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04.12.2009
Prytagoras
– oder wie hieß er noch mal?
Ein Brief an den Verlag Oldenbourg:
Spardorf, den 4.12.2009
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie Sie inzwischen vielleicht schon erfahren haben, ist im Platon-Kapitel des Arbeitsbuches "ethikos 11" der Sophist Protagoras von Abdera mit dem Vorsokratiker Pythagoras von Samos verwechselt worden, der ein Jahrhundert früher lebte und mit dem homo-mensura-Satz natürlich nichts zu tun hat. Auch die Abbildung und der Verweis im Namenregister beziehen sich auf Pythagoras. Es handelt sich also nicht um einen Druckfehler, sondern um wirkliche Unkenntnis. Da die Schüler im Mathematikunterricht durchweg schon mit Pythagoras Bekanntschaft gemacht haben, ist der Irrtum besonders ärgerlich und auch erstaunlich, denn der Dialog "Protagoras" gehört ja zu den bekanntesten Werken Platons.
Mit freundlichen Grüßen
Theodor Ickler
Ich hätte noch manches andere erwähnen können. Zum Beispiel hieß der Tyrann von Syrakus, den Platon politisch beriet, nicht Dionysos, sondern Dionysios.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.02.2010 um 10.03 Uhr
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Ein bekannter Germanist schreibt:
"Buletischer Hintergrund (von boulestai „wollen, wünschen“)
Epistemischer Hintergrund (von epistemein „verstehen, wissen“)“
Das erste kommt von boulesthai, das zweite von episteme, epistasthai.
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2009 um 16.42 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1256#15355
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Einer der drei Verfasser von "ethikos 11" ist Alexander Geist, an dem man in Bayerns Schulen nicht vorbeikommt, auch nicht bei Rechtschreibbüchern. Ausgelastet können diese Herren in ihrem Hauptberuf nicht sein, allerdings läßt sich mit Schulbüchern auch mehr verdienen, vor allem, wenn man alles kann.
Ich habe inzwischen noch gefunden:
Spina Bifida (mit falscher Großschreibung)
epidermolysis bullosa (mit falscher Kleinschreibung)
Huntington Chorea (aus der ZEIT zitiert – man sagt Chorea Huntington)
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Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2009 um 07.00 Uhr
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1256#15350
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In demselben Buch liest der Schüler eine Übersetzung aus Aristoteles' Nikomachischer Ethik:
„Die ethische (Belehrung) dagegen ergibt sich aus der Gewohnheit, daher hat sie auch, mit einer geringfügigen Veränderung, ihren Namen erhalten.“ (S. 45)
Wer kann das ohne Kommentar verstehen? Haben die Verfasser es verstanden? Man muß ja Griechisch können, um zwischen ethos (mit kurzem e) und ethos (mit langem e) eine "geringfügige Veränderung" zu erkennen.
Die Versuche, aus der "Ethik" ein aktuelles Diskussionsfach zu machen, führen natürlich dazu, alle möglichen Modethemen (Homosexualität, Klimawandel usw.) anzusprechen und Meinungsäußerungen dazu anzuregen. In einer teilweise abgedruckten Rede beschwört Al Gore das Schmelzen des Nordpoleises, und dann heißt es, am Südpol geschehe etwas ähnliches. Den Schülern wäre besser mit einer Erinnerung daran gedient, warum das nicht stimmt (Archimedes!). Und auch, warum der Schlag eines Schmetterlingsflügels in Amerika niemals einen Wirbelsturm in Europa auslösen wird. Es ist zwar nur ein drastisches Bild, aber ohne Physik taugt die Chaostheorie nur zur Verwirrung der Geister, wie man ja im Feuilleton tagtäglich beobachten kann.
Die Lektüre solcher Bücher erzeugt bei mir einen starken Widerwillen, und ich muß mich ganz bewußt daran erinnern, daß ich in meiner Jugend auch viel Unverdauliches gelesen und geglaubt habe, ohne dauerhaften Schaden zu nehmen. Und es ist ja im Grunde für die allermeisten Menschen auch nicht so wichtig, ob sie Pythagoras und Protagoras auseinanderhalten können oder nicht.
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Kommentar von K.Bochem, verfaßt am 05.12.2009 um 23.47 Uhr
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Wieder einmal das Ergebnis eines nebenberuflich wirkenden, im täglichen Schuldienst nicht ausgelasteten Pädagogen? Oder gar eines Ministerialbeamten? Immerhin hat dieses Werk eine ministerielle Zulassungsnummer. Man kommt schon auf merkwürdige Gedanken ...
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