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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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Theodor Ickler zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 22.05.2018 um 05.02 Uhr verfaßt.

Eine bekannte Witzfigur war früher die Autofahrerin, die am Straßenrand wartet, bis ein Mann vorbeikommt und ihr den Reifen wechselt.
Man soll zwar glauben, daß diese Hilflosigkeit erlernt war, aber aus neueren Untersuchungen scheint hervorzugehen, daß Männer sich immer noch und vielleicht angeborenermaßen mehr zutrauen, risikofreudiger und daher auch gefährlicher leben. Ich habe schon John L. Locke zitiert, der dies auch für wahrscheinlich hält und auf seinen mutmaßlichen evolutionären Sinn untersucht. Unterschiedliches Sprachverhalten würde sich davon ableiten. Alles natürlich nur statistisch zu nehmen.


Theodor Ickler zu »Nature, Nurture und Skinner«
Dieser Kommentar wurde am 22.05.2018 um 04.49 Uhr verfaßt.

Wie Frauen einparken, hängt von ihrem Selbstvertrauen ab. (SZ 23.10.10)

Eine typische Pseudoerklärung durch ein alltagspsychologisches Konstrukt. Sie ist aber nicht ganz wertlos. Man kann das Konstrukt in zwei Schritten operationalisieren. Zunächst wird das spezielle Verhalten in ein allgemeineres eingeordnet. Die Frau, die selbstbewußt einparkt, verhält sich auch sonst selbstbewußt; das läßt sich als konsistentes Verhalten unter Risiko darstellen. Was mag die Ursache sein? Teils angeborenes "Temperament" (auch so ein Konstrukt, das ähnliche Verhaltensdispositionen zusammenfaßt), größtenteils aber wohl Verstärkungspläne in der Lerngeschichte. Man denkt an jene Ratten, die, wenn man ihnen einmal die Chance gegeben hat, aus dem Wasserbecken herauszukommen, ohne weiteres 24 Stunden darin herumpaddeln, während sie sonst alsbald absaufen. (Ich habe gerade Frauen mit Ratten verglichen.)
Jeder kennt das Sprichwort: Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg. Eine kurze Zusammenfassung des Behaviorismus.
Wenn wir kleine Kinder beobachten, stellen wir den Unterschied fest: Manche geben gleich auf, andere machen so lange weiter, bis sie etwas zusammengebaut haben. Schon kleinste Erfolge stellen die Weichen fürs ganze Leben. Pädagogisch klug ist es, ab und zu zu loben. "Hilf mir, es selbst zu tun." Unklug wäre es, dem Kind beim ersten Anflug von "Ungeduld" gleich Hilfe oder etwas ganz anderes anzubieten ("erlernte Hilflosigkeit").


Manfred Riemer zu »Trüber Morgen«
Dieser Kommentar wurde am 21.05.2018 um 23.04 Uhr verfaßt.

zu 783#34650: I was like

Mir ist diese Redewendung zum ersten Mal 2009 aufgefallen, als ich auf einem Campingplatz in Finnland mit einer Gruppe deutscher Jugendlicher ins Gespräch kam. Die Hauptwortführerin, ca. 20, aus der ehemaligen DDR, konnte erstaunlich gut Finnisch (wovon ich kein Wort verstand), sie hatte dort schon als Au-pair-Mädchen gearbeitet. Aber auch sonst war sie nicht auf den Mund gefallen, es prasselte nur so aus ihr heraus von und ich so "..." und er so "...", und als noch ein israelischer Jugendlicher dazukam, ging es genauso flott auf englisch weiter: and I was like "...", and he was like "...", immer das gleiche, fast jeder Satz enthielt ein I was like oder ich so usw., es war für mich zuerst amüsant, aber dann habe ich mich bald verabschiedet, nicht mehr zum Aushalten.

Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, daß Übersetzungen von wörtlicher Rede im Fernsehen oft geschönt und korrigiert werden. Im heute-Journal im ZDF sagte gerade eine amerikanische Professorin:
I was like "Oh my god, ...",
was der deutsche Sprecher simultan übersetzte als:
[i]Ich hab nur gedacht "Oh mein Gott, ...".

Sollten Nachrichtensendungen sich nicht besser an die Realität halten? Müssen sie alberne englische Redewendungen unbedingt in besseres Deutsch übersetzen?


Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 21.05.2018 um 16.47 Uhr verfaßt.

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1106#38567

Man kann schlechterdings nicht sagen, ob ein einjähriges Kind sich im Spiegel erkennt oder nicht. Es versucht zwar nicht, sich jenen Farbtupfer aus dem Gesicht zu wischen (warum sollte es?), verhält sich aber bei weitem nicht so, als säße ein anderes Kind ihm gegenüber.

Dieser vielbeachtete Versuch ist also nicht besonders aufschlußreich.

Inzwischen ist auch der False-belief-Test, von Dennett ersonnen und von Wimmer und Perner bekannt gemacht, stark an Wert gesunken, vor allem wegen seiner Sprachlastigkeit und der Unzuverlässigkeit seiner Ergebnisse. Man hätte das früher erkennen können.

Der nächste Kandidat ist die "mentale Rotation" (falls nicht schon geschehen, ich bin nicht so auf dem laufenden).


Theodor Ickler zu »Kopfrechnen«
Dieser Kommentar wurde am 21.05.2018 um 16.21 Uhr verfaßt.

Die Polizei, die sich nur mit wichtigen Dingen beschäftigt, hat am Münchner Flughafen wieder mal Eltern mit schulpflichtigen Kindern aufgegriffen, die vor dem Ferienbeginn in Urlaub fliegen wollten. Einige müssen ein Bußgeld zahlen.
Nun, das ist immer noch billiger, als zu einer ungünstigeren Zeit zu fliegen. Außerdem wird unmittelbar vor den Ferien sowieso nicht mehr viel gelernt, wie sogar in offiziösen Texten zugegeben wird. Das interkulturelle Bildungserlebnis Urlaubsreise ist auch nicht gering zu schätzen.

Jeder weiß, daß viele reguläre Entschuldigungen während des Schuljahrs das Papier nicht wert sind. (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1289#26806)

Wie ernst die Polizei ihre Aufgabe nimmt, zeigt auch der Fall eines mir gut bekannten jungen Mannes, der allmorgendlich um 5 Uhr zur Arbeit radelt. Er wird immer wieder mal angehalten, untersucht und abgetastet und muß sein Fahrradschloß betätigen, um seine rechtmäßige Eigentümerschaft nachzuweisen. Ungern läßt man ihn ziehen.


Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 21.05.2018 um 11.49 Uhr verfaßt.

Seine Armee tötete Hunderte US-Soldaten – Amerika-Feind gewinnt Irak-Wahl (BILD 20.5.18)


Germanist zu »ruhig«
Dieser Kommentar wurde am 21.05.2018 um 10.37 Uhr verfaßt.

Nicht gemeint ist hier wohl: Es wäre gut (oder schön), wenn ...


Theodor Ickler zu »Kognitivismus«
Dieser Kommentar wurde am 21.05.2018 um 06.05 Uhr verfaßt.

Das Symposium „Zeichen und System der Sprache“ 1959 in Erfurt stand völlig im Banne Saussures und seines bilateralen Zeichens, 1964 in Magdeburg dann Chomskys (Manfred Bierwisch u.a.).
In den 60er Jahren sind viele auf das Gleis der Generativen Grammatik geraten und haben es nie wieder verlassen, sondern alle Kurven und Weichenstellungen Chomskys getreulich mitgemacht. Ein enormer Textausstoß kam in Gang. Junggermanisten erklärten ihren Professoren, was Wissenschaft eigentlich ist usw.
Die Rekonvaleszenz dauert noch an. Man entdeckt die Sprache wieder und trennt sich von den Büchern, die sich nur mit der „Form von Grammatiktheorien“ oder dgl. beschäftigten.


Theodor Ickler zu »Rhetorik«
Dieser Kommentar wurde am 21.05.2018 um 05.52 Uhr verfaßt.

Auf der Weltbühne sucht die Kanzlerin ihre letzte Rolle (Welt 20.5.18)

Das kann nur Robin Alexander sein, und er ist es denn auch. Die Leser stimmen ihm fast immer ausnahmslos zu, das macht seinem Herzen aber nicht bang. Sehr amüsant.



Theodor Ickler zu »Niedriger hängen!«
Dieser Kommentar wurde am 21.05.2018 um 05.49 Uhr verfaßt.

Wenn jemand sagt, er habe kein Bewußtsein, sollte man ihn in einen Deutschkurs für Fortgeschrittene schicken.

Das ist das ganze Geheimnis von Phänomenologie und "Philosophie des Geistes".


Theodor Ickler zu »ruhig«
Dieser Kommentar wurde am 21.05.2018 um 05.11 Uhr verfaßt.

Du solltest dich besser vorsehen.

besser ist hier auch als Satzadverb deutbar:

Es wäre besser, du siehst dich vor.
Besser, du siehst dich vor.


Auch im Superlativ, daher:

Am besten, du siehst dich vor.

Aber nicht mit dem Positiv:

*Gut, du siehst dich vor.

Auch nicht in dieser Lesart: Du solltest dich gut vorsehen.

Warum ist das so?


Theodor Ickler zu »Sternchen«
Dieser Kommentar wurde am 21.05.2018 um 04.55 Uhr verfaßt.

Strukturalisten behaupten,

*Die Gemeinschaft vertraut einander

sei unmöglich. Und daraus werden weitreichende Schlüsse gezogen. (Zeichen und System der Sprache II, 1965:286)

Es gibt aber viele Beispiele wie

Wir sind Familie, und Familie vertraut einander.
Das Paar vertraut einander.


Offenbar reicht die sinngemäß vorhandene Pluralität bei Kollektiva aus, um Reziprozität zu ermöglichen.


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