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Blüthen der Thorheit

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29.08.2011
 

Wie creativ!
Von Ladys, Babys, Partys, Teddys und vor allem Hobbys

«Kreative Hobbies», steht in der neuen Filiale der Buchhandlung Lüthy in der Bieler Nidaugasse an einem Regal. In welchem Regal wohl das Grammatikhandbuch steht?

Dabei ist es so einfach, wie ein Blick in die «amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung», Paragraph 21, zeigt: «Fremdwörter aus dem Englischen, die auf -y enden und im Englischen den Plural -ies haben, erhalten im Plural ein -s.» Also Ladys, Babys, Partys, Teddys und natürlich Hobbys. Das war notabene auch schon vor der Reform der deutschen Rechtschreibung so, allerdings war es einst erlaubt, wenn einer mochte, den Plural mit -ies zu bilden.

Doch diese Zeiten sind vorbei. Das haben jedoch viele noch nicht gemerkt, jedenfalls nicht diejenigen, die Bücher verkaufen. So findet sich sowohl bei weltbild.ch als auch bei amazon.de die Sparte «Hobbies». Pädagogisch wertvoll auch die Seite studienberatung.ch, auf der unter dem Stichwort «Check-List (sic!) für die Studienwahl» unter anderem «Freizeit, Hobbies, Lektüre» aufgeführt sind. Eine schöne Freizeitbeschäftigung für angehende Studentinnen und Studenten könnte die Lektüre der amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung sein.

Ganz anders die an Motoren Interessierten. Bernd fängt auf der Internetseite motor-talk.de an: «Hallo, Motor-Talk gefällt mir richtig gut, weil ich hier schon häufig kompetente Antworten gefunden habe. Da fiel mir gerade was auf: Ich will ja nicht Erbsen zählen, aber in der Anleitung zu den Blogs leuchtet es einem schon gross vom Hintergrundbild entgegen: Hobbies. Im Englischen ist das ja korrekt, aber bei uns sind es Hobbys. Wir übernehmen nur die Wörter, nicht die englische Grammatik, denn sonst müssten wir ja auch ‹downloaded› statt ‹daungelodet› sagen.»

Da hat er was losgetreten, der Bernd. Denn meehster verteidigt sich vehement: «Ich schrieb ‹Hobbies› und werde auch weiterhin ‹Hobbies› schreiben (..). ‹Hobbys› ist nicht nur verdammt schwer zu schreiben, sondern sieht auch noch falsch aus.»

Und ConvoyBuddy doppelt nach: «Mit der Verhunzung gerade von aus anderen Sprachen adaptierten Begriffen durch die unselige Rechtschreibreform könnte man Bücher füllen. Lohnt aber nicht. Wenn es jemanden stört, dass ich immer noch Hobbies, Asphalt und Philosophie schreibe, stört mich das nicht.» KKW20 schliesslich präsentiert uns die Lösung: «Es ist doch absolut egal ob man nun Hobbies oder Hobbys schreibt. Soll jeder das Wort so schreiben wie man möchte. Ich ziehe eher das gute alte deutsche Wort ‹Lieblingsbeschäftigung› alternativ auch ‹Freizeitbeschäftigung› vor, da brauch mir keine Gedanken darüber zu machen wie ich das nun schreibe.»

Ganz schön kreativ, der KKW20. Übrigens, all jene, die unbedingt Hobbies schreiben möchten, da das Wort doch aus dem Englischen stammt. Warum schreibt ihr nicht creativ statt kreativ, schliesslich gründet dieses Wort im lateinischen «creatum».


Quelle: Bieler Tagblatt
Link: http://www.bielertagblatt.ch/News/Kolumnen/214389

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Kommentare zu »Von Ladys, Babys, Partys, Teddys und vor allem Hobbys«
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 02.06.2015 um 16.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1543

Viele deutsche Wörter französischen Ursprungs sind schon aus dem Altfranzösischen übernommen worden, z.B. diejenigen, die mit altfranzösichem Doppel-l wie [Kamille] gesprochen werden und nicht mit neufranzösischem [ij]. Weil nur sehr wenige Altfranzösisch beherrschen, wäre es schwierig, in die Originalsprache zurückzukehren.

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.06.2015 um 09.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1541

Natürlich sind diese Abstufungen interessant! Die Frage ist nur, ob man dem auf diese Weise terminologisch beikommt, vor allem angesichts der sehr pauschalen Verwendung von -izismus, der man allerorten begegnet.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.06.2015 um 04.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1540

Im Gegenteil. Nicht zuletzt im Hinblick auf den Sprachwandel (Abteilung externe Ursachen, also Interferenz, Sprachmischung) ist es interessant, die Abstufungen der Integration von Fremdmaterial zu erkennen. Ich erinnere nur an die Zeiten, als auch die Deutschen sich frei beim Französischen bedienten und sich das Material rigoros mundgerecht machten. Das ist heute weniger üblich, man wechselt wirklich oder scheinbar gern in die Fremdsprache. Für meine Auffassung von Fremdwortbildung zum Beispiel ist das ganz wesentlich (das habe ich anderswo schon dargelegt). Es gibt noch viele andere Bereiche, z. B. die Fachsprachen, die eisern nicht integrieren. Wenn die Botaniker das Blümchen Tussilago farfara genannt haben, dann heißt es in alle Ewigkeit so.
Uns hier hat das Thema schon wegen der Orthographie beschäftigt: nichtintegriert genitivus qualitatis, herkömmliche Norm Genitivus qualitatis, reformiert Genitivus Qualitatis... Außerdem die Beugung: "mit den Nominibus" usw.

Sehe gerade, daß ihr alle noch im Bett liegt, deshalb Schluß für heute morgen.

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 02.06.2015 um 00.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1539

Ist Perron ein Gallizismus und Trottoir nicht? Heißt das nicht Haare spalten?

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.06.2015 um 07.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1538

Ich stimme Herrn Achenbach und Herrn Markner zu. Ich hatte mich vorsichtig ausgedrückt, weil ich dieser Seite der Sache gerade nicht nachgehen wollte, aber eigentlich ist es Unsinn, weil "Anglizismus" ja einschließt, daß es kein reines Englisch ist.

Für das Zu-Fuß-Gehen haben die Engländer noch "walk".

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 31.05.2015 um 23.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1537

Nach den deutschen Regeln für zusammengesetzte Substantive wäre eine "no go area" eine Gegend, in der man nicht zu Fuß gehen kann oder darf, z.B. eine Autobahn.

 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 31.05.2015 um 19.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1536

Die Darstellung bei Wikipedia ist allerdings nicht sehr überzeugend, ja enthält krasse Widersprüche. So wird einerseits behauptet, daß „no go“ im Englischen nur ein Adjektiv sei, andererseits heißt es, im Astronautenjargon bedeute „go“ die Starterlaubnis und „no go“ die Startunterbrechung. Das sieht doch sehr nach Substantiven aus.

Ferner wird behauptet, die deutsche Bedeutung von „No-Go“ als Verbot oder Tabu widerspreche der englischen Bedeutung. Andererseits wird die „no-go area“ als „Gebiet, das nicht betreten oder überflogen werden darf“, das also verboten ist, definiert.

Es trifft zu, daß die englischen Wörterbücher „no go“ als Adjektiv bezeichnen. Andererseits ist die Redewendung „it’s a no go“ weit verbreitet. Das sieht jedenfalls für den Laien wie ein Substantiv aus. Daneben gibt es - eindeutig adjektivisch - „it’s no go“.

Die Schreibung im Englischen schwankt zwischen „no go“ und „no-go“. Im gepflegten Englisch sollte man es jedenfalls bei attributivem Gebrauch mit Bindestrich schreiben: „no-go area“.

Es ist bei vielen Anglizismen so, daß die Bedeutung im Deutschen mehr oder weniger vom Englischen abweicht. Deshalb bezeichnet man sie meistens aber nicht als Scheinanglizismen. Ich würde hier nicht einmal von einem halben Pseudo-Anglizismus sprechen.

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.05.2015 um 18.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1535

Was soll denn an 'no-go' ein Pseudoanglizismus sein? Im Englischen schwankt die Schreibung, wie nicht anders zu erwarten, was den Bindestrich betrifft. Es ist aber naheliegend, ihn zu setzen.

 

Kommentar von Pt, verfaßt am 31.05.2015 um 17.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1534

Die Ausrufungszeichen nach jedem Wort (wie auch oft im Deutschen die Punkte nach jedem Wort) sind hier schon fast eine Körperverletzung.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 31.05.2015 um 12.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1533

Gehört vielleicht nicht hierher: Fundstück "OMG" für "Oh! My! God!" (beliebte Redewendung in den USA)

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2015 um 05.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1532

Da Wermke in seiner normativ angelegten Grammatik bestimmte Konstruktionen als ein "No-Go" bezeichnet, habe ich mal die interessante Herkunft dieses sogenannten (aber wohl nur halben) Pseudoanglizismus nachgeschlagen (bei Wikipedia.) Mich hat zuerst die Großschreibung des "Go" gewundert. Aber im Grunde ist es ja gleichgültig. (Ich würde es übrigens nie verwenden, finde es scheußlich. Bei Wermke ist es durch den humoristisch-saloppen Ton gerechtfertigt. Der Widerspruch zum Gegenstand "Standardsprache" bleibt.)

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.05.2015 um 18.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1531

Obwohl Wermkes Dummie-Grammatik sehr vereinfacht und außerdem in jenem Plauderton geschrieben ist, den viele heute für laiengerecht halten, kommt er nicht ohne den sagenhaften Saussure aus. Ziemlich unerwartet steht also mittendrin:

„Ein Schweizer, nämlich der Genfer Sprachwissenschaftler Ferdinand de Saussure (1857-1913), war es auch, der als Erster darauf gekommen ist, Wörter als sprachliche Zeichen zu betrachten.“

Mir fällt niemand seit Aristoteles (spätestens!) ein, der Wörter nicht als sprachliche (was sonst) Zeichen angesehen hätte. Es folgt die übliche Mystifikation:

„Wie jedes Verkehrszeichen, Hinweisschild oder Warnsignal haben auch die sprachlichen Zeichen zwei Seiten, nämlich eine Ausdrucksseite und eine Inhaltsseite. Die Ausdrucksseite ist das, was Sie sehen oder hören. Die Inhaltsseite steht für die Bedeutung, weshalb sie auch Bedeutungsseite genannt wird. Beide Seiten sind untrennbar miteinander verbunden.“ (50)

Das Verkehrszeichen, das ich mir vorhin genauer angesehen habe, hat tatsächlich eine Rückseite; die steht aber anscheinend nicht für irgend etwas anderes. Wie soll man sich das eigentlich vorstellen, daß die Inhaltsseite „für die Bedeutung steht“?

(Fehlt also nur noch, daß die beiden Seiten "psychisch" sind.)

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.05.2015 um 18.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1530

Das kann ich bestätigen. Ich glaube mich zu erinnern, daß ich ein deutsches Dummi(e) umgangssprachlich schon gekannt habe, bevor ich etwas von den Testpuppen wußte. Leider finde ich keinen frühen Beleg.

 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 27.05.2015 um 15.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1529

Es ist der Duden, der „unfreiwillig [?] der Neuregelung entgegen“ arbeitet. Der Duden enthält das anscheinend „deutsche“, jedenfalls deutsch ausgesprochene Wort Dummie, pl. Dummies. Daneben enthält er das englisch ausgesprochene Dummy, pl. Dummys, allerdings nur in der Bedeutung Testpuppe, Attrappe u. dgl.

Nun ist die Schreibung Dummie höchst ungewöhnlich für ein deutsches Wort. Wiktionary enthält nur die deutsche Schreibung Dummi Zu Dummies sagt Wiktionary: „Dummies ist eine alte Schreibweise von Dummys. Sie ist seit der Reform von 1996 nicht mehr korrekt.“

Nach meiner Erinnerung ist mir das Wort Dummi schon seit meiner Kindheit geläufig. Ein älterer Beleg ist, daß der hohe SS-Offizier Kurt Daluege in seiner Umgebung mit dem Spitznamen „Dummi-Dummi“ belegt worden sein soll.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.05.2015 um 13.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1528

Gleich mal was für Dummies. In seiner soeben erschienen "Deutschen Grammatik für Dummies" schreibt Matthias Wermke:

„Bei den trennbaren Verben wird das Partizip II mit ge- gebildet, bei den untrennbaren nicht: er hat aufgeschlossen, aber: hat beschlossen.“ (70)

Also ausgeradiert?

Das kommt davon, wenn man Verbzusatzkonstruktionen als "abgeleitete Verben" mißversteht. Dann läßt sich die an sich sehr einfache Regel der Partizipbildung nicht mehr formulieren.

 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.05.2015 um 06.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1526

Die Reihe heißt im englischen Original for Dummies – ein Wortspiel wird im Deutschen erst daraus, wenn man das Wort deutsch ausspricht.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.05.2015 um 05.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1525

Jeder kennt inzwischen die Buchreihe "für Dummies", der Titel hat einen Wikipedia-Eintrag. Das Wortspiel mit Deutsch und Englisch ist ziemlich geschickt. Dabei vergißt man leicht, daß der Plural des englischen Wortes, an das man laut Verlag denken soll, jetzt Dummys geschrieben werden müßte.
Auch Wermkes "Rechtschreibung für Dummies" (schon erwähnt) arbeitet also unfreiwillig der Neuregelung entgegen.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 10.10.2013 um 21.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1174

Der Plural "Jungen" von "Junge" ist nicht eindeutig, weil er auch der Plural des substantivierten Adjektivs "jung" ist. Eindeutig ist "Jungs" oder "Jungens", auch wenn letzteres niederdeutsch ist. Aber das Hochdeutsche hat schon oft Anregungen aus dem Niederdeutschen aufgenommen.

 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 09.10.2013 um 22.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1173

Und zu #1172: Die Dativ-Pluralformen enden auf "-n" (den Steinen/Jungen), außer denen mit der Endung "-s" (den Geis[c]has). The dative plural takes an extra -n, unless the plural has already one (i.e. ends in "-n" [z. B. Mädchen, s, - und alle schwachen Pluralformen]) or ends in -s. In so mancher Zeitungsmeldung finde ich das übersehen.

 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 09.10.2013 um 16.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1172

Für mich ist "Euronen" eindeutig die scherzhafte Variante, und ebenso nicht nur die "Wölfe", sondern alle Plurale von Familiennamen außer die auf -s.

Als korrekt empfinde ich Euros, Radios, Autos, Mottos, Omas, Opas usw., mittlerweile auch Kommas.

 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 08.10.2013 um 22.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1171

Vielleicht könnte man sich darauf verständigen, daß es im Deutschen eine Pluralbildung mit s gibt, die aber relativ selten ist und v.a. Fremdwörter betrifft.

"Ottonen" ist eine Bezeichnung für eine Dynastie, zu der auch Kaiser namens Heinrich gehörten. Der Plural von Otto ist nach wie vor Ottos, auch wenn es sich um Kaiser handelt.

 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 08.10.2013 um 21.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1170

In einem anderen Strang wurde schon einmal erwähnt, daß in alten Duden der Plural "Uhue" verzeichnet sei (nebenbei bemerkt hat die Reform den Plural "Känguruhe" zumindest erschwert).
Daß Namen mit einem S pluralisiert werden, stimmt so nicht. Die drei ersten Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation hießen alle Otto und werden als die Ottonen zusammengefaßt. Endet ein Name auf S oder ähnlich, wird ein E angehängt: Felixe, Lukasse, Ernste. Ein normaler deutscher Plural geht auch: Simonen, Luisen.
Bei Nachnamen geht es meiner Beobachtung nach eher darum, Undeutlichkeiten zu vermeiden; "Müllern" ist mißverständlich. Die Familie "Bachmann" müßte man zudem "Bachleute" nennen. Familie "Wolf" wird eher scherzhaft "Wölfe" genannt.

"Radiergummi" ist ein anderes Wort als "Gummi", und das Ding ist natürlich kein Material, das als solches keinen Plural bildet.

Bei "Euro" ist klar zu beobachten, daß der S-Plural der Sprachgemeinschaft widerstrebt; es wird von "Euronen" gesprochen.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 08.10.2013 um 20.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1169

Weitere Fundstücke: Uhus (Vogelart),
Vatis, Mamas (Verkleinerungen),
Plural-s bei Vor- und Nachnamen.

 

Kommentar von Kannitverstan, verfaßt am 08.10.2013 um 19.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1168

"'Gummi' ist letztlich ein Material und bildet somit keinen Plural. Es zu pluralisieren, spielt in derselben Liga wie 'Bedarfe'", schreiben Sie, Herr Mahlmann. Aber das ist mir ein wenig zu einfach gedacht.
Selbstverständlich hat der Radiergummi, den man auch einfach Gummi nennt, einen Plural, und selbstverständlich können sie Präservative, die man auch einfach Gummis nennt, in der Mehrzahl kaufen. Es gibt auch noch ein paar andere Gummis.
Das betrachten manche als rein umgangssprachlich, aber was soll dann der schriftsprachliche Ausdruck für Radiergummi sein?
Der Plural 'Gummis' wird fleißig benutzt. Mir leuchtet nicht ein, daß er unstatthaft sein soll.
Mit der Frage, ob es deutsche Erbwörter gibt, die den Plural mit s bilden, hat das natürlich sowieso nichts zu tun.

 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 08.10.2013 um 18.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1167

"Gummi" ist letztlich ein Material und bildet somit keinen Plural. Es zu pluralisieren, spielt in derselben Liga wie "Bedarfe".
Die Beschränkung auf Hochdeutsch ergibt schon deshalb Sinn, weil so manche deutsche Mundart kein Dialekt ist, sondern eine eigene Sprache; und andere Sprachen haben eben andere Pluralbildungen.

 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 08.10.2013 um 13.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1166

Die "deutschen" Plural-Endungen muß man wohl auf hochdeutsche Wörter beschränken. Niederdeutsche Wörter wie Docks, Knicks, Wracks haben ihre niederdeutschen Plurale, und aus dem Französischen vor langer Zeit eingewanderte Wörter wie Büros, Genies, Hotels, Porträts, Restaurants, Salons haben ihre französichen Plurale behalten. Gummi(s) scheint ein altes Fremdwort zu sein.

 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 08.10.2013 um 11.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1165

Im Deutschen bildet kein Wort den Plural durch ein angehängtes S. Wörter wie "Mini" und "Auto" sind Kurzbezeichnungen, und Fremdwörter bekommen einen richtigen deutschen Plural, sobald sie in den deutschen Wortschatz übergehen. Zuvor bleibt der Plural der Herkunftssprache erhalten: "Schema" und "Schemata" bzw. "Schemen".
Der deutsche Plural von "Lady" wäre eher "Ladye" oder "Ladyen". Solange das nicht die Sprachgemeinschaft so ausbildet, bleibt es beim Originalplural "Ladies". Warum sollte es auch einen Unterschied machen, ob das Wort nun aus dem Englischen stammt oder einer anderen Sprache?

 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 08.10.2013 um 06.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1164

Mit § 21 haben die Reformer wohl unbeabsichtigt eine Falle gestellt, in die Wikipedia prompt hineingelaufen ist.

Unter http://de.wikipedia.org/wiki/County ist zu lesen:
Auch deutschsprachige Wörterbücher verzeichnen das Wort. Der Duden legt die Pluralbildung Countys (im Gegensatz zu engl. counties) und als Genus die fest.

Mit dieser Auskunft bewaffnet schrieb einer der Autoren von http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fbritannien_und_Nordirland#Verwaltungsgliederung:
Heute gibt es in England 27 Grafschaften mit Verwaltungsfunktion, 56 Unitary Authoritys, sechs Metropolitan Countys sowie Greater London (siehe hierzu auch Verwaltungsgliederung Englands). Wales ist in 22 und Schottland in 32 Unitary Authoritys gegliedert.

Ein weiterer Fall von Vereinfachung ...

 

Kommentar von Kätzer, verfaßt am 23.01.2013 um 09.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1011

Wie aus einer Korrespondenz mit der Geschäftsführerin des Rates hervorgeht, wird § 21 derzeit "überprüft", was auch immer das heißen mag.

 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.01.2013 um 17.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#1010

Zu Lady könnte man sagen, nun gut, das ist inzwischen ein deutsches Fremdwort und sollte deutsch flektiert werden, auch orthographisch.

Am Rande des Gipfeltreffens der EU-Staats- und Regierungschefs in Berlin speiste er zusammen mit den First Ladys, während die durchweg männlichen ausländischen Staatschefs mit seiner Frau zu Mittag aßen. (Wiki über Joachim Sauer)

Nun liest man aber ebenfalls bei Wiki:

Als First Lady (deutsch: Erste Dame [im Staat]) bezeichnet man ursprünglich nur die Ehefrau des US-Präsidenten. Inzwischen ist der Begriff als Anglizismus in andere Sprachen übergegangen und bezeichnet dann oftmals die Ehefrau eines führenden Politikers.

Wenn es ins Deutsche übersetzt werden muß und kann, ist es Englisch. Dann kann man aber den Plural nicht so verkehrt schreiben.

(Und die Aussprache? Först Lehdies?)

 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 01.10.2011 um 14.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=178#833

Die Idee, man müsse die Rechtschreibung so ändern, daß sie nicht mehr zur Besserwisserei taugt, war zwar töricht, der anarchistische Impuls dahinter aber nicht ganz unsympathisch. Um so trauriger, daß nicht einmal das geklappt hat.

 

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