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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Umfragen II«
Dieser Kommentar wurde am 14.11.2018 um 07.21 Uhr verfaßt.

In der FAZ vom 14.11.18 nimmt Wolfgang Krischke die "Studie" auseinander. Das wird allerdings die Gläubigen nicht verunsichern. (Das "Kompetenzzentrum" in Leipzig gehört zur Theologischen Fakultät.)


Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 14.11.2018 um 07.04 Uhr verfaßt.

Die Psychoanalyse wird in deutschen Medien so schonend behandelt wie sonst nur noch die Religion. Über Bücher und Kongresse von Psychoanalytikern berichten stets Angehörige der psychoanalytischen "Kirche" (diese Einschätzung stammt nicht von mir, sondern aus dem Kreise selbst): Caroline Neubaur, Andreas Mayer. So in der heutigen FAZ, die im Hochschulteil auch gleich noch ein Plädoyer für die Psychoanalyse enthält. Die umfassende kritische Literatur insbesondere aus der angelsächsischen Welt findet in solchen Zeitungen keinerlei Echo. - Man ist eben spirituell, das schließt vieles ein.


Theodor Ickler zu »Euphemismen«
Dieser Kommentar wurde am 14.11.2018 um 05.25 Uhr verfaßt.

Was wir gewissermaßen als Seismographen des gegenwärtigen Sprachgebrauchs aufzeichnen sollten, weil solche Dinge schon wenige Jahrzehnte später einfach nicht mehr rekonstruiert (nachgefühlt) werden können, sind die Nebentöne. Gestern habe ich im Radio bis zum Überdruß hören müssen, auch die evangelische Kirche wolle ihre Fälle "sexualisierter Gewalt" aufarbeiten. Die Willfährigkeit, mit der dieses künstliche Wortgebilde zur Norm gemacht und flächendeckend befolgt wird, erregt bei mir starken Ekel. So auch die Willfährigkeit offiziöser Organe wie der Wikipedia (sie hat - als modernes Universallexikon schlechthin - normative Wirkung; auch ihre strikte und schleunige Umstellung auf Reformschreibung ist in Erinnerung zu rufen).


R. M. zu »Euphemismen«
Dieser Kommentar wurde am 13.11.2018 um 23.12 Uhr verfaßt.

Schon die Verkürzung auf Kristallnacht war eine Lüge, denn der Hohn des Begriffs Reichskristallnacht speist sich ja gerade aus dem offiziösen Reichs-. Aber solche Dinge sind den Wortingenieuren natürlich zu hoch.


Manfred Riemer zu »Euphemismen«
Dieser Kommentar wurde am 13.11.2018 um 22.51 Uhr verfaßt.

Es mag sein, daß das russische Wort pogrom eine solche Entwicklung oder Interpretation erfahren hat, aber es besteht natürlich aus dem Präfix po- und dem Wort grom = Donner, also ganz wörtlich ist ein Pogrom sowas wie ein Donnerwetter, was dann halt manche auch wieder als Verharmlosung sehen.

Ich kenne nicht die Wurzel der deutschen Wörter grummeln, grollen, aber es würde mich nicht wundern, wenn sie etwas mit dem russische grom zu tun hätten. Zumindest stellt Paul bei beiden auch die Verbindung zu Donner her.


Germanist zu »Euphemismen«
Dieser Kommentar wurde am 13.11.2018 um 16.44 Uhr verfaßt.

russ. Pogrom = Blutbad (Langenscheidt)


ppc zu »Umfragen II«
Dieser Kommentar wurde am 13.11.2018 um 15.50 Uhr verfaßt.

Fehlt nur noch die Amadeo Hust Antonio Hust Stiftung, mit dem amtlichen Deppen Leer Zeichen.



Manfred Riemer zu »Euphemismen«
Dieser Kommentar wurde am 13.11.2018 um 14.42 Uhr verfaßt.

Siehe z.B. https://www.deutschlandfunk.de/nachgefragt-warum-ist-der-begriff-kristallnacht-verschwunden.2852.de.html?dram:article_id=432858

Da steht u. a., daß auch Progrom als verharmlosend gesehen werden könnte und daß das angeblich verharmlosende Kristallnacht wohl nicht von den Nazis, sondern vom Volksmund geprägt wurde und international immer noch benutzt wird. Es ist immer dasselbe mit den Versuchen einer politisch korrekten Sprechweise. PC wird nie funktionieren.


Theodor Ickler zu »Euphemismen«
Dieser Kommentar wurde am 13.11.2018 um 12.05 Uhr verfaßt.

Wikipedia bucht jetzt die Reichskristallnacht unter "Novemberpogrome", einer Erfindung von ganz korrekten Besserwissern.
Ich habe mich schon als Schüler, über den unbefriedigenden Geschichtsunterricht hinaus, mit dem Dritten Reich beschäftigt, und "Kristallnacht" hat sich für mich durchaus mit dem ganzen Schrecken verbunden, wie er nun einmal stattgefunden hat. So auch in den seltenen Erzählungen der Zeitzeugen.
Man setzt eine weitgehende Geschichtsvergessenheit voraus, wenn man unterstellt, jemand könnte mit dem Ausdruck etwas Putziges verbinden.
Außerdem kann ich mich nicht davon befreien, in "Pogrom" die slawische Herkunft zu spüren, und das ist mir fast so unangenehm wie das religionswissenschaftlich-griechisch-römische "Holocaust".


Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 13.11.2018 um 11.57 Uhr verfaßt.

Michael Wolfssohns Beitrag in der heutigen FAZ (über die Einbeziehung der deutschen Muslime in ein neues "Wir" usw.) wird wohl Diskussionen auslösen, aber die Erinnerung an historische Gemeinsamkeiten im Guten wie im Bösen ist sinnvoll, weil man davon tatsächlich fast nie etwas hört.


Theodor Ickler zu »Das „bilaterale Zeichen“«
Dieser Kommentar wurde am 13.11.2018 um 09.49 Uhr verfaßt.

Immer ältere gegenständliche Felszeichnungen werden entdeckt. Wir wissen nicht und werden nie eindeutig wissen, welche Funktion sie hatten. Darum können wir auch nicht sagen, ob es Zeichen waren. Zunächst ist jede figürliche Darstellung eine Simulation, ein Als-ob. Man könnte davor "in effigie" gewisse Riten ausgeführt haben, "als ob" es sich um die dargestellten Wesen handelte. Das wäre eine magische Praxis. So betet man vor Ahnen- oder Heiligenbildern.

Magisch ist auch das Sprachtabu und auf der anderen Seite das erwünschte Herbeirufen eines Wesens durch Aussprechen seines Namens. Überschneiden sich magische und Zeichenfunktion, oder ist die eine in der anderen enthalten? Verwandt ist die Mimikry, deren semiotische Einordnung auch noch umstritten ist.


Theodor Ickler zu »Tintenkuli«
Dieser Kommentar wurde am 13.11.2018 um 09.19 Uhr verfaßt.

Marken und Markennamen gehören zu unserem Alltag, sehr sogar. Ihre Verwendung in Romanen kann Schleichwerbung sein, andererseits wäre es unrealistisch, sie ganz zu vermeiden. Das wäre wie die Postkarten- und Kalenderbilder, die ein völlig entindustrialisiertes Deutschland zeigen. Die Frage wird meistens unter rechtlichen Gesichtspunkten erörtert, hat aber auch eine ästhetische Seite. (Wie das unentgeltliche Herumtragen der Marken auf Textilien usw.)

Automarken werden praktisch immer genannt, haben fast generischen Charakter; außerdem kennzeichnen sie den Typen, der sie fährt.

Manchmal schauen die Helden zu oft auf ihre Rolex. Cormoran Strike (Rowlings Serienheld) raucht eine Benson & Hedges nach der anderen. Seine Ex riecht nach Shalimar, seit sie neunzehn wurde. Das könnte die Fans dazu bringen, dieselbe Marke zu rauchen, das Parfum eher zu meiden.


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