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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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27.12.2005
 

Schüler als Spielzeug
Eine gewisse Elastizität

Zum Schaden haben die Bürger noch den Spott, weil sie die Reform ernst nehmen.

„Eine Schreibung wie eine Handvoll mag sich daher dem sensiblen Schreiber mit Macht aufdrängen, auch gegen das Rechtschreibwörterbuch. Was spricht dagegen, dann im individuellen Schreiben zusammenzuschreiben? Auch Rechtschreibung braucht eine gewisse Elastizität. Das ist dann freilich keine Frage der Norm, sondern des Umgangs mit der Norm, des Usus. Und der kann in Grenzen durchaus seine eigenen Wege gehen, damit die Normen von morgen vorbereitend.“ (Sitta in Neue Zürcher Zeitung, 21.8.2004, S. 46)

Ähnliche Äußerungen haben wir des öfteren gehört. Erst reformieren die Herren die Schreibweise und bestrafen jeden Schüler, der anders als reformiert schreibt. Dann machen sie sich über diejenigen lustig, die sich streng an die neuen Regeln halten. Auch als "typisch deutsch" haben sie die Folgsamkeit schon verhöhnt.



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Kommentare zu »Schüler als Spielzeug«
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Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 28.12.2005 um 09.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=337#2061

So wie H. Sitta es schildert, genau so hat sich die Rechtschreibung immer entwickelt. Da fragt man sich doch, warum sie "reformiert" werden mußte. Das müßte sich auch H. S. und mit ihm andere Reformer fragen, wenn sie nicht völlig blind für ihr eigenes, zertörerisches Tun wären. Die deutsche Orthographie ist schwer beschädigt - nicht von denen, die sie nicht beherrschen, sondern von denen, die sich anmaßten, sie zu verbessern und zu erleichtern, und dabei das Ohr der Mächtigen fanden. Im Autofahren kann sich jeder vervollkommnen. Wenn aber die Kiste Konstruktionsmängel aufweist, kann man mit noch so guter Fahrtechnik am Baum landen. Da hilft nur noch ein Rückruf.
 
 

Kommentar von Cornelius Hansen, verfaßt am 28.12.2005 um 03.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=337#2060

Egal, was die Reformer auch alles angerichtet haben, immerhin brachte es mir, selbst Schüler einer 9. Klasse, schon viele unterhaltsame Auseinandersetzungen mit meiner Deutschlehrerin und unzählige Notenabzüge um ein Drittel... Da wirken solche Aussagen besonders lächerlich.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 27.12.2005 um 08.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=337#2057

Das ist so ähnlich wie beim geschlechtlichen Ehrenkodex gewisser südländischer Gesellschaften. Da bedrängt der Mann die Frau, sich ihm hinzugeben. Hat sie es getan, so heißt es: Nun kann ich dich nicht mehr heiraten, weil du entehrt bist.
 
 

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