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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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07.12.2013
 

Die Planeten
Wie viele sind es?

Wie wir alle gelernt haben, gibt es seit einiger Zeit nur noch 8 Planeten. Bei Wikipedia ist gut dargestellt, wie und warum Pluto degradiert wurde. Interessant ist, daß dies Gegenstand einer Abstimmung war.
Natürlich ging es nicht darum, eine Reihe von Gegenständen abzuzählen und dann per Abstimmung zu entscheiden, ob es 8 oder 9 sind. Vielmehr ging es um die in gewissem Maße willkürliche (aber nicht sinnlose) Definition des Begriffs "Planet". Man kann dort auch ein Foto von der Schlußabstimmung im halbleeren Saal sehen.

Damit werden hübsche Merksprüche gegenstandslos. Ich habe solche Sprüche immer gern gesammelt, für die Handwurzelknochen, die Hirnnerven (auch auf englisch sehr nett!), lateinische Grammatik ...

Frege hat sich bekanntlich mit dem Morgen- und Abendstern herumgeschlagen, ich habe das schon mal erwähnt. In einer naturalistischen Semiotik kommt die bei Frege mit anderen Worten vorgeprägte Unterscheidung von Intension und Extension nicht vor. Damals glaubte man noch, die Ausdrücke "die Zahl der Planeten" und "neun" hätten dieselbe Extension (nämlich die Zahl 9) und verschiedene Intension. Damit sollte das Problem gelöst werden, daß "Nenne die Zahl der Planeten!" nicht dasselbe bedeutet wie "Sag mal 'neun'!". Man braucht aber bloß umzuformen: "Sag, wie viele Planeten es gibt!", um die Sinnlosigkeit dieses Unternehmens einzusehen. Das Abzählen der Planeten ist etwas anderes als das Aufzählen der Kardinalzahlenfolge, das sollte man auch sprachlich auseinanderhalten.

Naturalistisch gesehen, "beziehen" sich Zeichen auf nichts, denotieren nicht, referieren nicht. Das muß man erst mal entmystifizieren, dann verschwinden diese Ladenhüter der Philosophie.



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Kommentare zu »Die Planeten«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.10.2018 um 04.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1589#39902

Kurzum:

Wenn ich dies Wunder fassen will,
so steht mein Geist vor Ehrfurcht still.


In älteren Texten ist ständig von Geist und Herz die Rede, obwohl man es auch damals schon besser wußte. Der Geist ist psychologisch durch Bewußtsein, sonst auch Kopf oder (meist zu Unrecht, als Neurobluff) Gehirn/Hirn ersetzt, ganz schick auch Brain. Herz ist so lange durch Gedichte und Poesiealben gejagt worden, bis es auch als Metapher nicht mehr gebraucht werden konnte.
 
 

Kommentar von A.B., verfaßt am 22.10.2018 um 20.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1589#39900

Lieber Herr Riemer,
man hätte kleine Erbsen nehmen können. Mit 3,5 mm Durchmesser (laut Wikipedia zulässige Erbsengröße) geht es auf.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.10.2018 um 19.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1589#39899

Ich habe hier den Sonnendurchmesser zum Maßstab genommen, aber die Größe der Sterne variiert auch, wie die der Sandkörner (das 0,1- bis 25fache der Sonne, vereinzelt sogar viel mehr). Je nachdem, was man genau zugrundelegt (vielleicht geht die FAZ mehr von einer durchschnittlichen Sternengröße aus), können diese Entfernungsvergleiche schwanken. Aber es kommt ja vor allem auf die Größenordnungen an.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.10.2018 um 17.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1589#39897

Was intuitiv auch immer wieder überrascht, daß die Gravitation dieser Körnchen, an sich ja eine schwache Kraft, dennoch über vergleichsweise riesige Entfernungen wirkt. Ich weiß schon, was es mit der dritten Potenz auf sich hat, aber trotzdem...

(Ich habe schätzenswerte Bekannte, die es als selbstverständlich ansehen, daß diese Welt von Gott geschaffen ist, demselben, der auch bewirkt, daß jemand durch Gebete zu einer verstorbenen Nonne von einer Krankheit geheilt wurde und etwas später an einer anderen starb. Ich vermeide es aber heute, mich auf Diskussionen darüber einzulassen, sondern gucke dann woandershin.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 22.10.2018 um 16.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1589#39896

Vom allernächsten Stern, dem Proxima Centauri, sind es 4,2 Lichtjahre, also rund 40 Millionen Millionen km bis zur Sonne, deren Durchmesser 1,4 Millionen km beträgt. Das ist ungefähr das 28millionenfache.

Ein Sandkorn hat laut Wikipedia einen Durchmesser von 0,063 bis 2 mm. Eine Kette von 28 Millionen Sandkörnchen ist dann 28 x 0,063 bis 28 x 2 Millionen mm oder 2 bis 56 km lang.

Der Sirius, hellster Stern und auch einer der nächsten (8,6 Lichtjahre), wäre als 2mm-Sandkorn ca. 100 km entfernt.

Die FASZ (21.10.) illustriert mit diesem Beispiel die bevorstehende Kollision der Milchstraße mit der Andromedagalaxie. Dabei passiert fast nichts, denn ein Zusammenstoß zweier im Durchschnitt 140 Kilometer weit entfernten Sandkörnchen ist extrem unwahrscheinlich. Auch die Planeten mitgerechnet, die unser 2mm-Sonnensandkorn als Feinstaub im Abstand von bis zu 14 Metern umkreisen würden, ist die Gefahr eher gering.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.10.2018 um 07.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1589#39895

Die "Planetenwege" in manchen Städten und Parkanlagen sind eine sehr schätzenswerte Einrichtung. Schönes Bildungserlebnis ganz nebenbei.

Wenn die Sonne ein Sandkorn wäre, dann wäre der nächste Fixstern 100 km entfernt; das ist aber nur die allernächste Umgebung und praktisch nichts gegenüber dem Ganzen (50 Mrd. Galaxien mit je 100 Mrd. Fixsternen). „Le silence éternel de ces espaces infinis m’effraye.“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2015 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1589#29535

Auf die vielen Pannen der NASA folgt, wie zu erwarten, eine "Erfolgsmeldung" über die Entdeckung eines Exoplaneten, der auch gleich zum "Cousin" der Erde ernannt wird. Eine völlig belanglose Nichtnachricht, die sich aber in den Medien an die erste Stelle der Schlagzeilen drängt. (Dazu paßt ein paar Tage vorher die Spekulation des Physikers Hawking über außerirdisches Leben.)
Auch diese wäre keine Bemerkung wert, denn es ist der Alltag der Vernebelung unserer unterhaltungsbedürftigen Köpfe, aber selten wurde die Ablenkung von wirklich weltbewegenden Ereignissen so greifbar.
 
 

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