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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 18.09.2020 um 12.18 Uhr verfaßt.

Der patriotische Geschichtsunterricht, den Trump jetzt an amerikanischen Schulen einführen will, erinnert mich stark an die "Schlußstrich-Debatte", die mich mein ganzes bewußtes Leben lang begleitet hat. In den letzten Jahren war sie abgeflaut, ist dann von der Rechten ein wenig wiederbelebt worden ("Vogelschiß"), wurde zum Teil auch überlagert von der deutschen Wiedervereinigung samt neuem Schlußstrich vs. Vergangenheit, die nicht vergehen will.

Volkserziehung durch Geschichtsschreibung ist aus kommunistischen Diktaturen bekannt, aber auch Indien leistet sich neuerdings Krasses zwecks Marginalisierung der Muslime und des westlichen Einflusses.


Theodor Ickler zu »Lectio facilior«
Dieser Kommentar wurde am 18.09.2020 um 04.18 Uhr verfaßt.

Trump also said repeatedly that the virus would ultimately go away thanks to “herd mentality”. It was unclear whether he meant to say “herd immunity”. (Guardian 16.9.20)


Theodor Ickler zu »Buchtitel«
Dieser Kommentar wurde am 18.09.2020 um 04.10 Uhr verfaßt.

Zahavis bekanntestes Buch heißt informativ: The handicap principle: a missing piece of Darwin´s puzzle. Das war dem Insel-Verlag nicht gut genug: Signale der Verständigung. Das Handicap-Prinzip.
Was hat man sich dabei gedacht? Signale der Verständigung... So schräg geht es an keiner Stelle des Buchs zu.

(Übrigens: https://archive.org/details/handicapprincipl0000zeha)



Theodor Ickler zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 17.09.2020 um 15.49 Uhr verfaßt.

Es ist alles nicht so schlimm gekommen wie vorausgesagt. Die staatlichen Stellen vernebeln die wirklich relevanten Zahlen, aber Stefan Aust „fischt sie heraus“. Danke, Querdenker (Opfer des Präventionsparadoxes)!

Die Erlanger sind vernünftige Menschen. Auf dem Markt stehen eine Handvoll Querdenker mit einem Megaphon. Niemand beachtet sie. Sie wissen zum Beispiel, zu welchem Arzt man gehen und was man dort sagen muß, um ein Attest zu bekommen, das einem das Maskentragen erspart.


Theodor Ickler zu »Die Tyrannei des Vermeintlichen«
Dieser Kommentar wurde am 17.09.2020 um 15.31 Uhr verfaßt.

Die Leserin geht darüber hinweg, daß schon lange niemand mehr von "Irrenhäusern" usw. spricht. Was will man eigentlich mehr? Manche Sprachkritik ist so, na ja, so irre, daß man nur noch fragen kann, was für den Kritiker dabei herausspringt.
Das Tilgen von Wörtern aus jedem Gebrauch, nur weil sie in einem bestimmten Gebrauch anstößig sind, ist archaisch; es entspricht dem klassischen Tabu.


R. M. zu »Die Tyrannei des Vermeintlichen«
Dieser Kommentar wurde am 16.09.2020 um 14.57 Uhr verfaßt.

Die Formulierung »irre Verschwörungstheorien« wurde gewählt, weil »Verschwörungstheorien« allein nicht mehr pejorativ genug wäre. Allerdings hilft es nichts, und es wird auch nichts helfen, mißliebige Auffassungen (um mehr handelt es sich ja gewöhnlich nicht) künftig als »komplett irre Verschwörungstheorien« zu bezeichnen.


Theodor Ickler zu »Die Tyrannei des Vermeintlichen«
Dieser Kommentar wurde am 16.09.2020 um 05.56 Uhr verfaßt.

Eine Leserin rügt die SZ, weil sie von „irren Verschwörungstheorien“ gesprochen hatte. „Irre“ sei pejorativ für „psychisch krank“. „Damit diskriminiert man psychisch Kranke.“ Die Zeitung solle das Wort streichen.
Kann man sich wenigstens noch irren und andere irreführen? Sind die Verschwörungstheoretiker psychisch krank?


Theodor Ickler zu »Vormachen und Nachmachen«
Dieser Kommentar wurde am 15.09.2020 um 17.27 Uhr verfaßt.

Unbekannte Schriftzeichen kann man nicht abschreiben, nur abmalen. Dabei kommt es – aus der Sicht des Beobachters, der die Schrift kennt – zu Überimitationen. Jeder "Zufallsschnörkel" wird wiedergegeben, auch wenn er nicht funktional ist. Aber bitte sehr; die bekannte chinesische Standardschrift gibt auch noch die zufälligen Eigenheiten der Pinselschrift wieder; Verdickungen, An- und Absetzen des Pinsels usw., ganz abgesehen von den allgemeinen Zügen wie Bevorzugung von eckigen gegenüber runden Strichen.


R. M. zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 14.09.2020 um 20.52 Uhr verfaßt.

Langweiligkeit ist eben ansteckend.


Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 14.09.2020 um 18.58 Uhr verfaßt.

Wie es der Zufall will, gilt der Leitartikel der heutigen SZ dem "Typus Merkel" – in Weberschen Begriffen ("Politik als Beruf"). Man glaubt es schon hundertmal gelesen zu haben.


Manfred Riemer zu »Zahlenblind«
Dieser Kommentar wurde am 14.09.2020 um 14.47 Uhr verfaßt.

Ich denke, in erster Näherung kann man davon ausgehen, daß Nichtwähler bei gesetzlicher Wahlpflicht etwa genauso wählen würden wie die freiwilligen Wähler. Natürlich mit leichten Abweichungen, denn unter ihnen sind wahrscheinlich mehr Wähler von Randparteien und weniger der traditionellen Parteien in der Mitte als unter den freiwilligen. Aber diese Näherung wäre genauer als wenn man alle Nichtwähler einfach zu Protestwählern erklärte. Die meisten sind einfach zu träge zum Wählengehen. Das Wahlergebnis würde sich also kaum sehr viel ändern, die CDU hätte nicht 17, sondern läge weiterhin nahe bei 34 Prozent.


Theodor Ickler zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 14.09.2020 um 09.10 Uhr verfaßt.

Auch die wirklichen Zeichen haben eine natürliche („physische“) Beziehung zum gesteuerten Gegenstand, aber sie ist „historisch“ vermittelt und im Laufe der Zeit immer indirekter geworden. Der Schlüssel paßt noch ins Schloß, aber der Öffnungsmechanismus kann sich von der physischen Übertragung der manuellen Kraft entfernt haben – hin zur „Information“ auf einer Transponder-Karte. Der Fliehkraftregler wirkt mechanisch auf das Ventil, der Bimetallthermostat nutzt zusätzlich die Wärmeausdehnung; man kann die Steuergröße aber auch messen und digital weiterverarbeiten. Dem genetischen Code, der letzten Endes chemisch wirkt, kann man nicht mehr ansehen, was er eigentlich steuert. Wie die Buchstaben eines Textes folgen die Moleküle der Erbsubstanz gleichförmig aufeinander.
So auch die Sprache, besonders in ihrer schriftlichen Form. Ob ein Text „Emotionen“ weckt, ist ihm zunächst nicht anzusehen. (Friedrich Kainz III 432ff. zieht daraus einen Einwand gegen die James-Langesche Theorie der Emotionen: Das Entschlüsseln der Wortbedeutungen sei "cortikal", sie sprächen nicht wie primärer Gefühlsausdruck unmittelbar das Stammhirn an. Das ist ein anderer Ausdruck für die Arbitrarität der Zeichen, ihre "Intellektualisierung" gewissermaßen, oder eben der Unterschied zwischen Blaupause und Rezept...)


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