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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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01.01.2006
 

Auf hoher See
Umfunktionierungen

Die Entwicklung der Orthographie ähnelt dem berühmten Umbau eines Schiffes auf hoher See.
Das Material ist vorhanden, neues kommt nicht hinzu. Zugleich muß das Schiff in jedem Augenblick seetüchtig bleiben. Die Modernisierung der Schreibweisen findet so statt, daß vorhandene Mittel umfunktioniert werden. Die nicht mehr gebrauchte Bezeichung des Diphthongs ie und das h werden zu Dehnungszeichen, das h außerdem zum Blickfang-h, die Groß- und Kleinschreibung als Auszeichnung von Wortarten wird überbaut durch die textsemantisch begründete Hervorhebung der Redegegenstände und der ungemein modernen Unterscheidung von Sein und Heißen, die Getrennt- und Zusammenschreibung markiert nicht mehr nur den Unterschied von Phrase und Wort, sondern wird in den Dienst der neuartigen, enorm schnell zunehmenden Verbzusatz-Konstruktionen gestellt. Ein faszinierendes Schauspiel, aber die Reformer haben in keinem Punkt begriffen, was überhaupt vorgeht. Ihr Verständnis ist auf viel früheren Sprachstufen stehengeblieben, was sie aber nicht hinderte, in das unverstandene System ändernd einzugreifen. Entsprechend groß ist der Schaden.



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