten Lebensjahr gegenständlich zu zeichnen beginnt, ist es schon eine Leistung, Mund und Augen wenigstens innerhalb des Gesichtsumrisses unterzubringen. Es folgen die bekannten Kopffüßler: „Warum bei diesen frühen Menschendarstellungen regelmäßig der Rumpf fehlt, obwohl schon sehr viel jüngere Kinder wissen, dass es einen Bauch gibt, und diesen an sich selbst und anderen auch zeigen können, ist umstritten.“ (Wikipedia „Kinderzeichnung“) Hierher gehört die Beobachtung, daß schon Kinder von eineinhalb Jahren auf sich selbst in Brusthöhe zeigen. Auch die Strahlenbüschel, die an den tellerförmigen Händen die Finger darstellen sollen, sind nicht mit der Tatsache zu vereinbaren, daß die gleichen Kinder oft mindestens bis zehn zählen und auch Dinge abzählen können. Wenn wir finden, daß die zeichnerischen Fähigkeiten der Kinder hinter ihrer sonstigen Entwicklung zurückbleiben, während die sprachlichen Fähigkeiten ihr angeblich vorauseilen, beweist das nur, daß wir etwas Grundlegendes noch nicht verstanden haben.
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Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 25.01.2026 um 05.46 Uhr verfaßt.
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Man kann nicht zwei Herren dienen, der Geschlechtergerechtigkeit und der Lesbarkeit. Das geben die Vertreter des Genderns ja auch zu, wenn sie „im Sinn der Lesbarkeit“ darauf verzichten.
Ob die Leichte Sprache leichter verstanden wird, ist so wenig überprüft worden wie die Frage, ob das Gendern den Frauen usw. nutzt. Man zieht sich gewöhnlich darauf zurück, die Maßnahme habe unser Bewußtsein für die Probleme geschärft. Das kann man immer sagen. Müll auf der Straße schärft unser Umweltbewußtsein.
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Theodor Ickler zu »Delirium«
Dieser Kommentar wurde am 25.01.2026 um 04.44 Uhr verfaßt.
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Wieder mal eine Seite über Carl Schmitt, diesmal in der Süddeutschen Zeitung: Lehrmeister von Putin usw. – eine Schmitt-Renaissance zeichne sich ab. Die Hauptthesen werden referiert. Es läuft immer auf eine Feier seiner intellektuellen Brillanz hinaus, bei aller Anrüchigkeit. Aber was ist denn nun das Große am Weisen von Plettenberg? Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=783#32631, http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1540#54521 usw.
Da es stets Wiedergänger des Führers geben wird, gibt es auch immer Schmitt-Renaissancen.
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Manfred Riemer zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 25.01.2026 um 00.05 Uhr verfaßt.
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Sehr gut, Herr Metz! Ich hätte dieses "zwischen A sowie B" wahrscheinlich gar nicht bemerkt, aber es ist natürlich kein Deutsch. Ein sehr schönes Beispiel für die blindwütige Genderei!
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Wolfram Metz zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 24.01.2026 um 23.19 Uhr verfaßt.
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Die Berliner Verwaltung möchte künftig verständlicher kommunizieren. Helfen soll dabei künstliche Intelligenz. Mit einer neuen Software sollen künftig Texte in leichtere oder bürgernahe Sprache übersetzt werden können.
»Das macht Verwaltungshandeln transparenter und verständlicher und hilft damit, unnötige Barrieren zwischen Behörden sowie Bürgerinnen und Bürgern abzubauen«, erklärte die Staatssekretärin für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung, Martina Klement.
(spiegel.de, 23.1.26)
Das Zitat ist vielsagend. Die unnötigste aller sprachlichen Barrieren zwischen Behörden und Bürgern ist die stumpfsinnige Durchsexualisierung sämtlicher Behördentexte. Dafür ist man aber blind, weil das Gendern aus ideologischen Gründen sakrosankt ist. Man bemüht sich um mehr Verständlichkeit, klammert aber eine bestimmte Kategorie von verständniserschwerenden Marotten von vornherein aus, weil das politisch so gewollt ist.
Man kann sich denken, wie der zitierte Satz zustande gekommen ist. Aus dem auf Anhieb verständlichen »Barrieren zwischen Behörden und Bürgern« wurde im ersten Gedankenschritt »Barrieren zwischen Behörden und Bürgerinnen und Bürgern«. Im zweiten Schritt wurde die offenbar als unschön empfundene Wiederholung von »und« beseitigt, indem das erste »und« durch »sowie« ersetzt wurde. Vielleicht wollte man die etablierte Paarformel »Bürgerinnen und Bürger« nicht verfremden. Das Ergebnis ist eine vollkommen überflüssige und ärgerliche Stolperfalle. Es kann keine Barriere zwischen A sowie B geben, auch nicht zwischen A sowie B und C. Ein Konflikt zwischen ihr sowie ihm? Die Begegnung zwischen Schalke sowie Dortmund? Die Entfernung zwischen Hamburg sowie München? Nein, das sagt man nicht. Wenn das Gendern mit sprachlicher Sensibilität zu tun haben soll, wieso haben seine Verfechter dann überhaupt keine Antenne für solche groben Schnitzer? Und warum glauben sie, ihren Lesern, denen sie das Verständnis der amtlichen Texte erleichtern wollen, so etwas zumuten zu können oder besser zu müssen?
Natürlich muß die Verwaltungssprache vereinfacht werden. Das ist aber nicht so leicht, wie viele meinen. Bestimmte Fachbegriffe können nicht vermieden werden, ohne daß der Textinhalt verfälscht wird; sie müßten eventuell erklärt werden. Das Passiv ist nicht per se schwer verständlich. Im Gegenteil, Aktivkonstruktionen sind oft unnötig umständlich, weil sie die Handelnden (womöglich auch noch in allen Geschlechtsvarianten) explizit benennen müssen, auch wenn diese für die Satzaussage uninteressant sind. Und sind »der Stell-Vertreter von dem Bundes-Kanzler« und »die Frau von dem Bürger-Meister« wirklich leichter zu verstehen als »der Stellvertreter des Bundeskanzlers« und »die Frau des Bürgermeisters«?
Nun soll also die KI dabei helfen, die Behördentexte verständlicher zu machen. Soll man machen. Aber wäre es nicht sinnvoller, vorher anzusetzen und von vornherein bessere Texte zu schreiben, als weiter unverständlich zu formulieren und dann eine Maschine, von der man nicht weiß, wie sie funktioniert, den absehbaren Schaden abwenden zu lassen?
Inwiefern die Verwaltung in der Hauptstadt auch überlegt, in Schreiben und anderen Texten direkt verständlicheres Deutsch zu verwenden, ist nicht bekannt.
Klar und verständlich zu schreiben will gelernt sein. Wer lehrt es heute noch? Und man muß es immer und immer wieder üben. Ich bin davon überzeugt, daß man mit Schneider oder Ickler besser bedient ist als mit starren und nur schwach begründeten Regeln à la »Leichte Sprache« oder dem Hinweis auf abstrakte und letztlich praxisuntaugliche Sprachniveaustempel wie A1 und A2.
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Theodor Ickler zu »Was macht eigentlich ...«
Dieser Kommentar wurde am 24.01.2026 um 18.19 Uhr verfaßt.
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Die Germanistin Elisabeth Leiss ist kürzlich verstorben. Wir waren vor langer Zeit locker mit ihr befreundet. Für unser Thema Rechtschreibreform kommt ein Pamphlet in Betracht, das sie 1997 zusammen mit ihrem damaligen Ehemann veröffentlicht hat: "Die regulierte §chrift: Plädoyer für die Freigabe der Rechtschreibung". Erlangen, Jena, in der gleichen Reihe wie mein "Kritischer Kommentar". Leider hat Frau Leiss sich nicht gründlicher mit dem Gegenstand beschäftigt, vielmehr polemisiert sie aus irgendwelchen Gründen gegen die Reformkritiker, wobei besonders ihr Erlanger Lehrer Munske sich getroffen fühlen mußte. Der Text wirkt sprunghaft, assoziativ, aber auch naiv und ist von vielen Irrtümern durchsetzt. Er hat weiter keine Beachtung gefunden, darum will ich meine inhaltlichen Notizen dazu hier nicht ausbreiten.
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Theodor Ickler zu »Der bitterböse Friederich«
Dieser Kommentar wurde am 24.01.2026 um 04.35 Uhr verfaßt.
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Es muß nicht gleich ein Panther sein, auch eine Hauskatze kann einen auf Gedanken bringen. Katzen sitzen gern da und beobachten, sie laufen weniger als Hunde explorierend und schnüffelnd herum. Wenn man vorbeigeht, folgen sie einem mit den Augen, bis man außer Sichtweite ist. Sie wirken unheimlicher als die treu-doofen Hunde mit ihrem Gebell. Man versteht, warum Katzen und nicht Hunde die Begleiter von Hexen (oder diese selbst) sind. Was sehen sie, was denken sie? Wenn es keine solchen Sensationen gibt, schlafen sie bald ein. Die Trägheit entspricht ihrer Lebensweise, sie jagen ja auch durch Auflauern, nicht wie die Hunde durch Hinterherrennen. Ein Gepard ist nach 20 Sekunden Hetzjagd so erschöpft, daß er sich länger ausruhen muß, bevor er fressen kann (falls ihm die Hyänen die Gelegenheit dazu lassen).
„Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.“
So ähnlich wird es wohl sein.
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Theodor Ickler zu »Orthografie«
Dieser Kommentar wurde am 23.01.2026 um 08.06 Uhr verfaßt.
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Duden empfiehlt "Orthografie", will also das Debakel der Rechtschreibreform auch in diesem Bereich verewigen. Ist für Schüler "graphie" schwieriger als "ortho"? S. auch den Haupteintrag.
Auch mit dieser halben Integration sichern die Deutschen ihre Alleinstellung, wie überhaupt mit der schwachsinnigen Rechtschreibreform.
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