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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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29.10.2006
 

Guten Morgen
Ein neuer Zweifelsfall

Eine Lücke im neuschreiblichen Wortschatz: „guten Morgen wünschen“.
Als die Reformer verfügten, daß fakultativ auch groß geschrieben werden könne: „jdm. g/Guten Morgen sagen“ usw., haben wir das als überflüssigen, aber unschädlichen Schnörkel empfunden. Doch wie steht es mit „jdm. guten Morgen wünschen“? (Der Mond grüßt den Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga und wünscht schon mal gute Nacht. SZ 6.11.1995) Die Rechtschreibwörterbücher schweigen sich aus, und das Duden Universalwörterbuch bleibt bei Kleinschreibung. Ob aber mit Recht? (Das DUW hatte auch weitgehend die Kleinschreibung von „guten Abend sagen“ usw. beibehalten.) Jedenfalls ein neuer Zweifelsfall.



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Kommentare zu »Guten Morgen«
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Kommentar von T.P., verfaßt am 30.10.2006 um 08.13 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=695#6575

Wenn ich jemandem Guten Morgen wünsche, dann muß ich ihm auch Guten Appetit und Gute Reise wünschen.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 30.10.2006 um 09.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=695#6579

Genau; und Viel Erfolg, einen Schönen Feierabend, einen Erfolgreichen Abschluss, Besinnliche Weihnachten, überhaupt Alles Gute.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 30.10.2006 um 11.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=695#6581

Ist da nicht ein kleiner Unterschied, ob ich jemandem Guten Abend sage (mit oder ohne Anführungsstriche, das "sagen" deutet hinreichend an, daß hier zitiert wird) oder ob ich jemandem alles Gute wünsche, wobei hier der genaue Wortlaut nicht angezeigt ist? So halte ich es jedenfalls — zunächst, denn bei "Ein gutes neues Jahr" käme ich ohne Anführungsstriche bei "sagen" auch nicht aus. Aber würde man denn jemandem einen erfolgreichen Abschluß sagen? Doch "ich wollte nur kurz guten Abend sagen", — das sage ja auch ich, wobei's ja aber beim wortwörtlichen "Guten Abend" nicht bleibt und dieses also auch nicht so wörtlich gemeint ist.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 30.10.2006 um 17.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=695#6590

Ja, da gibt es feine Unterschiede, das ist sehr gut beobachtet. Aber die feinen Unterschiede werden von Reformregeln nicht beachtet. Ein Tor zur Großschreibung wurde aufgestoßen - Guten Abend sagen. Was folgt daraus für die mehr oder weniger ähnlichen Fälle, kann man da auch groß schreiben? Das ist unklar.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.10.2006 um 17.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=695#6591

Philologisch befriedigender sind natürlich Anführungszeichen. Entscheidend sind aber in unserem Falle folgende Tatsachen: "jdm. guten Abend sagen" ist nicht dasselbe wie "zu jdm. guten Abend (oder noch besser 'guten Abend') sagen". Und "gute Nacht wünschen" ist nicht dasselbe wie "eine gute Nacht wünschen". Das eine ist vergleichbar mit "jdm. heißen Dank sagen", und bei "gute Nacht wünschen" fehlt der Artikel, der bei gewöhnlichen Konstruktionen unentbehrlich ist. Beide Wendungen sind also nicht frei konstruierbar. Dies ist das Tor, das durch die Neuregelung aufgestoßen wurde, und man kann wirklich nicht sagen, was dahinter alles möglich wird. Neuregelung und Wörterbücher sind hier unterbestimmt.
 
 

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