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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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12.01.2007
 

Wie geht es weiter?
Das Unvermeidliche, wann wird’s Ereignis?

Was auch immer den Verlag bewegt haben mag, den neuesten Rechtschreibduden um jeden Preis auf den Markt zu werfen, ich vermute, daß bald eine Neubearbeitung kommen wird.
Gerade beim Vergleich mit dem Kompakt-Wahrig und seinen in wesentlichen Punkten andersartigen Empfehlungen bin ich immer sicherer geworden, daß die 1996er Getrenntschreibung der Resultativzusätze sich nicht halten wird. Also die unzähligen Fälle wie blank putzen, glatt streichen usw., ein hochproduktives Muster.
Der Wahrig macht das grundsätzlich besser, auch wenn er sich gerade in diesem Punkt hoffnungslos in die "Handreichungen" verheddert.

Bei den Trennungen wird sich aber auch Wahrig eines besseren besinnen müssen: Es soll tri-ploid, aber Trip-tychon getrennt werden, Ot-algie, aber Neu-ralgie, Mis-anthrop, aber Phi-lanthrop, Syn-ästhesie, aber Ki-nästhesie.

Der Wahrig (der kleine wie der große) hat zu allem anderen noch den Fehler, daß die Berufung auf das "Saarbrücker Korpus", das der Computerlinguist Manfred Pinkal verwaltet, nur eine scheinbare ist. Es läßt sich Seite für Seite zeigen, daß die angeblich ermittelten Schreibweisen dort unmöglich stehen können. Auch der Duden benutzt ja seine legendäre Kartei nicht (mehr) wirklich zur Stützung seiner Wortschatzauswahl und Schreibweise. Das einzige empirisch begündete Rechtschreibwörterbuch ist mein eigenes. Das ist ziemlich komisch, denn mir fehlen ja nun wirklich fast alle Mittel, so etwas zu leisten.



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Kommentare zu »Wie geht es weiter?«
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Kommentar von morgenweb.de, 29. Juni 2013, verfaßt am 29.06.2013 um 18.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#23500

Sprache: Mannheimer IDS beobachtet die Schreibpraxis
Wissen, wie man schreibt

Nichts ist so stetig wie der Wandel, auch in der Sprache. Sie verändert sich im kleinen wie im Großen. Zeitversetzt zeigt sich das auch im Gebrauch der Rechtschreibung. Natürlich möchte man wissen, ob das Regelwerk zur deutschen Rechtschreibung in der Praxis akzeptiert wird, es fehlt aber ein Instrumentarium für eine systematische Beobachtung des Schreibgebrauchs.

Das soll nun ein Kooperationsprojekt des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim ändern. Dabei werden laut einer Mitteilung des IDS Instrumente für eine umfassende Beobachtung des angewandten Schriftdeutschen vor allem der sogenannten professionellen Schreiber in Zeitungen und Zeitschriften, aber auch von Schülern, Bloggern und anderen Schreibern entwickelt.

Dynamik des Wortschatzes

Als Grundlage dienen neben bestehenden Textdaten neu aufzubauende Sammlungen, die auch Beispiele für Internetkommunikation beinhalten werden. Es sollte dann möglich sein, die tatsächliche Verwendung der Schriftsprache stärker bei der Normierung der Orthografie zu berücksichtigen. Zudem könne sich daraus ein Überblick über sprachliche und kulturelle Varianz ergeben, ein Ausgangspunkt für Forschungen zur Dynamik des Wortschatzes.

Das IDS kooperiert mit dem Seminar für Computerlinguistik der Universität Saarbrücken sowie den Wörterbuchverlagen Bibliographisches Institut und Wahrig. Das Projekt bedient sich computerlinguistischer Methoden und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

(www.morgenweb.de)
 
 

Kommentar von Kätzer, verfaßt am 17.06.2013 um 08.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#23438

Das erinnert an manipulierte Wahlen in Diktaturen.

Ich habe dasselbe Argument in bezug auf die im 2010er Bericht erwähnten und fragwürdigen "empirischen" Ergebnisse der Geschäftsführung des Rates gegenüber per E-Mail zur Sprache gebracht. Es wurde geflissentlich ignoriert.

Man nennt so etwas wohl Bunkermentalität.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.06.2013 um 07.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#23436

Wenn die Reformer eine statistische Auswertung in Auftrag geben, werden sie Texte, die sich der Rechtschreibreform verweigern, von vornherein ausschließen. Das war schon so, als die FAZ nicht mitmachte: sie wurde folglich nicht berücksichtigt. Das erinnert an manipulierte Wahlen in Diktaturen.

Von der Computerlinguistik erwartet man auch etwas mehr als Sprachstatistik (für soviel Geld!).
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 15.06.2013 um 07.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#23422

Was die Reformer angerichtet haben, kann man schon in der Pressemitteilung sehen:

"so genannte Textkorpora"

"sogenannter professioneller Schreiber"
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2013 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#23414

»Neues Forschungsvorhaben untersucht den Schreibgebrauch im Deutschen (13.6.13)

Die Untersuchung von Rechtschreibgewohnheiten und von aktuellen Entwicklungen in Wortschatz und Schreibkultur in der deutschen Sprache ist Gegenstand eines neuen Forschungsvorhabens, an dem die Universität des Saarlandes beteiligt ist. Bis Februar 2016 fließen dafür rund 320.000 Euro an den Lehrstuhl für Computerlinguistik von Prof. Manfred Pinkal. Seine Arbeitsgruppe will neue sprachtechnologische Methoden für die Analyse von Texten entwickeln. Das Verbundprojekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wird, ist am 1. März dieses Jahres gestartet.

Wie entwickelt sich die Schreibung im Deutschen, inwiefern werden Rechtschreibregelungen akzeptiert, und welche Rechtschreibfehler werden am häufigsten gemacht? Das sind einige der Fragen, die ein neues Verbundprojekt beantworten will, an dem auch die Universität des Saarlandes beteiligt ist. Die Gesamtkoordination liegt beim Institut für Deutsche Sprache (IDS); weitere Projektpartner sind die Redaktionen von Duden und Wahrig sowie der Rat für deutsche Rechtschreibung (RdR) mit seinem Vorsitzenden Hans Zehetmair.

Nach der Rechtschreibreform sind eine Reihe von Regelungen sofort in den Sprachgebrauch integriert worden, beispielsweise Doppel-s nach kurzem Vokal wie in „Kuss“. Andere Regeln wurden nur zögerlich angenommen, darunter die Angleichung von Buchstaben an die Sprachlaute wie in „Gämse“. In bestimmten Fällen hat die Reform auch zur Verunsicherung geführt, etwa bei der Neuregelung der Getrennt- und Zusammenschreibung. Welche Regeln angenommen werden und wie die Sprache genau benutzt wird, wollen die Partner im neuen Verbundprojekt untersuchen. Dazu werden riesige Textarchive, so genannte Textkorpora, ausgewertet, die Duden, Wahrig und IDS fortwährend aufbauen. In ihnen sind die Texte aus Zeitungen und Zeitschriften gespeichert, und täglich kommen etwa eine Million neue Wörter hinzu.

Manfred Pinkal, Professor für Computerlinguistik an der Saar-Universität, fällt die Aufgabe zu, computerlinguistische Werkzeuge für die Auswertung dieser Textarchive zu entwickeln, die auf die kontinuierliche Schreibbeobachtung zugeschnitten sind. Beispielsweise kommt das Wort „recht“ beziehungsweise „Recht“ häufig vor und wird in einigen Fällen groß und in anderen klein geschrieben. Interessant für die Entwicklung der Schreibung sind aber nicht die Verwendungen, in denen es als normales Substantiv auftritt („das ist mein gutes Recht“) oder als Adverb gebraucht wird („das ist recht interessant“), sondern Formulierungen wie „da hat er recht/Recht“, bei denen die reformierte Rechtschreibung beide Varianten zulässt. Hierzu entwickeln Pinkal und sein Team Verfahren, die bei der Textanalyse automatisch die Wortart bestimmen, variierte Wortformen auf ihre Grundform zurückführen und für die Unterscheidung von Wortbedeutungen Informationen aus dem Kontext nutzen. „Wir wollen geeignete Instrumentarien schaffen, um den Schreibgebrauch im deutschsprachigen Raum systematisch in seiner gesamten gesellschaftlichen Varianz verfolgen zu können“, erläutert Pinkal.

Neben den Texten sogenannter professioneller Schreiber soll aber auch der Schreibgebrauch von Schülern und von Internet-Nutzern beobachtet werden. „Beim Internet sind wir ganz nah am aktuellen Sprachgebrauch – es ist ein regelrechtes Labor für die Weiterentwicklung der Rechtschreibung“, freut sich Professor Pinkal. Seine Arbeitsgruppe will Grammatik und Wortarten aller Textsorten im Netz, von E-Mails über Twitter bis zu Diskussionsforen, unter die Lupe nehmen. Die Herausforderung für die Saarbrücker Wissenschaftler besteht darin, die vorhandenen Werkzeuge, die für korrekte standardsprachliche Texte entwickelt wurden, an die neuen Nicht-Standard-Texte anzupassen.
Die neuen Methoden wollen die Verlagspartner zur Schreibbeobachtung einsetzen. Deren Ergebnisse gehen an den Rat für deutsche Rechtschreibung, der die Entwicklung der Rechtschreibung in Deutschland, der Schweiz und Österreich verfolgt und Vorschläge für die weitere Anpassung der deutschen Orthografie macht.

Kontakt:
Prof. Dr. Manfred Pinkal
Tel.: 0681 302-4343, -4344
E-Mail: pinkal@coli.uni-sb.de
www.coli.uni-saarland.de/~pinkal/en/page.php«

(siehe z. B. http://idw-online.de/de/news538282)



Die Reformer lassen sich jetzt wissenschaftlich vorführen, was sie angerichtet haben. Reformverweigernde Texte werden sicher nicht berücksichtigt, das wäre ja kontraproduktiv. Es ist dreist, hier von "Entwicklung" zu sprechen, es geht nur um das Ausmaß der Folgsamkeit. Schade um das Geld.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 20.02.2007 um 23.09 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7795

Ich kann den Gefühlsausbruch von Fungizid gut verstehen. Die Debatte in diesem Forum ist verflacht. Haben wir alle Hoffnung fahren lassen? Gibt es überhaupt noch etwas, was wir tun können?
In einem kann ich Fungizid aber nicht folgen. Warum sollten wir warten, bis Prof. Ickler uns sagt, was zu tun ist? Haben wir keinen eigenen Kopf? Herr Wagner hat ja schon einen nützlichen Vorschlag gemacht. Natürlich können wir aber auf den Sachverstand von Prof. Ickler nicht verzichten. Er hat ja schon mit seinen ersten Analysen der neuesten Wörterbücher wichtige Vorarbeit geleistet. Ich denke aber, wir alle könnten dazu beitragen, diese Analysen noch zu verfeinern. Was allerdings nur Prof. Ickler tun kann, ist aller Welt aus eigener Wahrnehmung heraus die Absurdität des Rechtschreibrats vor Augen zu führen.
Wahrscheinlich könnte auch Christoph Schatte wichtige sprachwissenschaftliche Beiträge leisten, wenn er sich denn in verständlichem Deutsch ausdrücken könnte.
Und selbst wenn das einzige, was wir erreichen könnten, darin bestünde, künftige Generationen von ähnlichen albernen Dummheiten wie der RSR abzuhalten - wäre auch nur das nicht des Schweißes der Edlen wert?
Ich rege an, einen Diskussionsfaden einzurichten, wo wir darüber diskutieren können, was jetzt noch getan werden kann.

(Das gibt es bereits im Forum – siehe hier. Red.)
 
 

Kommentar von Jan-Martin Wagner, verfaßt am 17.02.2007 um 21.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7776

Fungizid (#7746): »Wir wollen endlich wissen, was wir tun sollen.«

Eine nützliche Fleißarbeit wäre beispielsweise, dort weiterzumachen, wo Herr Metz aufgehört hat – siehe hier.
 
 

Kommentar von Ballistol, verfaßt am 16.02.2007 um 14.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7752

Ich finde es unredlich, Prof. Ickler so anzugehen, wie es "Fungizid" tut. Ein geistiger Kopf der Kritik ist kein Geschäftsführer und schon gar nicht ein Marketing-Chef.

Dem kann ich mich nur anschließen.
 
 

Kommentar von Konrad Schultz, verfaßt am 16.02.2007 um 13.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7751

Strafbewährung nicht in der Tagesschau, aber in Panorama dokumentiert gefunden:

O-Ton

RÜDIGER BAGGER Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Hamburg:

"Das ist im Zusammenhang mit diesem Vorwurf, nämlich reiner Besitz von kinderpornographischen Material, nicht ungewöhnlich. Wir haben im § 184, äh, eine Strafbewährung von Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr, wenn es um eine Person geht, die nicht vorbestraft ist - wie das hier der Fall ist -, kann man über eine solche Sache verhandeln. Allerdings gegen eine erhebliche Geldbuße."

Ob die "Strafbewährung" wirklich Originalton ist, sei dahingestellt; auch die falsche Grammatik muß nicht vom Staatsanwalt kommen.
Vielleicht muß sich auch hier die Geldstrafe auch erst noch bewähren.

Zum Logo: Grafisch fällt mir nichts ein, vielleicht aber ein Textlogo.

Lesen mit Genuß.
Bewährte Rechtschreibung.

Ich finde es unredlich, Prof. Ickler so anzugehen, wie es "Fungizid" tut. Ein geistiger Kopf der Kritik ist kein Geschäftsführer und schon gar nicht ein Marketing-Chef.
 
 

Kommentar von Fungizid, verfaßt am 16.02.2007 um 09.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7746

Für eine zielorientierte Strategie brauchen wir kurzfristige, mittelfristige und langfristige Handlungsprogramme. Nur durch einträchtiges Malmen unserer Topoi in sieben Mägen werden wir die Lage nicht ändern können.

Beispielsweise mag es einen Hinweis und eine Dokumentation wert sein, wenn auf Tagesschau.de von "Strafbewährung" die Rede ist. Eine Debatte ist es mitnichten wert. Wir wollen endlich wissen, was wir tun sollen. Und zwar von Ihnen, Herr Professor Ickler.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.02.2007 um 08.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7745

Nein, es hat keine besonderen Gründe, daß ich zur Popularität der Känguruh-Idee bisher nichts beigetragen habe. Meine Kräfte und Möglichkeiten sind begrenzt, so einfach ist das manchmal.
 
 

Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 16.02.2007 um 06.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7744

Nachtrag an Herrn Bärlein

Ihre Logik besticht, aber ein Argument ist falsch. Die trd. Rechtschreibung ist heute im Druckwesen keinesfalls "selbstverständlich", sondern in einigen Bereichen bereits der Ausnahmefall.

Hier ging es darum, wie man seinen Lesern eine Hilfestellung geben kann, ein Buch in trd. Rechtschreibung sofort zu erkennen, ohne ein "daß" suchen zu müssen. Um nicht mehr und nicht weniger.
 
 

Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 16.02.2007 um 06.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7743

Dem Einwand Herrn Bärleins kann ich komplett folgen.

Was Herr Gruner gegen das Känguruh hat, ist mir jedoch schleierhaft. Wir hatten hier eine lange Diskussion, in der es unter anderem darum ging, daß das Känguruh als Zeichen für Produkte in trd. Rechtschreibung schon geraume Zeit verwendet wird.

Über Geschmack kann man streiten, mir gefällt auch nicht der Leninorden, wie er auf der Prawda prangt. Wer es besser machen kann, möge es besser machen. Herr Prof. Ickler fand die Idee gut, hat aber zu ihrer Popularität ebenfalls nicht beigetragen, vermutlich aus ähnlichen Gründen wie Herr Bärlein.
 
 

Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 27.01.2007 um 15.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7482

Qualität hat es nicht nötig, eigens plakatiert zu werden. Aber diesseits von Geschmacksfragen hängt die Entscheidung eines Verlages, ob er seine Produkte mit einem Logo oder sonstwie kennzeichnen wird, auch davon ab, ob er dergleichen für eine verkaufsfördernde Maßnahme hält oder nicht. Das Scheitern der "Schlechtschreibreform"-Kampagne von "Bild" zeigt, daß der Zug für ostentatives Rechtschreiben schon 2004 abgefahren war. Die Springer-AG hätte damals besser daran getan, es mit einer kurzen Mitteilung an ihre Leser bewenden zu lassen. Sobald das Selbstverständliche mit viel Lärm – oder auch einem Abzeichen – daherkommt, gibt es zu verstehen, daß es eben nicht selbstverständlich ist.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 27.01.2007 um 13.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7480

Ein Thunfisch?
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 27.01.2007 um 12.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7478

Dann mal raus mit der Sprache, Herr Gruner, woran denken Sie?
 
 

Kommentar von Ralf Gruner, verfaßt am 27.01.2007 um 12.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7477

Ich war sofort interessiert, als ich von einem Logo gelesen habe, und dachte, daß ich so etwas vielleicht auf den von mir betreuten Webseiten einbauen könne. Nachdem ich es mir aber angesehen habe, war ich nicht so begeistert und hatte beschlossen, mich nicht dazu zu äußern. Nun gut, das ist nicht schwergefallen, da ich hier sowieso fast nur passiver Mitleser bin, aber vielleicht geht es anderen damit ähnlich.
Ein Känguruh halte ich – auch wenn das Wort durch die Reform verunstaltet wird – als Logo für eine deutsche Rechtschreibung zumindest für befremdlich, und ich vermute, daß dessen Benutzung zum Veralbern anregt, nicht zum Mitmachen.
Es wäre schön, wenn es noch andere Ideen gäbe.
 
 

Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 25.01.2007 um 14.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7431

Auch interessant: Erst wird die Bedenkenträgerei beweint, aber wenn sich dann mal einer aufrafft und einen Angang macht (Rechtschreib-Logo, siehe die vorangegangene Diskussion), dann reagiert niemand mehr.

So ist kein Krieg zu gewinnen.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 17.01.2007 um 18.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7300

Das schon immer Mögliche, wie wurd's Ereignis?
In einem ganz alten Duden, der mir gerade vorliegt (1948, gedruckt in der Schweiz) finde ich zur Großschreibung:
"3. Hauptwörter
Alle w i r k l i c h e n Hauptwörter werden mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben. [/] Dementsprechend sind Wörter aller Art, wenn sie als H a u p t w ö r t e r gebraucht werden [...], mit großen Anfangsbuchstaben zu schreiben, z. B. [...]
b) Fürwörter
[...] das dir Zukommende [ich hätte dieses Beispiel unter "a) E i g e n s c h a f t s- u n d M i t t e l w ö r t e r" eingeordnet], das Nichts, ein gewisser Jemand."
Auch bei *das andere/gute Kind, nicht das da, das andere/gute* würde ich für Einordnung unter Adjektive plädieren (also nicht unter "F ü r- u n d Z a h l w ö r t e r"), womit denn das reformiert "Andere" zu seinem Recht käme, worauf so viele ja auch reinfallen, wovon aber dann der Duden jetzt doch wieder abrät. Aber das wirklich "Andere" ist eben ein Substantiv (wenn auch eins mit Adjektivendungen [aber das ist "der Beamte" ja auch]) und wurde von Schreibern, die etwas vom richtigen Schreiben verstanden, auch beim Schreiben als Hauptwort gekennzeichnet (wie denn auch *ein paar Schuhe* und *ein Paar Schuhe* eben nicht dasselbe sind). Und das entspricht ganz richtig Ihrem Sprachgefühl und Ihrer Erinnerung, lieber Herr von Heyl, und richtigen Dudenrichtlinien entspricht es also auch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.01.2007 um 17.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7299

Nach der Logik des neuesten Wahrig, die ich hier schon erläutert habe, wundert es einen nicht mehr, daß empfohlen wird: „Eier hartkochen“, aber „Erbsen weich kochen“. Der Duden macht hier nicht mit, sondern empfiehlt durchweg Getrenntschreibung, was zwar nicht der Sprachentwicklung (und der Grundregel über Resultativzusätze) entspricht, aber wenigstens konsequent ist. Im Grunde kann es einen freuen, daß solche unerträglichen Komplikationen eingeführt werden, denn damit kommen die Reformer bestimmt nicht durch. Aber wie dickfellig kann sich der Rechtschreibrat stellen, bevor er hierzu Stellung nimmt?
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 17.01.2007 um 15.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7298

"Oder täusche ich mich?" (#7297) Sie täuschen sich nicht. In meiner Ausgabe von Borcherts *Draußen vor der Tür* sprechen in der 1. Szene Beckmann und "der Andere" miteinander: "Ich bin der Andere" — "Der Andere? Welcher Andere?"
In "Die Kegelbahn" versteckt sich aber "der andere" (wie bei Frisch, denn es handelt sich ja bei dem einen und dem anderen da eigentlich nur um dieselbe Person): "Doch, flüsterte der andere, manchmal hat es Spaß gemacht. Das ist es ja. Richtig Spaß." — Was immer die Dudenleute heute mit "besonderer Betonung eines substantivischen Gebrauchs" andeuten wollen, — sie machen nicht klar, daß es sich eben um verschiedene Bedeutungen handelt. Darum geht's aber. Der jetzige Duden, — hier vereinfacht er mit seiner empfohlenen allgemeinen Kleinschreibung, aber die läßt eben eine eigene Bezeichnung aus. Was für ein Wörterbuch!
 
 

Kommentar von Julian von Heyl, verfaßt am 17.01.2007 um 14.03 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7297

Zu Horst Ludwig:
Welche Mühe sich doch Max Frisch in *Andorra* gibt, "die anderen" nicht allzu offensichtlich als "die Anderen" hinzustellen, die da aber konstant angedeutet sind! Aber gerade auf solche Unterscheidungsmöglichkeiten pfeifen ja die Reformler.

Die Kritik mag in vielen Fällen ja berechtigt sein, gerade bei "andere" gilt allerdings auch in neuer Rechtschreibung weiterhin die Kleinschreibung. Lediglich bei besonderer Betonung eines substantivischen Gebrauchs ist auch Großschreibung möglich. Allerdings empfiehlt der Duden 2006 auch in diesen Fällen die Kleinschreibung.

Was mich interessieren würde: Ist die Großschreibung von "andere" auch nach herkömmlicher Rechtschreibung als richtig anzusehen, wenn man den substantivischen Gebrauch betonen möchte? In der 20. Auflage des Duden von 1991 finde ich keinen Hinweis darauf, nur die Regel "nach R 66 immer klein geschrieben" mit einer Fülle von Beispielen (und die fakultative Großschreibung ist im Duden von 2006 auch durchgängig rot markiert). Meinem Sprachgefühl und meiner Erinnerung nach war aber die Schreibung "das Andere" zum Beispiel in der Bedeutung von "das Fremdartige" oder auch "der Andere" in der Bedeutung "der Andersartige" schon immer möglich. Oder täusche ich mich?
 
 

Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 16.01.2007 um 13.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7286

Hier kann das Zeichen besichtigt und bezogen werden:

http://www.zeichen.de.tt/

Die weitere Verbreitung wäre zu wünschen.
 
 

Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 16.01.2007 um 13.18 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7285

Die Gütesiegel-Diskussion finden Sie hier.

Gebremst hat damals Herr Lachenmann, dem ich generell eher Besonnenheit als Defaitismus unterstelle. Meine Anfrage an die Betreiber verschiedener einschlägiger Internetseiten, ob sie die Propagierung dieses übergreifenden Logos unterstützen wollen, löste leider keine Reaktionen aus.

Das verwendete Känguruh habe ich im Signet einer amerikanischen Universität gefunden, die es mir gegenüber schriftlich als rechtefrei erklärte. Simon Bauer hat sehr geschickt eine wohlüberlegte Randschrift herumgelegt.

Dieses Zeichen existiert und kann jederzeit kundgetan bzw. zum Herunterladen angeboten werden.

Wer das Zeichen haben will, kann es bei mir per Email abrufen.
 
 

Kommentar von Hans-Jürgen Martin, verfaßt am 16.01.2007 um 11.17 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7284

> Wegen erheblicher Bedenken einiger Forumsteilnehmer, die Verlage würden es vielleicht nicht benutzen, wurde es dann aber nicht weiter propagiert.

Diese Diskussion über ein Logo habe ich nicht mitbekommen. Vielleicht war das auch gut so, da ich mich sonst wohl schon damals geärgert hätte darüber, daß die RSR-Gegner nicht einmal das zustandebringen. Spekulationen helfen nicht weiter. "Die Verlage würden es vielleicht nicht benutzen" klingt verdächtig nach 'hoffentlich ist kein Verlag interessiert, dann kann so ein Logo-Projekt auch nicht schiefgehen'.

Natürlich reicht es nicht, ein Logo an irgendwelche Verlage zu verschicken und den Wunsch zu äußern, es fürderhin für Produkte in deutscher Rechtschreibung zu benutzen. Eine renommierte Organisation oder Persönlichkeit sollte an die (Literatur-)Verlage herantreten und ein solches Logo anregen und begründen. Das bereits vorhandene Logo kann als Entwurf ebenfalls vorgeschlagen werden, wenn die Werbeprofis der Verlage das Muster weiterentwickeln oder ganz durch einen eigenen ersetzen dürfen. Sollten sich ein paar große Verlage auf ein Logo einigen und zur Übernahme durch andere empfehlen, wäre viel gewonnen.

Ideal wäre, wenn "hinter" dem Logo eine aktuelle Referenz stünde – am besten der Ickler
 
 

Kommentar von B. Eversberg, verfaßt am 15.01.2007 um 09.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7278

Eine Ickler-Neuausgabe könnte durchaus werben mit "In der Tradition von Konrad Duden". Ein Personenname darf ja wohl auf einer Titelseite und in der Werbung genannt werden, dagegen könnte Mannheim nichts machen, während sie selber genau diese Formulierung nicht mehr guten Gewissens (doch das fehlt dort) benutzen könnten, denn es wäre gelogen. Großer Bedarf ist vorhanden, warum findet sich kein Verlag mit dem nötigen Marketing-Potential, der es macht? Es wird doch sonst alles auf dem Markt geschmissen, was irgend Umsatz verspricht, so schlecht es auch sei.
 
 

Kommentar von Alexander Glück, verfaßt am 15.01.2007 um 08.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7277

An Hans-Jürgen Martin:

Ja, über so ein Logo ist nachgedacht worden, es wurde dann auch erstellt und liegt griffbereit auf zwei Festplatten, einmal bei mir und dann noch beim Herrn Bauer. Es ist rechtefrei und sehr einprägsam und schön. Man könnte es auf den einschlägigen Seiten zum Herunterladen anbieten.

Wegen erheblicher Bedenken einiger Forumsteilnehmer, die Verlage würden es vielleicht nicht benutzen, wurde es dann aber nicht weiter propagiert.

Eine Art selbsterfüllende Prophezeiung, naja.
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 14.01.2007 um 13.05 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7265

Assoziationsvermeidung?
Der Plural Steinmetze steht zwar in morphologischem Widerspruch zum Genitiv, er hat aber den Vorteil, nicht wie die entsprechende Form Steinmetzen evtl. als Kompositum verstanden zu werden, dessen Grundwort (horribile dictu) Metzen wären.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 14.01.2007 um 07.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7263

Im Duden steht betütern, betütert, nicht aber betüteln, betütelt. Dabei ist letzteres viel häufiger. Eines von sehr vielen Beispielen dafür, daß der Duden auch bei der Auswahl der Stichwörter überhaupt nicht deskriptiv war, schon vor der Reform. (Die Lücke hat sich leider in den Ickler fortgepflanzt. Naturgemäß konnten bei der Umarbeitung des Duden in ein deskriptives Wörterbuch diese Mängel nur zum Teil behoben werden.) Ich frage mich oft: Was hat die Dudenredaktion eigentlich den lieben langen Tag getrieben? Ich tippe auf: Däumchen drehen. Der Duden hat sich von selbst verkauft, auch wenn er kaum gepflegt wurde.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.01.2007 um 21.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7260

Ist ja beruhigend. Vielleicht in Analogie zu Spatzen bilden nämlich manche Leute auch den Plural Piepmatzen.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.01.2007 um 19.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7259

Piepmätze.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 13.01.2007 um 18.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7258

Der Plural Steinmetze läßt sich mühelos in hundert Jahre alten Texten nachweisen, vgl. Meisterprüfungen für das Baugewerbe: Maurer – Zimmerer – Steinmetze von Wilhelm Miller, Hannover 1907. Was sagt Wahrig zu Piepmatz?
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 13.01.2007 um 17.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7257

"'Das ganze interessiert mich nicht', [da] meine ich ja gerade keine Ganzheit, sondern schlicht alles." (#7248) Auch ich schreibe "ganze" hier klein, und ähnliches, z. B. der/die/das andere, a. weil ich hier das Pronominale im Vordergrund sehe, und b. besonders, wenn die Großschreibung besondere Assoziationen hervorruft, die auf keinen Fall beabsichtigt sind. Gesprochen würde die besondere Hervorhebung zum Substantiv durch besondere Betonungsmittel im Satz gekennzeichnet. Welche Mühe sich doch Max Frisch in *Andorra* gibt, "die anderen" nicht allzu offensichtlich als "die Anderen" hinzustellen, die da aber konstant angedeutet sind! Aber gerade auf solche Unterscheidungsmöglichkeiten pfeifen ja die Reformler. Sie denken, wir hätten hier Homophone. Denn bei jedem feiner unterscheidenden Gebrauch müßte man ja mitdenken!

Zum Plural von "Steinmetz" (#7256): Wieweit und wo und für wen die starke oder die schwache Pluralform Standard ist, sollte man den Sprechern überlassen, die etwas von diesem Handwerk verstehen, und man sollte denen nichts vorschreiben, wenn man nichts davon versteht. Solche Dubletten gibt's auch sonst, z. B. beim G. sg. von "Bauer" (m.). Ich kann damit leben. Mich freut aber hin und wieder eine Form, die ich noch von meiner Heimatsprache her kenne, die aber sonst nicht mehr gebäuchlich zu sein scheint (z. B. beim Unterschied zwischen "Herz, es, e" für dieses lebenswichtige Muskelorgan und "Herz, ens, en" für den Sitz des Gefühls). Aber wann benutze ich bestimmte Wörter auch schon. "Steinmetz" habe ich z. B. wahrscheinlich aktiv in den letzten zehn Jahren überhaupt nicht benutzt. "Bildhauerei" und dazugehöriges ja, aber das ist ja nicht dasselbe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2007 um 17.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7256

Wahrig kennt als Plural von Steinmetz nur die Steinmetzen. Mir kommt das etwas veraltet vor, und in meinen Zeitungsjahrgängen heißt es auch fast immer Steinmetze.

Der neue Wahrig ("Ein Wort ...") gibt im allgemeinen keine Hinweise auf die Pluralbildung der Substantive, um so mehr fragt man sich nach dem Nutzen der unentwegt wiederholten Angabe, von bestimmten Wörtern gebe es "nur Sg.". In den meisten Fällen ist die Angabe völlig trivial, z. B. bei Knesset, wo doch gewiß niemand einen Plural erwartet.
 
 

Kommentar von Hans-Jürgen Martin, verfaßt am 13.01.2007 um 16.10 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7254

Das einzige empirisch begründete aktuelle (!) Rechtschreibwörterbuch ist in der Tat der Ickler. Man könnte, um eine Tautologie zu vermeiden, auch sagen: Das einzige "Rechtschreib"-Wörterbuch ist der Ickler. Die anderen Wörterbücher können keinen deskriptiven bzw. wissenschaftlichen Anspruch geltend machen – eigentlich müßten sie als Anhänge entspr. Gesetze und Verordnungen erscheinen und in der Rechtsabteilung der Buchhandlungen verkauft werden. Als Rechtschreib-Wörterbücher sind sie Fälschungen. Wer ein solches Werk über den zeitgenössischen Sprachstand erstellt, würde auch ältere Sprachstände fälschen.

Um so wichtiger ist eine Neuauflage des Ickler. Wenn sich eine durchgesehene Papierfassung auf Dauer tatsächlich nicht verwirklichen läßt, erscheint mir eine bedienerfreundliche Online-Fassung wünschenswert – etwa hier unter www.sprachforschung.org oder unter einer eigenen "sprechenden" Domain.

Ist eigentlich schon einmal darüber nachgedacht worden, ein einprägsames Rechtschreib-Logo zu kreieren, das den entsprechenden Hinweisen in angepaßten Print-Medien (z. B.: "Gemäß neuer Rechtschreibung überarbeitet") Paroli bieten und Werke in deutscher Rechtschreibung auf den ersten Blick kenntlich machen würde?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2007 um 14.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7253

Das hat was für sich. Ich möchte aber trotzdem nicht alles, was ich aus irgendwelchen Gründen für erwägenswert halte, in mein Wörterbuch bringen, denn wohin soll das führen? Außerdem habe ich weder zuzulassen noch vorzuschreiben, ich empfehle bloß, und nach meinem Grundsatz "Rechtschreibung heißt schreiben wie die andern" bleibt mir eigentlich keine Wahl.
 
 

Kommentar von Florian Bödecker, verfaßt am 13.01.2007 um 07.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7248

Mir ist schon klar, daß Sie sich am tatsächlichen Gebrauch orientieren. Andererseits haben Sie auch des öfteren darauf insistiert, daß die Rechtschreibung nicht verbieten könne, was die Grammatik zulasse. In diesem Sinne möchte die Argumentation von Munske in "Orthographie als Sprachkultur" ins Spiel bringen; soweit ich das verstanden habe, beziehen Sie sich ja auch auf seine Arbeiten zur GKS.

Ich habe es einfach als Befreiung empfunden, daß mein 'Gefühl' eine grammatische Stütze bekommen hat. Wenn ich es richtig verstanden habe, argumentiert Munske so, daß manche Adjektive sowohl als Substantiv als auch als Pronomen gebraucht werden können. Mich hat deshalb die Kritik an der ausschließlichen Großschreibung überzeugt. Wenn ich z.B. sage: "Das ganze interessiert mich nicht", meine ich ja gerade keine Ganzheit, sondern schlicht alles.

Das nur zu meinem Gedankengang.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.01.2007 um 06.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7246

Eine durchgesehene Fassung war vorbereitet, hat sich aber bisher nicht verwirklichen lassen.
Was "das ganze" betrifft, so müßte ich die Belege prüfen, "Sprachgefühl" ist ja gerade nicht meine Quelle. Trotzdem vielen Dank für die Anregung!
 
 

Kommentar von Florian Bödecker, verfaßt am 13.01.2007 um 05.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7245

Apropos empirisch begründetes Rechtschreibwörterbuch:

Herr Ickler,

können Sie schon absehen, wann es eine Neuauflage Ihres Wörterbuchs geben wird? Sie hatten vor geraumer Zeit mal eine Andeutung gemacht, daß eine in Planung sei.
Könnten Sie bei dieser Gelegenheit auch die Kleinschreibung von "das ganze" (= das alles) als Variante zulassen, wie sie Horst Haider Munske empfiehlt? Sie entspricht genau meinem Sprachgefühl.
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 12.01.2007 um 18.22 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=771#7235

Empirie ist out, Introspektion in

Die Korpora wurden von den Reformern wohl von vornherein ausgeblendet, denn sie hätten das Vorhaben sogleich erschüttert bzw. zerrüttet. Aber auch die Literatur, z.B. zu "Resultativkonstruktionen im Deutschen" von Litvinov und Nedjalkov (Tübingen 1988), wurde nicht zur Kenntnis genommen, obwohl man dank ihr die Korpusanalyse hätte abkürzen oder wenigstens eine sinnvolle Methodologie gewinnen können. Manche der ordinierten oder "fakultativen" Trennungen wie Neu-ralgie, Ki-nästhesie sind schlichte Barbarei, und nicht etwa stille Einfalt ... Vielleicht aber fühlten sich die Reformer als Nicht-Griechen und wollten ihrem Namen Ehre machen, indem sie die aus dem klassischen Griechisch ins Deutsche gekommenen oder nach ihm gebildeten Gräzismen mit aller Kraft verschandeln, und sei es durch Silben(!)trennung.
 
 

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