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Neues aus dem Rat - von Theodor Ickler

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20.09.2007
Pädagogik vom Tage
Anmerkungen zur Zeitung von heute

Das Büchergeld in Bayern soll wieder abgeschafft werden. Allerdings aus den falschen Gründen, denn die richtigen sind tabu.
Keine Zeitung hat sich für das Treiben der Schulbuchlobby interessiert, meine Versuche, dies zu thematisieren, sind erfolglos geblieben. Ich habe schon oft auf die Tricks hingewiesen, mit denen die Verlage ihre Schulbücher zwar größer, bunter, schwerer, teurer und vergänglicher, aber nicht besser gemacht haben. Wenn die Kinder, wie es normal ist, sechs verschiedene Fächer an einem Tag haben, müssen sie nicht nur die schweren Bücher hin- und herschleppen, sondern auch noch die Aktenordner, auf die manche Lehrer Wert legen, und weiteres Material, wegen der acht Stunden auch was zu essen und zu trinken. Immer mehr Unterstufenschüler ziehen die Last auf kleinen Wägelchen hinter sich her, andere klagen über Rückenschmerzen.

Ähnlich beschränkt der Tunnelblick auf das Fernsehen. Die Zeitung stellt heute eine völlig entartete Familie vor, die aufs Fernsehen verzichtet. ("Name geändert" – natürlich! Wer wird schon gern derart bloßgestellt? Das sind doch Verbrecher!)

Anschließend kommt die obligatorische Medienwissenschaftlerin zu Wort. Sie warnt eindringlich vor der genannten Verfehlung und erzählt die furchtbare Geschichte von einem Fünfjährigen, der ohne TV aufgewachsen war und nach dem zufälligen Anschauen von James-Bond-Szenen drei Monate lang Albträume hatte. Woraus folgt: Mit fünf Jahren muß ein Kind so abgebrüht sein, daß es nach Fernsehbrutalitäten keine Albträume mehr erlebt. Dafür sorgt die Medienpädagogik. Sie lebt ja vom Fernsehen und von Auftragsforschung.

Gestern berichtete die SZ übrigens von "schiesswütigen" Privatsoldaten im Irak, heute weiß sie, "das" Tizian einen Papst porträtiert hat.



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Kommentare zu »Pädagogik vom Tage«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2014 um 11.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#27176

Kein Schüler würde von sich aus so etwas von sich geben. Das haben Lehrerkonferenz beschlossen, und zwar auch dann, wenn fast alle durchaus wußten, daß es Stuß ist; so läuft das eben, wenn vom Ministerium eine entsprechende Aufforderung ergangen ist.
Die Universitäten sollten ja auch einmal, wie berichtet, an ihrem Leitbild arbeiten. Das schlief ein, als die Nähe zu Scientology allzu deutlich wurde, aber inzwischen haben sie wohl alle ihr Leitbild.

"Ich bin bedeutsam" stammt aus – teilweise kirchlichen – Seelenmassage-Zirkeln, wie sie heute überall gedeihen. Letzten Endes dürfte es eine Anleihe aus den USA sein, denn "I am signifikant" ist dort schon längst ein Mantra. Säkularisiertes "Jesus liebt dich."

Dazu gehört auch "Du bist du, das ist der Clou" usw.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 28.10.2014 um 11.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#27175

Beispiel: "Ich bin Bedeutsam!" (Originalschreibweise)

Gemeint war sicher: "Ich. Bin. Bedeutsam. Tschaka!"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2014 um 08.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#27174

Auf jener Internetseite meiner alten Schule, die sich mit der "Selbstwirksamkeit" als Leitziel beschäftigt, erklären die manipulierten Schüler in Sprechblasen, was damit gemeint ist. Beispiel: "Ich bin Bedeutsam!" (Originalschreibweise) Das Ganze ist auch eine Art der Verwahrlosung, der Sprache, des Geschmacks, des Anstands.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2014 um 10.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#26879

Nach einem Bericht der WamS läßt sich aus den Strichmännchen von Vorschulkindern nicht nur die Entwicklungsstufe erkennen, sondern auch der künftige IQ voraussagen. Dabei wäre zu bedenken, ob nicht beide Male dasselbe gemessen wird. Was zu einem ordentlichen Kopffüßler gehört, ist ja nicht unabhängig von den späteren Intelligenztests.
Kinderzeichnungen sind auf jeden Fall interessant, schon weil die Kinder, wie leider wir Erwachsenen auch meistens, nicht das malen, was sie sehen, sondern das, was sie wissen. Oder vielmehr: sie sehen, was sie wissen, und das malen sie dann. Auch sprachlich interessant.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2014 um 11.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#26861

Für die Schulen in Erlangen wird gerade ein "Kurswechsel" angekündigt. Da fährt einem der Schreck in die Glieder. Dann denkt man "welcher Kurs?" und beruhigt sich wieder. Je mehr es wechselt, desto mehr bleibt es dasselbe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2014 um 10.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#26709

Wenn ich es recht bedenke, wollen alle Bildungsessayisten, daß junge Menschen so werden wie sie selbst. Da überwiegend humanistisch Gebildete über solche Fragen schreiben, ist die Forderung nach humanistischer Bildung seit Jahrhunderten vorherrschend. Der ganze Bildungsbegriff ist also sprachlich-philologisch-historisch geprägt, früher und in gewissen Kreisen immer noch auch theologisch.
 
 

Kommentar von B.Troffen, verfaßt am 26.06.2014 um 10.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#26157

Die Fingerfertigkeit leidet? Aber der Daumen wird nun viel mehr gebraucht. Ich sah jetzt eine Jugendliche, die hatte einen auffällig langen Daumen (soweit ist das schon gekommen!) und bediente damit irre schnell und sicher die "Tastatur" auf dem Smartphone. Lebewesen passen sich stets den Anforderungen an, die das Leben nun mal stellt. Der Daumen war zwar schon lange wichtig, nun aber wird er noch wichtiger, die andern Finger etwas weniger. Allerdings wird jetzt die Spracherkennung immer beliebter, dadurch könnte der Effekt wieder konterkariert werden. Dann wird nuancierte, klare Sprache wieder wichtig! Und Text ist eh nur eine Krücke zum Übermitteln und Aufbewahren sprachlicher Äußerungen. In der Tendenz wird seine Notwendigkeit wegfallen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.06.2014 um 08.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#26155

Das Spiel (der Kinder) ist ein Lieblingsthema für Pädagogen und Entwicklungspsychologen. Jeder zweite Lehramtskandidat läßt sich in Pädagogik zu diesem Thema prüfen. Es gibt kaum noch Lehrpläne und Didaktiken, die nicht immer wieder bekundeten, die Schüler sollten diese oder jene "Kompetenz" spielerisch erwerben. Damit scheint die Widrigkeit der Schule entschärft zu sein.

Die Kinder merken sehr bald, schon im Kindergarten, daß ihnen die Amtspersonen das Spiel wegnehmen wollen, um es ihnen dann in pädagogisch nutzbarer Form zurückzugeben. Diese dauerhafte Mißhandlung bleibt straflos. In der weiterführenden Schule spielt sie keine große Rolle mehr, weil das "Spielerische" nur noch auf dem Papier steht. Sie sollen zwar alles mögliche "spielerisch erkunden", aber natürlich kriegen sie dafür dann Noten oder Punkte.

Man sollte die akademische Pädagogik streichen, rein spielerisch natürlich.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 16.06.2014 um 18.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#26073

Zu #26070: "Salvador da Bahia (dpa [16.6.]) - [...] Vor der Fahrt zur Arena Fonte Nova müssen die Spieler jedoch zunächst ihre Energiespeicher für die ungewohnte Anstoßzeit um 13.00 Uhr auffüllen. «Nicht jeder kann um neun Uhr morgens Nudeln essen», schilderte Abwehrchef Per Mertesacker den veränderten Tagesablauf." - Ja, ist es denn auch bei all den Sorgen "über den sinkenden Leistungsstand der Abiturienten bei gleichzeitigem inflationärem Vergeben von Bestnoten" nicht doch wichtiger zu wissen, daß sich das "Nationalteam [...] mit Nudeln für Portugal" stärkt?
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 16.06.2014 um 15.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#26071

Forscherin verzweifelt: Was Kinder heute alles NICHT mehr können, ist wirklich zum Heulen

www.huffingtonpost.de/2014/06/14/kinder-forschung_n_5494282.html
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.06.2014 um 14.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#26070

In den Wochenendausgaben der Zeitungen und in den großen Sonntagszeitungen waren zum Teil mehrseitige Berichte über den sinkenden Leistungsstand der Abiturienten bei gleichzeitigem inflationärem Vergeben von Bestnoten zu lesen. Beklagt wurde auch die nachlassende Lesefähigkeit nebst Schreibschwächen.
Anwärter aufs Ingenieursstudium können keine Gleichungen aus der 8. Klasse mehr lösen usw.
Wenn außer in Bayern und Sachsen die Eltern über den Besuch des Gymnasiums bestimmen, ist die Quote von 10 Prozent Abbrechern eigentlich noch niedrig.
Absolventen berichten, daß sie Aufgaben mit passablem Ergebnis lösen konnten, ohne die geringste Sachkenntnis anzuwenden, einfach aus dem Text der Aufgabe und dem Testdesign heraus. Von meinen Töchter weiß ich, daß die Kunst des Sichdurchmogelns oder zumindest -wurschtelns schon die halbe Miete ist. Sogar und erst recht in Mathe und Naturwissenschaften. Da wäre viel zu kommentieren, aber das ist nicht der richtige Ort. Ich glaube, die Fiktion der allgemeinen Hochschulreife wird sich selbst auflösen.

Bei der Mathe-Olympiade waren Bayerns Schüler wieder besonders erfolgreich. Unsere Medien drücken das so aus: Bayerische Schüler "sahnten ab" oder "räumten ab" - was einigen Leser mit Recht nicht gefällt. Schließlich geht es hier nicht um den Eurovision-Song-Contest. Als besonderes Skurrilität wird eine Mittelstufen-Aufgabe zitiert. Zu wünschen wäre, daß die Zeitungen solche Aufgaben, die ja eigentlich jeder ihrer Leser irgendwann mal gekonnt haben sollte, zusammen mit den Lesern liebreich durchrechneten. Auch das Fernsehen könnte mit solchen Übungen regelmäßig zeigen, daß Mathematik keine Zauberei ist (um nichts Krasseres zu sagen). (Freilich - welches Redaktionsmitglied könnte es denn? Vielleicht der externe Fachidiot, der die Astronomische Vorschau betreut?)

Die Hauptmeldung vom Tage ist, daß der Rennfahrer Schumacher nicht mehr im Koma liegt; es folgt ein bißchen Irakkrieg, dann kommt die Fußball-WM.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2014 um 04.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#25970

Im Radio berichtet eine Reporterin über eine Schule, die – wie alle Schulen – besonders "innovativ" ist. Die Lehrer sind dort "Lernbegleiter", die Schülerinnen und Schüler arbeiten "eigenverantwortlich", bekommen "Feedback" von den Lernbegleitern usw.
Es ist also alles wie überall und schon immer, aber die Rhetorik läßt es als revolutionär neu erscheinen. Was nicht erwähnt wird: Es gibt gute und schlechte Lehrer, und so ist dann auch der Unterricht.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 12.09.2013 um 18.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#24013

Bloß nicht!
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 12.09.2013 um 14.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#24012

Hoffen wir, daß aus all den Schulkindern, die heute nicht mehr auf der Stelle hüpfen können, ohne auf den Kopf zu fallen, lauter Philosophen werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2013 um 05.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#24010

Weil gerade wieder von Ziffernnoten und vom Schwimmunterricht für Musliminnen die Rede ist ("Integration ist wichtiger als Religionsfreiheit"), sei mir unter den gelockerten Sitten auf meiner Ferieninsel etwas Anekdotisches nachgesehen: Als Gymnasiast war ich wohl etwas wunderlich. Zum Abitur gehörte auch ein "Schwimmabitur". Ich bin als fanatischer Nichtschwimmer gar nicht erst hingegangen. Wie ich später erfuhr, mußte eine Lehrerkonferenz darüber entscheiden, ob ich das Abiturzeugnis bekommen solle. Wegen der Einsen in anderen Fächern bekam ich es dann doch. (Mein Klassenlehrer nannte mich einen schlechten Schüler in Primusgestalt, das war wohl ein Zitat.)

Worauf ich aber hinauswill: Wir hatten in 13 Schuljahren kein einziges Mal Schwimmunterricht. Ebenso wurden wir bei den "Bundesjugendspielen" alljährlich in Disziplinen wie Kugelstoßen geprüft, obwohl wir im Sportunterricht niemals eine Kugel zur Hand genommen hatten. Ob die Schule überhaupt einen Satz Kugeln besaß? Wenn ich zurückdenke, ist es eigentlich kaum zu fassen. Schon damals fand ich es lächerlich, einen ganzen Tag mit Stoppuhr und Maßband hinter uns herzulaufen und skurrile Leistungen zu messen, auf die wir nicht vorbereitet worden waren. Die längste Zeit standen wir allerdings bloß rum.

(Übrigens: Rein körperlich hätte ich schon über eine Latte springen können, aber ich war ein philosophischer Kopf, und Philosophen springen nicht über Latten.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.07.2013 um 04.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#23512

Was die Bundesbildungsministerin Wanka zum notwendigen Umbau von Lehrplänen sagt (s. Diskussionsforum), zeugt von umwerfender Unkenntnis. Die Abwertung des Faktenwissens zugunsten der "Zusammenhänge" hat ihrerseits schon einen unendlich langen Bart. Stehen wir etwa vor der Reformpädagogik von vor 100 Jahren?

Vielleicht erinnert sich mancher besonders an das Lernen der Jahreszahlen (Schlacht im Teutoburger Wald) und hat alles andere, das der Lehrer damals sagte, vergessen. Eine verständliche und verzeihliche Gedächtnisstörung.

Was soll der Quatsch mit den Klassikern von Goethe? In meiner Jugend war es schick, Goethe und Schiller aus dem Unterricht zu verbannen. Und arrogant war es auch: WIR kennen die Klassiker, aber unsere Kinder brauchen sie nicht zu kennen, den Höfling und den Moraltrompeter usw. Und heute? Werden unsere Deutschlehrpläne etwa von den Klassikern beherrscht?

Was den Geschichtsunterricht betrifft, so ist die Chronologie tatsächlich das Grundgerüst, und wir sind sehr froh, daß z. B. die Griechen und Römer wenig Zweifel lassen, wann etwas stattgefunden hat, im Gegensatz zu den Indern zum Beispiel.

Da ich von meinen Töchtern oft nach geschichtlichen Themen gefragt worden bin, mußte ich mir immer wieder klar machen, was ich selbst eigentlich vom Unterricht behalten habe (der mich leider nicht allzu sehr interessierte). Nicht so sehr Jahreszahlen, mehr einen allgemeinen Überblick und eine nicht ganz falsche Chronologie. Die Kriege und sogenannten "Schlachten" spielten eine zu große Rolle, und gestört hat mich schon als Schüler die schematische und auch ständig abgefragte Einteilung in "Ursache und Anlaß" der militärischen Ereignisse. Dadurch wurde der Eindruck erzeugt, daß Kriege eigentlich unausweichlich waren und nur auf den Funken warteten, die jemand ins Pulverfaß schmiß. Na ja, das ist auch eine Geschichtsphilosophie, und vielleicht ist sie ja richtig, wer kann das schon wissen? Früher sagte man: Staat A wurde zu mächtig, deshalb mußten Staat B und Staat C etwas tun usw., heute putzt man das Ganze wirtschaftsgeschichtlich, systemtheoretisch und strukturalistisch auf, es ist aber dasselbe, Schicksalsglaube eben.

Die Schüler sollen "Ereignisse der Weltgeschichte einordnen und bewerten können". Jürgen Kaube hat sich mit Recht lustig gemacht über das, was laut Lehrplan die Schüler alles können sollen (während die Lehrer und deren Professoren es nicht können, obwohl sie es sich einbilden). Dazu habe ich Junge Kanoniere verfaßt. Sollte es am Ende so sein, daß die Schüler heute zu wenig Faktenwissen mitbekommen? Fakten machen bescheiden, das Einordnen und Bewerten (!) erzeugt Dünkel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.06.2013 um 12.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#23425

UNICEF und Kinderhilfswerk rufen die Schüler dazu auf, ihre Schule zu bewerten. Das Ergebnis soll im September zum Weltkindertag bekanntgegeben werden.

Die oberste Kategorie ist "Spaß". Auch die Qualität des Essens und die "Hygiene" sollen bewertet werden.

Nähme die Schule ihre Erziehungsaufgabe ernst, würden die Schüler sowohl ihr Essen selbst kochen (es gibt einige Schulküchen, immerhin) als auch die Toiletten sauberhalten. Alle Untersuchungen haben ergeben, daß an privaten Schulen das Inventar sehr viel schonender behandelt wird und die Toiletten sauberer sind als an öffentlichen.

Das "Schulzeugnis" bewertet den Service, auf den Kinder also einen Anspruch haben, wie ihnen suggeriert wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.06.2013 um 17.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#23406

Hans Blumenberg schrieb mal:

"Man kann die Entscheidung solcher Fragen wie dieser, ob der Mensch von Natur gut oder schlecht, durch seine Anlagen oder durch seine Umwelt bestimmt, der Faktor oder das Faktum der Geschichte sei, zwar wissenschaftlich, aber nicht praktisch aufschieben oder für sinnlos erklären. So steht jede Art von Pädagogik schon im praktischen Prozeß und kann auf die Zulieferung ihrer theoretischen Voraussetzungen nicht warten; sie wird daher gezwungen, aus dem Angebot theoretischer Verallgemeinerungen der Biologie, Psychologie, Soziologie und anderer Disziplinen Quasiresultate zu akzeptieren."

Das ist natürlich Unsinn. Man kann seine Kinder erziehen und Jugendliche bilden und ausbilden, ohne auf solche theoretischen Voraussetzungen angewiesen zu sein. In Wirklichkeit stimmt es allerdings, daß sogenannte Pädagogen (Universitätspädagogen) nach jeder wissenschaftlichen Entdeckung oder auch nur Mode schnappen und das dann unverdaut und unkritisch in ihre luftigen Theorien einbauen. Kaum hatten Neurologen sogenannte Spiegelneuronen entdeckt (um die es wieder etwas stiller geworden ist), entstand eine ganze Spiegelneuronenpädagogik usw.

Neulich wurde aus der Tatsache, daß sich im Hippocamous neue Nervenzellen bilden, die Folgerung gezogen, daß man auch in vorgerückten Jahren noch etwas lernen kann. Als ob das jemals unbekannt gewesen wäre!

Über die "Bedeutung der Hirnforschung für Deutsch als Fremdsprache" ist auch schon geschrieben worden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.12.2012 um 17.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#22126

„Ob auf dem Schulweg, beim Arztbesuch oder mal eben zwischendurch zuhause – mit dem SchreibHero können Schüler jederzeit und überall Diktate üben und so ihre Rechtschreibung effektiv verbessern.“

(Quelle)

Ja, so sind sie, unsere Kids! Bei jeder Gelegenheit üben sie Diktate. Achten nicht auf den Verkehr, sondern starren gebannt aufs Display.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.11.2012 um 16.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#21996

Für den Unterricht werden ja "Lesestrategien" empfohlen. Ich glaube nicht, daß einer der Lesestrategen selbst nach solchen Strategien liest. Lehrer unterrichten ja vieles, was sie selbst nicht können und sinnvollerweise auch nie tun würden.
Einer dieser Lesemeister schreibt:
Der vorliegende Text ist gestalterisch nicht besonders Verständnis fördernd gehalten.
(www.bildung-mv.de, PDF-Datei)
Ganz allerliebst.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.09.2012 um 11.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#21600

Schon interessant, daß Nutella im Bewußtsein vieler Konsumenten etwas typisch Deutsches ist, obwohl das Produkt ursprünglich aus Italien kommt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.09.2012 um 08.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#21598

Stimmt es, dass Sie Nutella nach Afghanistan geschickt haben?
Ja, zwei Tonnen nach Masar-e-Scharif. Nutella hat es gesponsort. Der General hat mir einen langen Brief geschrieben, darin steht, dass die Soldaten sich wahnsinnig gefreut haben. Für die ist Nutella ein Stück Heimat.

(Til Schweiger im Interview mit dem „Stern“: Til Schweiger bringt Nutella nach Afghanistan)

Also hat Ferrero Nutella nach Afghanistan geschickt und sich zur Unterstützung dieses Werbe-Gags in gewohnter Weise eines Prominenten bedient (für den, wenn er schon kein Geld dafür bekommen hat, sicher einige Packungen Kinderschokolade abfallen dürften).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.07.2012 um 12.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#21055

Aus einem Gespräch John Brockmans ("Edge") mit dem Mathematiker Reuben Hersh:

Here's an anecdote. I teach a class, which I invented myself, called Problem Solving for High School and Junior High School Teachers and Future Teachers. The idea is to get them into problem solving, having fun at it, feeling confident at it, in the hope that when they become teachers they will impart some of that to their class. The students had assignments; they were supposed to work on something and then come talk about it in class. One day I called for volunteers. No volunteers. I waited. Waited. Then, feeling very brave, I went to the back of the room and sat down and said nothing. For a while. And another while. Then a student went to the blackboard, and then another one.
It turned out to be a very good class. The key was that I was willing to shut up. The easy thing, which I had done hundreds of times, would have been to say, "Okay, I'll show it to you." That's perhaps the biggest difficulty for most, nearly all, teachers-not to talk so much. Be quiet. Don't think the world's coming to an end if there's silence for two or three minutes.

Ein deutscher Studienreferendar mit einer solchen Lehrprobe wäre schon durchgefallen. Eine Lehrprobe muß heute wie ein gut einstudiertes Theaterstück ablaufen, ohne die kleinste Irritation oder Abweichung vom Entwurf, der mindestens 18 Seiten umfaßt (gegenüber einer Seite vor 60 Jahren). Ich habe Dutzende von Lehrproben samt anschließender mehr oder weniger schwachsinniger Besprechung beobachtet. Die Ausbilder glauben zu wissen oder tun jedenfalls so, als glaubten sie zu wissen, wie man erfolgreich unterrichtet. Das Gegenteil ist empirisch bewiesen, aber der Betrieb kümmert sich nicht darum.
 
 

Kommentar von Christof Schardt, verfaßt am 14.06.2012 um 10.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#20879

Passend zur Selbstwirksamkeit ist auch das, was vor einiger Zeit in SWR2 von einem Erziehungswissenschaftler geäußert wurde:

...müssen wir den Kindern auch Selbstgenügsamkeitskompetenzen vermitteln.

Die gute alte Bescheidenheit tut es offenbar nicht mehr, sie war wohl zu lange verpönt oder sie ist zu banal oder auch beides. Beruhigend wenigstens, daß die Bescheidenheit offenbar eine Rehabilitierung als Erziehungsziel erfährt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2012 um 09.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#20878

Meine alte Schule in Kassel (wir feiern demnächst das 50jährige Abiturjubiläum, die Klasse hält immer noch zusammen) habe ich insgesamt in angenehmer Erinnerung. Wie ich heute auf der Homepage sehe, ist die Anstalt von der pädagogischen Pest befallen wie alle anderen:

Selbstwirksamkeit
 
Wir setzen uns als Schulgemeinschaft dafür ein, auf eine Stärkung des Selbstvertrauens der Schülerinnen und Schüler hinzuwirken.

Wir verstehen „Selbstwirksamkeit“ als Grundlage der Schülerinnen und Schüler dafür, „auf Grund bisheriger Erfahrungen auf ihre Fähigkeiten und verfügbare Mittel vertrauen zu können und davon ausgehen zu können, ein bestimmtes Ziel auch durch Überwindung von Hindernissen am Ende tatsächlich erreichen zu können.“  Selbstwirksamkeit ist demnach die „Überzeugung, dass man in einer bestimmten Situation die angemessene Leistung erbringen kann. Dieses Gefühl einer Person bezüglich ihrer Fähigkeit beeinflusst ihre Wahrnehmung, ihre Motivation und ihre Leistungen auf vielerlei Weise.“
(http://lehrerfortbildung-bw.de/akaprojekte/archiv2005/symposium/ws6/index.html; entnommen am 27.10.2010)

(http://ass-kassel.webnode.com/selbstwirksamkeit/)

Für so einfache Dinge genügt früher ein Wort, und es war so überflüssig, daß man davon überhaupt nicht redete. Der Lehrplan für ein Fach und Schuljahr umfaßte eine DIN-A4-Seite und nicht ein ganzes Handbuch wie heute. Man beachte auch das linkische Deutsch! Der Link führt zu einer schulpsychologischen Beratungsstelle:

Selbstwirksam zu sein heisst, auf Grund bisheriger Erfahrungen auf seine Fähigkeiten und verfügbare Mittel vertrauen zu können und davon ausgehen zu können, ein bestimmtes Ziel auch durch Überwindung von Hindernissen am Ende tatsächlich erreichen zu können. Kurz: man muss an die grundsätzliche Machbarkeit einer Sache glauben und daran, dass man sie selbst ins Werk setzen und vollenden kann. Selbstwirksamkeitserwartungen gründen sich auf die internale Zuschreibung bisheriger Erfolge und Mißerfolge.

(Auch orthographisch bemerkenswert.)

Leider gibt es niemanden, der diesen Quark bloßstellt, im Gegenteil, die Schulen schlabbern das Zeug auch noch gierig auf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.12.2011 um 17.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#19779

Eine Professorin für pädagogische Psychologie rät Eltern im FOCUS, ihre lernunwilligen schulpflichtigen Kinder durch die Aussicht auf Belohnung zu motivieren. Kommt mir irgendwie bekannt vor.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2010 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#16492

Die Lehrerin kommt von einer Fortbildung zurück und berichtet, in der Schülerbeurteilung werde künftig nicht mehr stehen "stört den Unterricht durch Schwätzen", sondern "ist dialogorientiert".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.12.2009 um 12.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#15441

Um die von Bertelsmann unterstützten "Laptopklassen" ist es etwas still geworden. Schon vor sechs Jahren hatten Vertreter des Projekts Bedenken, ob der "Neuigkeits- und Neugierigkeitseffekt" das Interesse der Schüler lange genug wachhalten würde. Die Kinder sitzen ja zu Hause sowieso dauernd am PC. Außerdem fehlte ein pädagogisches Konzept, das Medium ging wieder mal voran. Dann kamen auch noch deprimierende Meldungen aus den USA, so daß ein gewisser Begründungsnotstand aufkam.

Aus neuerer Zeit stammt diese Beteuerung der "Medienberatung Laptopklassen":

"Zahlreiche Untersuchungen und Erfahrungsberichte zeigen, dass das Lernen in Laptopklassen nicht nur die Medienkompetenz deutlich steigert, sondern auch die Leistungen in den übrigen Fächern signifikant verbessert.
Mobiles Lernen bedeutet nicht, dass der Computerraum nun Beine bekommen hat. Es bedeutet, dass das Lernen und Lehren eine vollkommen neue Dimension erreicht.“

"Vollkommen neue Dimension"? Das klingt geradezu kosmisch und weckt wieder mal Erwartungen, die niemand erfüllen kann. Mit schwerem Kater ist zu rechnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2009 um 05.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#14791

Auf der Suche nach weiteren Möglichkeiten, Geld für irgendwelche Studien auszugeben, ist die EU darauf verfallen, das Alter der Lehrer in der Gemeinschaft zu vergleichen. Die deutschen Lehrer sind besonders alt, daher auch schlecht, denn die jungen Lehrer wenden moderne Unterrichtsmethoden an, nicht wahr?
Ich werde jetzt das Geheimnis der Überalterung lüften – als erster, soviel ich sehe: Sie kommt daher, daß vor längerer Zeit sehr viele junge Lehrer eingestellt wurden. Sollte man diesen Fehler heute wiederholen, wie die EU-Studie empfiehlt, dann haben wir in 30 Jahren wieder ganz viele alte Lehrer.
Eine Möglichkeit wäre, keine jungen Lehrer einzustellen, dann können sie auch nicht alt werden. Oder man stellt sie befristet ein und entläßt sie, wenn sie vierzig sind.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 28.11.2007 um 09.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10777

Albträume bei der *Welt*, weil man ja Schülern und Schülerinnen helfen will (zu #10262): "Den 'Albtraum' mit 'b' zu schreiben, war einer der ganz wenigen vernünftigen Einfälle der Reformer"):
"Gleich zwei Fälle verhandelte Kerner gestern in seiner Sendung, in denen Alpträume von Eltern wahr geworden sind." (Welt Online, 28.11.07, 08:40) — Was ist denn in "der allgemeinen Verwirrung" jetzt noch "einzig vorschriftsgemäß"? Mit der etymologischen Schreibung (#10237) ist's hier im *Welt*-Schreibgebrauch jedenfalls nicht weit her.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.09.2007 um 09.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10312

Ich denke, mein Erklärungsversuch über den Wegfall des Artikels bei "frohen Mutes" war ein Irrtum. Wenn der Artikel wegfällt, bleibt ja die schwache Beugung normalerweise nicht erhalten.

Ich kann mich halt schlecht damit abfinden, daß die Bildung "diesen Jahres" ähnlich wie "frohen Mutes" sein soll.

Tut mir leid für die Ruhestörung, Herr Ludwig, aber ich befinde mich gerade vorübergehend in einer Zeitzone, wo es erst jetzt allmählich Zeit zum Schlafengehen wird.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 28.09.2007 um 08.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10311

P.S.: Solcher Gedanken wegen hier zu nachtschlafender Zeit jeden Schlafs beraubt, möchte ich noch hinzufügen: Solchen Sinnes bin ich jedoch schon, und das sage und schreibe ich auch. (Auch "jeder, -e, es" und "solcher, -e, -es" haben ja sonst pronominale [Artikelwörter-]Endungen.) Und so wünsche ich Ihnen also guten Morgen - so wie ich's ältestem Sprachgebrauch entsprechend mit starker Adjektivform sage; auch hier ist nicht "einen" oder "den" vor "guten" weggefallen.

 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 28.09.2007 um 03.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10310

Vielleicht ist die Erklärung noch einfacher. Und sie baut nicht auf Ausspracheschwierigkeit auf. Denn "weil die beiden 's' getrennt gesprochen werden müssen" stimmt vielleicht beim Genitiv; bei "Dies (Aussprache einfach stimmloses [s]; nichts von einem stimmhaften [z] ist übrig!) Jahr kommt er nicht" stimmt's schon nicht. Die Einsparungstheorie packt's mir also nicht so recht. Wir haben jedoch in der Sprachgeschichte schon einen Parallelfall, worauf David Konietzko hinweist. Auch bei der pronominalen Deklination der Adjektive vor Substantiven (ohne Artikelwort also) ist eine vom System her zu erwartende starke "-es"-Endung durch die schwache "-en"-Endung ersetzt worden, und da, meine ich, weil eben die Funktion, den G. sg. m. und n. anzuzeigen, vom Substantiv selbst hinreichend deutlich übernommen wird: "der Geschmack guten Weines/Bieres". Wo das nicht gegeben ist (sg. f. und pl., "kalter Milch", "besserer Weine") haben die attributiven Adjektive die starke Endung. Auch bei "diesen Jahres" wissen wir genau, welchen Fall wir vor uns haben. Daher erscheint auch mir die "Unterscheidung zwischen 'deiktischem' und 'anaphorischem' ... Gebrauch ... zweifelhaft." Die Sprache hat sich jedoch oft entstandene Dubletten zur Unterscheidung nutzbar gemacht (engl. "shirt" und "skirt" [dt. "Schürze"]), und "eine gewisse intuitive Verteilung der Formen bei den Sprechern" könnte sich durchaus herausschälen oder sogar schon herausgeschält haben (Achenbach). Ich meine aber rein von der Form her: die Artikelwörter haben zwar ihr "starkes" System, aber hier ist eine Form zu schwach, um der Umformung durch ein anderes System, das eben auch seine Macht ausübt, zu widerstehen. Und die Macht der schwachen Adjektivendungen besteht ja gerade darin, daß sie frei von jeder Unterscheidungsfunktion sind. — Diesen Sinnes bin ich jedenfalls, — wenn ich auch normalerweise "diesen Sinnes" weder sage noch schreibe.

 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 28.09.2007 um 03.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10309

"Daß des diesen Jahres nicht möglich ist, hat nichts mit deiktischem Gebrauch zu tun, ..."

Das habe ich auch gar nicht behauptet. Ich habe gesagt,
weil es nicht möglich ist, kann diesen Jahres (wegen des fehlenden Artikels) auf keinen Fall anaphorisch gebraucht sein, sondern höchstens deiktisch. (Trotzdem halte ich auch den deiktischen Gebrauch zumindest hochsprachlich für falsch.)

Die Frage, ob mit oder ohne Artikel (des/eines) vor Wörtern wie nächsten, vorigen, ..., hat also schon etwas mit deiktischem/anaphorischem Gebrauch zu tun, oder sehe ich das wirklich ganz verkehrt?

Zu dem anderen u.g. Beispiel "frohen Mutes":
Ich glaube nicht, daß man dies als Analogie zu den Pronomina wie im umgangssprachlichen "diesen Jahres" sehen kann.
"(des) frohen Mutes" ist ein ganz normaler Genitiv, schwache Deklination des Adjektivs. Es wurde keine Genitivendung ersetzt. Der Artikel "des" wurde hier nur verkürzend weggelassen.
Bei "diesen Jahres" wurde aber kein Artikel weggelassen, denn "dieses" ist, wie Herr Konietzko schon schreibt, selbst ein Artikelwort.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 27.09.2007 um 16.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10308

Vielleicht ist die Erklärung einfacher: Zwei Genitiv-(e)s-Endungen hintereinander werden als unnötig empfunden, und die gesprochene Sprache bevorzugt Formen, die in der Endsilbe ein "e" und damit eine Sprechsilbe einsparen und für die Zunge einfacher auszusprechen sind: Bei [diesn] ist das möglich, bei [dieses] nicht, weil die beiden "s" getrennt gesprochen werden müssen. Die Schreibweise folgt dann der gesprochenen Sprache. Das Substantiv muß dann aber das Genitiv-(e)s haben. Nur bei "des" geht das alles nicht, das bleibt, es hat ja auch nur ein "s".
 
 

Kommentar von David Konietzko, verfaßt am 27.09.2007 um 13.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10307

Daß des diesen Jahres nicht möglich ist, hat nichts mit deiktischem Gebrauch zu tun, sondern liegt daran, daß dieser selbst ein Artikelwort ist und ein Substantiv nicht zwei Artikel gleichzeitig bei sich haben kann.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 27.09.2007 um 10.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10306

Einer der Unterschiede zwischen deiktischem und anaphorischem Gebrauch ist, daß der Artikel (des, eines) bei deiktischem Gebrauch weggelassen werden kann, bei anaphorischem Gebrauch jedoch nicht:

"Ich habe gerade mein Abitur gemacht und werde im Sommer des nächsten Jahres zu studieren beginnen." Das ist deiktischer Gebrauch, des kann man weglassen. Aber:
"1980 machte er sein Abitur, begann aber erst im Sommer des nächsten Jahres zu studieren." Man kann hier des nicht weglassen!

Es gibt im Gegensatz zu "des nächsten", "eines jeden", "des letzten", "des vorigen" ... keine Möglichkeit zu sagen, "des/eines diesen" oder "des/eines jenen". Darum kann es keinen anaphorischen Gebrauch von "diesen/jenen Jahres" geben. Nur der deiktische Gebrauch läßt wegen der Möglichkeit, den Artikel wegzulassen, die Formulierung "diesen/jenen Jahres" überhaupt zu.

Trotzdem halte ich letzteres für falsch. Ich bin der Meinung, daß auch der weggelassene Artikel hier noch mitklingt. Es gibt nun mal kein "des diesen Jahres", deshalb kann ich auch eine Stützung wegen Analogie mit dem vorigen, nächsten usw. nicht anerkennen.
 
 

Kommentar von Nikolaus Lohse, verfaßt am 27.09.2007 um 09.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10305

(Zu Herrn Icklers skeptischer Rückfrage:)

Na ja, jede Grammatik, die eine Form als gebräuchlich und (damit) etabliert bucht, "sanktioniert" sie ja in gewisser Weise. Ich will auf dem Begriff aber nicht bestehen, sonst geraten wir noch ins Grundsätzliche...
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 26.09.2007 um 18.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10304

Laut meiner Duden-Grammatik von 1988 steht beim Indefinitpronomen "jeder":
"'jeder' hat die gleichen Formen wie 'dieser'. Als Genitiv der männlichen und sächlichen Form ist neben 'jedes' auch 'jeden' möglich, wenn ein Substantiv mit der Genitivendung '-(e)s' folgt: am Ende jedes/jeden Tages; am 1. jedes/jeden Monats; Name und Adresse jedes/jeden Mitglieds (aber nur der Traum 'jedes' Menschen)."

Mir scheint, daß sich "dieser" und "jener" in der Deklination an "jeder" angleichen oder in manchen Zusammenhängen als Adjektive angesehen werden.
Wichtig scheint mir aber die Bedingung, daß ein Substantiv mit der Genitivendung '-(e)s' folgen muß: nur "der Name dieses Menschen".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.09.2007 um 17.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10302

Frage an Herrn Lohse: Welche Grammatik meinen Sie, die einen bestimmten Gebrauch "sanktionieren" könnte?
 
 

Kommentar von H. Jochems, verfaßt am 26.09.2007 um 17.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10301

Vielleicht macht er sich nur einen Scherz?
 
 

Kommentar von David Konietzko, verfaßt am 26.09.2007 um 15.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10300

Bei deiktischem Gebrauch (gemeint ist das gegenwärtige Jahr aus der Sicht des Sprechers oder Schreibers) wird diesen Jahres durch letzten Jahres, vorigen Jahres, nächsten Jahres gestützt, bei anaphorischem Gebrauch (gemeint ist ein Jahr, das im Text vorher erwähnt wurde) jedoch nicht.

Übrigens hieß es früher frohes Mutes statt frohen Mutes; diese beim Adjektiv so gut wie abgeschlossene Ersetzung der Genitivendung greift auf die Pronomina über.
 
 

Kommentar von Nikolaus Lohse, verfaßt am 26.09.2007 um 14.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10298

Die Frage kann ich nur unterstreichen. Auch der Zweifelsfall-Duden von 2001 bringt noch dieselben Beispiele für die einzig korrekte starke Flexion: dieses Jahres, Monats, Typs.

Die Unterscheidung zwischen "deiktischem" und "anaphorischem" (?) Gebrauch erscheint mir zweifelhaft. Vielleicht erfaßt sie eine gewisse intuitive Verteilung der Formen bei den Sprechern; von der Grammatik ist solches aber bisher noch nicht sanktioniert.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 25.09.2007 um 21.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10296

Steht in den neueren Dudengrammatiken nicht mehr wie in meiner von 1988 der audrückliche Hinweis:
"Die männliche und sächliche Genitivform heißt 'dieses', nicht 'diesen'; also:
'im April dieses Jahres (nicht: diesen Jahres); am 13. dieses Monats (nicht: diesen Monats); ein Gerät dieses Typs (nicht: diesen Typs)"?
Wenn die Mehrheit es jetzt entgegen dieser Regel schreibt, ist es dann richtig, weil sprachliche Weiterentwicklung? Sind jetzt beide Formen fehlerfrei?
Welche Dudengrammatik-Ausgabe entspricht der bisherigen Rechtschreibung, für die wir uns einsetzen, oder braucht es dieser entsprechend auch eine "Ickler"-Grammatik?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.09.2007 um 08.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10295

Herr Achenbach macht mit Recht auf den Unterschied zwischen deiktischem und anaphorischem Gebrauch aufmerksam. Nur bei ersterem liegt die Analogie zu "nächsten" usw. nahe. Das schließt nicht aus, daß es auch abweichende Beispiele gibt, aber die Tendenz ist eindeutig.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 25.09.2007 um 08.06 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10293

Liegt hier vielleicht eine Bedeutungsnuance vor?
"Diesen Jahres" bezeichnet das laufende Jahr, "dieses Jahres" kann jedes Jahr bedeuten, von dem gerade die Rede ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.09.2007 um 19.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10292

Aber auch "diesen Jahres" ...
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 24.09.2007 um 17.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10290

Damit das endlich mal klar wird:
Für Adjektive gilt: Im März letzten Jahres; am Anfang vergangener Woche, am Beginn nächsten Monats; ein Glas echten Honigs, süßer Marmelade, hellen Mehls, saurer Gurken.
Für Artikel und Pronomen gilt: Im März dieses Jahres; am Ende dieser Woche, am Beginn dieses Monats; ein Glas dieses Honigs, dieser Marmelade, dieses Mehls, dieser Gurken.
 
 

Kommentar von T. P., verfaßt am 24.09.2007 um 09.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10283

Nein, Ingrid, das ist völlig verkehrt.
 
 

Kommentar von Ingrid, verfaßt am 24.09.2007 um 08.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10282

...guten Deutsches

Müßte es nicht an dieser Stelle "...gutes Deutsches" heißen? Es heißt doch auch "Im September nächstes Jahres".
 
 

Kommentar von Resi an Walter Moslechner, verfaßt am 24.09.2007 um 08.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10281

"...outet Sie als tendenziöse Gegnerin guten Deutsches."

Fürwahr ein Musterstück höchster deutscher Sprachkultur! Erhaben und klangvoll! Sowas sollten Sie mal der Herzog-August-Bibliothek mit dem Preßlufthammer ins Gesims stemmen!
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 23.09.2007 um 15.29 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10277

Anders als Germanist (897#10264) meint, scheint zuhause zwar keine Ableitung von das Zuhause im morphologischen Sinne zu sein. Angedeutet aber ist damit, daß Präpositionalgefüge graphemisch zu Adverbien univerbiert werden, wenn sie auf begrifflich Gewordenes verweisen (bei gleichzeitiger Lexikalisierung). Das die Dinge endgültig deutlich machende Nomen das Zuhause ist zwar morphologisch sekundär, sein Gegenstand aber die Voraussetzung für das Adverb zuhause als Transitionsbasis.
Germanist (897#10268) weist auch darauf hin, daß die so indzuierten Univerbierungen nicht nur dem ohnehin zu solchen neigenden Deutschen eigen sind. Verweise nach draußen bzw. Blicke von dort könnten der durch das Reformdesaster ausgelösten Diskussion über die Schreibung des Deutschen dienlich sein

Man möchte sich in "Analogie" vielleicht auch für nachhause entscheiden. Damit hat es aber eine andere Bewandtnis, denn die Richtung "nach Hause" ist nur schwer hypostasierbar bzw. als Gegenstand zu unterstellen. Daher warnt Theodor Ickler (897#10265) wachsam mit "Das Argumentieren mit Analogien ("zubett") ist gefährlich", weil es, wie er zeigt, das Zubett nicht gibt. Dieses und noch weniger das Nachhause haben die Chance, "in die Existenz zu treten", sondern lediglich ins spielerische Erwägen.

Man kann im Augenblick nicht zugegen, sondern zu Tisch oder gar schon zu Bett sein, also weder zu Gange noch zu Diensten. Aber an Orten mit analogen Namen ist man dennoch nie.

Mit der (zu früh vollzogenen?) Schreibung zuhause hatten sicher viele ähnliche Efahrungen wie Philip Köster (897#10267), aber vielleicht – wie ich – tolerantere Lehrer, die das "Unwort" zwar anstrichen, aber gelten ließen, weil ihnen das Zuhause im eigenen Lexikon samt seiner Morphobasis bewußt war.

Allein weil Österreich ein Alpenland ist, folgt man dort der Deform mit der Schreibung Alptraum, im Schwabenlande steht mit Albtraum geleisteter Widerstand zu erwarten. Wie aber schreibt man den anderen Namen für Nachtmahr in Albion?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.09.2007 um 07.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10275

Gefunden bei ORF.at:

"Drück mich!

Ja, wer ist Schuld an Rudis Albträumen? Wenn Du mehr darüber wissen willst, dann drück weiter oben auf "Audio".

Text: Christine Nöstlinger

Anmerkung: Seit der Rechtschreibreform 2006 schreibt der ORF Albtraum mit p, also Alptraum. Für die bessere Verständlichkeit der Wort- und Sinnspiele im Text haben wir hier die alte Rechtschreibung beibehalten."


(Dies ergänzt den bereits hier eingetragenen Text. – Red.)
 
 

Kommentar von Walter Moslechner, verfaßt am 22.09.2007 um 19.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10273

Liebe Resi,

die »alte« Rechtschreibung ist nicht alt. Sie lebt, wie Sie sehen. Bereits Ihre Begriffswahl »alt« outet Sie als tendenziöse Gegnerin guten Deutsches. Davon haben wir in Deutschland leider zu viele, und ich kann dieses Geseier unterdessen nicht mehr hören.
 
 

Kommentar von P. L., verfaßt am 22.09.2007 um 13.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10271

Ich führe (als Schweizer) seit bald vier Jahrzehnten ein Tagebuch. Darin steht z.B. zu lesen: „Mit allen [Kindern] auf dem Schulhausplatz Korbball gespielt. Kurz vor dem Gewitter nachhause.“ Oder: „Mueti blieb zuhause, um D* zu pflegen.“
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 22.09.2007 um 11.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10268

Eine Analogie möchte ich zulassen: daheim, das Daheim. Im übrigen sprechen die Österreicher [zhaus]. Möglicherweise liegt in Österreich tschechischer Einfluß vor: tsch. doma zuhause, domu nachhause (Bétonung auf der ersten Silbe). Aber viele Österreicher gehen nicht "nachhause", sondern "hoam", wörtlich ins Preußische übersetzt "heim". ("I möcht wieda hoam aus der großen Wöld, i möcht hoam nach Fürstenföld.")
 
 

Kommentar von Philip Köster, verfaßt am 22.09.2007 um 10.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10267

Mir gefällt die Schreibweise zuhause sehr. Dies deshalb, weil mir noch in schmerzlicher Erinnerung ist, wie mir das in der fünften Klasse als Fehler angekreidet wurde. Mir stiegen fast Tränen zu Augen, weil ich es doch besser wußte als meine Deutschlehrerin, aber sie kannte kein Pardon. Hat mich eine Eins gekostet, dieser Schabernack. An die konsequente Fortführung nachhause muß ich mich erst noch gewöhnen, aber auch sie gefällt mir gut und scheint mir angemessen.
 
 

Kommentar von David Konietzko, verfaßt am 22.09.2007 um 10.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10266

Tobias Bluhme über zuhause (897#10263): "Von der Betonung her dürfte es allenfalls in der Schweiz Anhänger finden."

Wahrscheinlich glaubt Herr Bluhme, Zusammenschreibung lege Betonung der ersten Silbe nahe. Mit diesem Argument haben manche Reformgegner die Schreibungen zurzeit und mithilfe verworfen. Gegenbeispiele sind beiseite, inmitten, aufgrund, anhand, imstande, infolge, zufolge usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2007 um 09.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10265

"zuhause" und "nachhause" waren vor der Reform in Österreich eingebürgert und normgerecht, ersteres war auch in Deutschland so häufig anzutreffen, daß ich es kommentarlos als Variante ins Wörterbuch aufgenommen habe. Das Argumentieren mit Analogien ("zubett") ist gefährlich, es führt in Sicksche Untiefen. Ich halte mich lieber an den Gebrauch. Wenn denn aber schon Analogien herangezogen werden sollen, sollte man beachten, daß es längst "das Zuhause" gibt, aber nicht "das Zubett" ... Die Univerbierung solcher Fügungen, die nach heutiger Grammatik nicht mehr syntaktisch konstruierbar sind, liegt übrigens in der normalen Entwicklungsrichtung und ist systematisch nicht zu beanstanden. Aber wie gesagt: Usus tyrannus, quem penes usw.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 22.09.2007 um 09.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10264

Ich halte "zuhause" für eine Ableitung von "das Zuhause": "Hier ist mein Zuhause, hier bin ich zuhause." Beide meinen gar nicht unbedingt das Haus, es kann auch das Dorf oder der Stadtteil sein; Soziologen haben sicher einen Ausdruck dafür.
 
 

Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 22.09.2007 um 07.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10263

Den "Albtraum" mit "b" zu schreiben, war einer der ganz wenigen vernünftigen Einfälle der Reformer, neben der Legalisierung des (längst üblichen, aber dudenwidrigen) "zuhause" (und dazu noch des zwar weniger üblichen, aber naheliegenden "nachhause").

Wo bitteschön war "zuhause" üblich? Ich habe das vor der Reform niemals irgendwo gesehen. Von der Betonung her dürfte es allenfalls in der Schweiz Anhänger finden.

Abgesehen davon: Man schreibt ja auch nicht "zutisch" oder "zubett".
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 21.09.2007 um 22.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10262

Den "Albtraum" mit "b" zu schreiben, war einer der ganz wenigen vernünftigen Einfälle der Reformer, neben der Legalisierung des (längst üblichen, aber dudenwidrigen) "zuhause" (und dazu noch des zwar weniger üblichen, aber naheliegenden "nachhause"). Daß jetzt die Anstalt ORF "Alptraum" für einzig vorschriftsgemäß hält, mag noch ein aus der allgemeinen Verwirrung erklärbarer Zufall sein. Jedoch ist es, zumindest in der Presseorthographie, allgemeiner Konsens, es müsse jetzt "zu Hause" heißen, wo früher "zuhause" (in der Bedeutung von daheim) stand. Dieser paradoxe Effekt scheint mir durch den Hinweis auf Übergeneralisierung ("man schreibt jetzt getrennt") nicht hinreichend erklärt zu sein. Schließlich texten dieselben Leute auch brav "umso" oder "mithilfe".
 
 

Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 21.09.2007 um 22.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10261

(Noch heute bezeichnen Religionswissenschaftler die germanischen Geister als Alben oder Elben.)

Ich habe mal gelernt, ein solcher Geist (der "Absender" des bösen Traums) sei ein Alp. Bei Albtraum muß ich wirklich immer an die Schwäbische Alb denken.
 
 

Kommentar von oe1.orf.at, verfaßt am 21.09.2007 um 20.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10260

Rudi Radiohund: Albträume

Rudi: Rosi, Tonmeister - Ich habe seit einer Woche fast jede Nacht Alpenträume.

Rosi: Alpenträume? Besteigst du im Traum Berge? Oder sitzt du auf einer Alm und hütest die Kühe?

Rudi: Nein! So grausliche Horror-Träume habe ich, eben Alpenträume.

Tonmeister: Du meinst Albträume.

Rudi: Okay, also Albträume! Ist doch fast das gleiche.

Rosi: Nein, die Alpen haben mit den Alben nichts zu tun. Alben sind so gespenstische Wesen, die sich des Nachts auf die Brust von Schlafenden [setzen] und die bekommen dann Angstträume.

Rudi: Auf mir sitzt aber keiner, weder auf der Brust noch sonst wo, hinter mir ist einer her und will mich fangen und abmurksen! Und ob der so ein Alb ist, weiß ich nicht, weil ich mich in den Träumen nicht umdrehen kann, wahrscheinlich vor lauter Angst!

Tonmeister: Rudi, solche Alben gibt es doch nicht wirklich. Das haben die Menschen vor langer, langer Zeit einmal geglaubt. Und jetzt nennt man eben so einen fürchterlichen Traum, in dem man schreckliche Angst, einen Albtraum.

Rudi: Und warum, bittschön, nennt man das Albtraum wenn es gar keinen Alb gibt? Und wer ist dann schuld an meinen Horror-Träumen?

Text: Christine Nöstlinger

Anmerkung: Seit der Rechtschreibreform 2006 schreibt der ORF Albtraum mit p, also Alptraum. Für die bessere Verständlichkeit der Wort- und Sinnspiele im Text haben wir hier die alte Rechtschreibung beibehalten.

http://oe1.orf.at/highlights/108845.html
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 21.09.2007 um 19.45 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10259

Wie anders?
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 21.09.2007 um 17.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10258

Sieht so aus, als würde der Tagebucheintrag dies alles ein wenig verkürzt wiedergeben.
 
 

Kommentar von Materialschürfer, verfaßt am 21.09.2007 um 17.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10257

So ist es. Siehe den Originalartikel aus dem Kölner Stadt-Anzeiger vom 14. September.
 
 

Kommentar von Claudia Schiffer, verfaßt am 21.09.2007 um 17.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10256

Man möge bitte beachten, daß "entartete Familie" keineswegs die Diktion dieser Zeitung war, sondern eine Übertreibung Prof. Icklers, die ihren Zweck ja auch nicht verfehlt hat.
 
 

Kommentar von GL, verfaßt am 21.09.2007 um 15.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10255

Eine entartete Familie, die aufs Fernsehen verzichtet.

Entartung wegen Verzicht auf das Fernsehen?

Ein Verzicht auf das Fernsehen? Ich habe keine Probleme, diesem Schwachsinn zu entgehen. Zu kurz ist das Leben, als sich durch einen solchen Alptraum verblöden zu lassen und den TV-Machern auch noch Geld nachzuwerfen. Keinen einzigen Rappen!

Der Umgang mit Kunst und Kultur samt den Bücherverbrennungen 1933 war ein dunkles Kapitel und gehört zur deutschen Geschichte, sollte meines Erachtens auch heutigen Schülern nicht vorenthalten werden. Dieses Thema gehört zur Allgemeinbildung und kann nicht negiert werden. Von den Säuberungen und Enteignungen deutscher Kunstschätze haben die Nationalsozialisten mehr als nur profitieren können. Auf Berufsverbote, die gegen moderne Künstler, moderne Kunst oder auch Hochschullehrer verhängt wurden, will ich noch nicht einmal eingehen. Und bevor die Aufregung und Heuchelei rund um den Begriff „entartet“ ausartet: Wo sind sie denn nur geblieben, diese Schätze?

Am Ende hatte Immanuel Kant doch recht behalten, der 1798 zu wissen glaubte: „Aus so krummem Holze, als woraus der Mensch ist, kann nichts Gerades gezimmert werden.“
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 21.09.2007 um 14.37 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10254

Philip Köster (897#10251) meint: "Ich bevorzuge »Portrait«, weil nämlich auch im Deutschen das finale t nicht mitgesprochen wird".
Seiner Bitte um begründeten Widerspruch kann wahrscheinlich nicht entsprochen werden. Die Gleichschreibung der letzten beiden Laute in Universität und Porträt ist eine Hypergeneralisierung gegen die Herkunftsschreibung und gegen die Aussprachedifferenz im Deutschen. Nach der nächsten Deform der deutschen Graphie wäre vielleicht Porträ(h) obligatorisch.
Konsequenterweise müßte schon heute "Plädoajeh" geschrieben werden (oder normal = französisch).

Die von Germanist (897#10252) in feiner Courtoisie gestellte Frage
"Soll's was Gutes sein, oder darf's auch was von Duden sein?"
ruft uns die Entscheidungsfreiheit ins Bewußtsein.
 
 

Kommentar von Resi Berghammer, verfaßt am 21.09.2007 um 12.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10253

Alte Rechtschreibung. Der Geschmack von Freiheit und Abenteuer.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 21.09.2007 um 12.38 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10252

Sprüche, die noch nicht patentgeschützt sind:
Lieber die bessere Rechtschreibung, man gönnt sich ja sonst nichts.
Soll's was Gutes sein, oder darf's auch was von Duden sein?
 
 

Kommentar von Philip Köster, verfaßt am 21.09.2007 um 11.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10251

Es ist mir doch immer ein Vergnügen, dem, den ich tatsächlich als den besten Deutschlehrer unserer Zeit akzeptiere, zu widersprechen. Nennt es ein Hobby.

Ich bevorzuge »Portrait«, weil nämlich auch im Deutschen das finale t nicht mitgesprochen wird. Allzu viele vom Duden vorgeschlagenen und aus dem Französischen herrührenden Eindeutschungen scheinen mir doch etwas zweifelhaft. Warum sollte ich nicht »Portrait« und »Plaidoyer« schreiben dürfen? Ich erbitte begründeten Widerspruch.
 
 

Kommentar von Karsten Bolz, verfaßt am 21.09.2007 um 10.00 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10250

... und erzählt die furchtbare Geschichte von einem Fünfjährigen, der ohne TV aufgewachsen war...

Tja, damit so Furchtbares zukünftigen Generationen erspart bleibt, kommt demnächst das Baby TV auch nach Deutschland:

Unter dem Namen Baby TV startet im nächsten Jahr deutschlandweit ein neuer Fernsehsender. Zielgruppe: Kinder im Alter von null bis drei Jahren. [...]

Die als Bezahlfernsehen ausgelegte Station [...]


Als Bezahlfernsehen! Man faßt es nicht!
 
 

Kommentar von Claudia Schiffer, verfaßt am 21.09.2007 um 09.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10249

"Warum klassische Rechtschreibung? – Weil ich es mir wert bin!"

Aber mal im Ernst: Wenn wir einfach die komplette alte Rechtschreibung für uns patentieren lassen, dann muß jeder, der sie in Hinkunft noch benutzt, irre Lizenzgebühren bezahlen. Und mit diesem Geld könnten wir dann die bessere Schreibwirklichkeit wiederherstellen.

(Oder das IDS auf den Mars schießen.)
 
 

Kommentar von Karl Hainbuch, verfaßt am 21.09.2007 um 08.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10248

"Mit fünf Jahren muß ein Kind so abgebrüht sein, daß es nach Fernsehbrutalitäten keine Albträume mehr erlebt."

Täglich werden nicht nur die großen, nein, auch die kleinen und sogar die angeblichen Untaten der Nationalsozialisten zur monströsen Barbarei aufgeblasen.
Gleichzeitig findet vor unser aller Augen eine wahrhaft epochale Barbarei statt: Fernsehen für Dreijährige, natürlich von der obligatorischen Medienwissenschaftlerin begleitet, die wohl erforscht hat, daß nur ständige und rasendschnelle Bildwechsel aus einem medieninkompetenten Säugling einen James-Bond-tauglichen Fünfjährigen machen. (Die Sendung mit dem Elefanten, vgl. TV-Spielfilm 18/07, Seite 115)

Wer sich für die Auswirkungen auf den "young child's fragile eggshell mind" (Jim Morrison) interessiert:
www.ritalin-kritik.de

Vor unser aller Augen werden Kinder in einstelligen Jahren mit Drogen "behandelt". Sie haben dann ein kleines Säckchen bei sich und in diesem Säckchen ist ein Wecker und Ritalin. Und wenn der Wecker klingelt, dann ist es Zeit für die Kinderdroge.
(Auf US-Schulhöfen werden Ritalin-Tabletten von den älteren Kindern zerbröselt und in die Nase gezogen; diejenigen, die sie auf Rezept kriegen, verdealen sie an die Mitschüler.)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 20.09.2007 um 23.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10245

Gerade wollte ich den Reformanhängern den Werbespruch empfehlen: "Neue Rechtschreibung, nichts ist unmöglich!"
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 20.09.2007 um 19.40 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10243

Aus all dem folgt, daß man für eine Neuauflage des "Trabant" (eine Art Pkw) nicht mit "quadratisch – praktisch – gut" werben sollte, weil sonst ein rittersporniger Schokobäcker abmahnend dazwischen fahren könnte. Es werden offenbar bereits nicht nur Kinderschuhe und andere Wörter privatisiert, sondern Produkte des Sprachgebrauchs von Syntagmen bis hin zu Sätzen. Vielleicht war Mauthner zu blauäugig.

In Dummschreibungen sollte aber obligatorisch (z.B. in Bern) ein Copyright eingebrannt werden. Das wohlbekannte "R" im Kreis würde dann zeigen, woran man ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.09.2007 um 18.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10242

Noch eine Beobachtung vom Tage: Der Zuckerverkäufer Ferrero unterliegt dem Zuckerverkäufer Haribo in einem Rechtsstreit um die Verwendung des Wortes "Kinder" in Produktnamen. Ich erwähne das hier, weil wir uns schon einmal Gedanken über die Kommerzialisierung der gemeinsamen deutschen Sprache gemacht haben. Noch gibt es Richter in Deutschland, allerdings hier erst in der letzten Instanz. Daß solche Verfahren aber möglich und keineswegs aussichtslos sind, zeigt doch, wie weit die Privatisierung der Sprache schon vorangekommen ist. Zum Beispiel dürfte ich keineswegs mit dem Spruch "Ickler – find ich gut" für mein Wörterbuch werben, aber auch schon die bloße Ähnlichkeit mit den geschützten Wendungen ist gefährlich. Mir kommt das ebenso verhängnisvoll vor wie die "Patentierung" von entdeckten (statt erfundenen) Teilen der Natur, z. B. DNS-Abschnitten.

Wenn ich mich recht erinnere, gab es vor vielen Jahren schon einmal einen Streit um den Namen "Kinder-Schokolade", den der Hersteller wohl gewonnen hat. Es ging darum, daß durch eine solche Bezeichnung den Eltern ein besonderer gesundheitlicher Wert dieses Erzeugnisses für die Ernährung der Kinder, besonders ihre Versorgung mit Kalzium, suggeriert werde, der bei einem Zuckergehalt von 38,1 Gramm pro 100 Gramm nicht über jeden Zweifel erhaben zu sein scheint.

Vielleicht irre mich aber auch, dann nehme ich selbstverständlich alles zurück, bevor die Abmahnung des Zuckerverkäufers mich ereilt.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 20.09.2007 um 16.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10241

Um Verwechslungen auszuschließen: Das Wort "Alpen" wird aus baskisch "alphi" Berghang erklärt, das Wort "Elbe" aus indogermanisch "*alhbi" mit der idg. "Wasserwurzel" "*albh", altnordisch "elfr" Fluß. Die "Elfen" sind aus dem Englischen entlehnt, wohin sie aus dem Skandinavischen gekommen waren. (Tschechisch "Labe" für dt. "Elbe" ist durch die slavische Liquidametathese entstanden.)
 
 

Kommentar von Luigi aus Kalabrien, verfaßt am 20.09.2007 um 14.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10239

Wir sollten vielmehr den Amtsrat Knüsel mit den Füßen in einen Eimer Zement drücken.
 
 

Kommentar von Amtsrat Knüsel, verfaßt am 20.09.2007 um 14.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10238

Einer weitverbreiteten Volksetymologie und pflichtgemäßer Dreikonsonantenregel zufolge müßte "zerreißen" eigentlich mit 3 r geschrieben werden: zerrreißen.

Wir müssen das dringend in die Schulen drücken.
 
 

Kommentar von David Konietzko, verfaßt am 20.09.2007 um 13.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10237

Das Wort Albtraum/Alptraum geht auf mhd. alp zurück. Am Plural elbe erkennt man, daß das p auf Auslautverhärtung beruht. (Noch heute bezeichnen Religionswissenschaftler die germanischen Geister als Alben oder Elben.) Da die Auslautverhärtung heute wegen des Stammprinzips in der Schrift nicht beachtet wird, ist Albtraum die sprachgeschichtlich berechtigte Schreibweise; aus Unkenntnis der Herkunft des Wortes resultiert die Variante Alptraum. Die FAZ hat schon vor der "Reform" unter Hinweis auf die Etymologie stets Albtraum geschrieben, gegen den alten Duden. Im "Ickler" sind zu Recht beide Schreibungen verzeichnet.
 
 

Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 20.09.2007 um 11.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10234

Neulich "schwörte" jemand in einem Text der SZ. (Vielleicht gibt es auch bald die verschwörte Gemeinschaft und die Geschwörten.) Aber das ist alles egal, die Hauptsache ist, daß nach Heyse geschrieben wird.
 
 

Kommentar von Tobias Bluhme, verfaßt am 20.09.2007 um 09.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=897#10231

...nach dem zufälligen Anschauen von James-Bond-Szenen drei Monate lang Albträume hatte.

Er träumte von der Alb? Oder träumte er auf der Alb? Ich stamme von dort; mir war aber nicht bewußt, daß es für diese Gegend spezifische Träume gibt...
 
 

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