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05.07.2010
dass als Relativpronomen
Hinweis zur Belegsuche
Nachdem ich gestern wieder mal in lauter falschen dass fast ersoffen bin, fiel mir heute ein einfache Methode ein, Belege zu finden. Geben Sie doch bei Google mal ein neutrales Substantiv und dazu das falsche Relativpronomen ein, also etwa: ein Land, dass. Sie werden staunen, wie viele Stellen Sie auf Anhieb finden!
Ob von der Schule oder aus der Kirchengemeinde oder irgendeinem Verein – keine Mitteilung vom Umfang einer DIN-A4-Seite, auf der die Verwechslung nicht vorkäme! Vor der Reform war so etwas extrem selten.
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Kommentar von Rumpel, verfaßt am 20.07.2010 um 12.10 Uhr
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Die Abschaffung des 'ß' dürfte viel zur Unsicherheit beim Setzen von das und dass beigetragen haben.
das und daß lassen sich rein optisch leicht auseinanderhalten, und so lernt man beim Lesen die richtige Anwendung.
das und dass sehen sich sehr ähnlich, lassen sich nur durch Überlegung trennen, und liegen nur einen Tippfehler auseinander.
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Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 17.07.2010 um 18.59 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16544
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Zwar kein Relativpronomen, aber auch sehr schön:
"Fast nie aber meldet sich eine Frau zu Wort – und dass, obwohl das Denken im Lande der Simone de Beauvoir ja noch nie reine Männersache gewesen ist."
(faz.net)
In einem Leserkommentar wird es dann auch so zitiert.
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Kommentar von R. M., verfaßt am 17.07.2010 um 10.14 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16541
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Man kann alles mischen, darf sich aber nicht beschweren, wenn es Leute gibt, die das Ergebnis dann unfreiwillig komisch finden. – Nachgetragen sei noch, daß die Franzosen durchaus auch eine direkte Grenze mit den Flamen haben, bei Dünkirchen. Ihnen gehört nämlich ein Teil Flanderns.
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 17.07.2010 um 02.09 Uhr
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Genau. Bei Sport Edition hätte ich auch nicht gleich gewußt, ob das Englisch oder Deutsch sein soll. Bei Mercedes-Benz gibt es auch eine Grand Edition oder eine Night Edition, also soll es wohl Englisch sein, jedenfalls Edition. Wer sagt überhaupt, daß beide Teile aus derselben Sprache stammen müssen? Babykleidung oder Schadsoftware oder Englisch all'italiana: Man kann alles mischen.
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 16.07.2010 um 17.35 Uhr
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In der Werbung bastelt sich jedes nicht-englisch sprechende Land sein eigenes angebliches "Englisch" mit manchmal grandiosen Fehlleistungen. Es gäbe genug Stoff für ein Spaß-Wörterbuch für nicht-englisches "Englisch".
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Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 16.07.2010 um 17.08 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16538
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Zu #16528 ("Ausweichen ins Englische"): Es hilft nicht, aufs Englische auszuweichen: "Grand-Prix-Siegerin Lena Meyer-Landrut stellt das neue Video "Touch an new day" vor – und geht dabei mal wieder baden." (welt.de, 16.7.) Auch das geht sehr oft baden.
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Kommentar von R. M., verfaßt am 16.07.2010 um 12.21 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16534
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Sportwagon ist Inglese all'italiana . . .
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Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 16.07.2010 um 10.07 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16531
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Verzeihen Sie, habe meinen letzten Beitrag gepostet, bevor ich Ihren Hinweis auf Sick vor Augen hatte. Es geht mir nicht um die Verhöhnung ungelenker Schreiber, sondern um Einflüsse auf den allgemeinen Schreibgebrauch, die es früher nicht oder nicht in diesem Maße gab, und frage mich, ob beispielsweise der Duden vernünftig darauf reagiert.
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Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 16.07.2010 um 09.56 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16530
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Ausgangspunkt war die Frage, inwieweit das vermehrte Auftreten des "Dass-Fehlers" auf die Reform zurückzuführen sei.
Die seit Jahren anhaltenden krampfhaften Bemühungen der Werbung um weltläufige, englisch anmutende Schreibung mag jeder finden, wie er will; ich find sie blöd – spätestens, wenn der Sinn baden geht. Daß sie Schule macht, läßt sich leicht im Internet nachprüfen. Da finden sich selbst Verrücktheiten wie Budden Brooks (Budden-Brooks), Fliesen Leger (Fliesen-Leger) und Finger Nagel Studios. Die Massen haben lebhaft zu schreiben begonnen, orientieren sich an dem, was sie lesen und nehmen nun ihrerseits Einfluß auf die Entwicklung der Orthographie.
Dass ist ein Faktum, dass Beachtung verdient.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.07.2010 um 09.10 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16529
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Zu Herrn Virch: Daß außerhalb der Schule jeder schreiben könne, wie er will, war ein oft wiederholtes Beschwichtigungsargument der Reformer. Unnötigerweise, denn es versteht sich von selbst (und ist doch trügerisch, weil die Schulorthographie schon immer zwangsläufig alle anderen nach sich zog. Passende Argumente dazu erfand die Presse. Das ist hier bereits besprochen.)
Ich hatte gesagt, daß wir erst spotten dürfen, wenn jemand so tut, als befolge er die Reformschreibung, und es dann doch nicht kann. Sonst wird es pedantisch oder geschmacklos wie bei Sick, der ja sogar türkische Gemüsehändler verhöhnt, weil sie ihre Schilder ungeschickt beschriften.
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 16.07.2010 um 05.02 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16528
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Ich wundere mich über manche unlogische Argumentation. Es müsse im Englischen Sports heißen, sagt Herr Markner und bringt dann gleich das Gegenbeispiel Sportwagon. Aus der möglichen Zusammenschreibung von englisch Sportwagon folgt doch nicht, daß Sport Edition genauso gut zusammengeschrieben werden kann, wie es Herr Markner suggeriert. Einfach mal die Silben zählen und hinhören, wo die Betonungen liegen.
Herr Metz: "Niemand hat gefordert, Rechtschreibung stur nach Schema F durchzuziehen. Und natürlich nimmt man hin, was nicht zu verhindern ist. Was denn sonst?" Die vergangenen Beiträge enthalten eine Menge Beispiele für das Gegenteil: Auflehnung gegen bestimmte Schreibweisen (ohne Bindestriche) oder Benennungen, so daß schon mal eine ganze Branche (die Werbung) mit Verachtung gestraft wird. Sport Edition sei unglaublich abgedroschen, meint Herr Metz. Dabei ist es doch gerade das Bedürfnis, nicht abgedroschen zu sein, das die Hersteller veranlaßt, immer neue Bezeichnungen zu erfinden und unkonventionelle Schreibweisen noch dazu. Dazu gehört auch das Ausweichen ins Englische, das den Vorzug hat, in mehr Ländern als Deutschland, Österreich und der Schweiz verstanden zu werden. Daher ist es durchaus eine vorteilhafte Lösung, eine Modellreihe nicht als XY-Reihe oder XY-Klasse zu bezeichnen, sondern beispielsweise als XY Edition (englisch).
Ausgangspunkt war doch das Lamento über die fehlenden Bindestriche in irgendwelchen Produktnamen. Niemanden stört das, außer ein paar Exoten in diesem Forum. Klagelieder dieser Art sollten wir seltener anstimmen. Dann erübrigen sich auch Erörterungen über die Berechtigung eigenwilliger Schreibweisen, ebenso wie die merkwürdige Gegenrede, es habe niemand behauptet, Rechtschreibung sei immer stur anzuwenden.
Die Firmen stehen selbstbewußt zu ihren Produktbezeichnungen und Schreibweisen, auch wenn damit manche Regel und mancher Geschmack verletzt wird. Damit stehen sie im Prinzip auf unserer Seite. Denn auch wir wollen, daß sich jeder so ausdrücken kann, wie es ihm am besten vorkommt.
PS:
170 kW 6-Zylinder Mercedes-Benz SL Roadster ist kein Monstrum, genausowenig wie die bereits in Südafrika eingetroffene Fußball-Nationalmannschaft: ein paar vorangestellte Attribute, wo ist das Problem? Bei Automodellen interessiert nun mal die Leistung, die Motorkonfiguration, der Hersteller. Der Bindestrich bei 6-Zylinder hilft bei der richtigen Betonung. Es handelt sich um einen Sechszylinder, nicht um sechs einzelne Zylinder.
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Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 16.07.2010 um 03.01 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16527
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Zu "ob da nicht ein 'the' vergessen worden sein könnte": Nein, denn gemeint ist "the line that separates French-speaking Belgians from Flemish-speaking Belgians" (soweit ich das aus dem kurzen Zitat ersehen kann). Mit "the" vor "French" hätten wir ganz stark gleich "die Franzosen" im Vordergrund, und zwischen denen und den "Flemish-speaking Belgians" ist keine Linie, sondern das Gebiet der Wallonen, der "French-speaking Belgians". —
Und ein "the" fehlt hier nicht, da wir es mit dem indefiniten Plural zu tun haben (dem Plural von "ein/eine/ein/a/an", und der ist "null/zero/nichts"); mit "the" wär's ein definiter Plural. — Und zu welchem Grade der definite Artikel etwas "begrenzt/bestimmt", das ist ein Kapitel für sich: "Die Liebe ist eine Himmelsmacht", singen wir deutsch, während die Angelsachsen sich gerademal zu "Love is wonderful the second time around" aufraffen.
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Kommentar von R. M., verfaßt am 16.07.2010 um 00.02 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16526
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Nein, kein Mißverständnis, sondern bloß eine kurze Irritation, ob da nicht ein "the" vergessen worden sein könnte.
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Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 15.07.2010 um 23.26 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16525
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Selbst bei *ice creams* gibt's *special editions*; und ich hatte mal einen "Maikäfer", einen schönen *metallic*-braunen VW, der auch eine *special edition* war. —
Zum Bindestrich im Englischen: Ich schaue nach, wenn ich nicht sicher bin, welche der drei Möglichkeiten — ein Wort, mit Bindestrich, getrennt — ich verwenden soll, damit ich im Notfall nicht ganz blöd dastehe und ich mich sowieso besser fühle. Ich erinnere mich, daß ein Englischlehrer uns mal darauf hinwies, daß im selben Lexikon *boyscout* in einem Wort geschrieben wurde, *girl-guide* aber mit Bindestrich. Oder war's umgekehrt?
In "the line that separates French from Flemish-speaking Belgians" muß der Leser wegen der englischen Schreibtradition aber tatsächlich ohne die deutsche Klarheit auskommen. Gott sei Dank stehen jedoch die fraglichen Wörter hier in "French from Flemish-speaking" so nahe beieinander, daß kein Mißverständnis aufkommen kann.
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Kommentar von R. M., verfaßt am 15.07.2010 um 22.02 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16524
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Auf englisch müßte das ja wohl Sports edition heißen. Seit wann werden Automobile eigentlich herausgegeben? Alfa Romeo nennt seine Kombis (station wagon) schon seit langem Sportwagon, in einem Wort. Sei's drum.
Zurück zum Bindestrich, in diesem Bruchstück eines Artikels von Chris Hitchens geht dem deutschen Leser einer ab: "the line that separates French from Flemish-speaking Belgians".
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Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 15.07.2010 um 21.39 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16523
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Noch zu Herrn Wrase (#16508):
Niemand hat gefordert, Rechtschreibung stur nach Schema F durchzuziehen. Und natürlich nimmt man hin, was nicht zu verhindern ist. Was denn sonst?
Wenn man etwa in Baden-Baden Centrum auf die Straßenschilder kleben läßt, dann vermutlich deshalb, weil man diese Schreibung für schicker (chiquer?) hält; sie paßt wohl besser zum Anspruch der altehrwürdigen »Kultur- und Bäderstadt«. NUSS SCHOKO KRINGEL auf drei Zeilen verteilt? Prima. Der Anbieter wird es so schöner finden. Vielleicht würde ich mich an seiner Stelle auch für diese Lösung entscheiden. Aber warum um alles in der Welt schreibt jemand Sport Edition statt Sportedition? Warum wird hier ein stinknormales Kompositum in seine Bestandteile zerlegt?
Ist die Zusammenschreibung dem Hersteller womöglich zu ordinär? Dann übersieht er, daß nicht die Schreibung, sondern das Wort selbst das Problem ist. Sportedition/Sport Edition ist so abgedroschen und öde, daß man diesem Mangel mit orthographischen Mitteln nicht abhelfen kann.
Sollen wir Sport Edition englisch aussprechen? Tja, dann gibt es ein doppeltes Problem. Denn woher soll der arme Leser wissen, daß er »Spooot Idischn« sagen soll? Er wird so oder so »Sportedition« sagen, und zwar mit Recht. Oder ist ein Fahrzeug aus einer Sport Edition »sportlicher« als eines aus einer Sportedition?
Das ist doch, mit Verlaub, alles Quatsch. Die Hersteller, die so schreiben lassen, gehen meines Erachtens an den Erwartungen und Bedürfnissen ihrer Kundschaft völlig vorbei. Für mich riecht das alles nach Wichtigtuerei. Das sollte man ihnen zu bedenken geben dürfen, ohne gleich in den Verdacht zu geraten, irgendwem Vorschriften machen zu wollen.
Wir sollten auch nicht alles in einen Topf werfen. Mit neckischen Bindestrichen durchgekoppelte Endloskomposita haben mit der Frage, ob die Schreibung Sonnen Creme gegenüber der herkömmlichen Schreibung Sonnencreme irgendwelche Vorteile bietet, wenig zu tun. 170 kW 6-Zylinder Mercedes-Benz SL Roadster (wozu überhaupt der Strich zwischen 6 und Zylinder?) ist ein Monstrum. Ich denke sofort an Loriot, wenn ich so was lese. Die Variante mit Bindestrichen ist dasselbe Monster, nur mit herausgestreckter Zunge.
Der Bindestrich stößt hier an die Grenzen seiner Möglichkeiten – was er bei der 250-GB-Festplatte nicht tut. Mit der Staatsorthographie, welchen Datums auch immer, hat dies alles übrigens nichts zu tun.
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Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 15.07.2010 um 18.46 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16521
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Was soll ich unter dem Hervorheben der Beschränkung der Staatsorthographie auf die Schule verstehen? Kein Pochen darauf, daß die Staatsorthographie außerhalb keine Geltung zu beanspruchen habe?
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2010 um 17.48 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16520
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Wieso denn? Das habe ich doch gar nicht gesagt.
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Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 15.07.2010 um 17.38 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16519
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Das Pochen auf sinnvolles Schreiben außerhalb der Schule schlösse jede Kritik an unsinnstiftenden Schreibattitüden abseits der Staatsorthographie aus?
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.07.2010 um 09.10 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16518
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Ich stimme Herrn Wrase zu und möchte noch zu bedenken geben: Wir können nicht die Beschränkung der Staatsorthographie auf die Schule hervorheben und gleichzeitig die Schreibpraxis von Firmen usw. kritisieren. Erst wenn jemand beflissen die Reformschreibung zu befolgen vorgibt und dann doch versagt, ist unser Spott berechtigt. So haben wir es ja bisher auch fast durchgehend gehalten.
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Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 14.07.2010 um 18.07 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16517
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Das nehme ich nach (leider zu später) Recherche inzwischen ebenfalls an. Die Standardaufschrift auf größeren Kisten lautete wohl "Heeresmunition Gesamtgew(icht) ... kg". Der Spielkamerad, dem ich den Behälter vor ein paar Jahrzehnten abgehandelt hatte, war der felsenfesten Überzeugung gewesen, eine Kiste für Gewehrgranaten gefunden zu haben, und ich hab's halt geglaubt. Aber so lernt man dazu.
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Kommentar von R. M., verfaßt am 14.07.2010 um 17.42 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16516
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G. Gew. dürfte eher für Gesamtgewicht stehen.
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Kommentar von Germanist, verfaßt am 14.07.2010 um 17.14 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16515
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Wie Herrn Künzer augefallen ist, kann das Weglassen von Bindestrichen bei mit Zahlen zusammengesetzten Wörtern im Plural zu lustigen Ergebnissen führen:
10 kg Stoßkugeln,
400 m Laufbahnen,
100 kg Männer,
50 m Schwimmstrecken,
100 km Radrennen,
4 Fahrstreifen Schnellstraßen,
50 g Semmeln, usw.
Um Mark Twains Kritik am deutschen Dativ zu variieren:
Das Weglassen der Bindestriche bringt die Plurale durcheinander.
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Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 14.07.2010 um 15.11 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16514
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Zum 170 kW 6-Zylinder Mercedes-Benz SL Roadster: Ich nutze ein (leeres) hölzernes Munitionskistchen aus dem Zweiten Weltkrieg als Sockel für einen Lautsprecher. Auf der Kiste ist noch Heer. Mun. G. Gew. [?] kg zu lesen, ausbuchstabiert Heer(es-) Munition Granate(n) Gewehr [?] Kilogramm. Sprachlich schöner wäre sicherlich Heeresmunition, Gewehrgranaten, [?] Kilogramm oder Heeresmunitions-Gewehrgranaten, [?] Kilogramm gewesen, aber den Leuten, die die Kettenbezeichnung ersonnen hatten, lag offensichtlich daran, deren Glieder vom Allgemeineren zum Spezifischen hin zu sortieren, so daß allenfalls noch Heeresmunition, Granaten Gewehr, [?] Kilogramm oder Heeres-Munition Granaten Gewehr, [?] Kilogramm in Betracht gekommen wären. Durchkoppeln – Heeres-Munitions-Gewehr-Granaten ... – wäre jedoch auch vor 65 Jahren schon nicht möglich gewesen, ohne die gewünschte Reihenfolge durcheinanderzubringen.
Ähnliche Schwierigkeiten bereitet der 170 kW 6-Zylinder Mercedes-Benz SL Roadster. Durchkoppeln scheitert hier schon daran, daß der Bindestrich bereits an Mercedes-Benz vergeben ist (den 6-Zylinder kann man auch anders schreiben). Aber auch sonst liefe Durchkoppeln darauf hinaus, gleichgeordnete Elemente nach- bzw. nachgeordnete gleichzuordnen. Solche Fälle, in denen Umformulieren ausscheidet und es trotzdem auf Leserfreundlichkeit ankommt, habe ich immer nach dem Muster "170 Kilowatt Sechszylinder Mercedes-Benz SL"-Roadster zu lösen versucht, also durch das Klammern eines Teils des Ausdrucks mit Hilfe von Gänsefüßchen (empfiehlt sich häufig auch, wenn Koppeln grundsätzlich möglich ist). Allerdings hilft das Stilmittel beim Bearbeiten von Texten für eine Firma nicht weiter, weil die Gänsefüßchen immer auch eine Distanzierung andeuten – und sei es die gegenüber Kettenbezeichnungen.
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Kommentar von Heinz Erich Stiene, verfaßt am 14.07.2010 um 13.13 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16513
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Nach meinem Eindruck gab es bindestricharme oder -lose Produktnamen auch schon lange vor der Reform. Die Sichtung älterer Werbung dürfte hier Erhellendes zutage fördern. Vielleicht irre ich mich aber auch.
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Kommentar von Matthias Künzer, verfaßt am 14.07.2010 um 12.48 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16512
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"Ich habe 250 GB Festplatten bestellt."
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Kommentar von Argonaftis, verfaßt am 14.07.2010 um 11.55 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16511
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Wie weit die Bindestrichitis (eigene Wortschöpfung) geht, sieht man an : 45-minütig... , oder dem 30-Jahre alten Täter.
Beispiele, die einem täglich begegnen.
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Kommentar von Rominte van Thiel, verfaßt am 14.07.2010 um 11.03 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16510
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Über die Bindestriche bei Produktnamen kann man wahrscheinlich geteilter Meinung sein, wie die hier geäußerten Argumente zeigen. Etwas seltsam ist es schon, wenn ein Produkt nicht nur auf der Vorderseite Erbsen Suppe heißt, sondern auch auf der Rückseite in fortlaufendem Text vielleicht solches zu lesen ist: "Erhitzen Sie die Knoxgi Erbsen Suppe 10 Minuten. Serviervorschlag: Knoxgi Erbsen Suppe mit Senf und Kapern verfeinern."
Andererseits erfreut sich der Bindestrich immer größerer Beliebtheit, vor allem bei Journalisten. Er erspart seit neuestem die Deklination und macht Präpositionen überflüssig. Kurzum, er steht da, wo er eigentlich nicht hingehört.
Folgendes habe ich gelesen: Gewitter am Saarbrücken-Flughafen, Deutschland-Sieg (und als Clou) Neu-Bundespräsident.
Auch bei den Griechenland-Hilfen, dem Türkei-Besuch und der Obama-Rede fände ich Hilfen für Griechenland, einen Besuch (in) der Türkei und Obamas Rede weitaus schöner.
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Kommentar von Glasreiniger, verfaßt am 14.07.2010 um 10.35 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16509
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Aber irgendein Bedürfnis nach Bindestrichen muß es doch geben, denn sonst hätten wir ja die Jährigen nicht bekommen.
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 14.07.2010 um 09.47 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16508
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Rechtschreibung muß und kann nicht überall stur nach Schema F durchgezogen werden. Man ist ja schließlich frei zu schreiben, wie man will. Das gilt zum Beispiel für die Gestaltung von Produktnamen oder Produktverpackungen. Auf einer Verpackungsüberschrift mit nichts weiter als der Produktbezeichnung kann man schon mal NUSS SCHOKO KRINGEL auf drei Zeilen verteilen. Ohne Bindestriche gefällt es dem Anbieter besser, na und?
Auch dem ganz normalen Mitmenschen leuchtet es eben nicht ein, warum er unbedingt 250-GB-Festplatte schreiben soll, wenn es 250 GB Festplatte genauso tut. Die Schreibung ohne Bindestriche ist, wie ich finde, tatsächlich angenehmer anzusehen – spätestens dann, wenn im Kontext hundert weitere solcher Zusammensetzungen auftauchen.
Wenn ein Autohersteller eine Produktlinie Sport Edition nennen und dies vielleicht noch mit Großbuchstaben schreiben möchte, wird er doch nicht plötzlich Sportedition daraus machen, nur um besser ein Wort wie Sondermodelle mit Bindestrich dranhängen zu können. Außerdem könnte es sich um Englisch mit der entsprechenden Aussprache handeln, dann kommt die Zusammenschreibung sowieso nicht in Frage.
Das muß man so hinnehmen, es ist nicht zu verhindern, und die Motive sind nachvollziehbar. Das bedeutet auch, daß bei vielen Lesern das Gefühl dafür verlorengeht, daß eine 250 GB Festplatte eigentlich eine 250-GB-Festplatte ist, also ein zusammengesetztes Wort und nicht drei Wörter. Die Bindestrichschreibung ist auf dem Rückzug, und es ist nicht leicht zu beurteilen, wo Bindestriche eigentlich noch nötig sind und wo nicht mehr.
Die Ästhetik ist nicht der einzige Gesichtspunkt, aber sie spielt auch eine Rolle. Die Leute mögen einfach keine Bindestriche, jedenfalls keine gehäuften. In der heute üblichen Aufmachung sieht mein "extremes" Beispiel ganz harmlos aus:
170 kW 6-Zylinder Mercedes-Benz SL Roadster
So mögen es die Leute lesen, so schreibt man es. Man könnte auch sagen: Das Problem rührt nicht daher, daß man Bindestriche grundsätzlich ablehnt, sondern daher, daß es Mode geworden ist, komplexe Zusammensetzungen (mit Ketten von Bestimmungswörtern) zu bilden, bei denen die Bindestrichschreibung nur noch lächerlich aussähe.
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Kommentar von Calva, verfaßt am 14.07.2010 um 04.29 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16507
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Sucht man mit Google nach "dass bedeutet das", gibt es massig Ergebnisse (gefühlt mehrheitlich aus Foren, Blogs und Kommentarseiten). Man könnte wirklich auf den Gedanken kommen, daß es viele aufgegeben haben, über die richtige Schreibung auch nur einen Moment nachzudenken.
Zum Vergleich: "daß bedeutet das" -dass liefert deutlich weniger Funde.
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Kommentar von Urs Bärlein, verfaßt am 13.07.2010 um 10.44 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16505
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Eigenwillige Schreibweisen von Firmen-, Marken- und Produktnamen haben mit Ästhetik und Lesbarkeit nur insoweit zu tun, als sie diese nicht zu sehr beeinträchtigen dürfen; das glaube ich auch. Es geht darum, den Geltungsanspruch von Marken und Produkten hervorzuheben und von konkurrierenden Ansprüchen abzusetzen. Der Geltungsanspruch geht mit einem Machtanspruch in dem Maße einher, wie die Firma seine Beachtung auch in firmenfremden Texten erwartet. Allerdings wird man einen Verleger, der noch einigermaßen bei Trost ist, kaum dazu bringen, z.B. ein Logo mit dem Schriftzug von "Coca-Cola" vorzuhalten, ebensowenig wird eine andere als die "Spiegel"-Redaktion den Namen der Zeitschrift versal schreiben. Durchsetzbar ist demgegenüber offensichtlich der Verzicht auf Bindestriche als die typographisch einfachste Lösung für eine Devotionsgeste. Hier ging der Wirtschaftsteil der FAZ vor einigen Jahren mit ungutem Beispiel voran.
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Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 13.07.2010 um 09.15 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16503
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Lieber Herr Wrase,
Ihr Beispiel ist extrem. Die zahlreichen Bindestriche wären in diesem Fall tatsächlich unzumutbar, sie decken aber nur die sprachliche Unzulänglichkeit der Konstruktion als solcher auf. Ich brauche als Leser jedenfalls nicht geschützt zu werden vor dem Schriftbild
Die attraktiven Sportedition-
Sondermodelle
Gut leben kann ich ohne Gebilde wie
Das gesunde Plus Augen Kapseln
und
Reine
Butter
Milch
Und warum schreibt die Deutsche Bahn DB Reisezentren, DB Agenturen usw.?
Sollen hier unschöne Schriftbilder vermieden werden? Wenn ja, warum schreiben wir dann nicht auch SPD Vorsitzender? Sieht das nicht schöner aus als die herkömmliche Schreibung mit Bindestrich?
Zugegeben, es gibt Fälle, in denen das Beharren auf den normalen Schreibregeln pedantisch wirkende Schriftbilder erzeugen würde. In der Regel aber scheint es mir weniger um Ästhetik als um die Unantastbarkeit von Firmen-, Marken- und Produktnamen zu gehen. Der Bahn ist ihr DB heilig, es darf unter keinen Umständen mit gemeinen Wörtern in Berührung kommen.
Daß darüber hinaus simpelste Komposita wie Sonnencreme auf einigen Produktpackungen in ihre Einzelteile zerlegt werden, mag mit grafischer Experimentierfreude zu tun haben. Ich glaube nicht, daß wir als Leser in diesen Fällen mit den sonst üblichen Schreibungen überfordert wären. Es gibt ja auch genug Gegenbeispiele.
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 12.07.2010 um 22.56 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16501
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Ach so. Da haben Sie recht. Aber genau so wollen das die Firmen geschrieben haben. Ebenfalls mit Recht. Denn wenn in einem Prospekt hundert Zusammensetzungen dieser Art auftreten, wie sähe das denn aus mit lauter Bindestrichen? Ich möchte als Leser keinem 170-kW-6-Zylinder-Mercedes-Benz-SL-Roadster begegnen.
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Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 12.07.2010 um 19.07 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16500
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Wollte Ihnen nicht zu nahe treten, Herr Wrase. Es ging mir um Formulierungen wie diese:
"Die attraktiven Sport Edition
Sondermodelle"
(Mercedes Benz)
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 12.07.2010 um 13.29 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16497
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Herr Virch, Sie machen sich falsche Vorstellungen vom Stellenwert der Rechtschreibung in der Werbebranche. Werbung wird überwiegend von großen Firmen und Konzernen in Auftrag gegeben, dafür bezahlen diese mächtigen Auftraggeber viel Geld, und dann verlangen sie natürlich auch fehlerlose Texte. Manches wird auch ohne Lektor produziert (wenn der Auftraggeber sich das Geld für diese Leistung sparen möchte). Aber überwiegend sind bei großen Werbeetats Lektoren mit eingeplant. Wenn die sich ein paar Blackouts im Jahr zu viel leisten, sind sie raus aus dem Geschäft. Jeder Fehler, der durchrutscht, gefährdet im Fall der Entdeckung die Geschäftsbeziehung.
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Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 12.07.2010 um 10.40 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16496
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Tatsache ist: das Internet läßt die Menschen in nie dagewesenem Maße schriftlich kommunizieren. Man denke an die zahllosen Foren, in denen jeder alles und jedes sucht und findet: Autobastler, Oberschlesier, Masochisten, Kindermöbel, Witze, Bastler, Kopfschmerztherapie, Sternzeichen, Beschneidung, Kochrezepte, Steuertips, Computerfragen, Zierfische. Und jeder schreibt dort ganz spontan, wie ihm das Hirn gewachsen ist, wogegen insofern nichts zu sagen ist, als man einander schließlich ganz gut versteht. Der Nachteil ist, daß das unablässig strömende Pidgindeutsch auch andere Bereiche einkleistert. Beim ersten Blick auf die Überschriften der heutigen Faz.net-Leserkommentare zur WM gibts gleich einen Schlag aufs Auge: "Egal wem ich es von Beiden gönne.... " schreibt ein Herr namens Uwe Wagner.
Ein weiterer Einflußfaktor ist gewiß die Werbung, die sich im Zweifel weder von alter noch von neuer Rechtschreibung ankränkeln läßt (ich wußte gar nicht, daß es in der Werbung Lektoren gibt!). Was irgend geht, wird getrennt geschrieben, und die Masse greift die Masche brav auf. Man dekliniert auch nicht mehr gern. Das betrifft nicht etwa nur Markennamen oder Sendetitel ("ein Beitrag von die Reporter") - selbst unser Verteidigungsminister (der vermutlich gerade wieder Plato im Urtext liest) spricht unbekümmert von seinen "Soldaten als solches" oder ihrem "Einsatz als solches". Woher die allgemeine Verwirrung beim Umgang mit Tempora und Modi rührt, läßt sich nur vermuten. Hinsichtlich der Zeiten dürften die deutschen Fassungen englischsprachiger Filme mitverantwortlich sein. Seit Jahrzehnten werden - wohl zwecks möglichst synchroner Lippenbewegungen - deutsche Tempora analog zu den englischen verwendet. "Wird die Titanic pünktlich eintreffen?" "Nein, sie sank soeben". Von den Konjunktiven ist der erste wohl kaum noch zu retten. Ich meine im Duden gelesen zu haben, der Konjunktiv I gelte heute als gestelzt und sei daher verzichtbar, was zum einen das überbordende journalistische Gewürde und Gewäre erklärt und zweitens anschaulich belegt, mit welch deskriptiver Servilität die Dudenredaktion jeden Brocken einsammelt, der dem Volk aus dem Maul fällt.
Die Rechtschreibreform hat die Konfusion nur gesteigert. Es lag auf der Hand, daß das Aufkommen neuer Medien großen Einfluß aufs Schreiben haben würde; man hätte sich also denken können, wie wichtig der Erhalt klarer, gewachsener Regeln sein würde. Stattdessen wurde im übelsten Moment das Dümmste angerichtet.
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Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 12.07.2010 um 06.29 Uhr
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Die schiere Masse der dass/das-Verwechslungen im Vergleich zu ehemals den daß/das-Verwechslungen macht klar, daß es sich um Fehler handelt, die der Reform unmittelbar zuzuschreiben sind. Ich habe es als Werbelektor im wesentlichen mit denselben Schreibern zu tun wie vor der Reform und bleibe bei meiner Feststellung, daß die Zunahme etwa eine Größenordnung beträgt; jedenfalls ein Vielfaches.
Der Grund ist ebenfalls leicht zu finden. das und dass sind viel ähnlicher als das und daß. Sozusagen eineiige Zwillinge im Vergleich zu normalen Geschwistern. Dies bezieht sich einerseits auf den Anblick der unscheinbaren Wörtchen, so daß das mitlesende Auge des Schreibers viel öfter als vor der Reform die Fehlschreibung übersieht. (Übrigens gilt dasselbe auch für die Augen der sonstigen Leser, so daß die Häufigkeit des Fehlers den meisten Lesern verborgen bleibt.) Es gilt andererseits und vor allem für den Schreib- bzw. Tippvorgang. D A S S zu tippen ist fast dasselbe wie D A S zu tippen. Ganz anders gestaltet ist das Fingerprogramm D A ß – am Ende kommt die rechte Hand ins Spiel, der kleine Finger muß die schwer erreichbare Taste ß gezielt ansteuern.
Somit handelt es sich zu einem großen Teil um Tippfehler; die große Ähnlichkeit des Wortbildes verhindert zudem, wie gesagt, daß man als Schreiber den Tippfehler bemerkt.
Wenn die Zunahme dieser ss-Fehler wenigstens auf dass/das beschränkt wäre. Aber auch die anderen Fehler vom Typ heiss haben erheblich zugenommen. Noch heute, über 10 Jahre nach der Reform, wimmelt es in Mails von Grüssen, und im Absender steht dann die XY-Strasse.
Es gibt schon ein paar Leute, die von der Reform profitieren. Zum Beispiel Werbelektoren. Über das Gefühl ihrer Auftraggeber, daß es nach der Reform ohne den Lektor gar nicht mehr geht, möchten sie sich nicht wirklich beklagen. Das hat mich aber nicht daran gehindert, mich gegen den Schwachsinn Rechtschreibreform zu engagieren. Rechtschreibung ist wohlverstanden kein Beschäftigungsprogramm für Spezialisten, sondern ein Kulturgut, das der Allgemeinheit nützlich sein sollte.
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Kommentar von R. M., verfaßt am 11.07.2010 um 18.28 Uhr
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Gewiß – obwohl andererseits nicht viel dafür spricht, unter den kommentierenden Lesern von faz.net z. B. überwiegend die Angehörigen »bildungsferner Schichten« zu vermuten. Und unter den Journalisten selbst eigentlich auch nicht.
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Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 11.07.2010 um 15.55 Uhr
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So einfach läßt sich ein Zusammenhang zwischen Reform und dem fraglichen Fehler nicht herleiten. Hauptursache seines Aufkommens im Internet dürfte der Umstand sein, daß es wächst und wächst, und daß sich dort immer mehr Menschen äußern, die zuvor nicht im Traum ans Schreiben dachten. Viele von diesen gefallen sich in einer fast aggressiven Schlampigkeit. Die Komikerin Gaby Köster hat mal sehr richtig gesagt: "Ihr wolltet doch immer die Diktatur des Proletariats – da simmer."
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Kommentar von stefan strasser, verfaßt am 06.07.2010 um 11.49 Uhr
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Wenn sowas vor der Reform extrem selten war, liegt die Vermutung nahe, daß Leute, die so schreiben, meinen, es sei eine Neueinführung der Reform.
Und wenn man als Regel heranzieht, nach kurzem Vokal ss, dann kann das damit sogar begründet werden.
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Kommentar von R. M., verfaßt am 06.07.2010 um 09.14 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16461
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Belege für das als Konjunktion findet man durch die Kombination Partizip II + das, also z. B. "mitgeteilt das" oder "festgestellt das". Allerdings sind nicht alle Treffer einschlägig. Bei dieser Art Fehler hat man den Eindruck, daß die Schreiber häufig nicht einfach das und dass/daß verwechseln, sondern es aufgegeben haben, die Unterscheidung auch nur zu versuchen.
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Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 05.07.2010 um 11.46 Uhr 
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16460
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P.S.: Direkte Relativpronomina findet so natürlich kaum.
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Kommentar von Sigmar Salzburg, verfaßt am 05.07.2010 um 11.09 Uhr 
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1325#16459
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2. Methode: Anfügen eines häufigen Verbs: „dass ist“ oder „dass muss, will, soll, kann …“. Auf diese Weise findet man bei Google News täglich konstant mehrere Hundert Falschschreibungen in den aktuellen Meldungen der letzten 30 Tage. Seit teilweise auch die Leserkommentare mit erfaßt werden, hat sich die Zahl der Fundstellen noch deutlich vermehrt.
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