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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Bilder«
Dieser Kommentar wurde am 08.12.2019 um 08.04 Uhr verfaßt.

„Die SPD muss der Betriebsrat der digitalen Gesellschaft sein“, rief Parteichefin Esken in den Saatl – und begab sich damit selbst in jene subalterne Rolle, die ihre Partei in deren langer Geschichte stets abgelehnt hatte. (FAS 8.12.19)

Das Bild ist auf katastrophale Weise treffend, weil die SPD sich nicht erst jetzt mehr mit dem Umverteilen des Geldes als mit dessen Erwirtschaftung beschäftigt. Und das nicht unter dem Motto „Wohlstand für alle“, sondern „soziale Gerechtigkeit“ (man denkt auch an den Untergeher Martin Schulz). Es macht nichts, wenn die Leute arm sind, solange alle gleich arm sind.

Die neueste Idee ist: höherer Mindestlohn als Klimapolitik. Denn dann können alle sich höhere Benzinpreise leisten. Logisch.


Theodor Ickler zu »Pädagogik vom Tage«
Dieser Kommentar wurde am 08.12.2019 um 07.00 Uhr verfaßt.

Zur "Kompetenzstelle Orthografie" findet man hier das gesamte Konzept der KMK, in gewohnt blumiger Sprache:

https://kultusministerium.hessen.de/presse/pressemitteilung/zehn-grundsaetze-fuer-mehr-bildungsgerechtigkeit
=
https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/gutes-deutsch-bessere-chancen-10-grundsaetze-fuer-mehr-bildungsgerechtigkeit.html

Rechtschreibung ist nur ein Nebenthema, aber es ist doch bezeichnend, daß die Lehrer nach der "Vereinfachung" nicht mehr imstande sind, Kindern das Schreiben beizubringen, sondern selbst Nachhilfe brauchen.


Theodor Ickler zu »Neuerdings zusammen«
Dieser Kommentar wurde am 08.12.2019 um 04.39 Uhr verfaßt.

Das Kuckucksei, das Eisenberg dem Rat ins Nest gelegt hat, liegt dort immer noch. Die Wörterbuchredakteure bei Duden, falls es nach dem Kahlschlag noch welche gibt, haben nichts zu lachen. Soweit bekannt, auch nach Durchsicht der Protokolle, hat der Rat die exzessiven Eisenbergschen Zusammenschreibungen nicht beschlossen. Sie müssen durch die Geschäftsführung aus Eisenbergs Entwürfen unmittelbar in die revidierte Neuregelung eingeschleust worden sein. Es ist aber auch nicht bekannt, daß irgendwer im Rat dagegen Einspruch erhoben hätte. Seit meinem Ausscheiden interessiert sich niemand mehr für so etwas.



Theodor Ickler zu »Neues aus dem Rat«
Dieser Kommentar wurde am 08.12.2019 um 04.27 Uhr verfaßt.

Manches sieht man nach 14 Jahren mit anderem Blick. Aus http://www.sprachforschung.org/index.php?show=news&id=303#1594:

Zehetmair zur Themenbegrenzung (Stuttgarter Zeitung, 26.07.2005):

Vermutlich gibt es im nächsten Frühjahr ein vorläufiges Endergebnis. Der Rat wird dann weitere fünf Jahre in der Stille arbeiten.

Was heißt das?

In der zweiten Phase werden wir nichts Spektakuläres bringen. Die Sprache ist dann so weit im Lot. Wie früher werden wir dann alles mit den Verlagen besprechen, sodass die ein oder andere Fortschreibung erfolgt.


Der Rat wußte nicht, daß "alles mit den Verlagen besprochen" wurde. Er glaubte und glaubt bis heute, selbst über seine Themen zu verhandeln. Unterdessen sind "wir" anderweitig beschäftigt. Ich hatte mal zufällig herausgefunden, daß die Geschäftsführerin sich ohne Wissen des Rates mit den drei Wörterbuchredaktionen getroffen hatte; das gab einigen Ärger.

An wessen Fäden die wandernde Narrentruppe geführt wird, weiß sie nicht.

Seit Frau Krome Geschäftsführerin ist, sind die Interessen von Bertelsmann ebenso verwaist wie die der Saarbrücker Sprachtechnologie. Es bleibt abzuwarten, wie sich das auf die Tätigkeit des Rates auswirkt.




Chr. Schaefer zu »Wie geht es weiter?«
Dieser Kommentar wurde am 08.12.2019 um 00.58 Uhr verfaßt.

Manfred Pinkal, der sich selbst als "Initiator und Mitgründer der Firma CLT Sprachtechnologie, Saarbrücken" bezeichnet (http://www.coli.uni-saarland.de/~pinkal/de/page.php?id=cv), gibt auf der Website der Universität des Saarlandes (http://www.coli.uni-saarland.de/~pinkal/de/page.php?id=projects) an:


Forschungsinteressen

- Akquisition großer semantischer Resourcen [sic!]

- Integrierte tiefe und flache semantische Verarbeitung

- Diskurs Semantik [sic!]

- Textuelle Inferenz

- Fortgeschrittene Technologien für den Sprachdialog


Darunter kann man alles oder nichts verstehen.


Was die Ergebnisse des Projektes "Schreibgebrauch" betrifft, so müßte man Herrn Pinkal, Frau Güthert oder Frau Krome wohl direkt ansprechen. Ich vermute aber, daß man von diesen Personen keine nachprüfbaren Informationen erhalten dürfte, denn wer setzt schon seinen Arbeitsplatz aufs Spiel, um einzugestehen, daß hier wohl in erheblichem Ausmaß Steuergelder verschwendet wurden. Wenn man die Website des "Schreibgebrauch"-Projektes zugrundelegt, ist es nach Ablauf der Förderperiode durch den Bund 2016 beendet worden, wie es so vielen derartigen Projekten ergeht. Im Impressum ist das IDS als für die Website verantwortlich angegeben.


Über das Internet-Archiv (www.archive.org) kann man die Metamorphosen der Unternehmenswebsite von CLT (und damit auch des Unternehmens selbst) übrigens sehr gut nachvollziehen. Sehr interessant, selbst wenn man die unappetitlichen Begleitumstände ignoriert. Der Begriff "Trittbrettfahrer" drängt sich geradezu auf, vor allem wenn man bedenkt, daß Prof. Pinkal keine Variante der deutschen Orthographie zu beherrschen scheint.


Theodor Ickler zu »Neues aus dem Rat«
Dieser Kommentar wurde am 07.12.2019 um 14.59 Uhr verfaßt.

Die neue Korpus-Orientierung steht im Gegensatz zur ursprünglichen Absicht der Reformer, „die Regeln zu stärken“, d. h. Ausnahmen von den Regeln zu beseitigen, die die Reformer hinter dem Schreibbrauch erkannt zu haben glaubten oder für leichter lernbar hielten, auch wenn sie ungebräuchliche Schreibweisen erzeugten.
Da sie sich in beiderlei Hinsicht immer wieder irrten, ist die Neuregelung von 1996 so mangelhaft ausgefallen und konnte das Schreiben nicht erleichtern. Die gesamte Reparaturarbeit, die immer noch nicht abgeschlossen ist, will sich scheinbar ganz harmlos wieder mehr am Schreibbrauch orientieren. Das ist in Wirklichkeit eine Kehrtwende um 180 Grad und hätte eigentlich zur Rücknahme der ganzen Reform führen müssen – hin zu einer Überarbeitung des alten Duden. (Genau das habe ich in meinem Rechtschreibwörterbuch versucht.)
Irrig ist natürlich schon die Ansicht, daß das Schreiben nach „Regeln“ gelernt wird. Kein Rechtschreibunterricht kann das ausgedehnte Lesen ersetzen. (Wobei es übrigens völlig egal ist, ob die Texte reformiert gedruckt sind oder nicht; die einzige Unsicherheit, die entstehen könnte, betrifft ein paar Wörter mit ß/ss. Das fällt gegenüber der ungeheuren Menge anderer Wortschreibungen nicht ins Gewicht.)
Übrigens hat die zivilisierte Menschheit immer gewußt, daß Diktate die Methode der Wahl sind, um den Fortschritt des Rechtschreibens zu messen.


R. M. zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 07.12.2019 um 10.50 Uhr verfaßt.

Beatrice Prima?


Theodor Ickler zu »Pädagogik vom Tage«
Dieser Kommentar wurde am 07.12.2019 um 09.07 Uhr verfaßt.

Noch immer glauben die Schulpolitiker in der "Methode Schreiben nach Gehör" den Schuldigen entdeckt zu haben (Bericht von Heike Schmoll in der FAZ vom 7.12.19). Wenn diese "Methode" erst überall verboten ist, werden die Rechtschreibleistungen wieder besser werden. Heilige Einfalt!

Wo wird denn nach dieser Methode unterrichtet, und wo könnte man auf das Schreiben nach Gehör ganz verzichten? Was wird aus dem ersten Kapitel der Neuregelung ("Laut-Buchstaben-Beziehungen")?

Mit Interesse lesen wir auch, daß in Hessen eine "Kompetenzstelle Orthographie" geschaffen worden ist. Hoffentlich ist sie auch kompetent. (Wer dieses Schlagwort nicht unterbringt, bekommt kein Geld.)

Der Rechtschreibrat ist anscheinend nicht beteiligt, wohl aber die Stiftung Polytechnische Gesellschaft, die bisher durch Veranstaltung der Duden-Werbung-Diktatwettbewerbe bekannt geworden ist.


Theodor Ickler zu »Jede und jeder«
Dieser Kommentar wurde am 07.12.2019 um 08.22 Uhr verfaßt.

Ratsmitglied Beatrice Primus ist verstorben, der Rat widmet ihr einen Nachruf.
Ist „Prof’in“ regelkonform? Man findet es auch mit Abkürzungspunkt: „Prof.’in“.
Anscheinend soll auch die einzelne Professorin noch gegendert werden. Wenn es nur um das Abkürzen ginge, wäre Prof. vor Frauennamen ohne weiteres als „Professorin“ lesbar (falls man das wünscht; „Frau Professor“ ging ja anstandlos durch und kann logischerweise nicht als Unsichtbarmachen der Weiblichkeit gelten). Wenn der Rat zweimal „Frau Prof’in“ schreibt, kommt mir das unpassend vor.


Theodor Ickler zu »Schwarzrotgold«
Dieser Kommentar wurde am 07.12.2019 um 06.34 Uhr verfaßt.

In der FAZ spricht sich Redakteur Eckart Lohse für den von Kramp-Karrenbauer geforderten allgemeinen Zivildienst bzw. die Wehrpflicht aus, aber nicht, weil die Bundeswehr Rekruten oder das Sozialwesen mehr billige Arbeitskräfte braucht, sondern:

„Aber das Hinwirken des Staates auf ein kurzes Innehalten – ein Jahr am Stück oder aufs Leben verteilt – könnte helfen zu erleben, dass die Konzentration auf das eigene Fortkommen, auch das ökonomische, nicht alles ist im Leben.“ (FAZ 6.12.19)

So ähnlich sagt´s der Herr Pfarrer auch. Auch wie paßt staatliche Sinnstiftung zum sonstigen Credo der FAZ, daß es jedem einzelnen überlassen bleibt, wie er seinen pursuit of happiness gestaltet?


Theodor Ickler zu »Neues aus dem Rat«
Dieser Kommentar wurde am 07.12.2019 um 05.51 Uhr verfaßt.

Es gibt ein neues Gruppenbild: https://www.rechtschreibrat.com/ueber-den-rat/

Anscheinend aus Bern, wo im Mai 2020 auch die nächste Sitzung stattfinden soll.


Theodor Ickler zu »Neuerdings zusammen«
Dieser Kommentar wurde am 07.12.2019 um 05.38 Uhr verfaßt.

Aus meinem Kommentar zum ersten Bericht:

Die unterschiedliche Behandlung von „die Maske fallen lassen nach § 34(4) und die Muskeln spielen lassen/spielenlassen nach § 34 E7“ ist nicht gerechtfertigt, da ein unterschiedlicher Idiomatisierungsgrad nicht festgestellt werden kann; auch ist die Zusammenschreibung von spielenlassen völlig unüblich. Ähnlich der Eintrag zu [i]kommen lassen: Getrenntschreibung, wenn man die Feuerwehr kommen läßt, aber auch Zusammenschreibung, wenn man die Kupplung oder einen Gegner kommenläßt. Ebenso platzenlassen (eine Veranstaltung, aber nicht einen Luftballon!), setzenlassen (ohne Erläuterung), sprechenlassen (Blumen), steigenlassen (Partys, aber nicht Drachen!), sterbenlassen (Projekte, nicht Patienten!), vermissenlassen (Feingefühl). Im Rat ist all dies nicht besprochen und erst recht nicht so entschieden worden. Es handelt sich um forcierte Extrapolationen aus § 34 (4) E7, an die gewiß kein Mitglied gedacht hat, als der Rat die traditionelle Zusammenschreibung von bleiben und lassen mit Positions- und Fortbewegungsverben wiederherstellte. Die Wörterbuchgruppe und ihre Berater haben keinen Begriff von dieser Beschränkung. Damit werden die berüchtigten Haarspaltereien des alten Duden noch überboten, weit über das Sprachübliche hinaus. Daß jemand Feingefühl vermissenließ und daher Blumen sprechenläßt, ist einigermaßen gewöhnungsbedürftig.

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Diese auf Peter Eisenberg zurückgehende Radikalisierung ist von der Sprachgemeinschaft nicht angenommen worden, auch wenn Korrekturprogramme einige Belege erzeugt haben mögen. vermissen lässt ist rund 1000mal so häufig wie vermissenlässt. Man hätte den Unsinn längst streichen sollen, statt mit Steuergeldern die Saarbrücker Sprachtechnologie darauf anzusetzen.

Die Reformer wollten der Tendenz der Sprachgemeinschaft zur Zusammenschreibung "entgegenwirken", der Rat will genau das Gegenteil, ebenso grundlos.


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