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Theodor Icklers Sprachtagebuch

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04.08.2013
 

Blumen und Bienen
Zeichen in der Natur

Form, Farbe und Duft der Blüten sind Zeichen, weil sie sich unter dem Einfluß der bestäubenden Insekten (manchmal auch Kolibris) so entwickelt haben. Diese "empfängerseitige Semantisierung" ist das Merkmal wirklicher Zeichen. (Dazu mein Text "Wirkliche Zeichen".)

Ich habe mich oft gewundert, warum wir Menschen den Duft von Blüten ebenfalls meistens als angenehm empfinden, denn von uns haben die Pflanzen ja nichts, im Gegenteil, wir ernten sie oft vor der Frucht. Aber sogar Elefanten pflücken sich Blumensträuße, um daran zu riechen.

Die Lösung dieses evolutionären Rätsels dürfte darin liegen, daß wir eigentlich nicht an den Duft der Blüten, sondern an den der Früchte angepaßt sind. Wie andere Tiere wählen wir die Nahrung mit der Nase aus, und was gut und appetitlich riecht und schmeckt, ist auch meistens zum Essen geeignet. Die Pflanzen erzeugen für die Bienen auch einen Duft, und weil die Riechstoffe in Blüten und Früchten im großen und ganzen dieselben sind, spricht unsere angepaßte Geruchswahrnehmung eben auch auf Blüten an. Diese Anpassung ist aber einseitig, daher nicht zeichenhaft. Die Pflanzen erzeugen die wohlschmeckenden Früchte und Blätter nicht, damit (evolutionär: weil) wir sie essen. Viele Aromen in Blättern und Wurzeln gehen sogar auf Abwehrstoffe gegen Freßfeinde zurück, aber wir haben "gelernt", sie trotzdem zu essen, vor allem, wenn die Freßfeinde weit von uns entfernt sind (Raupen, aber keine Säugetiere).



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Kommentare zu »Blumen und Bienen«
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.01.2018 um 17.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1570#37582

Laut Zeitungsberichten ist nun aufgeklärt, wie manche Paradiesvögel das schwärzeste Schwarz im Tierreich erzeugen, also die fast vollständige Absorption des Tageslichts in ihrem Gefieder. Alles für die Frauen. Das Balzverhalten kann man hier sehen: https://www.youtube.com/watch?v=Oe4AEcCDPmo
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 05.08.2013 um 09.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1570#23838

So sehr Vergangenheit ist "unsere äffische Vergangenheit" offenbar gar nicht. Irgendwo las ich kürzlich, daß jetzt mehr Menschen *cell-phones* haben als Zugang zu Toiletten/Latrinen. (Verzeihung. Zu welchen Gedanken ein Text wie "Wirkliche Zeichen" nicht alles führen kann! Ich bin ja selber erstaunt.)
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 05.08.2013 um 09.17 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1570#23836

Vielleicht sollten wir, was die Verdauungsresistenz von Samen angeht, auch an unsere äffische Vergangenheit denken. Wir könnten durchaus zum Kreis der möglichen Verbreiter gehört haben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.08.2013 um 05.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1570#23833

Ja, daran habe ich natürlich auch gedacht – wie könnte ich es vergessen, da ich im Vorgarten sowohl eine Eibe als auch den Amselschiß mit Obstkernen habe! (Diese kleine Eibe am Zaun haben mal die Müllmänner bei der januarlichen Einsammlung von Weihnachtsbäumen auszurupfen versucht, weil sie meinten, es sei ein an den Zaun gelehnter Weihnachtsbaum; ich habe ihnen vom Fenster aus amüsiert zugesehen.) Manche Samen müssen ja sogar durch den Darm, bevor sie keimen können.

Immerhin, Vögel sind ziemlich weit von uns entfernt, aber es ist möglich, daß wir Menschen, die wir wohl bei der Verbreitung der Samen keine Rolle spielen, sozusagen als Trittbrettfahrer auch den Geschmack der Früchte genießen. Wir würden uns dann Zeichen zunutze machen, die nicht an uns adressiert sind. Das kommt vor. Afrikaner haben gelernt, das zeichenhafte Verhalten des Honiganzeigers "mitzulesen".
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 05.08.2013 um 00.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1570#23832

Ich hoffe, daß ich den Satz nicht falsch verstanden habe. Zitat: "Die Pflanzen erzeugen die wohlschmeckenden Früchte und Blätter nicht, damit (evolutionär: weil) wir sie essen."
Von vielen Pflanzen sollen die Früchte gefressen werden (von Tieren) und haben daher oft leuchtende Farben. In den meisten Fällen sind die in den Früchten enthaltenen Samen verdauungsresistent. Sie werden also von den Tieren dann an anderer Stelle unversehrt ausgeschieden. Auf diese Weise hat die Pflanze nicht nur für ihre Fortpflanzung, bzw. Vermehrung gesorgt, sondern auch für ihre Verbreitung.
Ein anderer Mechanismus liegt bei der Mistel vor. Die weißen Beeren werden gern von Vögeln gefressen (Amseln). Der Saft der Beeren ist recht klebrig, daher muß sich der Vogel anschließend gründlich den Schnabel wetzen. Er tut das verständlicherweise am Ast eines Baumes – und bringt damit im Saft noch enthaltene Samen genau an die richtige Stelle.
Eibensämlinge findet man häufig am Fuß von alten Bäumen. Der Kleiber hat sie dort "gepflanzt". Das einzige, was an einer Eibe nicht giftig ist, das ist der rote (!) Samenmantel, der Arillus. Der Kleiber schleppt daher die ganze Frucht an einen Ort, wo er bequem den Samenmantel verzehren kann, indem er die Frucht zwischen Baumwurzeln einklemmt. Nach der Mahlzeit bleit der Samen liegen. Wenn man bedenkt, daß Eiben nur im Schirm höherer Bäume ihren eigentlichen Lebensraum haben, dann kommt diesem Geschehen durchaus evolutionäre Bedeutung zu.
 
 

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