zurück zur Startseite Schrift & Rede, Forschungsgruppe dt. Sprache    FDS - In eigener Sache
Diskussionsforum Archiv Bücher & Aufsätze Verschiedenes Impressum      

Theodor Icklers Sprachtagebuch

Die neuesten Kommentare


Zum vorherigen / nächsten Tagebucheintrag

Zu den Kommentaren zu diesem Tagebucheintrag | einen Kommentar dazu schreiben


04.10.2008
 

Synonymie
Irreführende Definition im Duden

"Der Ausdruck Synonym entstammt dem Griechischen und enthält die Bestandteile syn (= zusammen) und ónoma (= Name). In einem landläufigen Sinne handelt es sich bei Synonymen demnach um Gleichnamige, um Wörter, die dieselbe Bedeutung tragen."

Das schreibt der Germanist Andreas Gardt in: Duden – Das Synonymwörterbuch, 3. Aufl. Mannheim 2004.

Aber "gleichnamig" wäre = homonym. Vgl.:
gleich|na|mig : a) den gleichen Namen tragend: ein Film nach dem -en Roman von... (DUW)

Gardt weiter: "In einem seiner Spätdialoge definiert der griechische Philosoph Platon die Sprache als »belehrendes Werkzeug«, mit dem man »das Wesen der Dinge« unterscheidet. Die Welt tritt dem Menschen als amorphe Masse von Erscheinungen gegenüber, und mittels der Sprache gliedert er sie, indem er ihre Gegebenheiten mit Bezeichnungen belegt und Aussagen über sie formuliert."

Das ist aber nicht Platons Ansicht, sondern Saussure oder Weisgerber. Nach Platon haben die Dinge ihr festes Wesen; die Sprache dient nur dazu, die Unterschiede für andere Menschen deutlich zu machen, sie ist Mitteilungsinstrument, nicht Erkenntnismittel.



Diesen Beitrag drucken.

Kommentare zu »Synonymie«
Kommentar schreiben | älteste Kommentare zuoberst anzeigen | nach oben

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.12.2017 um 13.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#37237

Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
Essen fromme Kinder gern.


In einigen Ausgaben steht bekanntlich fressen, beides scheint von Storm selbst zu stammen, der sich vielleicht dem allgemeineren Sprachgebrauch angepaßt hat. Ich kenne mich aber in der Stormphilologie nicht aus.

spute dich schnell steht um des Reimes willen, aber man nimmt es bei der absichtsvollen Naivität des Ganzen nicht krumm.

eitel muß man Kindern und manchen Erwachsenen heute erklären.

Den "rechten Teil" für die Rute verdeutlichen die meist szenisch auftretenden Vortragenden üblicherweise pantomimisch.

Nieder den Kopf und die Hosen herunter? aus der erweiterten Fassung kommt allerdings nicht in Frage, weil es zu nahe am pädophilen Mißbrauch vorbeischrammt.

Ganz Gescheite feiern die Bescheidenheit jener Kinder, die sich schon über Äpfel, Nuß und Mandelkern freuten. Sie kennen anscheinend die Fortsetzung nicht:

So nehmet denn Christkindleins Gruß,
Kuchen und Äpfel, Äpfel und Nuß;
Probiert einmal von seinen Gaben,
Morgen sollt ihr was Besseres haben.
Dann kommt mit seinem Kerzenschein
Christkindlein selber zu euch herein.


Davon zeugen auch die Weihnachtsbilder aus den bürgerlichen Haushalten des 19. Jahrhunderts.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.12.2017 um 04.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#37220

Mädchengymnasien ebenso wie Jungengymnasien starben allerdings nie aus, sondern stehen heute als alternative Wahlmöglichkeit zur Option. (Wikipedia Mädchengymnasium)

Option dient der Wiederholungsvermeidung, aber warum wird überhaupt dreimal dasselbe gesagt? Man kann halt zwischen ihnen wählen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.12.2017 um 04.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#37219

Maria Schwartz: Der philosophische bios bei Platon. Zur Einheit von philosophischem und gutem Leben. Freiburg/München 2013.

Die edlen Griechen in ihren weißen Marmorgewändern lebten nicht einfach wie wir dahin, sondern führten einen bios. Den muß man klein schreiben, so edel und so verschieden war er.
In Wirklichkeit geht es darum, die Wiederholung von Leben zu vermeiden. Nicht lesen!
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 07.12.2017 um 18.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#37217

Es gibt durchaus Bedingungen, ohne die es auch geht.

In der Mathematik unterscheidet man doch hinreichende und notwendige Bedingungen. Das "sine qua non" bezeichnet eben die notwendige Bedingung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2017 um 16.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#37209

Die Bedeutung von bedingen hat sich in der Tat stark verschoben. Heute wird es meistens im Sinne von "verursachen" gebraucht; ich hatte mir gerade notiert:

Italienische Forscher berichteten, dass manche Schmerzmittel eine Herzschwäche bedingen können.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.12.2017 um 14.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#37208

Es liegt wohl an der Doppeldeutigkeit des Wortes Bedingung (und das wird im Lateinischen genauso sein). Manchmal steht es wirklich für das Unabdingbare, manchmal wird es eher synonym für Umstand gebraucht.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.12.2017 um 14.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#37207

Auch wenn es hier nur das Beispiel (noch dazu ein falsches) betrifft:

Komisch, das ist doch das Wesen einer Bedingung, daß es ohne sie nicht geht. Wieso muß man da noch sine qua non ergänzen? Und das wird auch noch sprichwörtlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.12.2017 um 14.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#37206

Zur Präposition qua (die ich nie verwende) gibt der Duden zwei Bedeutungen:

1. durch, mittels, auf dem Wege über
2. gemäß, entsprechend

Nach meiner Beobachtung wird es oft auch im Sinne von "im Sinne von" gebraucht.

Wiktionary gibt außerdem an:

Redewendungen:
conditio sine qua non


Das ist aber nicht die Präposition, von der der Eintrag handelt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.12.2017 um 05.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#37167

Die Polizei geht für die Weihnachtsmärkte in der Region von einer abstrakten Gefährdungslage aus.

Der Pressebericht übernimmt die Terminologie der Polizei.

Eine abstrakte Gefahr ist eine nach allgemeiner Lebenserfahrung oder den Erkenntnissen fachkundiger Stellen mögliche Sachlage, die im Falle ihres Eintritts eine konkrete Gefahr darstellt. (Rechtswörterbuch)

Der Sprachgebrauch ist ungewöhnlich. Wenn eine mögliche Gefahr eintritt, wird sie zu einer wirklichen Gefahr.

Der Erlanger Weihnachtsmarkt wird durch lustig bemalte Betonklötze in der Hauptstraße geschützt, in Forchheim hat man die Klötze noch lustiger wie Weihnachtsgeschenke verpackt. Es gibt allerdings unendlich viele Möglichkeiten, in Menschenmengen zu rasen. Die Klötze sind auch viel zu groß geraten, eher wie Panzersperren.

Jedenfalls ist So rüsten sich Weihnachtsmärkte in der Region (nordbayern.de) diesmal keine Metapher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.11.2017 um 08.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36965

Im selben Beitrag kritisiert Schmachthagen übrigens den Gebrauch von entstammen mit Präposition statt mit reinem Dativ. Kurioserweise ist schon der älteste Beleg in Grimms Wörterbuch mit Präposition konstruiert. Schmachthagen hat es, wie die übrigen Beispiele, aus dem Artikel "Pleonasmus" in Duden Bd. 9.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.11.2017 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36900

Schmachthagen:

Eine Bankkauffrau bezweifelte den pleonastischen Gehalt im Ausdruck nochmals überprüfen. Sie habe das Vieraugenprinzip gelernt, nach dem ein Kollege jeden Vorgang "nochmals überprüfen" müsse. Sie irrt. Der Kollege soll den Vorgang entweder nochmals prüfen oder ganz einfach überprüfen. Die Verben "prüfen" und "überprüfen" dürfen nicht verwechselt werden, überprüfen bedeutet bereits "nochmals prüfen".

So ähnlich steht es auch im Duden, woher es Schmachthagen wohl auch hat:

überprüfen

1. nochmals prüfen, ob etwas in Ordnung ist, seine Richtigkeit hat, funktioniert
2. noch einmal überdenken, durchdenken


Die Sprachwirklichkeit sieht anders aus:

Ein Händler hat bei der von ihm angebotenen Elektro-Ware nur zu überprüfen, ob die Produkte über eine CE-Kennzeichnung verfügen. (Internet)

Müller fordert, alle Flüchtlinge rückwirkend zu überprüfen - "Die Bevölkerung hat Anspruch auf eine lückenlose Registrierung und auf eine standardmäßige Überprüfung aller seit zwei Jahren nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge." (Hamburger Abendblatt 6.1.17)

Hier sieht man auch, daß Prüfung andere Vorstellungen wecken würde, etwa die eines Tests. Überprüfen bedeutet; nachsehen, ob etwas in Ordnung ist oder seine Richtigkeit hat.

Viele Belege dieser Art. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Sache vorher schon einmal geprüft worden ist. Wie kommt man überhaupt darauf, daß das über- auf eine Wiederholung hindeutet? „nochmals“ würde man eher in nachprüfen vermuten. Prüfen ist der Oberbegriff und paßt daher immer, wenn auch nicht immer sehr gut.

Schüler und Studenten werden geprüft, manchmal auch nachgeprüft (Nachprüfung). Ihre Zeugnisse werden manchmal überprüft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.10.2017 um 12.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36814

Als Gradpartikel ist nur das Standardwort, bloß liegt laut Duden etwas darunter ("Umgangssprache"). Gehoben ist allein (in dieser Funktion, sonst natürlich nicht). Noch gehobener ist einzig, und dies ist wiederum ein Markenzeichen Adornos, in dessen immer etwas feierlichen Texten sich unzählige Beispiele dieser Art finden:

Die eigene Distanz vom Betrieb ist ein Luxus, den einzig der Betrieb abwirft.

Denn dort, wo einzig der Tauschwert überlebt, erfüllt alles seinen Zweck im Warentausch.

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2017 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36797

Politiker, die ihrer Bevölkerung den Stinkefinger zeigen – so schreibt ein ZEIT-Leser. Man sieht, daß die beflissene Ersetzung nicht funktioniert: Die Deutschen sind mein Volk, nicht meine Bevölkerung. Man könnte sagen: Im ersten Fall ist die Zugehörigkeit wechselseitig, im zweiten nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2017 um 04.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36795

Es ist unbekannt, wie die Wendung nicht bei Trost sein zustande gekommen ist. Vgl. Grimms Wörterbuch, wo auch auf den umgangssprachlichen, burschikos-scherzhaften Gebrauch hingewiesen wird.

Ich möchte eine Vermutung anstellen: Es könnten zwei Gedanken ineinandergeschoben sein: "Du bist nicht bei Sinnen, und zwar so sehr, daß kein Trost möglich ist." So sagt man ja auch pennälerhaft: "Du bist verrückt, da helfen keine Pillen." Und vielleicht findet jemand noch ähnliche Redensarten aus diesem Register.

Außerdem wird mit Recht vermerkt, daß die Wendung nur negativ vorkommt. Zu ergänzen ist aber: und in Fragen – wie stets in solchen Fällen: Bist du noch bei Trost? Dies zeigt wieder, wie berechtigt Wierzbickas Zusammenfassung von Negation und Frage als "Ignorativ" ist.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 26.10.2017 um 19.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36778

"Vermitteln" ist das Herstellen einer Verbindung – in welcher Form auch immer – zwischen Anrufer und Angerufenem.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2017 um 18.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36777

Altkanzler Schröder vermittelte bei Erdogan

Schließt das Verb vermitteln eigentlich ein, daß es zu einem Interessenausgleich, also auch einer Gegenleistung gekommen ist?

Man denkt auch unwillkürlich an das klassische Was kostet es, wenn es umsonst ist?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2017 um 05.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36769

Stimmungsvoll ist ein sonderbares Wort, weil es ja nichts darüber sagt, in welche Stimmung man versetzt wird. In irgendeiner Stimmung ist man immer. Stimmungsvoll scheint aber eher auf die melancholische Seite zu zielen – sentimental ist dem Wortsinn nach ebenso unbestimmt. Vom Stechlinsee sagt Wikipedia im Eintrag über Fontanes Roman, daß er "stimmungsvoll in die märkische Landschaft eingebettet ist."

An den Stechlin mußte ich denken, weil die Siemensstadt Erlangen ähnlich wie der See immer gleich zu spüren kriegt, wenn in der weiten Welt große Veränderungen stattfinden. Die Flaute bei den großen Turbinen versetzt viele Siemens-Standorte in Angst und Schrecken. Diskussionen über die Energiewende kann man sich hier nicht leisten, sie ist weltweit eine Tatsache.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2017 um 05.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36768

Redekunst ist die deutsche Entsprechung von Rhetorik, hat aber nicht den oft negativen Beigeschmack von "Wortemacherei". Das wird wohl auch am Grundwort Kunst liegen. Typisch für das unsymmetrische Nebeneinander von Fremdwort und Eindeutschung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.10.2017 um 08.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36758

Mystische Krankheit: Junge Frau schwitzt Blut

Gemeint ist "mysteriös", und so heißt es auch in der englischen Vorlage. Ärzte stellten schließlich fest, daß es sich bei diesem Blutschwitzen um "Hämhidrose" handelt, also Blutschwitzen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.10.2017 um 05.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36707

Es fällt auf, daß nicht nur Kopf und Hände, sondern auch die Tätigkeit des Sprechens in vielen Sprachen mit Kraftausdrücken benannt wird, die dann zur Normalsprache werden.

sprechen scheint auf ein Wort mit der Bedeutung "krachen, dröhnen" zurückzugehen. schwatzen, schwätzen ist süddeutsch normal, vgl. schwetz, Ätti in J. P. Hebels allemannischem Gedicht "Die Vergänglichkeit", das ich hier schon erwähnt habe.
Frz. parler hängt auf komplizierte Weise mit gr. Parabel zusammen, und im NT "schwätzt" Jesus bekanntlich (lalein).

Diese ständige Ersetzung erschwert es, ein idg. Grundwort zu ermitteln.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2017 um 09.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36691

s. entscheiden für/s. entschließen zu liegen semantisch so nahe beeinander, daß die Konstruktion sich überaus häufig vermischt. Hinzu kommt, daß bei entscheiden auch ein Infinitiv mit zu stehen kann.
 
 

Kommentar von kratzbaum, verfaßt am 18.10.2017 um 08.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36664

Nach Artikeln und Präpositionen folgt ein Substantiv, und das schreibt man groß:

"...auch wenn sein Wahlergebnis nicht das Glänzendste ist."

Oder doch nicht?

"Schneller durch konzentrieren"

(FAZ v. 16.10)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.10.2017 um 07.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36662

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30720

Alle Präpositionen lassen sich substantivieren, aber nur das Aus hat sich allgemein verbreitet und könnte ein normales Substantiv werden. Ob es dafür einen semantischen Grund gibt?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.10.2017 um 13.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36642

“Most human sentences are in fact aimed at getting rid of the ambiguity which you unfortunately left trailing in the last sentence.” (Jacob Bronowski)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.10.2017 um 06.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36511

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27506

"bedeutend oder bedeutsam? Das Adjektiv bedeutend drückt aus, dass jemand oder etwas »besonders beachtenswert«, »wichtig« ist. Im Unterschied zu »bedeutsam« wird in Bezug auf »bedeutend« meist nicht gesagt, in welcher Hinsicht die so bezeichnete Person oder Sache als besonders beachtenswert gilt:

Der Speyrer Dom ist ein bedeutendes Bauwerk der romanischen Kunst.
Die Frage nach Schuld und Unschuld spielt in diesem Roman eine bedeutende Rolle.


Adverbial wird bedeutend in verstärkender Funktion verwendet; es lässt sich meist durch »viel« oder »sehr« ersetzen:

Diesen Hut finde ich schon bedeutend besser.
Er hat sich in der letzten Zeit bedeutend verbessert.


Mit dem Adjektiv bedeutsam werden dagegen Vorgänge oder Ereignisse näher bezeichnet, die für etwas (meist im Kontext Genanntes) von besonderer Bedeutung sind, die auf etwas oder jemanden eine besondere Wirkung haben:

Wie bedeutsam die Liebe zu seiner Schwester für sein literarisches Werk war, zeigen seine Tagebücher."
(http://www.duden.de/rechtschreibung/bedeutsam)

Die eigentliche Bedeutungsangabe ebd. sowie die Verwendungsbeispiele zeigen allerdings, daß der Unterschied oft nicht beachtet wird.

Dazu der folgende nicht-unterscheidende Kontext:

Das Brevier zeigt, dass Mill ein bedeutsamer Freiheitsdenker ist, aber kein ebenso bedeutender Politischer Ökonom. (FAZ 9.10.17)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.10.2017 um 06.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36498

Am Wahlabend soll Steinmeier für seine Gäste "Flammkuchen nach Elsässer Art" "gemacht" oder "zubereitet" haben. Wie aber aus Berichten hervorgeht, hat er nur mit der Plastikumhüllung der tiefgekühlten Zwiebelpizza gekämpft.

Es kann sein, daß die Küchenverben einen Bedeutungswandel durchmachen, veranlaßt durch die Verwendung fertiger und halbfertiger Produkte, die auch in der Gastronomie schon sehr verbreitet ist. Die überlange Speisekarte auch kleiner Restaurants ist anders gar nicht zu bedienen. Die Küche wärmt auf und backt auf, das ist der Normalfall.

Ich erwähne es, weil ja auch die Reden, die dem Politiker zugeschrieben werden, weil er sie vorträgt, von professionellen Redenschreibern stammen. Beim Bundespräsidenten scheinen sich die Journalisten am strengsten daran zu halten, ihre Kenntnis der wahren Verfasser zu verleugnen. Bei Weizsäcker fiel es mir besonders auf. Man will kein Spielverderber sein. Das ist wie bei Predigten, die aus einer Sammlung stammen und nur an die jeweilige Situation angepaßt werden.

In der Antike war Redenschreiber ein einträglicher Beruf. Isokrates war der berühmteste.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 04.10.2017 um 16.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36458

Der erste Satz des Anreißers soll diesen Eindruck wohl noch verstärken: »Die AfD-Bundestagsfraktion schrumpft.« Nicht falsch, aber bei einer Verkleinerung um etwas mehr als 2 Prozent würde ich noch nicht unbedingt von »schrumpfen« sprechen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.10.2017 um 15.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36456

Nächster AfD-Abgeordneter verlässt Bundestagsfraktion (SPIEGEL)

Die Wortwahl deutet an, daß man mit einer Fortsetzung der Austritte rechnet. Das wäre anders bei Weiterer Abgeordneter...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2017 um 18.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36432

hüsteln, s. räuspern

Die Bedeutungsangaben bei Duden geben weniger Aufschluß als die Beispiele: "[mehrmals hintereinander] schwach husten" usw. - da fehlt das Kommunikative. Fast immer werden solche Verben verwendet, wenn es darum geht, daß jemand sich bemerkbar machen oder das Rederecht bekommen will. Dagegen ist Husten ein reflexhaftes Geschehen (das natürlich wie jedes andere auch simuliert werden kann).

Die Wortbildung deutet schon das Diminutive an, die Ritualisierung des vitalen Verhaltens als Kern der Zeichenhaftigkeit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.10.2017 um 14.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36430

Frauke Petry sei intelligent, aber nicht klug, denn Klugheit sei mit Moral verbunden, und die spricht Lehrer Heinrich Peuckmann seiner früheren Schülerin gänzlich ab.

Es handelt sich um denselben Peuckmann, der jetzt gewissermaßen als mein Nachfolger für den PEN im Rechtschreibrat sitzt.

Die synonymische Differenzierung ist fragwürdig. Ebenso die öffentliche Äußerung eines Lehrers über eine frühere Schülerin. Ich würde das nicht tun (Berufsethos).

Außerdem: Wenn schon die Mutter gänzlich unmoralisch ist, wie mögen dann erst ihre fünf Kinder sein?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.09.2017 um 22.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36401

Es geht dort wirklich sehr durcheinander:
Drahtstifte haben einen Durchmesser von 28 Millimeter und eine Länge von 65 Millimeter. [···] Anders dagegen der herkömmliche Nagel. Der lässt sich in jeder beliebigen Stärke und Länge herstellen.[

Selbst wenn man beim Durchmesser ein fehlendes Komma annimmt, wieso sollte es nicht möglich sein, Drahtstifte auch in anderen Größen herzustellen? In meinem Baumarkt gibt es jedenfalls "Drahtstifte" in allen möglichen Dicken und Längen.

Aber immerhin versöhnt es mich wieder mit dem Baumarkt, da ich jetzt gelernt habe, daß Drahtstifte auch Nägel sind. Wenn es auch dort im Regal so aussieht, als ob beides strikt getrennt wird.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 30.09.2017 um 17.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36399

Es gibt viele Arten von eisernen Nägeln:
Drahtstifte verbiegen sich leicht, brechen aber nicht;
Stahlstifte kann man in den Putz hauen, ohne daß sie sich verbiegen, kenntlich an der dunkelblauen Farbe, bei Querkräften können sie brechen;
Einschlagschrauben sind Nägel mit Widerhaken, damit sie sich bei Zugbelastung nicht wieder herausziehen.
Schrauben sind meist die bessere Wahl, weil sie serienmäßig verzinkt oder bei Bedarf rostfrei oder aus Messing sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2017 um 16.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36398

http://www.hilfreich.de/drahtstifte-oder-naegel-vorzuege-und-unterschiede_10354

Aber vielleicht geht es durcheinander. Ich nehme an, ein Hufnagel ist kein Drahtstift.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.09.2017 um 15.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36396

Ich dachte, ich werd nicht wieder, heute im Baumarkt, habe wohl lange keine Nägel gekauft, hatte immer noch genug zu Hause, und da lese ich doch heute überall am Regal auf jeder Beschriftung aller Arten und Größen und auf jedem Preisschild, daß es sich um "Drahtstifte" handelt. Ich dachte, Nagel sei nun wirklich ein uraltes, allgemein bekanntes deutsches Wort. Aber ein Drahtstift ist natürlich was Feineres, darüber ginge nur noch ein englischer Ausdruck.

Machen wir also mal Drahtstifte mit Köpfen und dazu die Drahtstiftprobe, treffen wir den Drahtstift auf den Kopf, hängen wir das Studium an den Drahtstift, diese nervige Person ist ein Drahtstift zu meinem Sarg, wir sollten sie auf ihre Aussage fest verdrahtstiften.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.09.2017 um 05.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36219

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32116

In zahlreichen Internetforen (vor allem für Deutschlernende) wird der Unterschied zwischen sprechen von/sprechen über diskutiert. Man kommt nicht recht weiter, weil nicht-unterscheidende Kontexte als Beispielmaterial herangezogen werden. Dieser methodische Fehler ist sehr lehrreich.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 11.09.2017 um 12.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36184

Bitte mein Gestichel nicht zu ernst nehmen. Imponiersprachler gibt es hier ja wirklich nicht, und so manches Fremdwort regt mich sinnvollerweise an, in den Resten meiner altsprachlichen Erinnerungen zu kramen. Manchmal fällt sogar ganz von selbst ein Groschen; als vor einiger Zeit zum Beispiel das Wort ephemer auftauchte, war mir plötzlich klar, warum (Tages-)Zeitungen in Griechenland Ephimerides heißen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2017 um 12.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36183

Ich dachte eher an die erfahrungsresistenten Züge der Ideologie.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 11.09.2017 um 12.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36182

Zur Erkenntnis, daß Gauland kultisch verehrt wird? Der letzte deutsche Politiker, dem das zuteil wurde, dürfte Brandt gewesen sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2017 um 11.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36180

Nach langen Diskussionen (Diskussionsversuchen) ist mir eigentlich recht klar, wohin es führt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 11.09.2017 um 11.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36178

Die BüSo mag vielleicht sektenhaften Züge haben, aber wohin sollte es führen, der AfD diesen unterschwelligen Vorwurf zu machen?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.09.2017 um 05.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36174

Herr Virch stichelt mit Recht gegen meinen Gebrauch von Proselyten, denn nötig war das Fremdwort nicht, auch wenn es nicht gerade neu ist. Man kann die bestehende und die neue Gefolgschaft auch anders ausdrücken. Um der Kürze willen glaube ich in diesem Kreise auch mal zu Fremdwörtern greifen zu dürfen, zumal ich wohl nicht gerade als Imponiersprachler gelte; Puristen sind wir alle nicht.
Proselyten machen trifft es gerade mit seinem religionsgeschichtlichen Anklang manchmal ganz gut.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 10.09.2017 um 16.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36172

Das Wort "Unterschleif" läßt mich lächeln. Ich kenne es eigentlich nur aus meiner Schülerzeit (lang her). Damals jedenfalls wurde damit jede Art des Abschreibens bezeichnet – beim Banknachbarn, von einem Spickzettel usw. Daneben allerdings auch das schon kriminelle Fälschen von Korrekturen (oh ja, auch das hat es gegeben).
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 10.09.2017 um 13.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36169

"Unterschleif" ist ja nicht einmal synonym.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 10.09.2017 um 11.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36167

Gelegentlich kann man aber auch ein neues Wort wie Proselyten lernen, um sodann umso wissender von neuer Gefolgschaft zu reden.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.09.2017 um 10.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36166

Solche Übertreibungen kann man amüsant finden oder auch bloß nervtötend. Ein Teil der Leserschaft wird sich abwenden, aber solange der Autor ein festes Gehalt bezieht, kann ihm das ja egal sein.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 10.09.2017 um 09.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36165

Natürlich, ohne betrügerisch – und erst recht ohne fraudulent – wäre normalerweise der bessere Stil. Aber ich glaube nicht, daß der Autor überhaupt darauf aus war, bei einem nüchternen Stil zu bleiben. Vom selben Strickmuster ist übrigens auch ein weiterer Satz im selben Artikel:

Das Auto, vermeintlich wieder jung, entpuppt sich dann bald als multimorbides Vehikel auf der Zielgerade seines Daseins.

Vehikel für Fahrzeug; Dasein ist in diesem Kontext ungewöhnlich; multimorbide und Zielgerade werden bildhaft eingesetzt. Normalsprachlich, aber auch reizlos wäre zum Beispiel gewesen:

Das Auto, vermeintlich wieder jung, entpuppt sich dann bald als nahezu schrottreifes Fahrzeug mit zahlreichen Schwachstellen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.09.2017 um 09.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36164

»jenes Fahrzeughalters« hätte natürlich völlig ausgereicht. Das Problem, zu dessen Lösung hier im Thesaurus geblättert wurde, ist also gar keins.
 
 

Kommentar von Wolfgang Wrase, verfaßt am 10.09.2017 um 09.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36163

Der SPIEGEL 37/2017 enthält einen Artikel über gefälschte Kilometerstände und Versicherungsbetrug, in dem bei normaler Wortwahl die Wörter betrogen, Betrugsdelikt, Betrug und betrügerisch dicht aneinandergereiht vorkämen. Der Autor Christian Wüst schrieb nun:

Versicherungsbetrug ist strafbar, keine Frage; und doch wäre es nicht übertrieben, diese Form der Kleinkriminalität als Volkssport zu bezeichnen. Mehr als 25 Millionen Anfragen der Versicherer zu zweifelhaften Schadensfällen bearbeitet die Arvato Financial Solutions im Jahr. Der badische Finanzdienstleister ist eine Art Interpol der notorisch beschubsten Branche. Björn Hinrichs, dort mit Betrugsdelikten befasst, könnte einen Almanach des Unterschleifs anlegen mit hübschen Beispielen wie dem jenes fraudulenten Fahrzeughalters, der dieselbe Delle 28-mal in 14 Monaten als Kaskoschaden begleichen ließ.

Nach meinem Eindruck ist wird hier die Synonymenvariation bewußt nicht als gelungener Stil dargeboten. Die Synonyme machen allesamt einen deplazierten Eindruck: beschubst wirkt etwas albern, ähnlich wie vielleicht beschwipst, zusätzlich assoziiert der Leser bildhaft ein Herumschubsen; die sehr entlegenen Wörter Unterschleif und fraudulent sind veraltet bzw. krampfhaft bildungssprachlich. Dann wird auch noch Almanach (statt zum Beispiel Katalog) mit draufgesattelt.

Ich sehe bei dieser Wortwahl ein Augenzwinkern des Autors: absichtlich übertriebene Synonyme als selbstironisches Sprachspiel. Erst diese Selbstironie gibt dem Text wieder eine gewisse Souveränität. Ich glaube, Synoymenvariation dieser Art findet man öfter im SPIEGEL.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.09.2017 um 07.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36114

„Herr Erdogan, geben Sie die unschuldig im Knast sitzenden Leute frei – und zwar jetzt und sofort“, sagte Schulz unter großem Beifall der Zuhörer.

Knast (aus dem Jiddischen) gehört wie Kittchen seinem gaunersprachlichen Ursprung entsprechend zu einem sehr umgangssprachlichen Register und dient zunächst der hemdsärmeligen Anbiederung an das "Volk". Zugleich verharmlost es den Sachverhalt. So – beinahe liebevoll – reden die Knastbrüder selbst von ihren Zwischenstopps.

Der Sache nach verlangt die Bundeskanzlerin von Erdogan dasselbe, aber man kann sich schwer vorstellen, daß sie sich so ausdrücken würde, auch nicht in Wahlkampfreden.

Der Augenblicksbeifall – wer könnte dagegen sein? – beweist noch nicht, daß die gewählte Strategie richtig ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2017 um 05.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#36064

Während Merkel fünf Punkte verlor, legte Schulz vier Zähler zu. (welt.de 26.8.17)

Sogar in diesem Sätzchen die zwanghafte Wiederholungsvermeidung. Die synonymische Variation erschwert das Verständnis. Nicht jeder Leser weiß, daß Punkte und Zähler (hier!) dasselbe sind.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 14.08.2017 um 11.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35991

Ja, aber dieser Gebrauch ist zweifellos nicht (mehr) auf den oberdeutschen Raum beschränkt. So zitiert die Hamburger Morgenpost den Vorstandssprecher der Hamburger Sparkasse mit den Worten: »Es gibt kaum mehr Gründe, in die Filiale zu kommen«. Usw.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 14.08.2017 um 09.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35990

In Österreich und einigen Gegenden Deutschlands, vor allem wohl im Süden, sagt man ja »nur mehr« statt »nur noch«: es hat nur mehr 20 Grad, etwas hat nur mehr symbolischen Wert usw. Ich nehme an, hier liegt ein ähnlicher Fall vor. In »Wie sagt man in Österreich? – Wörterbuch des österreichischen Deutsch« von Jakob Ebner (4. Aufl., 2009) wird so etwas angedeutet. Unter dem Stichwort »mehr« wird auf »nur mehr, kaum mehr« verwiesen; allerdings gibt es nur den Eintrag »nur mehr«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.08.2017 um 04.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35985

Kaum mehr Dorsche in der westlichen Ostsee. (FAZ 10.1.90)

Gemeint war kaum noch, und so sollte man es ausdrücken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2017 um 05.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35934

Der Unterschied zwischen helfen und unterstützen läßt sich auch so illustrieren:

Wenn ein Selbstmordwilliger auf dem Dach steht, gibt es Unterstützer, die ihm ein aufmunterndes Spring doch! zurufen, während sich im Treppenhaus oder auf der Drehleiter die Helfer von der Feuerwehr nähern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.08.2017 um 05.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35923

Um das Allerweltswort heißen zu vermeiden, greifen die Leute zu geistreicheren Synonymen und strapazieren unsere Vorstellungskraft:

Als Exoplanet darf sich jeder Himmelskörper bezeichnen, der wie die Erde um einen zentralen Stern wie die Sonne kreist. (Zeit 12.12.14)

Mit ihrem Fund können die Forscher ein Phänomen aufklären, das sich der Große Attraktor nennt. (Augsburger Allgemeine 12.2.16)

Neues Ärztehaus in Neheim hört auf den Namen „Medicanum“

Und wenn man es ruft, kommt es gerannt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.08.2017 um 09.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35885

Weidmann betonte, daß die Einführung des Euro für die Bundesbank ein tiefer Einschnitt darstellte. (FAZ 2.8.17)

= Weidmann sagte, daß die Einführung des Euro für die Bundesbank ein tiefer Einschnitt war.

Das dürfte der Satz sein, der dem Verfasser zuerst eingefallen war, bevor er ihn aufblies.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.08.2017 um 04.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35870

Im Duden wird der Gebrauch von mehrfach im Sinne von mehrmals als "umgangssprachlich" gekennzeichnet. Das entspricht aber nicht mehr den Tatsachen, so bedauerlich man es finden mag.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.07.2017 um 04.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35787

Unterhaltungskünstler konkurriert mit Entertainer. Wikipedia wechselt die Ausdrücke (Stichwort ist das erste), läßt aber durchblicken, daß es kleinere Unterschiede geben könnte.
Zunächst könnte die "Extension" etwas verschieden sein, d. h. man könnte den Kandidaten eher das eine als das andere Prädikat zusprechen (s. den erwähnten Eintrag). Zauberer, Entfesselungskünstler und Bauchredner sind vielleicht keine typischen Entertainer. Zweitens könnte es sich um eine etwas verschiedene Wertung handeln. Drittens kommt ein stilistischer Unterschied in Frage. So scheint mir, daß Unterhaltungskünstler leicht verstaubt und nach DDR riecht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.07.2017 um 06.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35748

Deutschland verliert die Geduld mit der Türkei (tagesspiegel.de 20.7.17)

Das könnte man nur sagen, wenn der bisher Geduldige über Sanktionsmacht verfügte. Kinder können nicht die Geduld mit ihren Eltern verlieren, nur umgekehrt. Womit droht Deutschland? Mit einer „Verschärfung der Reisehinweise zum Schutz deutscher Staatsbürger in der Türkei“! Passender wäre etwa: Deutschland verzweifelt an der Türkei.

Nachtrag: Türkei-Krise: Gabriel knallhart (BILD)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.07.2017 um 05.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35681

Vor einigen Jahrzehnten fiel mir auf, daß konservative Zeitungen wie die FAZ das Wort Demonstrant oft mit solchem Widerwillen verwendeten, daß es wie Verbrecher klang. Das habe ich mir damals notiert, um es im Auge zu behalten. Die "Pejorisierung" einer Wortbedeutung ist ja die Folge eines Euphemismus (wie an Weib/Frau/Dame gezeigt). In diesen Zusammenhang gehört jetzt:

Der Begriff [Schwarzer Block] führt zunächst ein wenig in die Irre. Denn es handelt sich dabei nicht um eine Organisation oder ein Bündnis im klassischen Sinne. Vielmehr verbirgt sich hinter dem schwarzen Block eine Demonstrationstaktik. (Spiegel)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 08.07.2017 um 10.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35632

https://www.greenpeace.de/greenpeace-erfolge

Es prangen wohl nicht alle Federn zu recht am grünen Hütchen, aber einige doch. Auf das Greenpeace-Gutachten zum Beispiel, das Ölbohrungen im Wattenmeer für unrechtmäßig erklärt, mußte der Schleswig-Holsteinische Umweltminister Robert Habeck reagieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.07.2017 um 08.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35630

Bekanntheit wohl, aber Einfluß? Danach frage ich ja.

(Mangels befriedigender Nachweise habe ich schon vor längerer Zeit alle Fördermitgliedschaften und Spenden eingestellt.)
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 08.07.2017 um 08.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35628

"Haben solche mediengerechten Aktionen eigentlich politisch jemals etwas bewirkt?" Vermutlich. Greenpeace hat sich dank ihrer einen gewissen Einfluß verschafft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.07.2017 um 17.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35623

Greenpeace-Aktivisten haben mit einer Trump-Plastik auf der Elbe für den Klimaschutz protestiert. (Deutschlandfunk 7.7.17)

Wenn oft genug "für" etwas protestiert wird, ändert sich die Bedeutung des Verbs. Im konkreten Fall ist es natürlich umgekehrt: Der Sprecher muß sich unter protestieren etwas anders als üblich vorgestellt haben, bevor er die ungewöhnliche Präposition setzte.

(Haben solche mediengerechten Aktionen eigentlich politisch jemals etwas bewirkt?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.07.2017 um 09.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35617

Wann geht Protest in Krawall über? Die Medien müssen über die Wortwahl entscheiden, keine leichte Sache, auch wenn Bilder Zusatzinformation liefern.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 27.06.2017 um 22.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35500

Aus der heutigen 20-Uhr-Tagesschau:

»Armin Laschet ist neuer Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Der CDU-Politiker erhielt heute bereits im ersten Wahlgang die notwendige Zahl von 100 Stimmen. Das entspricht exakt der Menge der Abgeordneten von CDU und FDP im Düsseldorfer Landtag.«

Die Summe aus der Zahl der CDU-Abgeordneten und der Zahl der FDP-Abgeordneten würde man im normalen Sprachgebrauch wohl kaum als »Menge« bezeichnen. Es drängt sich der Verdacht auf, daß hier eine Wiederholung des Wortes »Zahl« partout vermieden werden sollte.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.06.2017 um 20.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35482

(nicht nur beim Partizip, auch Imperfekt)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 25.06.2017 um 20.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35481

"Was soll an er saugte Staub bedenklich sein?"
(http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=795, Kursivierung ergänzt)

Ich habe mich beim Lesen des Tagebucheintrags "Wortbildung" auch gefragt, was die Verfasser von "Wortbildung fürs Examen" damit wohl meinen. Mußte dabei daran denken, daß er sog Staub wohl sehr bedenklich wäre.

Manche Unterschiede zwischen starker und schwacher Partizip-Perfekt-Bildung halten sich recht gut.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.06.2017 um 11.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35450

Seit dem 19. Jahrhundert versuchen Sprachpfleger, den Unterschied zwischen gesinnt und gesonnen wachzuhalten. Duden Band 9 meint, er sei nur bei wohlgesinnt und wohlgesonnen inzwischen weitgehend aufgegeben. Dem folgen die anderen Autoren.

Ich glaube, der Unterschied läßt sich überhaupt nicht halten. Das hält man zunächst für ebenso mißlich wie bei scheinbar/anscheinend, aber die wirklichen Folgen sind längst nicht so verderblich, wie man befürchten könnte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.06.2017 um 05.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35435

Das Gotteshaus hat eine große symbolische Bedeutung, weil IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi sich dort das erste Mal der Öffentlichkeit gezeigt hatte. (spiegel.de 22.6.17)

So drücken sich auch Muslime in Deutschland aus, aber eigentlich ist eine Moschee kein "Gotteshaus".
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 19.06.2017 um 19.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35403

Es fehlt ein »darin«.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.06.2017 um 16.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35402

Dass Adorno gut schrieb, mehr noch: von keinem Schriftsteller seiner Generation in Deutschland überboten wurde, wird niemand bestreiten wollen. (Henning Ritter)

Ich empfinde hier ein leichtes Unbehagen. Kann man guten Stil "überbieten"? Wäre "übertreffen" nicht passender, wenn man sagen will, daß niemand besser schrieb als Adorno?
Der Sache nach stimme ich natürlich nicht zu. Und man sollte den Mund überhaupt nicht so voll nehmen: wird niemand bestreiten wollen ist eine unnötige Provokation.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.06.2017 um 05.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35351

Wer immer erwartet hatte, dass Donald Trump an diesem Dienstag endgültig ins Wanken kommen würde: Die Hoffnung erfüllt sich nicht. (FAZ 15.6.17)

Abgesehen vom Anakoluth (der freie Relativsatz wird nicht auf geradem Wege fortgesetzt) interessiert hier die Wiederaufnahme des Verbs durch ein spezielleres Substantiv. Logisch wäre: die Erwartung, aber dagegen steht das Stilgebot der Wiederholungsvermeidung. Hoffnung hat ein zusätzliches Bedeutungsmerkmal.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.06.2017 um 09.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35304

Die Sonn- und Feiertagsruhe dient bekanntlich der "seelischen Erhebung", vgl.

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1455#18786

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#34016

http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1512#33980

Auch "Erbauung" wird in diesem Sinn gebraucht, klingt aber noch stärker veraltet und oft ironisch-pejorativ.

Wir haben gesehen, daß in neuerer Zeit die religiösen Konnotationen abgeschwächt werden und der Begriff der "Erholung" bevorzugt wird. Allerdings bedeutet dies auch eine Schwächung der biblisch begründeten Argumentation für Sonn- und Feiertage, denn die Erholung ist eine Frage der Gesundheit und kann nicht auf gemeinschaftlich einzuhaltende Ruhezeiten beschränkt werden.

Interessant ist die Synonymik von Erholung und Erfrischung.

Erholung dient der (längerfristigen) Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit, Erfrischung der Wiederherstellung der positiv bewerteten Munterkeit, einer gewissen Stimmung.

In der Werbung spielt "Frische" eine große Rolle. Man gewinnt den Eindruck, daß der moderne Mensch meistens etwas verkatert ist, was vielleicht auch stimmt (Fernsehen und Alkohol am Abend, zu wenig Schlaf).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2017 um 05.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35230

Duden: er fährt ein dickes (umgangssprachlich; großes, teures) Auto

Hinzu kommt wohl noch "protzig, angeberisch". Mafiabosse und die Chefs der osteuropäischen Pflegedienst-Betrüger fahren dicke Autos, wie ich gerade gelesen habe.

Schwer zu beschreiben sind die Gebrauchsbedingungen von dickes Lob; überhaupt ist die Verwendungsbreite von dick erstaunlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.05.2017 um 05.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35229

In Hamburg wissen wir, dass ein Schwarzbrot ein dunkles Roggenbrot ist, das, wenn die Körner im Ganzen belassen worden sind, zu einem Vollkornbrot wird.

Auch ich erinnere mich, daß wir das früher unter Vollkornbrot verstanden haben. Wie ich bei Wikipedia lese, hat sich etwa seit 1970 – wohl aufgrund von Verordnungen – hier ein neuer Sprachgebrauch durchgesetzt, an den ich mich inzwischen gewöhnt habe. Jetzt kommt es nur noch darauf an, daß das ganze Korn verarbeitet ist, ob gemahlen oder nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.05.2017 um 03.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35170

Kleine Mißverständnisse ergeben sich immer wieder mal, wenn Deutsche aus verschiedenen Regionen die Verben gehen, laufen, rennen verschieden gebrauchen.
So sagen viele laufen, wenn sie das Zufußgehen im Gegensatz zum Fahren meinen. Für andere hat es die Bedeutung "rennen", also die Fortbewegung mit einer "Flugphase", wie im Sport definiert.
Zwei Flöhe kommen aus dem Kino, es regnet. Sagt der ein: "Gehen wir zu Fuß, oder nehmen wir uns einen Hund?" – Das ist heute die schriftsprachliche Standardform. Als Kinder hätten wir eher gesagt: Laufen wir...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.05.2017 um 12.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35117

Das kommt wahrscheinlich noch hinzu. Der biodeutsche Mann trägt allenfalls ein Schweizer Taschenmesser bei sich, benutzt es aber nicht als Kommunikationsmittel (Leitkultur!).

 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 16.05.2017 um 10.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35116

Synonyme für Balkanese.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.05.2017 um 05.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35114

In Hagen geraten zwei Männer in Streit. Plötzlich zückt einer ein Messer und sticht mehrfach auf seinen Rivalen ein. (...) Dann stach der 59-Jährige mit einem Messer mehrfach auf seinen Kontrahenten ein. (welt.de 16.5.17)

Rivalen sind Menschen, die sich um denselben Gegenstand bemühen, etymologisch Anlieger desselben Wasserlaufs.

Kontrahenten sind Vertragspartner.

Der Stumpfsinn macht sie allesamt zu Gegnern.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.05.2017 um 05.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#35051

"Das Implantat kann man als smartes Gerät bezeichnen, also eines, das Daten sammelt und speichert." (FAS 7.5.17)

Diese Bedeutung von smart steht noch nicht im Duden. Vielleicht wird sie bald alle anderen Verwendungen verdrängen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 15.04.2017 um 18.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34886

Mit einem Adverb vor dem "wegen" ist es durchaus üblich: extra / nur / besonders / allein / auch wegen mir...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.04.2017 um 12.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34883

Ich meine, daß "wegen mir" in der Hochsprache verpönt ist und bei einem Lektor kaum durchgehen würde. Man sagt also einheitlich:

Er hat es meinetwegen getan.
Meinetwegen kann er schon früher kommen.


Umgangsssprache:
Er hat es wegen mir getan.
Meinetwegen kann er schon früher kommen.


Das Ganze aber nur so als Faustregel; ich weiß, daß es Ausnahmen gibt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 15.04.2017 um 10.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34882

Ich zerbreche mir den Kopf darüber, was in #34874 mit dem Unterschied gemeint ist. Ist es nicht genau umgekehrt?

Die Feststellung
»"meinetwegen" ist (auch) autoklitisch (Satzadverb), "wegen mir" nicht«
bezieht sich doch auf die Hochsprache, richtig? Dann macht also die Hochsprache sehr wohl einen Unterschied.

Umgangssprachlich werden aber beide Formen sowohl im normalen Sinn, als auch autoklitisch verwendet. Da gibt es also keinen Unterschied.
Beispielsweise ist es im Erzgebirgischen egal, ob man meinetwaagn oder waagn mir sagt, auch beim autoklitischen Gebrauch.

Oder ist mit dem Unterschied genau dieser Unterschied zwischen Hoch- und Umgangssprache gemeint? Das kann aber kaum sein, wegen des Zusatzes
»die Hochsprache nicht«
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2017 um 04.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34880

Die Sprachmeisterer (Schmachthagen u. a.) sind sich einig, daß Jacob und Wilhelm Grimm Brüder und nicht Gebrüder heißen müssen, entweder weil es noch mehr Brüder gab oder weil sie keine Firma bildeten. Duden:

Gebrüder oder Brüder? Während Brüder lediglich die Mehrzahl bezeichnet, bezieht sich Gebrüder auf die Gesamtheit der Brüder einer Familie (dieser Sprachgebrauch ist allerdings veraltet) beziehungsweise auf Brüder, die gemeinsam ein Unternehmen leiten. Es heißt im Übrigen richtig »die Brüder (nicht: Gebrüder) Grimm«, denn Jacob und Wilhelm Grimm waren die beiden ältesten von fünf Brüdern und nannten sich selbst nur Brüder Grimm.

Der Eintrag ist widersprüchlich, weil die Eigenbezeichnung der Grimms ja ausdrücklich zu den „veralteten“ Verwendungsweisen gestellt wird und daher heute nicht verbindlich sein kann. Im übrigen hat er niemals dem wirklichen Gebrauch entsprochen.
(Und schließlich waren die beiden irgendwie auch eine "Firma".)
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.04.2017 um 23.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34879

Bairisch: wega meina / deina / seina (wegen meiner / deiner / seiner). Laut Ludwig Merkles Bairischer Grammatik seltene Vorkommen des Genitivs im Bairischen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.04.2017 um 16.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34876

Beliebt sind Redewendungen wie Das kommt d(a)rauf an, es darauf ankommen lassen, weniger häufig auch Das hängt davon ab, also mit leerlaufenden Demonstrativa bzw. Korrelativa. Diese kann man als "Dummies", Variable, ansehen oder das Ganze als "vielsagende" Ellipsen, die der Hörer selbst ergänzen mag wie Er ist derjenige, welcher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.04.2017 um 06.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34875

Doppelbesetzung gibt es nicht nur bei Verbzusätzen (gehört zu X dazu):

Das kommt auf den Preis drauf an.

(Viele Belege für diese Konstruktion!)

Das wirkt "entspannend" auf den Satz, vgl. "syntaktische Ruhelage".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.04.2017 um 04.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34874

Jemand regt sich wieder mal wegen "wegen mir" auf.
"meinetwegen" ist (auch) autoklitisch (Satzadverb), "wegen mir" nicht. Hier macht die Umgangssprache einen Unterschied, die Hochsprache nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2017 um 05.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34708

Ein Versandhändler bietet etwas für Körper & Body (https://www.izs-shop.de/Koerper-Body).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2017 um 19.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34680

Ich hätte Nutzen sagen sollen, das paßt meist besser. Übrigens habe ich selbst noch nie Mehrwert gesagt; auch daran merke ich, daß ich es nicht brauche. In letzter Zeit hatte ich viel mit Texten zu tun, in denen es Schwellwort war, und man findet auch bei Google ganz leicht solche Stellen. "Für mich stellt sich auch die Frage, wer leistet operativ einen Mehrwert für das Bündnis", sagte von der Leyen. (Welt)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 10.03.2017 um 19.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34679

Ich sehe in Mehrwert auch außerhalb der Wirtschaft kein bloßes Schwellwort. Es bezeichnet doch den zusätzlichen Wert von etwas im Vergleich mit etwas anderem.

In dem Satz "Welchen Mehrwert habe ich davon?" kann man das Wort auch nicht durch Wert ersetzen.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 10.03.2017 um 07.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34675

Wert ist ein selbst Schwellwort, sowohl im ökonomischen wie im ethischen Sinne.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.03.2017 um 09.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34669

In den Dudenwörterbüchern ist nicht vermerkt, daß Mehrwert in den meisten Fällen gar nicht im wirtschaftswissenschaftlichen Sinn gebraucht wird, sondern nur als Schwellwort für Wert.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.03.2017 um 05.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34654

Zu den "inklusiven Oppositionen":

Wenn man liest:

Vater tötet Tochter wegen ihrer Kochkünste (Berliner Kurier 26.11.16)

– denkt man zuerst, die unglückliche Pakistanerin habe zu gut gekocht, aber in Wirklichkeit hat sie das Brot nach Ansicht ihres Vaters nicht gut genug gebacken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 27.02.2017 um 06.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34601

Man liest oft Möglichkeit zu etwas, Notwendigkeit zu etwas, Akzeptanz für etwas, Präferenz für etwas, Fszination für etwas usw., als stünde eigentlich Fähigkeit zu etwas, Vorliebe für etwas da. – Die Konstruktion folgt also dem Synonym, damit verschiebt sich die Bedeutung dauerhaft in dieselbe Richtung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.02.2017 um 12.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34573

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#25319

Man kann als Drohung aussprechen: Ich helfe dir gleich!
Aber nicht: Ich unterstütze dich gleich!

Das erste ist ungefähr dasselbe wie Ich mach dir Beine!

– was ja auch sehr hilfsbereit klingt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.02.2017 um 18.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34513

Von der Tugend der Langeweile
Das Attribut "langweilig", das man Steinmeier gern verpasst, wird derzeit nicht so negativ an ihm kleben, wie es vor ein paar Jahren an ihm geklebt hätte. Es gibt Zeiten, in denen Langeweile gar eine Tugend ist – dann nämlich, wenn die Politik den Dingen lange Weile gönnen muss, statt eine kurzatmige, kurzentschlossene und polternde Politik des kurzen Prozesses zu betreiben.
(SZ 12.2.17)

Das Substantiv wäre Langweiligkeit, gemeint ist aber eher Besonnenheit oder so etwas, die dann auch langweilig wirken kann, aber deshalb wird Langweiligkeit nicht zur Tugend.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.02.2017 um 15.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34485

Heute schrecken uns sämtliche Medien mit der Meldung, daß eine Kakerlake "im Kopf" einer Frau (natürlich in Indien, s. Herodot) entdeckt worden sei und dort starke Kopfschmerzen ausgelöst habe. Man sieht dann auch, wie ein Arzt sie mit der Pinzette "aus dem Kopf" herauszieht, na ja, also aus der Nasenhöhle. Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1024#31383

Die Frau hatte das Insekt sogar noch hineinkriechen gespürt, war aber zu müde gewesen, um etwas dagegen zu tun. Wie fest Inder schlafen können, habe ich oft bei Vorlesungen erlebt.

Freilich ist die Nasenhöhle im Kopf, und was in derselben steckt, ist a forteriori auch im Kopf. In Erlangen haben wir eine große Kopfklinik (berühmt deshalb, weil ich mal drin gelegen habe). Allerdings umfaßt sie nicht die HNO- und die Zahnklinik, obwohl die Ohren auch am und im Kopf sind, die Zähne sogar vollständig. Ein abgebrochener Zahn oder ein geplatztes Trommelfell sind gewissermaßen auch Kopfverletzungen. – Die Psychiatrie wiederum ist drin.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2017 um 09.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34467

Schmachthagen über Latein:

Es war früher immer der Schrecken jeder Klassenarbeit, ein solches Prädikat, von dem eine seitenlange Satzkon­struktion abhängen konnte, zu erkennen und aufzubröseln.

Gemeint ist aufdröseln.

Da viele Formen des Konjunktivs II so klingen, als hätte Luther sie auf der Wartburg erfunden, ist mancher nur zu leicht geneigt, nach einem "würde" zu greifen.

Nicht "nach", sondern "zu", aber er wollte wohl die Wiederholung vermeiden. (Man kann auch "nach" einem Werkzeug greifen, aber das ist leicht verschieden.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.01.2017 um 03.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34403

Ein SPD-Politiker, an den sich bald niemand mehr erinnern wird, heißt in einem dpa/FR-Beitrag gleich dreimal der Goslarer. In den unteren Etagen des Journalismus glaubt man immer noch, die Wiederholung eines Namens sei ein stilistischer Fehltritt. Daran müssen die Schulen schuld sein. Niemand spricht ja so. ("Glaubst du, daß der Goslarer ein guter Außenminister sein wird?")
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.01.2017 um 06.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34284

Blatz (II 42f.) bespricht Noch keinen sah ich fröhlich enden. Er meint, es sei ein Grenzfall zwischen Prädikativum und Adverbial. Fröhlich kann aber im Gegensatz zu lustig nur auf Personen und nicht auf Vorgänge bezogen werden – außer mit einer rhetorischen Verschiebung: eine fröhliche Feier ist eine, bei der die Leute fröhlich sind.

(Übrigens: Woher der Vers stammt, wußte früher jeder, heute googelt man eher danach.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.12.2016 um 05.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34175

Die Uhr repräsentiert einen grundlegenden Parameter des menschlichen Zusammenlebens (...) (Wikipedia „Uhr“)

Statt Parameter könnte man auch Faktor, Element usw. sagen, und repräsentieren ist wieder mal eine Umschreibung der Kopula.

Also: "Uhren sind wichtig."
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 15.12.2016 um 23.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34118

Wenn man eine Einladung nach Lübeck absagen muß, dabei aber bedauernd hervorhebt, eigentlich gerne an die Trave zu eilen bereit gewesen zu sein (oder so), dann kann das wohl auch augenzwinkernder Gebrauch des gehobenen Stils gewesen sein.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.12.2016 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34117

Besonders wach und argusäugig ist Harry Rowohlt als Stilkritiker. Der arme Uwe Tellkamp, den er auch noch eine Pappnase nennt, wird ihm zum Anlass einer Betrachtung der Synonym-Sucht. Wenn es im ersten Satz "Peru" heißt, muss es im Folgesatz "Andenrepublik" heißen; auf "Japan" folgen "Nippon" und "Land der aufgehenden Sonne" oder, noch besser, "Land des Chrysanthementhrons", bevor es dann wieder mit "Japan" weitergehen darf. Warum also, wenn doch "Lübeck" noch nicht einmal genannt worden war, muss Tellkamp eine Einladung zum Grass-Treffen damit beantworten, dass er gern "an die Trave geeilt" wäre?! Das Kollektiv der Deutschlehrer sollte Harry Rowohlts Briefbände im Klassensatz ordern. (Michael Maar in FAZ 14.12.16 über den dritten Band von Rowohlts Briefen)

Ich habe das so verstanden, daß all die lächerlichen Synonyme bei Tellkamp stehen, und konnte es fast nicht glauben. Aber dann überzeugte ich mich im Original, daß Tellkamp zwar an die Trave geeilt wäre, die übrigen Beispiele aber von Rowohlt eindeutig nur zur Illustration der Synonymensucht erfunden sind. Das hätte Maar deutlicher sagen können.
 
 

Kommentar von SP, verfaßt am 14.12.2016 um 19.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34111

Übergriffe der Wölfe auf Schafe? Tatsächlich, viele Fundstellen. Wäre auch was für "Bilder".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2016 um 14.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34095

In den Berichten über Wölfe in Deutschland ist ständig von deren "Übergriffen" (meistens auf Schafe) die Rede – als ob es Asylbewerber wären.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2016 um 09.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34019

Danke für den Hinweis auf diesen interessanten Fall! Er ist komplizierter und insofern untypisch, als ein Eigenname darin vorkommt. Dieser setzt voraus, daß der Hörer etwas damit anfangen kann. In diesem Fall kann man dieselbe Wirkung ohne das Adjektiv erzielen: Ein Herr Müller hat angerufen. (= "Ich weiß nur, daß er Müller heißt – so hat er sich vorgestellt; kannst du etwas damit anfangen?" Die Hinzufügung für dich verführt natürlich noch zusätzlich zu der Deutung, daß der Anrufer dem Hörer bekannt sein müsse.) Der Name könnte in Anführungszeichen stehen, da seine "gerade" Verwendung dem unbestimmten Artikel widerspricht. (Ein Theodor Ickler = ein Mann namens Theodor Ickler)
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 05.12.2016 um 07.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34018

Zu #34015: »Die Erklärung liegt darin, daß X dem Sprecher bekannt ist, aber nicht dem Hörer.« Ist es nicht umgekehrt? Wenn ich sage: »Ein gewisser Herr Müller hat für dich angerufen«, dann kenne ich Herrn Müller nicht, mein Gesprächspartner aber (vermutlich) schon.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2016 um 06.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34017

Wir haben von Troponymie gesprochen (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1332#27264).

textlog macht es einfach, aus Eberhards Synonymwörterbuch zu zitieren. Man sieht einerseits, welche feinen Beobachtungen es enthält, aber auch, warum eine Anpassung an unsere Zeit nötig scheint:

Essen und speisen wird nur von Menschen und menschenähnlichen Wesen, fressen (aus ver—essen, d. i. ganz aufessen, zusammengezogen) hingegen von Tieren gebraucht. Wenn man von Menschen sagt, daß sie fressen, so will man anzeigen, daß sie die Nahrung mit tierischer Begierde zu sich nehmen. Zwischen essen und speisen besteht der Unterschied, daß speisen (von Speise, s. d. folg. Art.) den Nebenbegriff einer gewissen Feierlichkeit hat. Da diese nur bei Personen von Stande stattfinden kann, die ihre Mahlzeiten verlängern und durch die Bedienung, die ihnen zu Gebote steht, bequem und prächtig machen können: so wird es zunächst nur von dem Essen solcher hochgestellter Personen gebraucht, und zwar von den Mahlzeiten, die an bestimmte Stunden gebunden sind, und endlich auch nur von der ganzen Mahlzeit, nicht von einem einzelnen Gerichte. Man wird daher sagen müssen: Ich habe heute die königliche Familie speisen sehen, und habe bemerkt, daß der König nur von einer Schüssel . Außerdem gilt speisen aber auch als gewählter Ausdruck für essen, wie fressen als Kraftausdruck. Der letztere wird jedoch in guter Sprache vermieden. "Ich hatt' just mein gewöhnlich Essen, | hat sich der Kerl pumpsatt gefressen." Goethe, Rezensent.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2016 um 05.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34015

Zu http://www.sprachforschung.org/index.php?show=thorheiten&id=184#953

ein bestimmter/gewisser X bedeutet ja scheinbar das Gegenteil, nämlich einen unbestimmten, ungewissen. Die Erklärung liegt darin, daß X dem Sprecher bekannt ist, aber nicht dem Hörer.

Gibt man bei Google ein in regelmäßigen, kommen zahllose Belege für in regelmäßigen Abständen, aber diese Kollokation bedeutet sehr oft "in unregelmäßigen Abständen, immer wieder".

Das erinnert an regelrecht, womit Übertreibungen eingeleitet werden, die eigentlich das Gegenteil bedeuten, zum Beispiel wieder und wieder, jemand sei regelrecht hingerichtet worden, wo es sich um besonders blutigen Mord handelt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.12.2016 um 05.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34014

In Bayern ja auch nicht, obwohl es hier eine längere ungebrochene Tradition hat. Das gilt aber für viele schriftsprachliche Ausdrücke.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 05.12.2016 um 01.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34013

In Thüringen oder Sachsen sagt das kein Mensch – wenn er nicht Journalist ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.12.2016 um 21.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34012

Immerhin amtlich und keine Journalisten-Marotte zur Wiederholungsvermeidung...
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 04.12.2016 um 18.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34011

Ein weiteres Beispiel hört man fast täglich im Wetterbericht im BR: "Morgen ist es im ganzen Freistaat sonnig..." usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.12.2016 um 06.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#34010

Der Urnengang hat sich allem Spott zum Trotz erhalten. Die Zeitungssprache wird auch am Rebensaft festhalten (Traubensaft ist schon anderweitig besetzt) und am recht unpassenden Gerstensaft. Dabei könnte alles so einfach sein: Bier ist Bier.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.12.2016 um 08.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33992

Der Hauptweg des Friedhofs führte zu einer kleinen Kapelle, auf deren Dach jetzt ein helles Glöcklein ertönte. Ein richtiges Sterbeglöckchen! (Wilhelm Genazino: Wenn wir Tiere wären. München 2011:24)

Es ist anzunehmen, daß der Wechsel zwischen den synonymen Diminutivsuffixen der Wiederholungsvermeidung dient.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2016 um 09.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33984

Der Titel folgt nicht nur in dieser Hinsicht einer gegenwärtigen Mode, sondern auch in jener schon besprochenen: Geschichte des Todes/der Hölle/des Teufels usw., wo es in Wirklichkeit um etwas anderes geht, hier also Geschichte der Porträtkunst.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2016 um 09.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33983

Das wollte ich (ein Spur drastischer) auch schon schreiben, haben es aber sittsam unterdrückt.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 01.12.2016 um 08.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33981

Der 2. Teil ist auch schon angekündigt:
Faeces. Eine Geschichte des Arschlochs
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2016 um 06.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33979

Faces: Eine Geschichte des Gesichts (Buchtitel von Hans Belting)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.11.2016 um 07.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33957

jemandem etwas sagen
etwas zu jemandem sagen


Duden 9 erklärt:

"Die im Dativ genannte Person kann aber auch mit zu angeschlossen werden. Das ist vor allem dort der Fall, wo das Ausgesagte als direkte Rede in Anführungszeichen oder gleichsam in Anführungszeichen steht."

Die Intuition ist richtig, aber trotzdem nicht ganz treffend. Vgl. Wahrlich, ich sage euch: Wer da glaubt, hat ewiges Leben. Hier wäre zu euch nicht möglich.

Bei jemandem etwas sagen geht es um den Inhalt, die Botschaft, bei sagen zu um die bloße Artikulation. Letzteres ist eigentlich nur ein Hinzufügen, wie Salz zur Suppe.

Weiteres in der vielzitierten Arbeit von Irene Ickler: „Kasusrahmen und Perspektive“. Deutsche Sprache 18, 1990:1-37.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.11.2016 um 04.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33942

Niedrige Nitratbelastung: Das kühle Nass ist sauber (Südwest-Presse 13.11.16)

Ich glaube nicht, daß man im Englischen das Wasser so albern umschreibt, wie unsere Journalisten es Tag für Tag tun. Könnte man es beim Wasser in Schwimmbädern noch verstehen, so ist es beim Trinkwasser besonders lächerlich. Ein Übersetzungsdienst schlägt vor: Genießen Sie das kühle Nass – Enjoy the water.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.11.2016 um 09.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33891

Vielleicht ist der Begriff für andere Verwendungen freigeworden, seit nicht mehr soviel von der Endlichkeit der Bodenschätze die Rede ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2016 um 06.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33890

Alle Menschen wissen, dass sie sterben müssen, aber verdrängen die eigene Endlichkeit gerne. (Margot Käßmann in HNA 19.11.16)

Die normale Substantivierung wäre Sterblichkeit. Es ist anzunehmen, daß die Wiederholung desselben Stammes vermieden werden soll.

Daneben könnten weitere Motive die Wortwahl bestimmen. Endlichkeit ist gerade unter Theologen ein beliebtes Hüllwort. Es wirkt auch philosophischer als Tod und Sterben, die an den körperlichen Zerfall denken lassen.

Sogar "Spektrum Wissen" titelt: Forschen über die Endlichkeit: Fünf Fragen zum Tod (24.3.16); Artikel und Heft handeln aber keineswegs von der Endlichkeit, sondern eben vom Tod.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2016 um 04.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33876

Papst Franziskus stellt der schleichenden Verrohung der politischen Kultur die Verletzlichkeit eines offenen Herzens entgegen. Er kontert das Verächtlichmachen des Guten mit der schamlosen Sehnsucht nach einer menschenwürdigen Welt.

(Horst Köhler zur Bambi-Verleihung an den Papst)

schamlos galt bisher als negativ, allerdings war schamlos schön usw. im Feuilleton schon verbreitet. Es erinnert an den Bedeutungswandel von gnadenlos (gnadenlos schmackhafte Pizza). Furchtbar toll.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.11.2016 um 18.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33854

Nach Monika Schwarz(-Friesel) muß ein Kind lernen "daß bei vielen Wörtern die inhaltlichen und die syntaktischen Strukturen nicht zusammenfallen."

Beispiel:
Marie diniert königlich im Ritz.
*Marie diniert Kaviar und Sekt im Ritz.


Die Verfasserin nimmt also an, daß dinieren ein Synonym von essen ist.

Das Ganze läuft unter "Blockierung von Aktanten/Argumenten", eine Anhäufung absurder Behauptungen (s. "Sternchen"). Pinker hat dasselbe Beispiel: dine/devour. So auch bei Christa Dürscheid und anderen.

(Übrigens braucht ein Kind nicht zu lernen, wie dinieren konstruiert wird...)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.11.2016 um 05.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33801

Bei belehren wird meist nicht angegeben, daß es überwiegend "abwertend" gebraucht wird, etwa in diesem Sinn:

Zuschauer fühlten sich belehrt – Tagesschau will AfD nicht mehr als "rechtspopulistisch" bezeichnen

Die Zuschauer hätten das Attribut als belehrend empfunden, erklärte Gniffke gegenüber der Evangelischen Nachrichtenagentur.
(focus.de 9.11.16)

In diesem Fall geht es einerseits darum, daß die AfD nicht immer wieder neu vorgestellt werden muß, andererseits sympathisieren sehr viele Menschen – wie die Leserbriefe zeigen – mit der AfD, die ja auch die Zwangsgebühren abschaffen will. Die vom Staat verhängten und mit dem Strafrecht durchgesetzen Rundfunkgebühren machen es praktisch unmöglich, nicht von Staatsrundfunk zu sprechen. In diesen Zusammenhang gehört das Gebaren der Fernsehleute, das in unangenehmer Weise als "belehrend" und bevormundend empfunden wird. Die künstliche und unglaubwürdige Konstruktion eines vom Staat unabhängigen Staatsrundfunks hat keineswegs die behauptete Stärkung der Demokratie zur Folge. Aber solange das Geld fließt, ist es den Nutznießern egal. Punkte für die AfD.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.11.2016 um 11.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33767

An diese Lebensmittelkarten kann ich mich noch gut erinnern.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 04.11.2016 um 08.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33766

Der Begriff Nährmittel war in der Zeit der Rationierung jedem vertraut, weil er auf die Lebensmittelkarten gedruckt war. Je nach Wunsch und vorhandenem Angebot konnte der Schnipsel für den Kauf unterschiedlicher Nahrungsmittel eingesetzt werden, die unter diese Definition fielen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.11.2016 um 06.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33764

nehmen ist in verschiedene Richtungen ausdifferenziert worden.
etwas zu sich nehmen ist seit dem 18.Jhdt. idiomatischer Oberbegriff für essen und trinken und füllt diese Lücke.
sie nahm ihr Kind zu sich deutet normalerweise nicht auf Kannibalismus, ist aber ebenfalls idiomatisch; ein Ausländer würde aus den Teilen nicht erkennen, was eigentlich gemeint ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2016 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33647

Eine Zweideutigkeit, der ich schon längst einmal nachgehen wollte:

Die wichtigsten Nährstoffe für Babys sind die Vitamine B12 und D sowie Eisen, Zink und Kalzium, wie die Kinderärztin erklärt. (t-online 26.10.16)

Immer wieder war ich an solchen Stellen etwas befremdet, weil ich bei Vitaminen und Spurenelementen nicht an Nährstoffe denke. Zur Aufklärung Wikipedia:

Als Nährstoffe bezeichnet man verschiedene organische und anorganische Stoffe, die von Lebewesen zu deren Lebenserhaltung aufgenommen und im Stoffwechsel verarbeitet werden. Die Vielfalt und die unterschiedlichen Bedürfnisse der Lebewesen lassen sich dennoch auf wesentliche Nährstoffgruppen zusammenfassen. Dabei dienen vor allem die Art, Herkunft, Verwendung, sowie der mengenmäßige Bedarf der Nährstoffe als Grundlage einer Kategorisierung.
Nach einer anderen Definition werden nur energiereiche Stoffe als Nährstoffe bezeichnet, die im Organismus zu energieärmeren Stoffen abgebaut werden und dabei überwiegend der Energieversorgung des Körpers dienen. Mineralstoffe und Vitamine zählen dann nicht zu den Nährstoffen.


Dazu fallen mir auch die "Nährmittel" ein, von denen, wenn ich mich recht erinnere, in meiner Kindheit nach dem Krieg öfter die Rede war als heute. Wikipedia bestätigt mir, was ich intuitiv darunter verstanden habe: eine Zusammenfassung von Getreide und Hülsenfrüchten, also die stärkehaltigen Trockenprodukte. Ich nehme an, daß die damalige Knappheit eine solche Begriffsbildung gefördert hat. Etwas später dann: "Denke dran, schaff Vorrat an! – Aktion Eichhörnchen." (Das war die Zeit, als wir lernten, wie wir uns bei einem Atomangriff zu verhalten hatten: schnell unter den Tisch, notfalls eine Aktentasche über den Kopf halten...)

In dem Artikel ging es übrigens um vegane Säuglingsernährung. Es ist einigermaßen plausibel, daß erwachsene Säugetiere „eigentlich“ keine Milch mehr trinken, aber wenn jemand ein Recht darauf hat, dann doch wohl ein Säugling.

Nachtrag: Jüngere Menschen, die ich gefragt habe, verbinden mit "Nährmittel" keine bestimmte Vorstellung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.10.2016 um 09.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33629

Nachdem ich in der FAZ einen Artikel über das Muffelwild gelesen hatte, fiel mir der Bericht über die Leibniz-Ausgabe in die Hände (FAS von gestern), darin das schöne Wort Publikationsmuffel.

Aus Wikipedia:

Zudem wurde das Wort in der Umgangssprache zu einem „Suffixoid“, um die Abneigung einer Person gegen eine bestimmte Tätigkeit oder Verhaltensnorm auszudrücken. Es kennzeichnet in Bildungen mit Substantiven eine Person, die einer Sache gleichgültig gegenübersteht, an etwas nicht interessiert ist oder keinen Wert auf etwas legt. Als Beispiele werden im Duden etwa Ehe- oder Modemuffel aufgeführt. Weitere oft verwendete Komposita sind Sportmuffel, Morgenmuffel, Krawattenmuffel oder Sexmuffel.

Diese Bedeutungsverschiebung ist interessant, aber der Morgenmuffel gehört nicht in die Reihe. Der ist am Morgen muffelig, hat aber keine Abneigung gegen den Morgen wie Leibniz gegen das Publizieren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.10.2016 um 15.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33612

Noch zum vorigen (irgendwie):

"Was hast du am Wochenende vor?"
"Am Samstag will ich zu viel arbeiten und am Sonntag wollen meine Frau und ich zu viel essen."

Klingt schräg. Obwohl man es den Wörter nicht ansieht, läuft das "zu + Adjektiv + tun" auf ein Nichtwollen hinaus, so daß sich ein logischer Widerspruch ergibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.10.2016 um 05.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33542

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30280

Jedes Kind weiß, daß man viel zu schnell sagen kann, aber nicht sehr zu schnell.
Die Wörterbücher sagen kaum etwas dazu, im grammatischen Wörterbuch bei GRAMMIS fehlen beide Wörter. Der Unterschied entspricht englisch much/very.

sehr intensiviert, viel gibt einen Grad oder ein Maß an. Letzteres geschieht aber auf andere Weise auch durch zu beim Adjektiv. Dadurch wird das Maß "geschlossen" und kann nicht noch intensiviert werden. Auch wenn das Adjektiv bereits einen Vergleich oder ein Maß in sich enthält: *sehr kugelrund, *sehr fabrikneu, *sehr kochendheiß, nur selten sehr rotbraun, sehr blutrot. Der Komparativ läuft auch auf einen Vergleich hinaus, daher ist nur ein Maß, keine Intensivierung möglich: viel schneller. Da ganz ebenfalls "schließend" wirkt, ist möglich ganz fabrikneu usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2016 um 16.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33473

Das hat Folgen.
Das ist eine Ursache.


Die beiden Sätze sind ungefähr gleichbedeutend, und doch ist der zweite kaum möglich. (Außer im besonderen Sinn einer Aufzählung von Ursachen.)

Der erste Satz dient normalerweise dazu, das Thema der nächsten Sätze einzuführen, man erwartet Näheres über die Folgen. Er ist sozusagen kataphorisch.

Der zweite Satz ist leer, weil schlechterdings alles eine Ursache ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.10.2016 um 04.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33463

In der Ortsgemeinde Altstrimmig bewohnt er ein festungsähnliches Anwesen samt Pferdegestüt. (FAZ 5.10.16 über Werner Mauss)

Als das Pferd noch zum Alltag gehörte, hätte Gestüt genügt, aber heute kommt das Wort etwas überraschend, und man deutet dem Leser vorsorglich an, worum es sich überhaupt handelt. Es gibt zwar auch Kamelgestüte, aber sie kommen hierzulande wohl nicht in Betracht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.09.2016 um 03.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33411

Vor sechs Jahren hat Schweden die Wehrpflicht abgeschafft – nun könnte sie wieder eingeführt werden. Weil Rekruten fehlen und die Angst vor einem Land aus der Nachbarschaft wächst. (FAZ 29.9.16)

aus der Nachbarschaft? in der Nachbarschaft! Und warum nicht gleich Rußland?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.09.2016 um 15.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33358

Sechs Jahre später fand er sich als Redenschreiber im Kanzleramt Willy Brandts wieder. (FAZ 22.9.16 über Klaus Harpprecht)

Das klingt, als habe der Mann sechs Jahre im Koma gelegen. Also: Sechs Jahre später wurde er Redenschreiber im Kanzleramt Willy Brandts.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.09.2016 um 04.03 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33316

Die indische Hilfsorganisation 'Animal Aid Unlimited' fand einen Vierbeiner völlig verwahrlost unter einem Auto liegend. (focus.de 13.9.16)

Der weitere Bericht zeigt, daß es sich bei dem rätselhaften Quadrupeden um einen Hund handelte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.08.2016 um 06.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33204

Die Modalpartikel wohl hat eine ähnliche Funktion wie die selbständigen ob-Sätze (dubitativen oder deliberativen Fragen). Nach einem guten Einfall Norbert Reiters regt wohl die Bildung einer "Suchgruppe" im Sinne Hofstätters an, zu der auch der Sprecher selbst gehört und deren Urteil er sich unterwerfen will. Man könnte von einer Deliberationsgemeinschaft sprechen. Die ob-Sätze sind auf Entscheidungsfragen (Alternativfragen: ob oder ob nicht) bezogen, wohl ist in dieser Hinsicht offener.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.08.2016 um 14.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33141

die Stiefelökonomie (welt.de 19.8.16) (= die italienische Wirtschaft)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.08.2016 um 18.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33124

Wir wissen zwar, dass die alten Mythen nicht mehr stimmig sind – eine andere Geschichte, die uns und die Welt erklärt, gibt es jedoch nicht.“ (Raoul Schrott) (http://poetenfest-erlangen.de/eventdetail.asp?EventID=399&VonSeite=zeitplan.asp&CSS=1)

Stimmig sind sie schon, nur stimmen tun sie nicht. Häufige Verwechslung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.08.2016 um 05.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33078

Interessant ist auch diese Entwicklung:

Hand anlegen an etwas (ohne Artikel, aber stets mit Verbzusatz)

Hand an sich legen (auch mit Artikel, aber stets ohne Verbzusatz)
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 10.08.2016 um 16.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33061

Zu #33059: Ich gehöre wohl doch nicht mehr zu den "jüngeren Menschen", aber auch für mich bedeutet "Er ist gefallen" mit Satzendeintonation/Satzendesatzzeichen klassischerweise: Er ist tot, und zwar "im Kriege gefallen." Meist. Ich könnte mir nämlich auch "Der [alte] Herr sundso ist gefallen" als schnelle in sich abgeschlossene Information vorstellen , z.B. im Krankenhaus, - wo ich jedoch wohl sagen würde: "Er ist hingefallen."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.08.2016 um 16.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33060

Aber süß und ehrenvoll, nicht etwa im Straßenverkehr.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 10.08.2016 um 15.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33059

Wenn man bei jüngeren Menschen sagt "Er ist gefallen", heißt das klassischerweise: Er ist tot.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 09.08.2016 um 09.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33053

Nochmals zum Thema fallen: In meinem Beispielsatz Der alte Herr soundso ist gefallen und liegt jetzt im Krankenhaus hätte ich das Attribut alte auch weglassen können oder vielleicht sogar sollen, denn das Verb fallen impliziert das hohe Alter und die damit verbundenen gesundheitlichen Risiken. Bei jüngeren Menschen würde man von einem Sturz oder einem Knochenbruch reden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.08.2016 um 06.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33052

Saturn steht am 3. Juni im Sternbild Schlangenträger in Opposition zur Sonne. Somit ist der Ringplanet die gesamte Nacht am Sternenhimmel vertreten.
(www.n-tv.de/wissen/Das-bieten-Sonne-Mond-und-Sterne-2016-article16632446.html)

Aber wer vertritt ihn?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.08.2016 um 06.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#33049

Wie schon bemerkt, verfügen wir über eine erstaunlich sichere Intuition, was die relative Häufigkeit der Ausdrucksweisen betrifft. Jeder wird wohl zustimmen, daß die archaische Wendung wider besseres Wissen häufiger gebraucht wird als die neuere gegen besseres Wissen.
Ich lese gerade:
Wer übernimmt beispielsweise die Verantwortung für den von George W. Bush und Tony Blair widerrechtlich und gegen besseres Wissen vom Zaun gebrochenen Irak-Krieg, die Zehntausenden von Toten und das dadurch hervorgerufene Chaos im Nahen Osten, das wesentlich zur Bildung des 'Islamischen Staates' beigetragen hat? (Gebhard Kirchgässner in FAS 7.8.16)
Der Verfasser gebraucht normalerweise wider besseres Wissen, aber im vorliegenden Fall wollte er den Gleichklang mit widerrechtlich vermeiden, daher die Synonymenvariation.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.07.2016 um 11.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32949

Dank für diese Beobachtung! Das Fallen (bei uns eher Stürzen) ist sozusagen ein umschriebenes Krankheitsbild, erinnert an des Fallen der Soldaten.
 
 

Kommentar von Chr. Schaefer, verfaßt am 30.07.2016 um 07.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32948

Wenn alte Menschen stürzen und sich dabei Knochen brechen, bezeichnet man das, zumindest in meiner Gegend, als "gefallen": "Der alte Herr sundso ist gefallen und liegt jetzt im Krankenhaus."

In diesem Fall drückt die Verwendung des Partizips ohne Verbzusatz gleichsam eine laienmedizinische und geriatrische Bewertung aus.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 29.07.2016 um 19.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32943

Wenn ich ausgerutscht und gestürzt bin, kann ich nicht sagen, ich sei herunter- oder hinuntergefallen. Ich bin gefallen oder hingefallen. Um herunterfallen zu können, müßte ich schon erst irgendwo hinaufsteigen. Ein Buch kann hingegen nicht hinfallen. Es kann nur herunterfallen oder jemandem hinfallen. "Das Buch ist gefallen" oder "Das Buch ist mir gefallen" klingt seltsam.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 29.07.2016 um 18.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32941

Da Gegenstände zumeist nach unten fallen, kommt mir das Wort "herunterfallen" etwas pleonastisch vor.

Wenn mir etwas heruntergefallen ist, kann ich es ja vielleicht noch rechtzeitig auffangen. Anders ist es, wenn es hinuntergefallen ist. Da hier aber das "unter" überflüssig ist, scheint mir "hinfallen" noch am passendsten zu sein.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 29.07.2016 um 16.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32940

Wir haben hier (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1636#28830) schon mal hinfallen diskutiert.

Für mich klingt es immer noch seltsam oder sogar witzig, wenn ich mir vorstelle, ein Gegenstand sei einfach so hingefallen. Akzeptabel fände ich nur z.B., er sei dorthin gefallen.

Ich würde niemals sagen, das Buch ist [mir] hingefallen, sondern nur das Buch ist [mir] heruntergefallen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.07.2016 um 16.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32938

Noch etwas aus derselben Arbeit von Harald Weydt:

Auf einem Briefkasten in einem Steglitzer Haus, das ich vor kurzem betrat, steht: „Bitte keine Zeitungen in den Briefkasten reinwerfen!“ Das fiel mir auf. Ich habe gleich um festzustellen, wer dort wohnt, auf den Namen des Wohnungsinhabers gesehen und richtig, ich fand einen ausländischen, jugoslawischen Namen. Was erweckt bei uns das Gefühl, dass hier etwas unidiomatisch ist, dass ein Muttersprachler diesen Hinweis so nicht an seinen Briefkasten kleben würde?

Der Ausländer verkennt nicht die Redundanz, sondern die „Textsorte“. Bei Briefkästen ist werfen [mit Richtungsadverbial] oder einwerfen [mit implizitem Verweis auf den „sympraktisch“ anwesenden Kasten] festgeworden.
Es gibt aber Dutzende von umgangssprachlichen Belegen mit reinwerfen:
Hauptsache schnell in den Briefkasten reinwerfen, so lautet scheinbar das Motto des Postboten.
Einfach bei der Polizei abgeben oder bei uns in den Briefkasten reinwerfen.
Usw.
Die Redundanz stört den normalen Sprecher überhaupt nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.07.2016 um 09.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32933

Ich hatte schon mal kurz aus einem Vortrag/Aufsatz von Harald Weydt zitiert und möchte den Absatz, um den es mir geht, noch einmal hierhersetzen:

Man stelle sich folgende Situation vor: ein Kind ist im Garten auf den Kiesweg gefallen; dabei hat es sich im Gesicht, z.B. an der Lippe, wehgetan. Nun steht es da und weint. Die Mutter kommt hinzu und erkundigt sich bei den Umstehenden: „Was ist passiert?“ Der hilfsbereite Franzose tendiert dazu, zu sagen: „Das Kind ist gefallen“, analog zu seiner Muttersprache: „L’enfant est tombé“. Das ist unidiomatisch. Ein deutscher Umstehender würde an dieser Stelle sagen: „Das Kind ist hingefallen.“ Damit gibt er zusätzlich zu der Information, die durch tomber/ fallen gegeben wird, nähere Umstände an: z.B. ‚nach vorne’, ‚auf eine Fläche drauf’. Unser Beispielfranzose ist sehr flexibel und lernbegierig und er lernt: die Deutschen sagen nicht: Das Kind ist gefallen, sondern Das Kind ist hingefallen. Bei einer anderen Gelegenheit würde er das anwenden und sagen: Das Kind ist auf den Boden hingefallen oder Das Kind ist auf sein Gesicht hingefallen. Das ist nun wieder falsch, denn diesmal sagen die Deutschen nicht: Das Kind ist auf den Boden hingefallen, sondern: Das Kind ist auf den Boden gefallen, oder: Das Kind ist aufs Gesicht gefallen. Warum ist das so? Weil schon in der Adverbialbestimmung auf den Boden das noch einmal gesagt wird, was in der Vorsilbe ausgedrückt wird. Die Sprecher verzichten deshalb darauf. Sie können also die Zusatzangaben, die durch das Präfix gemacht werden, weglassen, und sie tun es auch, wenn diese Information anderweitig im Kontext geliefert wird.
Dies kann der allgemeine Kontext des univers du discours, es kann die allgemeine Weltkenntnis, es kann aber, wie in unserem Fall, auch etwas sein, das verbal ausgedrückt wird. Ein weiteres Beispiel: Ich bin zu meinem Freund gezogen, Ich bin umgezogen, aber nicht: Ich bin zu meinem Freund umgezogen.

-

Soweit der Text (ohne Kursivierungen), zu dem ich ein paar Bemerkungen machen möchte.

Bei hinfallen deutet der Verbzusatz nicht nur die Richtung oder das Ziel an (wie etwa bei hingehen). Vielmehr geht es um den Schaden, den eine Person oder ein fühlendes Wesen durch unfreiwilliges Stürzen erleidet. Darum fällt ein Baum um, aber nicht hin. Dagegen kann mir etwas hinfallen, weil ein Schaden damit verbunden ist. Man könnte kalauern: Der ist hin!

Bei umziehen ist, wie anderswo schon vermerkt, durchaus belegt: Sie ist zu ihrem Freund umgezogen. Aber ich gebe zu, daß der Zusatz hier seltener ist als bei Angabe eines Ortes (Stadt, Land). Der Grund liegt darin, daß im Falle zu ihrem Freund feststeht, daß es sich um einen Umzug handelt. Bei Städten und Ländern dagegen kann es einfach um ein Ziehen gehen, eine Fortbewegung, bei Bedarf auch um ein Weiterziehen, etwa wenn der Campingplatz überflutet ist und man weiterzieht. Wir zogen nach Friaul.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.07.2016 um 06.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32887

Unterstöger bespricht die Neuausgabe von Engels "Stilkunst" (s. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1416#32886)

Er schreibt:

"Unter allen schreibenden Kulturvölkern sind die Deutschen das Volk mit der schlechtesten Prosa." In der Ausgabe letzter Hand, der von 1931, stand dieser Satz wieder, nur dass die "Kultur-" zu "Bildungsvölkern" geworden waren. Wie kann das einem Autor unterlaufen, dessen messerscharfem Sprachsinn es doch nicht entgangen sein konnte, dass "Kultur" und "Bildung" keine deckungsgleichen Synonyme sind?
In einer Einzelheit wie dieser spiegeln sich Größe und Tragik Eduard Engels.
Usw.

Die Kritik ist gegenstandslos. Die Ersetzung eines Wortes durch ein anderes in einem bestimmten Kontext
(= Zusammenhang!) bedeutet nicht, daß der Verfasser beide für gleichbedeutend hielte. Was sollten wir denn zum Beispiel von Goethe denken, wenn er in verschiedenen Fassungen (= Versionen) seiner Gedichte immer wieder mit anderen Wörtern experimentierte? Engel ist nichts "unterlaufen", er hielt im Alter Bildungsvolk für passender, ganz einfach. Eine Abneigung gegen das schon damals inflationär gebrauchte Kultur findet sich auch bei anderen Autoren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.07.2016 um 11.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32863

Man gesteht etwas, bekennt sich zu etwas, bezichtigt sich dessen, brüstet sich damit, reklamiert es für sich. Diese Synonymgruppe beherrscht jetzt die Landschaft. Ein Wetteifer ist entbrannt, jede Schandtat irgendwo auf der Welt für sich in Anspruch zu nehmen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2016 um 10.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32851

Die Malerei stellt heute ihren Hauptberuf dar. (Wikipedia über eine berühmte "fränkische Pfarrerstochter")

Darum rechnet man sie zu den "darstellenden Künsten".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.07.2016 um 06.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32816

Anregende Texte benötigen eine verständliche Sprache. (Ivo Hajnal/Franco Item: Schreiben und Redigieren – auf den Punkt gebracht. Frauenfeld 2009:175)

= brauchen. – Ein Stilratgeber sollte doch merken, daß manche Wörter amtsdeutsch gestelzt wirken.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.07.2016 um 16.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32806

„Es gibt glaubhafte Hinweise darauf, dass die rechtsextreme Szene den Streit nutzt, um einen verhassten Gegner galant loszuwerden.“ (Welt 10.7.16 über die Berliner Krawalle)

Galant? Vielleicht elegant?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 09.07.2016 um 06.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32797

Während der Arbeit an ihrem Dante-Roman Das Pfingstwunder erschuf Sibylle Lewitscharoff einige Kunstwerke, die ab dem 7. Juli 2016 im Deutschen Literaturarchiv Marbach ausgestellt werden. (http://www.suhrkamp.de/mediathek/ausstellung_zu_sibylle_lewitscharoffs_dante-kunstwerken_1166.html)

„schuf“ wäre genug, „erschuf“ ist göttlich.

Die FAU untertitelt eine Abbildung daraus „Apolokyntosis“. Das schwere Wort heißt „Apokolokyntosis“.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.07.2016 um 05.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32786

Machthaber Kim Jong-un hat die USA aufgefordert die Strafmaßnahmen gegen ihn zu widerrufen. Ansonsten wolle er Probleme mit den USA nach dem Kriegsrecht behandeln. (Zeit 8.7.16)

Ich kann mich nicht daran gewöhnen, ansonsten im Sinne von "andernfalls" zu gebrauchen (laut Duden vor allem österreichisch, auch schweizerisch); für mich heißt es nur "übrigens", aber ich meide es als veraltetes Amtsdeutsch.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.06.2016 um 10.23 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32726

Solche Fragen, schüttelt er den Kopf, stellten offenbar nur Deutsche. (FAZ 1.6.16)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.05.2016 um 09.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32707

Manche Philosophen bahnen Wege in die Zukunft, andere nicht.

Die Thesen der Vorsokratiker über die Welt und ihre Entstehung sind aus heutiger Sicht abstrus und werden nicht mehr diskutiert. Trotzdem waren sie fortschrittlich, weil sie der mythologischen Erklärung der Welt eine grundsätzlich rationale, materialistische entgegenstellten. Die Folgen dieser Aufklärung sah man ja sofort. Schon damals waren Philosophen leicht der Ketzerei (oder Asebie, nach damaligem Verständnis) verdächtig.

Hippokrates wußte natürlich nicht, wie Epilepsie entsteht, aber seine Abhandlung "Über die heilige Krankheit" ist trotzdem umwerfend, ebenso wie seine Schrift über die Umwelt.

Skinner hat mehr Fragen hinterlassen als beantwortet, aber er hat das menschliche (und tierische) Verhalten einer Analyse zugänglich gemacht, die viel weiter führte und noch führen wird als die gelehrten Verzweigungen der "folk psychology".

Diese wird vielmehr fortgesetzt von Husserl.

„There are no perplexities from which, with or without success, Husserl tries to rescue us. Though descriptively careful, his constatations are philosophically inert. There is no debate now going on between Husserl and anyone else, and not much even between Husserl and Husserl. In a word, phenomenology is not exciting and most often not even interesting. It does not answer questions that had worried us.“ (Gilbert Ryle: Phenomenology and Linguistic Analysis. In: Neue Hefte für Philosophie 1, 1971:4-11, S. 6f.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.05.2016 um 06.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32647

Früher schieden sich die Geister an Gruppe vs. Bande. Heute erkennt man die Tendenz daran, ob jemand das Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei als Deal bezeichnet, halb gaunersprachlich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.05.2016 um 09.01 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32638

Eine Religion ist, bevor sie von Theologen systematisiert wird, eine Sammlung von Riten und Mythen. Ihre Funktion besteht u. a. darin, „lokale Probleme“ zu lösen, d. h. kritische Stellen in Leben und Gesellschaft zu markieren und zu deuten: Geburt und Tod, Verheiratung und Fortpflanzung, Vertragsschlüsse (Eide) usw.
Riten und Mythen stammen aus verschiedenen Zeiten und Quellen und bilden keinen widerspruchsfreien Zusammenhang; dieser Mangel an Konsistenz stört aber nicht, solange niemand Rechenschaft verlangt und die Apologetik, die erste Form der Theologie, hervorzwingt.
Ähnlich verhält es sich mit der Psychologie. Es gibt kein folkpsychologisches Gesamtsystem, sondern nur lokale Lösungen. Darum gibt es keine „homerische Psychologie“, und darum scheitern auch Unternehmungen wie Jost Triers Versuch, das System der altdeutschen intellektuellen Begriffe zu ermitteln („Der deutsche Wortschattz im Sinnbezirk des Verstandes“). Warum sollte die Synonymik dieser Bereiche früher konsistenter gewesen sein als heute, wo sie es nachweislich nicht ist? Dornseiff hat das klar erkannt. Aber diese Kritik hat wenig bewirkt, die empiriefernen Theoriegebäude wachsen immer wieder nach.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.05.2016 um 10.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32583

Widengrens Arbeiten erfreuten sich großer philologischer Genauigkeit (...) (Wikipedia über Geo Widengren)

Ziemlich schräg formuliert. Widengrens Arbeiten waren philologisch genau.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.05.2016 um 16.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32481

Ein sehr bekannter Bedeutungswandel besteht darin, daß eine Nebenbedeutung zur Hauptbedeutung wird. Ein Legostein ist nicht aus Stein usw.

Domino ist ein Legespiel mit zumeist 28 rechteckigen Spielsteinen, meist aus Holz oder Kunststoff. (Wikipedia)

Und beim Dominoeffekt wird wiederum eine gewisse Zweckentfremdung zur Bildquelle einer Metapher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.05.2016 um 06.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32460

18-Jährige eskaliert: Zwei Polizisten leicht verletzt
Die junge Frau setzte sich mit Kratzen und Beißen zur Wehr.
(nordbayern.de 29.4.16)

Personen können nicht eskalieren, aber es scheint kein einfaches standardsprachliches Wort für das Gemeinte zu geben: ausrasten, durchdrehen, die Nerven verlieren...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.04.2016 um 09.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32338

Wie autoklitisches Sprachverhalten funktioniert, kann man am Adverb nun zeigen. Ich kann hier auf eine vorzügliche Vorarbeit des leider verstorbenen Kollegen Marcel Pérennec zurückgreifen, der freilich mit anderen Begriffen arbeitet:

„Von Zeitdeiktika zu Text- und Diskurskonnektoren: Überlegungen zur sprachlichen Temporalität“ (in René Métrich/Marcel Vuillaume, Hg.: Rand und Band. Abgrenzung und Verknüpfung als Grundtendenzen des Deutschen. Festschrift für Eugène Faucher zum 60. Geburtstag. Tübingen 1995:299-314)
(Dort werden auch noch andere Wörter besprochen.)

nun ist primär natürlich ein Zeitadverb: Kleiner Mann, was nun? (= zum gegenwärtigen Zeitpunkt, zum Zeitpunkt des Sprechaktes, deiktisch)

Von dort geht die Verschiebung auf den Verlauf des Sprechaktes selbst aus:

Warum nun ist die Flüchtlingsfrage heute so brisant geworden? (Auch: Warum ist nun...)

nun weist darauf hin, daß der eben vorangegangene Text bilanziert worden ist, schließt rückwirkend die vorangestellte Textsequenz zu einer Einheit ab; es entsteht gleichsam eine Pause im zügigen Voranschreiten der Erzählung bzw. des Dialogs. Dadurch markiert nun, daß eine neue Sprechsituation entstanden ist, in die es die Textfortsetzung einbettet. Es eröffnet also eine neue Textsequenz, die als ´logische´ Fortsetzung der vorangehenden dargestellt wird.“ (301)

Im Syllogismus:

Alle Menschen sind sterblich.
Nun ist Sokrates ein Mensch.
Also ist Sokrates sterblich.


Paraphrase: „Da du (= der Hörer) die erste Äußerung angenommen und deren Inhalt für wahr befunden hast, kann ich jetzt zur zweiten Etappe der Beweisführung übergehen und sage: Sokrates ist ein Mensch.“ (303)

Es handelt sich also immer um dasselbe nun, nicht um homonyme Dubletten.

Autoklitisches Sprachverhalten hebt ein Zeichen auf die Kommentarebene, ohne jedoch metasprachlich zu werden; das Zeichen ist syntaktisch integriert und sieht daher so aus, als gehöre es noch zur Proposition. Dasselbe wie bei den Modalpartikeln also.

In beschränktem Umfang ist nun gegen jetzt austauschbar, die beiden wären aber noch synonymisch zu differenzieren.

Die Einleitung einer Antwort mit nun entspricht bekanntlich oft dem englischen well, das signalisiert, daß die vorangehende Frage nicht direkt beantwortet wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2016 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32170

sanft und zart überlappen sich, beide haben die Konnotation des Angenehmen (sind also letztlich auf "wollen" bezogen), aber sanft geht eher auf die Bewegung/Berührung als auf deren Objekt.

Übrigens ist sanft eins von den Wörtern, die in der Umgangssprache assimiliert werden: samft. Ich finde es richtig unangenehm, den alveolaren Nasal vor dem Labial zu sprechen. Als Kinder haben wir nur Semf oder Sempf gesagt, wie es sich im Deutschen gehört.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2016 um 09.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32119

Solche Überlappungen gibt es, wie fast immer in der Synonymik, in großer Zahl. Beim genannten Beispiel wäre zu erwägen, ob es etwas ausmacht, daß die "erwähnten" Themen ihrerseits Abstrakta sind. Das "Ausmaß" ist die Substantivierung der Aussage, wie groß etwas ist. "Vom" Ausmaß sprechen wäre dann soviel wie "darüber" sprechen, wie groß etwas ist. Oder: Man "erwähnt" das Ausmaß und sagt unter diesem Titel, wie groß es ist. Das kann man sicher noch besser ausdrücken, und ich möchte keineswegs mit Gewalt scharfe Grenzen ziehen, wo keine sind. Daher mein Ausgehen von klaren Fällen von Nichtaustauschbarkeit.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 31.03.2016 um 08.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32118

»Er sprach ausführlich von dem Umfang und den Grenzen seiner Mission.« (Zobeltitz) Hier ist nicht davon die Rede, daß das Thema bloß gestreift wurde. Aber diesen Gebrauch müßte man wohl als gehoben bzw. veraltend bezeichnen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2016 um 16.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32116

Die Verben des Redens werden teils mit von, teils mit über konstruiert. Um festzustellen, ob es einen Unterschied gibt und worin er bestehen könnte, muß man nach Fällen von Austauschbarkeit und Nichtaustauschbarkeit suchen.

Weitgehend austauschbar sind die beiden Konstruktionen bei einem weiteren Objekt oder Objektsatz: Von ihm/Über ihn sagt man, daß er ein Feinschmecker war. Daher auch: Das sagt man von ihm/über ihn.

Nur von steht in folgendem Fall: Die Polizei spricht von Brandstiftung. Das ist fast gleichbedeutend mit: Die Polizei nennt den Vorfall Brandstiftung.

Nur über steht bei: Ich habe einen Vortrag über die Planeten gehört.

Man kann vorläufig sagen, daß mit von das Thema oder der Gegenstand der Rede eingeführt wird, mit über hingegen das, was über diesen Gegenstand gesagt wird. Von etwas reden bedeutet ungefähr „etwas erwähnen“. In Schuberts Lied heißt es Die Tochter sprach von Liebe, die Mutter gar von Eh'. Beide haben etwas ins Gespräch gebracht, die Tochter Liebe, die Mutter die Ehe. Sie haben darüber aber keine näheren Ausführungen gemacht.

Wenn jemand zur Tür hereinkommt oder anruft, so kann man sagen: Wir haben gerade von dir gesprochen oder Wir haben gerade über dich gesprochen. Das zweite ist weniger angenehm zu hören, weil es unhöflich ist, über jemanden in dessen Abwesenheit zu sprechen, während es nicht unhöflich ist, gemeinsam an ihn zu denken und ihn zu erwähnen.

Naturalistisch rekonstruiert sieht der Unterschied so aus: Wer von etwas spricht, dessen Sprachverhalten wird durch eine Bezeichnung gesteuert; er erwähnt sie, z. B. das Wort Planeten oder dessen Synonyme. Beim Sprechen über etwas steuern die Merkmale des Gegenstandes das Redeverhalten, also z. B. die Eigenschaften der Planeten, unabhängig davon, wie sie dem Sprechenden gegeben sind (durch Beobachtung, intraverbales Verhalten usw.).

(Die einzelnen Sprachen haben verschiedene Ausdrücke, meist ebenfalls lokale Präpositionen, in dieser Weise grammatikalisiert: engl. about/of, griech. perí, lat. de usw.)
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 30.03.2016 um 14.12 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32115

Die Zahl der Flüchtlinge, die von der Türkei über die Ägäis nach Griechenland kommen, nimmt wieder zu.

Wie heute früh in Athen mitgeteilt wurde, registrierten die Behörden in den vergangenen 24 Stunden 766 Migranten. Am Sonntag waren es 73 gewesen.

(DLF, Nachrichten am 30.3.2016)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 30.03.2016 um 13.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32114

Das war sie ja schon vorher.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2016 um 10.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32113

Einen Tag später: Erdogan hat sich vor aller Welt lächerlich gemacht, und gerade darum wäre es falsch, das diplomatische Protokoll zu dehnen und daraus eine Staatsaffäre zu machen. Laßt ihn doch im eigenen Saft schmoren!
Wahrscheinlich denken die Regierungkritiker ebenso und können bloß der Versuchung nicht widerstehen, auch daraus noch einen kleinen rhetorischen Gewinn zu schlagen. Aber wenn sich der deutsche Botschafter auf Einbestellung ins türkische Außenministerium begibt, ist die Bundesregierung noch keineswegs zu Kreuze (bzw. Halbmond) gekrochen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.03.2016 um 08.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32110

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#20499

Wir haben in Deutschland verbindlichen Regeln, die das Handeln aller hier lebenden Menschen leiten sollen – egal welchen Glaubens und welcher Herkunft sie sind. Zuwanderer müssen sie akzeptieren und annehmen. (Sozialministerin Emilia Müller 24.3.16, ähnlich andere Sprecher in vielen Medien)

Ich vermute, daß die Unterscheidung auf "hinnehmen und verinnerlichen" hinausläuft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.03.2016 um 17.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32105

Das Schweigen aus dem Kanzleramt und dem Außenministerium ist nicht nur fatal, es ist verheerend. (FAZ 29.3.16 über die neueste Erdogan-Affäre)

Demnach wäre verheerend eine Steigerung gegenüber fatal? Probe: mal die beiden Wörter vertauschen. Das ginge wohl auch.

(Übrigens scheint mir das Schweigen aus dem Kanzleramt nicht dieser Erregung wert. Der deutsche Botschafter dürfte, so nehme ich mal an, der türkischen Regierung klargemacht haben, daß das deutsche Fernsehen nicht weisungsgebunden ist, und damit kann die Angelegenheit, mit der sich Erdogan aufs neue zu erkennen gegeben hat, ihr Bewenden haben. So ist es auch bei Vorstößen anderer Potentaten gehalten worden, wenn ich mich recht erinnere.)
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 28.03.2016 um 11.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32073

Wer sich einen Geldbeutel zulegen möchte, muß sich nach ledernen Tabakbeuteln umsehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.03.2016 um 08.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32070

Wie vorsichtig man beim Auswerten von Zusammensetzungen sein muß, zeigen die vielen Berichte über Straßenräuberei. Da ist oft von Geldbeuteln die Rede, obwohl fast niemand sein Geld in Beuteln mit sich herumträgt. Auch Verkaufsanzeigen zu Geldbeuteln führen stets auf die üblichen flachen Geldbörsen (!), nicht Beutel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.03.2016 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32055

Nun, "Definition" ist etwas zu hoch gegriffen, ich wollte nur auf ein unterscheidendes Merkmal hinweisen.
Holunder-Arten sind meist verholzende Pflanzen und wachsen als Halbsträucher, Sträucher oder kleine Bäume. (Wikipedia) Ich kenne richtige Holunderbäume, und es scheint auch eine Frage der absoluten Größe zu sein. Ein zehn Meter hoher "Strauch" ist wohl untypisch, da empfindet man die einzelnen Verzweigungen schon fast als Baumstämme.
Außerdem das Problem mit den Komposita: In Hollerbusch usw. kann eine ältere Gebrauchsweise überleben, und außerdem ist Holler < Holunder ja, wie anderswo schon vermerkt, schon eine verdunkelte Zusammensetzung mit dem idg. Wort für "Baum" (gr. dory usw.), so daß der -busch zur nachträglichen Verdeutlichung angehängt werden konnte, ohnne daß man den Widerspruch noch bemerkte.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 26.03.2016 um 09.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32054

Es gibt da wohl auch regionalsprachliche Unterschiede. Im Bairischen beispielsweise gibt es keine Entsprechung des Wortes Strauch. Der Sammelname für beides, Strauch und Busch, lautet Staude (bair. Stauan), was natürlich nicht der fachsprachlichen Definition einer Staude entspricht. Unter Buschen (mask., Sg. und Pl. gleichlautend) versteht das Bairische junge Bäumchen, egal welcher Art, aber meist Fichten, die zur Pflanzung vorgesehen sind.
Und wie ist das mit dem "Hollerbusch" im Kinderreim? Der Holunder ist doch seiner Gestalt nach eigentlich immer ein Strauch, wenn man Ihrer Definition folgt, Herr Professor Ickler. Nach außen gebogene, oft weit ausladende Äste.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.03.2016 um 09.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32053

Busch ist eben niederdeutsch für Wald (im Holländischen bosch, rechtschreibreformiert bos). Aber die Ausgangsfrage betraf ja die Verhältnisse im hochdeutschen Gebrauch.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 26.03.2016 um 08.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32052

Als kleiner Junge spielte ich oft im Timmerlaher Busch, einem Wald bei Braunschweig, der für mich als Flüchtlingsjungen aus Oberschlesien aber nie ein Busch sein konnte, sondern eben ein Wald war, in dem ich mich doch verlaufen könnte, wie meine Mutter befürchtete. In jenem Holze habe ich mich aber nie verlaufen. - Das "Timmer" in dem Ortsnamen da haben wir auch im engl. timber und hd. Zimmer, welch letzteres beim Hausbau natürlich der Zimmermann zurecht macht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.03.2016 um 04.15 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32050

Fachsprachliche Definitionen hatte ich natürlich auch nachgeschlagen, aber bewußt beiseite gelassen, weil sie für synonymische Untersuchungen nicht in Betracht kommen.

Als ich meiner Frau die Sache vorlegte, meinte sie (unbiblisch, aber im Sinne der Volksfrömmigkeit): Na klar, Adam und Eva versteckten sich hinter einem Busch, nachdem sie den Apfel gegessen hatten. Hinter einem Strauch kann man sich nicht gut verstecken.

Der Sache nach ist es so gut wie dasselbe, nur der hervorgehobene Aspekt, das Benennungsmotiv, ist jeweils anders. Der Strauch strahlt aus, der Busch bauscht sich.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 25.03.2016 um 23.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32049

Schon beim Lesen der Frage "Was ist der Unterschied zwischen Busch und Strauch?“ hatte ich einerseits Geäst und andererseits die füllige Gestalt der Krone vor Augen. Vor die Wahl gestellt, entweder ins Gesträuch oder ins Gebüsch zu laufen, fällt die Entscheidung nicht schwer. Büsche brauchen im übrigen nicht einmal Zweige – Federn gehen auch. Und Füchse haben buschige Schwänze.
 
 

Kommentar von Gunther Chmela, verfaßt am 25.03.2016 um 20.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32048

"Was ist der Unterschied zwischen Busch und Strauch?"

Ich meine, die Frage läßt sich nicht durch klare, abgrenzende Definitionen beantworten. Der Strauch ist als Pflanzengestalt botanisch genau definiert: ein Holzgewächs, das sich, im Gegensatz zu einem Baum, bereits an der Erdoberfläche oder sogar bereits knapp darunter zu verzweigen beginnt. Den Busch als Pflanzengestalt kennt die Botanik dagegen nicht, sondern nur als Bezeichnung der Vegetationsform bestimmter Landschaften (man denke z. B. an den australischen Busch). Im allgemeinen Sprachgebrauch kann der Busch sowohl eine Pflanze meinen, die aus botanischer Sicht ein Strauch ist, als auch ein nicht verholztes Gewächs, das eben eine "buschige" Gestalt hat.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.03.2016 um 17.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32045

Was ist der Unterschied zwischen Busch und Strauch?

Zweifellos ist die Überlappung sehr groß. Es mag regionale Bevorzugungen geben, auch im Zusammenhang mit gewissen gärtnerischen Ordnungen (Beeren, Kirschlorbeer).

Intuitiv scheint mir der Strauch stärker durch die vom Boden ausgehenden, "strahlenförmigen" Verästelungen definiert (kein Zufall, sondern das Phonästhem str-), der Busch durch die geschlossene, kompaktere Gestalt der Laubkrone.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.03.2016 um 07.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32032

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verfügt über ein eklatantes Problem bei der Einhaltung von Gesetzen und Regeln. (FAZ 23.3.16)

Eben nicht, er leidet drunter.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.03.2016 um 20.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32030

(Bei amazon gibt es den Sammelband "Wortfeldforschung", hg. von Lothar Schmidt, für 7 Cent. Der Band ist zwar stark auf Weisgerber und seine Anhänger ausgerichtet, enthält aber auch andere Beiträge, von denen ich besonders Porzig und Kandler erwähnen möchte. Eine kräftige Gegenposition wie Dornseiff kann man aus dem Internet herunterladen (Einleitung zum "Deutschen Wortschatz nach Sachgruppen").
Aus derselben Reihe "Wege der Forschung" wird ganz billig angeboten: "Strukturelle Bedeutungslehre", hg. von Horst Geckeler. Das wäre eine gute Ergänzung. So hätte man fast geschenkt eine Lektüre für lange Sommerabende. Alle Autoren schreiben gut lesbar.)
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 21.03.2016 um 18.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32019

Auf deutsch:

Das "verfügen über" ist gegenwärtig ein vollständiges(?) Modewort.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 21.03.2016 um 14.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32015

Das "verfügen über" ist aktuell ein komplettes Modewort.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 21.03.2016 um 14.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#32014

Rund 45 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime mit Migrationshintergrund aus den berücksichtigten Herkunftsländern sind deutsche Staatsangehörige, rund 55 Prozent verfügen über eine ausländische Nationalität.

BAMF
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.03.2016 um 08.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31978

Das geplante Flüchtlingsabkommen mit der Türkei besitzt einige Risiken. (FR 17.3.16)

Solche wüsten Beispiele sollte man aneinanderreihen, bis den Leuten die Lust an der synonymischen Variation vergeht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.03.2016 um 07.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31822

Die beiden Männer im Alter von 14 und 34 Jahren ... (focus.de 29.2.16)

Für männliche Personen fehlt ein Ausdruck, der die Kinder, die halb fachsprachlichen "Jugendlichen" und die Männer gleichermaßen umfaßt. Journalisten dürften diese Lücke täglich spüren, aber füllen kann man sie trotzdem nicht. (Bei den Frauen kommt noch hinzu, daß Mädchen manchmal der politischen Korrektheit geopfert wird.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.02.2016 um 05.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31756

Uwe Förster hat einmal gezeigt, daß sich Ludwig Reiners mit seinen Forderungen nach Wiederholungsvermeidung und nach Fremdwortvermeidung in ein Dilemma begibt. So schreibt er selbst:
Sammeln Sie den Stoff in Form von Stichworten und gliedern Sie ihn in einer Disposition. Um die Wiederholung zu vermeiden, ersetzt er also Gliederung durch Disposition, wie es so oft die Aufgabe der Fremdwörter ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 15.02.2016 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31666

Werde gerade auf den sozialdemokratischen Alpenkanzler hingewiesen, den die WELT sich leistet. Erfunden hat ihn anscheinend der SPIEGEL, witzig wie immer, 1980 (auf Kreisky bezogen).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 08.02.2016 um 14.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31599

Das Bundesfamilienministerium lenkt die SPD-Politikerin Manuela Schwesig. (faz.net 8.2.16)

Kann sein, daß es sie lenkt, aber man sagt eher, daß die Ministerin das Ministerium leitet.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2016 um 09.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31591

Noch eine kleine Stilübung:

Man kann in Deutschland mit relativ wenig Arbeit vergleichsweise viel verdienen. (FAS 5.4.15)

Der Verfasser wollte relativ nicht wiederholen, aber eigentlich wäre der Satz dadurch einfacher und eindrucksvoller geworden. Noch kerniger wäre er natürlich ganz ohne die pedantischen Einschränkungen: Man kann in Deutschland mit wenig Arbeit viel Geld verdienen. Es versteht sich doch von selbst, daß "wenig Arbeit" und "viel Geld" relativ sind. Ich habe Geld hinzugefügt, weil die Symmetrie den Gegensatz sinnfälliger macht.

Solche Banalitäten fallen einem nicht beim ersten Formulieren ein, erst beim Drübergehen, und dann muß man gegen die größte aller Schwierigkeiten kämpfen: sich von den vorliegenden Formulierungen wieder lösen. Der innere Schweinehund sagt mir, daß es sich nicht lohnt, aber durch Übung fällt es einem leichter.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 30.01.2016 um 22.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31481

Da in den letzten Jahren die Einschaltquoten bei den Karnevalssendungen der öffentlich-rechtlichen Sendern (sic!) einbrachen, wird es 2016 weit weniger Faschingsshows zu sehen geben.

(http://www.shortnews.de/id/1182305/ard-und-zdf-zeigen-2016-deutlich-weniger-karnevalssendungen)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 29.01.2016 um 07.30 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31463

Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtsstaat.

Wird Rechtsstaat betont, erzeugt der synonymische Kontext einen Gegensatz; wird bekamen betont, versteht man den Rechtsstaat als Erfüllung der Forderung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.01.2016 um 17.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31281

Es könnte sich aber auch um ein bewusst initiierter Fake handeln. (FAZ 11.1.16 über Entdeckung von Gravitationswellen)

Der falsche Nominativ erklärt sich, wie so oft, daraus, das immer noch die einfache Kopula vorschwebt, die der Verfasser nur aufwendiger ersetzen wollte. Wenn wir den fetten Ausdruck auch noch abspecken, bleibt übrig: Es könnte sich aber auch um eine Fälschung handeln.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 07.01.2016 um 19.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31196

Diese Methode, daß eine Gruppe von Männern um einzelne Frauen ein Gedränge veranstaltet, um ihr die Handtasche zu entreißen, wurde vor einigen Jahren vom Einsteigen in Straßenbahnen am Prager Hauptbahnhof berichtet.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 07.01.2016 um 17.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31195

Es gibt viele Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen man nie etwas gesehen oder gehört hat.

Die Feigheit der im/am Kölner Hauptbahnhof begangenen Straftaten besteht u. a. darin, daß die Angriffe auf Frauen offenbar jeweils mit großer männlicher Übermacht erfolgt sind. Es handelt sich daher um gemeinschaftlich, vielleicht auch bandenmäßig begangene Straftaten.

Das StGB setzt für gemeinschaftlich begangene sexuelle Nötigung/Vergewaltigung sowie für bandenmäßigen Diebstahl und Raub jeweils einen verschärften Strafrahmen fest.

Wer einem arglosen Menschen von hinten in den Rücken schießt, handelt (juristisch wie allerweltswörtlich) heimtückisch. Eine solches Handeln bezeichnet man im allgemeinen auch als feige.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.01.2016 um 17.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31182

Das ist es ja nicht allein. Heimtücke ist ein Begriff, der Generationen von deutschen Juristen beschäftigt hat, Feigheit hingegen bloß ein Allerweltswort.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 06.01.2016 um 16.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31180

Verschiedene Wörter sind fast nie deckungsgleich. Das ist doch eine Binsenweisheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2016 um 16.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31178

Das denke ich auch. Noch nie habe ich gehört, daß Feigheit das Strafmaß beeinflußt.
Ich finde das emotionale Gerede der Minister unpassend. Sie sollten sich auf ihre eigentlichen Aufgaben beschränken, da wäre genug zu tun.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 06.01.2016 um 16.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31177

Feigheit und Heimtücke sind aber natürlich nicht dasselbe.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 06.01.2016 um 15.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31175

"Es sind Straftaten; dabei kommt es nicht darauf an, ob sie feige sind."

Um welche Straftat es sich handelt, kann aber durchaus davon abhängen:

Wenn ich jemanden umbringe, begehe ich vielleicht einen Totschlag; wenn ich jemanden heimtückisch umbringe, begehe ich einen Mord.

Auch das Strafmaß könnte davon beeinflußt werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.01.2016 um 04.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31165

Zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30599

Bundesjustizminister Maas hat die Übergriffe in Köln als "feige und abscheulich" verurteilt. ..."Das ist offenbar eine völlig neue Dimension organisierter Kriminalität."

Es sind Straftaten; dabei kommt es nicht darauf an, ob sie feige sind. Auch auf "organisierte Kriminalität" gibt es bisher keine Hinweise, und die "völlig neue Dimension" ist eine so abgedroschene Phrase, daß sie sich eigentlich von selbst verbietet. Der Minister reagiert so hilflos wie die anscheinend untätige Polizei.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.01.2016 um 08.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#31102

Saturn steht am 3. Juni im Sternbild Schlangenträger in Opposition zur Sonne. Somit ist der Ringplanet die gesamte Nacht am Sternenhimmel vertreten. (http://www.n-tv.de/wissen/Das-bieten-Sonne-Mond-und-Sterne-2016-article16632446.html)

Schade, daß man den Saturn selbst nicht sehen kann, nur seinen Vertreter...
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.12.2015 um 09.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30855

Es ist immer wieder erheiternd, wenn man die Zahnrädchen im Kopf seiner Mitmenschen so deutlich bei der Arbeit sehen kann:

Ein Experiment auf dem Reißbrett, wenn so man so will. (n-tv 12.12.15)

Wetten, daß die Journalistin zuerst geschrieben hatte: so man so sagen will? Dann fiel ihr der Gleichklang auf, und weil sie das zweite so nicht ändern konnte, hat sie das ohnehin lächerliche, von Journalisten leider sehr geliebte erste so durch die allgemein übliche Konjunktion ersetzt. Das so ist dann stehen geblieben, wie so oft.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2015 um 17.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30720

Das Aus scheint mir in letzter Zeit immer öfter anstelle von Ende verwendet zu werden, beliebter Kürze wegen: das Ehe-Aus usw.

Duden online bezeichnet es als Lehnübersetzung aus dem Englischen, was mir allerdings für nichtsportliche Zusammenhänge fraglich scheint.

Kurios ist aber, daß dort vermerkt ist, das Wort habe in keiner seiner Bedeutungen einen Plural, zuvor aber munter durchdekliniert wird: die Aus, der Aus, den Aus, die Aus.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.12.2015 um 05.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30715

Der Einsatz der Bundeswehr in Syrien (auch in Mali) wird teils als Hilfe für Frankreich, teils als Unterstützung für Frankreich bezeichnet. Während Unterstützung nur ein Mitmachen bedeutet, suggeriert das "Erfolgswort" (David Stove) Hilfe, daß die Aktionen Frankreich tatsächlich zugute kommen.

(Als Kriegsziel wird ja formuliert: Frankreich jetzt nicht allein lassen, diesmal nicht abseits stehen usw.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 23.11.2015 um 11.41 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30655

"Partnerzwang" (von Els Oksaar) ist vielleicht zu stark, aber die Erscheinung gibt es wirklich. In Gesprächen verwendet der eine Partner überzufällig oft dieselben Ausdrücke, die der andere gerade gebraucht hat, auf Kosten einer erreichbaren größeren Genauigkeit. Das ist natürlich leicht zu erklären. Auch Psychologen kennen es:
"It is a common observation that, in conversation, the use of a distinctive term or construction by one party will be picked up by the other party." (David C. Palmer)
Dieses Perseverieren ist das Gegenteil der synonymischen Variation. Sehr gute Philologen haben sogar in klassischen Texten bemerkt, daß der Verfasser länger als nötig und sogar als zweckmäßig bei einem Ausdruck bleibt, den er zuvor gefunden hat. Das alles ist natürlich schwer nachzuweisen, aber ich habe es empirisch bewiesen. Als ich noch in München lebte, habe ich die Hypothese aufgestellt, daß es beim Grußverhalten zwei Typen von Menschen gibt: Die große Mehrheit anwortet auf einen Gruß mit derselben Ausdrucksweise, also echohaft oder spiegelbildlich. Grüß Gott, hallo werden ebeno beantwortet. Hebt man beim Radfahren die Hand vom Lenker, grüßt der andere ebenso. (Heute morgen wieder ausprobiert.) Der kleinere Teil vermeidet genau dies und wählt eine synonyme Äußerungsform. In München also habe ich über längere Zeit das Personal eines Backwarengeschäfts (Hofpfisterei) getestet, und es hat sich glänzend bestätigt. Es gab den Echotyp und den Synonymtyp. Die Frauen haben natürlich nie erfahren, daß sie Opfer eines Menschenversuchs waren.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.11.2015 um 07.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30631

Während Lehre meist neutral gebraucht wird, hat Doktrin fast durchweg einen negativen Beiklang, jedenfalls außerhalb der Fachsprache. Ich habe ein paar Dutzend Belege bei Google News durchgesehen.
In den Wörterbüchern und bei Wikipedia fehlt dieser Hinweis fast immer, stattdessen wird der Anspruch auf Allgemeingültigkeit hervorgehoben, meiner Ansicht nach zu Unrecht. Eher geht es um die Sturheit oder Starrköpfigkeit der Vertreter einer "Doktrin".
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 18.11.2015 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30609

Laut meinem etymologischen Wörterbuch (Kluge) hatte „feig“ durchaus einmal die Bedeutung von moribund. Die Floskel „feiger Mord“ ist ja auch keine neue Erfindung. Heute ist der Gebrauch oft widersinnig, macht aber den Täter verächtlich, und darum geht es wohl.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.11.2015 um 04.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30599

Warum bestehen nun so viele wieder darauf, die Pariser Attentäter und ihr Verbrechen "feige" zu nennen? Es gibt doch zahllose treffende Bezeichnungen, nur ausgerechnet feige sind Selbstmordattentäter nicht. So wenig, wie der Mönch oder Pfarrer, der sich aus Protest selbst verbrennt. Er reißt keine anderen mit in den Tod, aber das ist nicht das, was man im Deutschen "feige" nennt. Feige ist, wer andere tötet und sich selbst in Sicherheit bringt. Das Ermorden von Menschen durch Drohnen, deren "Pilot" auf der anderen Seite des Globus sitzt und eine Cola schlürft, wäre eher als feige zu bezeichnen, wenn er nicht einfach jenseits moralischer Kategorien seine Arbeit verrichtete.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 06.11.2015 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30481

"So virtuos möchte ich auch den Kopf schütteln können", schüttelt Theodor Ickler den Kopf.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.11.2015 um 04.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30474

„Solche Zahlen allein aber sagen noch gar nichts“, schüttelt Prof. Dr. Hermann Handwerker vom FAU-Institut für Physiologie und Pathophysiologie den Kopf. (Friedrich – Forschungsmagazin der Friedrich-Alexander-Universität 115:8)

So virtuos möchte ich auch den Kopf schütteln können.
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 02.11.2015 um 14.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30406

Zum Unterschied zwischen Mensch und Tier: Meine Kinder müssen sich ja auch ihre Schnauze schnäuzen, während ich gar keine Schnauze habe.

Zu Synonymen: Laut penetrant-gläubig zitiertem Sankt Duden (http://www.duden.de/rechtschreibung/aufgrund_Adverb) sind "wegen", "augrund", "dank" usw. synonym. Ich habe mal in der Schule gelernt, daß das bedeutet, daß diese Wörter austauschbar sind. Sind sie aber nicht bzw. nur manchmal. Wieder Unfug von den Duden-Machenden?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.10.2015 um 11.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30384

Als das Tabakrauchen aufkam, hat man es hierzulande teilweise als Tabaktrinken bezeichnet (wie im Türkischen, aber ohne dessen Einfluß). Es gibt eine gewisse Ähnlichkeit, die sich aber verlor, als man nur noch das Wort rauchen benutzte.

Wir essen etwas, wenn es zur Ernährung dient, aber wenn es sich um Tabletten oder Tropfen gegen Krankheiten handelt, schlucken wir. "Eigentlich" ist es ja dasselbe, und es wird Sprachen geben, die keinen solchen Unterschied machen.

Wie anderswo besprochen, hat man den Unterschied zwischen Mensch und Tier künstlich vergrößert, indem man "dieselben" Vorgänge und Zustände verschieden benannte: essen/fressen, Mund/Maul, schwanger/trächtig usw. – Da unser Verhältnis zu den Tieren sich wandelt, verschwindet auch diese Unterscheidung.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.10.2015 um 16.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30372

Es ist ja nicht simpel so, dass einfach ein Mönch aus Wittenberg die Kirche gespalten hätte. (SZ 14.5.10)

Der Verfasser wollte nicht zweimal einfach schreiben und ersetzte das erste durch simpel, ohne zu bedenken, daß nur einfach oder schlicht als Abtönungswörter verwendet werden können.

Abtönung ist autoklitisch. Äußerlich ähnelt das Abtönungswort einem Adverb innerhalb des Satzes, aber es operiert auf einer "höheren Ebene":

Er hatte es einfach/schlicht vergessen = Ich sage einfach/schlicht: Er hatte es vergessen.

Statt die metasprachliche Ebene zu beschreiten (was der Allgemeinsprache nicht behagt), integriert der Sprecher das Abtönungsmittel äußerlich in den Satz, aber das hebt die logischen Verhältnisse natürlich nicht auf.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 26.10.2015 um 12.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30349

Es gibt auch im Deutschen ein Zustandspassiv und ein Vorgangspassiv.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2015 um 11.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30348

Der Unterschied scheint mir darin zu liegen, daß geboren sein mehr auf den Geburtstag und die Herkunft zielt, wie gebürtig, geboren werden mehr auf das Ereignis.
 
 

Kommentar von Erich Virch, verfaßt am 26.10.2015 um 11.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30347

Ich habe keine rechten Belege dafür, aber mir scheint neuerdings häufig ein „worden“ eingefügt zu werden, wo es früher nicht üblich war, etwa: „Kann ein Jugendlicher, der in Deutschland geboren worden ist, aber ausländische Eltern hat, abgeschoben werden?“
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.10.2015 um 04.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30340

Mit seiner neuen Partnerin hat der begeisterte Radfahrer einen Sohn, der im August zur Welt kam. (FAZ 26.10.15 über Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen)

Kriegt man vom Radfahren Kinder? Außerdem "kam" der Sohn nicht zur Welt, sondern ist zur Welt gekommen oder einfach geboren worden.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 20.10.2015 um 18.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30283

"ganz gut" hat zwei verschiedene Bedeutungen, je nachdem, ob "ganz" oder "gut" betont wird.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.10.2015 um 17.16 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#30280

Zur Unterscheidung von ganz und sehr:

Wie anderswo schon gesagt, ist sehr auf eine offene Skala bezogen, während ganz buchstäblich eine Grenze andeutet, bis zu der etwas erfüllt ist. Darum kann ganz gut dann auch abschwächend wirken, weil es eben bedeutet: "gut, aber mehr auch nicht".
Aber ich wollte auf etwas anderes hinweisen, den hyperbolischen Gebrauch, den ich auch schon erwähnt habe, er ist auch im Grimm unter "Übertreibung" berücksichtigt: Du bist ja ganz schwarz - wenn der kleine Junge ein paar Flecken hat. Das geht aber so weit, daß jemand, der aus dem Wasser steigt, kaum mit den Worten begrüßt werden kann Du bist ja ganz naß, obwohl und gerade weil er das ja nun wirklich ist.

Ähnlich liegt etwas mitten auf dem Tisch, wenn es irgendwo auf dem Tisch liegt, aber eher nicht, wenn es genau in der Mitte liegt. (Ich will es nicht ausschließen, aber ich würde mich nicht so ausdrücken.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.09.2015 um 07.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29890

Tragischer Unfall am Mittwochnachmittag ins Ismaning: Gegen 15 Uhr spaziert ein 53-jähriger Münchner die Max-Joseph-Straße entlang, als er in einem Hauseingang plötzlich einen Rentner entdeckt. Blutend liegt der 79-Jährige auf dem Boden, zeigt keinerlei Lebenszeichen. Sofort versucht der Passant, den Rentner wiederzubeleben. Doch vergeblich. (Abendzeitung 10.9.15)

Man kann einen alten Mann entdecken, aber keinen Rentner.

(Beigegeben ist ein Symbolfoto von einem Rettungswagen und einer Sense.)
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 27.08.2015 um 14.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29792

In der Tat, diverse Bahngesellschaften kassieren gerne für verschiedene Arten von Zusätzen. So bekam der Haltepunkt Alfter der Köln-Bonner Eisenbahnen vor einigen Jahren den Zusatz "Alanus Hochschule" als Untertitel verpaßt. (Das hat also nicht die Gemeinde Alfter bezahlt, sondern die private Hochschule.) Das Geldverdienen ist allerdings manchmal relativ. Nach den großen Eingemeindungen 1969 ließ die Bahn sich von der Stadt Bonn bezahlen, die Bahnhöfe Beuel, Oberkassel, Bad Godesberg, Mehlem und Duisdorf mit dem Zusatz "Bonn-" zu versehen, weil es ihr zu teuer war, die Schilder auszuwechseln. Im Gegensatz dazu trägt der Bahnhof Porz (die Stadt wurde 1974 von Köln verschluckt) bis heute den Zusatz "(Rhein)", kommt aber ohne einen Verweis auf Köln aus, was bei Porz-Wahn allerdings auch kompliziert würde. Godesberg dagegen muß sich seither mit der etwas skurrilen Bezeichnung "Bonn-Bad Godesberg" herumschlagen.
Übrigens was ganz Unkapitalistisches: Wenn ich es richtig mitbekommen habe, ging die Bezeichnung "Lutherstadt Wittenberg" in den allgemeinen Sprachgebrauch ein. Das ist allerdings auch die einzige brauchbare Möglichkeit zur Unterscheidung von Wittenberge, weil beide Städte ja an der Elbe liegen.
 
 

Kommentar von Marco Mahlmann, verfaßt am 26.08.2015 um 21.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29783

Der provinzielle Versuch, der Provinzialität zu entfliehen, spielt auch eine Rolle.
Meine Heimatstadt ist mit guten Gründen nicht so provinziell wie ihr Image, aber ein guter Grund für ihre Provinzialität ist die Beschriftung wahrhaftig jeden Ortsschildes: "Osnabrück Die Friedensstadt".
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 26.08.2015 um 17.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29782

Die Bahn verdient vermutlich Geld mit dieser Masche. Das Sponsoring könnte noch weiter getrieben werden: »Volkswagenstadt Wolfsburg« böte sich an, usw.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.08.2015 um 15.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29781

Peter Schmachthagen macht sich mit Recht über die Synonymitis lustig, besonders die Antonomasien wie den Leimener und die Brühlerin. Die Ersetzung von Augsburg durch die Fuggerstadt geht weit über die Sportsprache hinaus, auch der Wikipedia-Artikel macht üppigen Gebrauch davon. Es gibt aber auch Ortsschilder, auf denen sich Augsburg selbst so nennt, auch wenn es noch nicht zu einer amtlichen Erweiterung des Namens geführt hat wie in so vielen anderen Fällen. Bahnreisende erfahren es an den Schildern auf den Bahnsteigen. Kongressstadt X, Universitätsstadt Y usw. werden immer häufiger. Eine Zeitlang gab es Schwierigkeiten mit der Suche nach dem Alphabet, man fand einen bekannten Ort nicht mehr, solange man nicht Nordseeheilbad o. ä. davorsetzte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 01.08.2015 um 15.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29602

Die Verfasser eines Buches über Valenz sehen keinen Grund, warum erpicht auf und gierig nach verschiedene Präpositionen regieren. Das setzt voraus, daß zwischen den beiden Wörtern kein nennenswerter Unterschied besteht. Nun beobachten wir ganz vorläufig:

gierig kann auch allein gebraucht werden: er ist gierig, er ißt gierig, mit gierigen Händen/Blicken, was bei erpicht nicht möglich ist.

Noch wichtiger: Wer gierig nach etwas ist, will es haben; dagegen bedeutet erpicht nur, daß man Wert auf etwas legt.

DUW bringt daher als Beispiele: Sie ist schrecklich auf Ordnung erpicht / darauf erpicht, dass wir pünktlich sind

Es gibt sicher noch mehr davon, so daß man umgekehrt fragen möchte: Warum sollten derart verschiedene Wörter gleich konstruiert werden? Jedes gehört in ein Feld von tatsächlich bedeutungsähnlichen Wörtern, die dann auch jeweils die gleiche Konstruktion haben.

Man muß also gerade umgekehrt vorgehen, von der Konstruktion her eine Bedeutungshypothese aufstellen, nicht mit vorgefaßten Bedeutungshypothesen anfangen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.07.2015 um 16.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29583

Beim Rechtschreibwörterbuch haben wir schon mal diskutiert, ob alle nicht ausdrücklich angegebenen Schreibweisen falsch sind. Das geht wohl nicht anders. Man kann die naturgemäß unendlich vielen Möglichkeiten des Falschen nicht alle ausschließen. (Im Strafrecht ist alles erlaubt, was das Strafgesetzbuch nicht ausdrücklich verbietet: nulla poena sine lege.)

Wie ist es aber mit den Verwendungsweisen der Wörter? Einem Hinweis Dwight Bolingers entnehme ich, daß ein Mann zwar children haben kann, aber keine babies, das kann nur die Frau. Aber diese Einschränkung könne man den Wörterbüchern meist nicht entnehmen (ich glaube, er nannte Webster's Third).

Soweit das stimmt: Wer sollte überhaupt auf den Gedanken kommen, einem Mann babies zuzuschreiben? Doch am ehesten ein Ausländer oder jemand, der die Standardsprache nicht beherrscht. Es gibt aber die unmöglichsten Ausländer, z. B. Deutsche und Chinesen. Deren Einfälle kann kein Wörterbuch antizipieren. Das Wörterbuch muß also seine Benutzer von vornherein einschränken. Ein weiterer Grund, warum es "die" Bedeutungsbeschreibung nicht gibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.07.2015 um 04.53 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29480

Der Atomdeal ist nur wenige Tage alt, da ist Vizekanzler Gabriel schon mit einer Wirtschaftsdelegation im Iran. (Spiegel 20.7.15)

nur in einer seiner vielen Bedeutungen konkurriert mit erst und gewinnt unter englischem Einfluß an Boden gegenüber diesem. Die synonymische Differenzierung ist schwer. Ich zum Beispiel würde im zitierten Satz unbedingt erst sagen, wie etwa in Es ist erst fünf Uhr morgens, und ich sitze schon am Rechtschreibtagebuch. (Auch hier gehört korrespondierendes schon dazu, zwar nicht notwendig, aber es macht die Sache glatter. Vgl. meine Bemerkungen zu logisch überflüssigem auch, ebenfalls: #22830)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 18.07.2015 um 06.04 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29468

Daniel Deckers kommentiert die Kirchenaustritte, von denen die evangelische Kirche – auch ohne die bekannten Ereignisse wie in der katholischen – eher noch stärker geplagt wird:

Verschiedene Kirchenfieber, dieselbe Glaubens-, ja Gotteskrise?

Das ist eine seltsame Steigerung. Im Fall Deckers kann man ja schon länger beobachten, daß er auf ziemlich unsicherem Boden über kirchliche Angelegenheiten berichtet. In den USA haben umfangreiche Untersuchungen (u. a. angeregt von Daniel Dennett) ergeben, daß ein hoher Prozentsatz von Pfarrern in Wirklichkeit zwar gern glauben möchte, aber nicht glaubt und nur noch aus Gründen der beruflichen Existenz den Schein wahrt. Deckers hat auch Kritiker, die schon lange ahnen, was mit ihm los ist. Also: Was ist eine "Gotteskrise"?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.07.2015 um 10.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29460

Als ich der Synonymik von engl. nude/naked nachging (im Deutschen ja so nicht vorhanden), stieß ich auf folgendes hübsche Gedicht, das manche vielleicht noch nicht kennen:


The Naked and the Nude

von Robert Graves

For me, the naked and the nude
(By lexicographers construed
As synonyms that should express
The same deficiency of dress
Or shelter) stand as wide apart
As love from lies, or truth from art.

Lovers without reproach will gaze
On bodies naked and ablaze;
The Hippocratic eye will see
In nakedness, anatomy;
And naked shines the Goddess when
She mounts her lion among men.

The nude are bold, the nude are sly
To hold each treasonable eye.
While draping by a showman's trick
Their dishabille in rhetoric,
They grin a mock-religious grin
Of scorn at those of naked skin.

The naked, therefore, who compete
Against the nude may know defeat;
Yet when they both together tread
The briary pastures of the dead,
By Gorgons with long whips pursued,
How naked go the sometime nude!

Unter Google Bilder führen beide Stichwörter zu endlosen Reihen nackter Frauen, ganz selten mal ein Mann. Eine weitere Asymmetrie finden Sie, wenn Sie boy oder girl hinzufügen. (Ich nehme mal an, daß das Betrachten dieser Bilder nicht strafbar ist; jedes Kind kann sie ohne Barriere anklicken.)

Das Ganze müßte bei der Genderei berücksichtigt werden.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.07.2015 um 08.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29347

Wie ausschlaggebend ist der Vortrag? (nämlich beim Klagenfurter Wettbewerb – FAZ 6.7.15)
Das Schwellwort ausschlaggebend übernimmt die Steigerbarkeit des vermiedenen Synonyms wichtig, obwohl es nicht paßt, solange das Bild der Waage noch lebendig ist.

Die stilistische Pracht hängt sicher auch mit dem Gegenstand zusammen. Manche rühmen, daß die Geschichten, die man sich ausgedacht hat, "aus verschiedenen Perspektiven" erzählt werden. Den Preis gewann schließlich ein Stück "Meta-Literatur", wie die Zeitung berichtet.


Aus derselben Zeitung:

Warum steigt die Produktivität in Deutschland nicht mehr wie vor der Finanzkrise? Das stellt ein Rätsel dar.

= Das ist ein Rätsel.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.06.2015 um 06.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29287

In einem auch sonst schlecht geschriebenen Beitrag von Clemens Knobloch und Burkhard Schaeder liest man:

In synthetischer Hinsicht fügen sich Wörter zu Sätzen und Texten zusammen. Aus analytischer Perspektive lassen sich Texte in Sätze und Sätze in Wörter zerlegen. (Ludger Hoffmann, Hg.: Handbuch der deutschen Wortarten. Berlin 2007:22)

Die synonymische Variation wirkt verkrampft. Ich übersetze:

Wörter lassen sich zu Sätzen und Texten verbinden, Texte lassen sich in Sätze und Wörter zerlegen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 25.06.2015 um 08.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29263

Kaum ein Denker, der das Phänomen 'Sprache' philosophisch thematisiert hat, war dabei so innovativ, ja revolutionär wie Humboldt. (Klaus Kahnert in Ders./Burkhard Mojsisch, hg: Umbrüche. Amsterdam, Philadelphia 2001:245)

Schönes Beispiel für die Steigerungsfigur. Na, und das Ganze ohne stilistische Pracht:

Humboldt hatte neue Gedanken zur Sprachphilosophie.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.06.2015 um 11.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29246

Frankreich verurteilt Spionage seiner Präsidenten (zeit.de 24.6.15)

Nanu?

Das Ausspähen der französischen Staatschefs durch den US-Geheimdienst sei "inakzeptabel", sagt Präsident Hollande.

Ach so!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.06.2015 um 12.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29162

Ein Deutscher isst bis zu seinem 80. Geburtstag im Schnitt 748 Tiere. Sehr viele Hühnchen sind darunter, viele Schweine auch. Während den Deutschen anno 1950 nur neun Millionen Schweine mundeten, sind es aktuell 58 Millionen Tiere pro Jahr. (Focus 16.6.15)

Zuerst führt die Wiederholungsvermeidung zu dem lächerlichen munden, dann werden die Schweine durch den Oberbegriff Tiere wiederaufgenommen, was aber leicht irreführend ist, weil zuvor schon von Tieren in einem anderen Sinn die Rede war. Einige Leser haben schon kritisiert, daß Schweine und Hühner einfach addiert werden; das erinnert an unseren Kinderscherz: halb Pferd, halb Gans = ein halbes Pferd auf eine halbe Gans. Man könnte auch die Sardinen, Muscheln und Krabben noch dazuzählen, das sind doch auch Tiere. Und dann die leckeren Käsemilben!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 11.06.2015 um 09.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29122

Aus der Zeit, als unsere Töchter noch zur Schule gingen: Damals ließ das Kultusministerium Vergleichstests schreiben, die zum Teil falsch und oft irreführend formuliert waren. Hier ein Beispiel (6. Klasse):

"Finde ein Wort, das im jeweiligen Satz das passende Gegenteil des unterstrichenen Wortes ausdrückt!"

Jedes Kind weiß, was Gegenwörter sind, aber unsere Tochter trägt Synonyme statt Antonyme ein; sie meint offenbar, daß die Wörter sonst nicht „passen“, da sie den Sinn ins Gegenteil verkehren.

Wir wissen inzwischen, daß Synonyme auch Gegenwörter sind, wenn man das Wortfeld eng genug begrenzt. Das käme also noch hinzu.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.06.2015 um 11.06 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29113

Zur Synonymik von sterben/versterben:

„Dieses Verb (versterben) kann aber nicht mit der Angabe der Todesursache gebraucht werden: Sie starb (nicht: verstarb) an Blinddarmentzündung.“ (863)

Es gibt sehr viele Belege, die das Gegenteil beweisen.

Was dagegen weder hier noch in den Synonymwörterbüchern verzeichnet ist: versterben gebraucht man, wenn der Tod die Überlebenden noch berührt. Also in Todesanzeigen und ähnlichen Mitteilungen, daher auch in lebhaften Erzählungen (Biographien), nicht aber in historischen oder tabellarischen Zusammenstellungen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.05.2015 um 05.24 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#29010

Im Zentrum der sieben Bitten steht die vierte: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ (FAZ 27.5.15)

Die Wendungen im Zentrum und in der Mitte sind der Sache nach gleichbedeutend, aber bei Zentrum denkt man mehr an "Bedeutung" (zentral), bei Mitte eher an die Position.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.04.2015 um 09.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28718

Selbst in den Fällen, wo die Wiederholung eines Wortes sinnvoll wäre, weil der rhetorische Effekt gerade gewünscht wird, greift heute die Scheu davor, etwa in den vielen Fällen wie Talent hin, Talent her, wo es nun überwiegend heißt Talent hin oder her.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.04.2015 um 08.59 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28705

Aus dem Ergebnis des Experiments, dass Schimpansen als die nächsten Verwandten des Menschen nicht dazu in der Lage sind, ein normativ strukturiertes Verhalten untereinander zu imitieren, kann bis auf weiteres die Schlussfolgerung gezogen werden, dass ihnen nicht die Fähigkeiten zur Verfügung stehen, die zur Imitation des Verhaltens notwendig vorausgesetzt werden müssen, und Menschen folglich die einzigen Lebewesen auf der Erde sind, die diese Fähigkeit besitzen.
(http://www.philosophie.uni-muenchen.de/lehreinheiten/philosophie_4/promotionen/florian_franken/files_franken/franken_prakt.pdf)

Ohne die synonymische Variation hätte der Verfasser vielleicht die Tautologie bemerkt: Sie können es nicht, weil sie es nicht können.
 
 

Kommentar von Roger Herter, verfaßt am 20.04.2015 um 19.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28670

Dazu ganz ähnlich schon Eberhard (Synonymisches Handwörterbuch, 1910):

"Ort ... bezeichnet überhaupt einen Teil des Raumes, ohne weiteren Nebenbegriff."

Und zu "Stelle: ... ist von stellen abgeleitet und bezeichnet eigentlich den Standort eines Dinges" (der bestimmt werde durch das, was neben dem Ding oder diesem übergeordnet sei).

Der Synonymduden taugt nach meiner Erfahrung zu gar nichts, weder zum Nachschlagen noch als Hilfsmittel beim Schreiben und Übersetzen. Das unnützeste Wörterbuch in meinem Stall.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 20.04.2015 um 12.22 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28669

Daß in dem zitierten Satz zunächst Stelle und dann zur Wiederholungsvermeidung Orten gewählt wurde, ist ja auch kein Zufall.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.04.2015 um 08.42 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28668

Ort und Stelle werden oft ohne Bedeutungsunterschied gebraucht, z. B. in einem Satz, den ich anderswo zu anderen Zwecken zitiert habe:

Sprachen, die von Anfang an zusammen gelernt werden, lokalisiert das Gehirn an derselben Stelle; Sprachen, die wir nacheinander lernen, an getrennten Orten. (Judith Macheiner: Englische Grüße. München 2004:13)

Wenn unterschieden werden soll, würde ich in erster Annäherung sagen, daß Ort absolut (genauer: auf die allgemeinen Koordinaten unseres Daseins bezogen) gebraucht wird, Stelle aber relational, z. B. als Stelle in einem Buch, Stelle am Körper usw. – Damit hängt zusammen, daß Ort auch eine Ortschaft bezeichnet. Innerhalb der Ortschaft gibt es dann Stellen, an denen etwas passiert ist usw.

Die Beschreibung im Synonymduden ist so umständlich und schwerverständlich, daß man diesen Punkt nicht erkennen kann.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.04.2015 um 06.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28611

Bedeutend kann jeder sagen, bedeutsam klingt tiefsinniger, man scheint sich etwas dabei zu denken, auch wenn das Wort im Zusammenhang sinnlos ist:

„Im Alter von 87 Jahren starb heute der frühere Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass. Für die politische Linke war der bedeutsame Schriftsteller eine Ikone, hatte aber auch eine Vergangenheit.“ (freiewelt.de 13.4.15)

Ähnlich anderswo: einer der bedeutsamsten Schriftsteller usw.
(Und wieso "frühere"? Ist ihm der Nobelpreis denn aberkannt worden?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 04.04.2015 um 17.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28561

Was der Rechtschreibreform zu ihrer weiten Verbreitung verholfen hat, kann man am ehesten als "Beflissenheit" bezeichnen (vgl. z. B. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=138).
Der Unterschied zu "Unterwürfigkeit" oder "Dienstfertigkeit" besteht darin, daß der Beflissene keiner bestimmten Autorität gehorchen muß, sondern sich nur bemüht "alles richtig zu machen", einfach weil er glaubt, das müsse jetzt so sein. So setzt sich auch die Political Correctness durch. Niemand zwingt z. B. Wikipedia zur Befolgung feministischer Vorgaben. Trotzdem macht sie "Studierendenschaft" zum Haupteintrag und fügt nur noch ein "auch Studentenschaft".
Der Beflissene geht auf Nummer Sicher. Auch wenn nur eine Minderheit eine bestimmte Meinung vertritt, setzt sie sich durch, weil die Beflissenen immer in der Mehrheit sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2015 um 09.44 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28521

Im Dienstbereich 3 wurde die Feuerwehr Baiersdorf (...) gerufen – zu einem über der Fahrbahn liegenden Baum auf der Kreisstraße zwischen der Meerrettichstadt und Röttenbach. (nordbayern.de 2.4.15)

In Wirklichkeit war der Sturm schuld und nicht der Meerettich.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.04.2015 um 07.27 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28519

Philipp von Zesen hat Horizont als Gesichtskreis eingedeutscht, was damals komisch gewirkt haben muß. Ganz ist die Ersetzung nicht gelungen, Horizont hat sich in der alten Bedeutung gehalten, nur übertragen gibt es beides nebeneinander, mit der üblichen Differenzierung. Ich würde sagen, daß sich ein beschränkter Horizont auf einen Mangel an Intelligenz bezieht, ein beschränkter Gesichtskreis auf eine thematische Begrenztheit.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2015 um 16.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28497

Im Englischen gibt es aus den bekannten Gründen eine Menge germanisch-romanischer synonymischer Dubletten, die sich ausdifferenziert haben (wie ripe/mature), und der Engländer kann sich vielleicht nicht recht vorstellen, wie man ohne solche Unterscheidungen auskommen kann. Wir sagen, daß die Vereindeutigung dem Kontext überlassen wird, aber eigentlich geht es darum, daß der Hörer auch mit einer rohen Skizze in der Hand weiß, „wo es lang geht“. Er kennt eben die Gegend. Das ist anders, wenn man Texte aus fremden Kulturkreisen zu verstehen hat. Da merkt man erst, wie defizitär jede Rede ist.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.03.2015 um 16.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28496

Bei Homer hat man zuerst den Eindruck, daß die Antonomasien ebenso wie die Epitheta ornantia gedankenlos oder um des Verses willen gesetzt sind. Es gibt aber Untersuchungen, wonach sie in vielen Fällen durchaus mit der jeweiligen Episode zusammenhängen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 13.03.2015 um 09.49 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28308

Hat nicht Homer schon damit angefangen?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 13.03.2015 um 09.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28307

Ja, natürlich, lieber Prof. Ickler, genau auf diese Differenzierung wollte ich ja auch hinaus. Ich meinte, Ihr Satz war doch ein sehr gutes Beispiel dafür, daß man dieses Muster nicht von vornherein allgemein verurteilen kann. Aber gerade so hatte ich die bisherigen Beispiele verstanden. Ich denke, sogar eine Herkunftsangabe, z. B. die Geburtsstadt, kann u. U. eine sinnvolle Bezugnahme sein, wenn sie nicht schon völlig abgegriffen ist. Alle hier genannten Negativbeispiele bezogen sich doch auf die verschiedenen Arten von Wiederholung, die ich genannt habe. Wobei natürlich auch eine einzelne, nicht abgegriffene Antonomasie dann nicht gut ist, wenn sie nicht in den Zusammenhang paßt und offenbar nur der Wiederholungsvermeidung gilt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.03.2015 um 03.57 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28306

Lieber Herr Riemer, Sie spielen auf meinen "frühverstorbenen" Wolfgang Borchert an, aber da möchte ich doch unterscheiden. Das Motiv ist hier nicht die Wiederholungsvermeidung, sondern ich habe damit nur einen Nebensatz eingespart, der durchaus eine relevante Information enthält. In meinen Beobachtungen zur Beliebtheit Borcherts in der Nachkriegszeit spielte das Schicksal des jungen Dichters (schon wieder!) eine große Rolle. Kein Artikel über Borchert läßt sich den Hinweis entgehen, daß er einen Tag vor der Erstaufführung verstorben ist. Kahlschlagpathos, Frühvollendung und der Tod mit Mitte zwanzig - das gehört zur Rezeption, nicht wahr?
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.03.2015 um 17.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28304

Und genauso lästig und geschmacklos wirkt natürlich die wiederholte Anwendung auch unterschiedlicher Antonomasien auf immer die gleiche Person oder den gleichen Gegenstand in ein und demselben Text.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 12.03.2015 um 17.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28303

Ich würde weder die Verwendung des Musters im allgemeinen noch des Herkunftsortes im besonderen in jedem Fall beanstanden. Diese – wie ich jetzt gelernt habe – Antonomasien sind doch ein ganz gutes Stilmittel, das man sehr gut und effektvoll einsetzen kann, wie z. B. beim "Frühverstorbenen".
Lästig und geschmacklos werden sie erst durch ständige Wiederholung, wie es z. B. bei dem Leimener, Oggersheimer und der Brühlerin der Fall war, so daß man schon wußte, wer gemeint war, ohne daß der Name überhaupt genannt werden mußte.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.03.2015 um 17.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28302

Der Hinweis auf den Sport ist sehr berechtigt, das ist tatsächlich das Gebiet, auf dem diese Antonomasien am schönsten blühen und sich wohl auch halten werden. Der seriöse Journalismus zeigt meiner optimistischen Einschätzung nach Wirkung, nachdem die doch recht einflußreichen Stillehrer (Wolf Schneider vor allem) ihm die Marotte auszutreiben versuchten. Das gilt auch für die verkrampften "Lurchenbeine" (Froschschenkel) usw.
Daß jemand aus Leimen, Kerpen oder Oggersheim stammt, wäre ja ohne diese Marotte längst vergessen oder überhaupt nie ins Bewußtsein getreten. An sich sind es keine eindrucksvollen Tatsachen, aber wenn der Journalist sich in den Kopf gesetzt hat, den Namen "nicht zu wiederholen", sucht er eben nach passenden Daten, und wenn er eigens nachschlagen müßte... Der stilistische Ehrgeiz mancher Journalisten hat lange Zeit immer wieder zu Blümchentapete und abgespreizten kleinen Fingern zurückgeführt. Vielleicht gibt es da nun wirklich eine gewisse Modernisierung: eine Eiche ist eine Eiche und kein "germanisches Siegesgewächs".
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 12.03.2015 um 16.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28301

Das eine schließt das andere ja keineswegs aus. Nachdem der der Oggersheimer, der Leimener, der Kerpener und auch die Brühlerin aus dem Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit verschwunden sind, gibt es vielleicht derzeit weniger geeignete Kandidaten für eine derartige Kennzeichnung.

Voraussetzung für derartige Ausdrucksweisen ist offenbar ein hinreichend enger Zusammenhang der zu kennzeichnenden Person mit einer obskuren Kleinstadt oder sonstigen Örtlichkeit. Großstädte kommen nicht in Frage, denn von dort kommen einfach zuviel bekannte Persönlichkeiten. Helmut Schmidt ist jedenfalls nicht ständig als der Hamburger bezeichnet worden. Bei Angela Merkel drängt sich noch weniger eine vergleichbare Bezeichnung auf.

Heppenheim ist zwar durch SAP und den Fußballverein inzwischen landesweit bekannt, aber klein genug. Dementsprechend findet man zahlreiche Fundstellen für die Bezeichnung Sebastian Vettels als der Heppenheimer. Ansonsten gibt es wohl im Augenblick keine vergleichbar erfolgreiche deutsche Sportler.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.03.2015 um 05.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28296

Danke, das hatte ich ja auch ausdrücklich gesagt. Gestern stand allerdings in der FAZ "das Alpenland" statt Österreich, das fiel mir sofort auf, weil es so provinzjournalistisch aussieht.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 11.03.2015 um 20.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28295

Wenn ich Herrn Ickler richtig verstanden habe, meinte er gerade nicht Helmut Kohl und Boris Becker persönlich, sondern wollte nur sagen, daß die Nennung des Herkunftsortes zur Vermeidung der Namenswiederholung seiner Beobachtung nach heute seltener anzutreffen ist als noch vor Jahren. Es geht um dieses Muster, nicht um konkrete Personen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 11.03.2015 um 18.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28294

Wenn jetzt weniger vom Oggersheimer, vom Kempener oder vom Leimener die Rede ist, so ist dafür doch die einfachste Erklärung, daß über diese Herren nur noch wenig berichtet wird.

Diese Ausdrücke wurden doch hauptsächlich in längeren Berichten benutzt, um die Namenswiederholung zu vermeiden.

Außerdem gibt es inzwischen ja wohl viele, die gar nicht (mehr) wissen, wer etwa der Oggersheimer ist.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 11.03.2015 um 08.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28291

Kerpener, Pardon.
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 11.03.2015 um 02.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28290

Schon Michael Schumacher war kaum jemals »der Dürener«. Diese Herkunftsbezeichnungen bleiben wohl nicht an jedem kleben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.03.2015 um 15.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28288

Jahrelang wurden wir vom Oggersheimer und vom Leimener verfolgt, das scheint mir etwas seltener geworden zu sein (ich meine nicht diese beiden Herren, sondern den Typ von Antonomasie). Früher glänzten die Gebildeten mit dem Stagiriten, obwohl es nur sehr wenige Aussagen über Aristoteles geben kann, die mit seiner Herkunft aus Stag(e)ira zusammenhängen. Das wirkt heute stark veraltet und geradezu geschmacklos. Insgesamt ist es ein kleines Hoffnungszeichen.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 06.03.2015 um 21.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28269

Zu #28266: Ich weiß nicht, ob hier englischer Sprachgebrauch mitredet. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn bei der Ratesendung *Wheel of Fortune* etwas als "thing" angezeigt wird, was dann m.E. gar kein "thing" ist, also nichts Konkretes, sondern vielmehr eine Idee oder ähnliches Unanfaßbares. Aber dann bekomme ich eingedenk des germanischen *thing* Bedenken, das ja im isländischen *(al)thing* als etwas ganz anderes weiterlebt als woran ich denke; und selbst im Deutschen ist's manchmal schon ein Ding für sich, wenn "man sich einem Druck, einem Willen, einem Diktat usw. beugt, fügt, unterwirft." Und es wäre dann wohl auch eine Sache für sich. Auch wenn es dabei nicht immer gleich eine Rechtssache sein muß.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.03.2015 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28267

Vielleicht ist "einer Sache" eine Art Verlegenheitslösung, weil man bei "etwas", das auch zu Abstrakta passen würde, den Dativ nicht erkennt.
Eigentich ist es aber klar genug, wenn "etwas" direkt neben "jmdm." steht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2015 um 16.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28266

Im Synonymduden steht bei nachgeben, sich fügen, sich beugen, sich unterwerfen – jeweils „jmdm./einer Sache“. Aber sind das wirklich Sachen oder nicht vielmehr Abstrakta? Dieser Unterschied wird allgemein vernachlässigt. Es gibt nicht nur Personen und Sachen.

Meistens heißt es in den Texten, daß man sich einem Druck, einem Willen, einem Diktat usw. beugt, fügt, unterwirft. Das sind aber keine Sachen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.03.2015 um 06.25 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28256

Es gibt unzählige Internetseiten, die einem raten, wie man die Abgeltungssteuer oder die Erbschaftssteuer "vermeiden" oder "umgehen" kann, mit unterschiedslosem Gebrauch der beiden Verben. Es gibt aber auch Unterschiede.

Duden erklärt in der üblichen verschwommenen Weise:

vermeiden: (...) absichtlich von vornherein etwas unterlassen, weil man sich über die wahrscheinlich unangenehmen Folgen oder schädlichen Auswirkungen der betreffenden Sache im klaren ist. (...) umgehen: etwas, was die Umstände eigentlich fordern oder was irgendwie geschehen müßte, nicht tun oder zustande kommen lassen, weil es für einen selbst oder für andere unangenehm wäre; im Unterschied zu 'vermeiden' muß man dabei Überlegung und Geschick aufwenden, um der betreffenden Sache ausweichen zu können. (...) (Die richtige Wortwahl)

Meiner Ansicht nach bedeutet "vermeiden" in den genannten Fällen: sein Geld so anlegen, daß die Steuerpflicht gar nicht erst entsteht; "umgehen" hingegen, die bereits entstandene Steuerpflicht durch irgendwelche Tricks unwirksam machen.

Einen Fehler vermeidet man, indem man es richtig macht; man umgeht ihn, indem man etwas anderes tut, weil man ihn nicht vermeiden könnte.

Die Sprachratgeber wie "Speak you English?" raten, wie man Fehler vermeidet; sie lehren die richtige Ausdrucksweise. Das Umgehen ist nicht ihre Sache.

Außerdem gibt es noch den Unterschied zwischen "vermeiden" und "meiden". Gemieden werden Personen und Orte, also Konkreta, während das Vermeiden eher Handlungen gilt, die dann auch als Verbalabstrakta wiedergegeben werden (wozu auch Fehler gehören). Man könnte auch sagen: Für "vermeiden" ist ein (möglicher) Daß-Satz kennzeichnend.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 24.02.2015 um 16.55 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28192

Natürlicher Sand kann viele verschiedene Farben haben, z.B. weiß, gelb, rot, braun, schwarz, jeweils nach dem Gestein, von dem er stammt.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 24.02.2015 um 15.58 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28191

In der DDR gab es die Farbe "irakbeige". So hieß der Lack bzw. die Tarnfarbe der "sandfarbenen" Lastwagen W50 und L60 aus Ludwigsfelde, die in den 80er Jahren sowohl in den Irak als auch in den Iran exportiert wurden. Damit hat die DDR gut an beiden kriegführenden Seiten verdient.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 24.02.2015 um 14.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28186

Das ist nicht überraschend, denn die Farbe des Sandes ist "sandfarben". Es wäre daher absurd, dem (reinen) Sand überhaupt ausdrücklich eine Farbe zuordnen zu wollen.

Erwähnenswert ist eher, daß sich die Farbbezeichnung "beige" überhaupt im Deutschen durchgesetzt hat, wo es doch "sandfarben" oder auch kurz "sand" gibt.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 24.02.2015 um 09.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28184

Nachtrag zu http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#25587

Duden definiert "beige" als "von der Farbe des Dünensandes". Aber gerade dieser kann nicht beige genannt werden. (Ausnahmen werden sich finden lassen, wie fast immer.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.02.2015 um 17.19 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28116

Ich wollte ja auch die "betenden Hände" nicht kritisieren, sondern nur sagen, daß eine ähnliche Übertragung doch auch für die "verschränkten Hände" in Anspruch genommen werden kann.

Aber nun zur Sache: Das ursprünglich starke (reduplizierende) Verb falten bedeutet anscheinend, daß zwei Flächen aufeinandergelegt oder eng parallel gebracht werden, andeutungsweise sogar noch die Haut auf der Stirn. Wir sind gewohnt, daß die beiden Flächen wie bei Tüchern oder Papier zum selben Gegenstand gehören, und das ist ja auch bei den Händen letzten Endes der Fall. Meine Rechte und deine Linke kann man kaum falten. Aber metaphorisch ist das Falten der Hände wohl auch nicht, denn gerade diese Verbindung ist schon mittelhochdeutsch und wird bei Paul eher als Relikt denn als Neuerung dargestellt. Sie haben bestimmt recht mit der Ausdehnung auf die, nun ja, verschränkten Hände. Woher die kommen, weiß ich nicht; die Geste wirkt sonst eher barmend als demütig, besonders wenn die erhobenen Hände gerungen werden (worauf Sie schon hingewiesen haben). Vielleicht eine "Übersprunghandlung" bei Hilflosigkeit? Das indische "Namaste" mit zusammengelegten Händen und leicht geneigtem Kopf wirkt anmutig, vielleicht weil es ein Stück von Unterwerfungsgestik entfernt bleibt.

Falten, Biegen usw. gehören heute zu den ungemein zahlreichen technischen Fertigungsverfahren, und hier möchte ich nebenbei Wikipedia loben. Mit der anschaulichen Darstellung und Animation etwa unter "Biegen" kann kein Buch konkurrieren.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 17.02.2015 um 16.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28115

"Betende Hände" ist der Name für eine bestimmte Darstellung gefalteter Hände und braucht als solcher nicht plausibel zu sein. Der Betrachter weiß, daß nicht die Hände, sondern der dargestellte Mensch betet. Ob diese Übertragung einer geistigen "Handlung" auf Körperteile sinnvoll ist sei dahingestellt. (Hier wird die Aktion von Händen "Handlung" auf geistige Aktionen übertragen.)

Der Begriff "falten" bzw. "gefaltet" impliziert zwei Enden oder Teile eines flachen Gegenstands, die parallel zueinander liegen, typischerweise Papier oder Stoff. Hände zu "falten" ist schon eine ziemlich metaphorische Verwendung des Begriffs. Da diese jedoch im Zusammenhang mit (christlicher) Religion häufig vorkommt und es noch eine weitere Gebetshaltung für die Hände gibt (die mit verschränkten Fingern), kann darunter auch letztere verstanden werden. Interessant in diesem Zusammenhang ist, daß es offenbar keine Vorschriften gibt, wann man welche Variante anzuwenden hat. Auch das kann dazu beitragen, unter "die Hände falten" die Variante mit den verschränkten Fingern zu verstehen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.02.2015 um 16.45 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28114

„Ich denke, es ist recht häufig so, daß wir ganz alltägliche Wörter beherrschen, ohne zu wissen (oder auch nur eine feste Meinung darüber zu haben), ob sie synonym sind oder nicht. Ich persönlich würde beispielsweise manche Leute lieber als dürr und manche lieber als hager bezeichnen, obwohl ich es für gut möglich halte, daß die beiden Wörter synonym sind. Der mir selbst nur schwer greifbare Unterschied, den ich da mache, mag eine meiner persönlichen Marotten sein; manchmal kommt mir halt das eine Wort irgendwie treffender vor als das andere. - Wenn 'hager' und 'dürr' tatsächlich synonym sind, dann sind sie das auch in meinem Munde. Denn ich kopple mich nicht vom allgemeinen Sprachgebrauch ab; ich verfüge nicht für 'meinen Idiolekt' besondere semantische Verhältnisse. Ganz im Gegenteil, sollte sich herausstellen, daß kaum jemand außer mir einen solchen Unterschied macht, werde ich einräumen, daß er in der Bedeutung dieser Wörter nicht anzutreffen ist. Er liegt dann bloß in dem, was ich mit diesen Wörtern assoziativ verbinde. - Unser Sprachgefühl - und mehr haben wir, jeder auf sich allein gestellt, in diesen Dingen nicht - markiert keine deutliche Grenze zwischen bloß subjektiv verbundener Assoziation und allgemein verbindlicher Bedeutung. Und auch für eine Sprachgemeinschaft als Ganzes läßt sich nicht immer eindeutig ein Unterschied zwischen Bedeutung und Hinzuassoziiertem machen." (Andreas Kemmerling in: Forum für Philosophie Bad Homburg (Hg.): Intentionalität und Verstehen. Frankfurt 1990:192)

Diese Darstellung könnte man sprachwissenschaftlich ein wenig kritisieren, aber ich will sie nur als Anlaß einer kleinen Überlegung nutzen. Wenn man sich in den Restbeständen der distinktiven Synonymik (Duden) umsieht, stellt man fest, daß das Wortfeld ganz unzulänglich und ungeordnet behandelt ist. Grundlegend sollte doch wohl sein, daß dürr auf Austrocknung, Mangel an Wasser hinweist, daher dürres Holz, dürre Wurst, mager hingegen auf einen Mangel an Fett, daher mageres Fleisch, Magermilch. hager wird praktisch nur auf Menschen angewandt, und da wieder hauptsächlich auf das Gesicht, erst sekundär auf den dazu passenden Körper, die hagere Gestalt und vielleicht die Hände und Finger. Wir müßten also die weitläufiger verwendeten Wörter dürr und mager erst einmal entsprechend einschränken und hätten dann vorläufig drei Möglichkeiten, einen dünnen Menschen zu beschreiben. (Dieser Oberbegriff ist in den Wörterbüchern nicht entsprechend plaziert.) Es handelt sich dann darum, ob der Mensch, salopp gesagt, unterernährt, verhutzelt oder abgezehrt ist, letzteres vielleicht durch Kummer oder eine asketische Lebensweise. Es fehlt noch schlank, der Rest ist zu selten und könnte auf einer weiteren Stufe untersucht werden. Dazu dann noch die Antonyme.

Soweit meine Hypothese, nun sollte die empirische Nachprüfung an den Texten folgen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.02.2015 um 16.05 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28113

Danke für die interessante Stellungnahme! Bei Google gibt es übrigens Zigtausende von "verschränkten Händen", das ist auch immer noch plausibler als "betende Hände", denn die Hände beten ja nicht.

Ich hatte natürlich vorher bei Google Bilder nachgesehen und gefunden, daß gefaltete Hände meistens die verschränkten sind.

Ich erinnere mich mit Bestimmtheit, daß Priester ihre Hände vor der Brust verschränken. Gerade weil ich mehr Beobachter als Teilnehmer bin, fällt es mir auf, daß sie nicht wie die Heiligen auf den Altartafeln aussehen, eher wie Kinder, wenn sie vor der Mahlzeit beten. Das nennt man doch wohl "die Hände falten". Aber ich sammele gern weitere Erfahrungen.
 
 

Kommentar von Pt, verfaßt am 17.02.2015 um 15.00 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28111

Gefaltete Hände sind für mich nur die zusammengelegten Hände. Die Hände mit verschränkten Fingern sind nicht gefaltet, habe bisher auch nie etwas von "verschränkten Fingern" als eine Form des "Händefaltens" gehört, obwohl natürlich die Hände mit verschränkten Fingern auch eine Gebetshaltung sind. Spontan würde ich sagen, daß man Hände nicht verschränken kann, allenfalls Finger. Kann mich nicht daran erinnern, daß früher ein Pfarrer während der Messe mit verschränkten Fingern gebetet hat, allenfalls vielleicht so dagesessen hat, vielleicht während er auf das Ende eines Liedes gewartet hat. Gefaltete Hände symbolisieren eher Demut, Hände mit verschränkten Fingern, zum Himmel emporgehoben, machen eher den Eindruck eines verzweifelten Flehens (im Gebet?).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.02.2015 um 14.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28109

Frage in die Runde: Was verstehen Sie unter "die Hände falten, gefaltete Hände? Sind damit nur die Hände mit verschränkten Fingern gemeint oder auch die Dürerschen betenden Hände (auch indisches "Namaste"), also bloß zusammengelegt?
Gibt es hier einen Kulturwandel? Spontan würde ich sagen, daß auf älteren Bildern à la Dürer gebetet wird, aber heute sieht man während der Messe den Priester eher mit verschränkten Händen beten - oder?
 
 

Kommentar von R. M., verfaßt am 07.02.2015 um 13.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28029

Die Spiegel-Schreibe wurde ja erfunden, um möglichst viele Informationen in eine Spalte zu pressen, zu einer Zeit, da das Papier knapp war. Heute werden die Zeitungen immer dünner, und was bald nur noch Jargon war, erfüllt wieder seinen ursprünglichen Zweck.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.02.2015 um 08.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#28027

John Grisham wird 60, die FAZ gratuliert: „Um die dreihundert Millionen Bücher hat der Baseball-Fan bislang verkauft, das sichert dem engagierten Baptisten mit Privatflugzeug ein angenehmes Dasein.“ (7.2.15) - Schönere Stopfsätze kann man nicht einmal erfinden. Die Antonomasien packen Wikipedia-Informationen in einen Satz, für den sie irrelevant sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.02.2015 um 09.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27966

Ein pazifistisches Land schwört auf Rache (FAZ 2.2.15)

Die Überschrift bezieht sich auf Japans Reaktion auf die IS-Morde.

Inzwischen korrigiert:

Ein pazifistisches Land schwört Rache (Website)

Manche Leute schwören auf Globuli, andere auf Kamillentee.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2015 um 16.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27915

Ich habe sicher übertrieben, und jeder liest in erster Linie, wofür er besonders empfindlich ist. Ich war jedenfalls überrascht von den vielen einschlägigen Äußerungen.
 
 

Kommentar von Klaus Achenbach, verfaßt am 28.01.2015 um 15.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27914

Mir war es bisher nicht aufgefallen, daß „die Medien“ nun unbedingt die Meinungs- und Pressefreiheit einschränken wollten und dazu obendrein noch „aus allen Rohren feuern“. Es mag ja sein, daß ein Teil der Presse nichts gegen weitere Einschränkungen der Meinungsfreiheit (etwa bei Pegida-Anhängern) hätte, solange die Pressefreiheit unangetastet bleibt. Ich hatte allerdings den Eindruck, daß ein Großteil der Presse die Pressefreiheit gerne zum höchsten und absolut unantastbaren Menschenrecht erheben möchte - nach dem Motto „die Satire darf alles“ (was ja offenkundig falsch ist).

Ich halte es daher für durchaus verdienstvoll, wenn wenigstens ein Teil der Presse auch anderen Meinungen Raum gibt (etwa die FAZ, wo man im Feuilleton ganz anderes lesen kann). Es geht in diesen Meinungsäußerungen nach meinem Eindruck auch nicht um nennenswerte weitere Einschränkungen, sondern um den Hinweis, daß es Einschränkungen seit jeher gibt (Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung, Leugnung des Holocaust usw.) und solche im GG auch ausdrücklich vorgesehen sind.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2015 um 06.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27907

Aus gegebenem Anlaß (Meinungsfreiheit):

schrankenlos und hemmungslos werden oft austauschbar verwendet, aber schrankenlos ist negativer besetzt. Allerdings hat auch grenzenlos oft einen Beiklang von Zuchtlosigkeit, als wenn es dem Menschen nicht anstünde, alles zu tun, wozu er Lust hat. (Die Medien feuern ja aus allen Rohren, um die Meinungs- und Pressefreiheit einzuschränken, bieten auch einschlägig bekannte Juristen auf.)
Auf der subjektiven Seite gibt es zügellos, hemmungslos.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 26.01.2015 um 05.50 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27889

Zu ausbüxen gibt Duden folgende Beispielsätze:

die Kinder waren [auf dem Weg zum Spielplatz] ausgebüxt, sie ist ihrem Freund ausgebüxt (hat ihn verlassen)

Insbesondere das zweite Beispiel halte ich für ziemlich unüblich. Vor allem aber ist übersehen, daß das Verb heute ganz überwiegend auf Tiere bezogen wird, gelegentlich auf kleine Kinder. Es ist ein gaunersprachlicher Ausdruck, den man nur augenzwinkernd gebrauchen kann. Verwandt sind entwischen, entgehen, entkommen, die aber auch alle unterschieden werden müssen. Es gibt viel zu tun!
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.01.2015 um 06.02 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27809

Während die letzten Vorbereitungen zu Udo Jürgens' Beisetzung getroffen werden, bleibt eine Frage offen: Wem hat die Musik-Legende sein (!) Vermögen vermacht? (Abendzeitung online 15.1.15)

Um nicht zweimal den Namen zu nennen, hat der Journalist die freilich klischeehafte Umschreibung (Antonomasie) gewählt und dann vergessen, das Pronomen anzupassen. Das kann man sehr oft beobachten.

Neulich legte eine alte Frau drei Billigzeitschriften vor mir aufs Band der Supermarktkasse, alle mit Udo Jürgens auf der Titelseite. Sie tat mir ein bißchen leid.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.12.2014 um 05.09 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27506

Im Zusammenhang mit der GZS hatten wir schon an die vielen Partizipien zu denken, die zu Adjektiven geworden sind, gesteigert werden können und kein Objekt mehr regieren (reizend usw.). Sie sind aber zugleich (natürlich) auch semantisch vom Verb weggedriftet. Nehmen wir bedeutend. Das wird fast nur noch im Sinne von "wichtig" verwendet. bedeutsam bezeichnet eher etwas Zeichenhaftes, auf anderes Verweisendes, wird daher auch gern zur Tiefsinn-Simulation benutzt. Aber man findet es auch schon anstelle von bedeutend.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 20.11.2014 um 08.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27392

Es geht doch nicht um physische Anwesenheit, sondern um intellektuelle Präsenz. (nämlich von Studenten an der Universität) (FAZ 20.11.14)
Hier haben wir zunächst die Wiederholungsvermeidung durch das Ausweichen auf ein Fremdwort (diese Richtung ist weitaus die häufigste). Dann wäre aber zu fragen, warum der Sachverhalt nicht einfacher ausgedrückt wird: Es geht doch nicht um körperliche Anwesenheit, sondern um geistige.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 17.11.2014 um 07.32 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27364

Die Wörterbücher geben sich oft nicht viel Mühe, die Bedeutungen oder Gebrauchsbedingungen der Wörter genauer herauszufinden. Besonders knifflig sind Merkmale, die nicht immer und strikt definierend, sondern nur mit einer gewissen Häufigkeit zu beobachten sind, also Tendenzen zu Kollokationen und Konnotationen.
Nehmen wir das Wort genüßlich. Besonders wenn es auf Argumente und nicht aufs Essen angewendet wird, schwingt sehr oft eine leichte Kritik an billigen Triumphen mit.
Oder säuberlich. Es kommt wohl in mehr als der Hälfte aller Fälle zusammen mit fein vorm und außerdem dient diese Verbindung oft dem Ausdruck eines leichten Spottes über Pedanterie.
Aber das sind auch nur ganz vorläufige Eindrücke, die überprüft und verfeinert werden müßten.
("Kritik an billigen Triumphen" – welche komplizierten gesellschaftlichen Voraussetzungen hat das nun wieder?)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.11.2014 um 09.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27316

Wimmer war es vorbehalten, das 17:30 zu erzielen. (Thüringer Allgemeine 12.11.14)

= Wimmer erzielte das 17:30.

Die aufgebauschte Wendung ist allenfalls in einem von hundert Fällen berechtigt.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 10.11.2014 um 10.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27300

In der Schule hatte ich vor dem roten W für Wiederholung am meisten Angst. Deshalb die krampfhafte Suche nach Varianten.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 10.11.2014 um 09.11 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27299

Hier noch mal ein besonders klarer Fall von "nichtunterscheidendem Kontext":

Mit dem A-400M haben die Europäer ein Flugzeug, über das die Amerikaner nicht verfügen. (FAZ 10.11.14)

Nur zwecks Wiederholungsvermeidung, ohne semantische Abschattung, wird das nächstliegende Verb durch ein aufwendigeres mit einer anderen Konstruktion ersetzt. Der Satzakzent liegt auf der Negation, der Rest muß inhaltlich gleich bleiben, damit die Kontrastierung funktioniert. In gesprochener Sprache würde man wohl sagen:

Mit dem A-400M haben die Europäer ein Flugzeug, das die Amerikaner nicht haben.

Das wäre auch schriftlich nicht zu beanstanden; nur einige Lehrer würden vielleicht ihr "Wh" an den Rand schreiben.

Wir beobachten hier auf der untersten Ebene, wie ein überkommenes Stilideal die Texte unnötig kompliziert.

Nach meiner Erfahrung wird das den Lehrern nicht einmal beigebracht, sondern es erbt sich einfach so fort, durch die Korrekturpraxis dann auch auf die nächste Generation. Deshalb wird es auch nicht diskutiert.
 
 

Kommentar von Andreas Blombach, verfaßt am 03.11.2014 um 15.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27229

Aus einem SZ-Artikel (www.sueddeutsche.de/politik/syrien-was-an-koban-deutsch-ist-1.2200860):
Der heutige Anführer der syrischen Kurdenpartei PYD, Salih Muslim Muhammad, der selbst aus Kobanê stammt, erzählt diese Historie gern.
Erwarten würde man wohl Geschichte, aber vielleicht klang dem Autor das zu subjektiv, zu sehr danach, als bestünde noch die Möglichkeit der Unwahrheit ... Wiederholungsvermeidung ist es nicht, das Wort Geschichte kommt im ganzen Text nicht vor.

Ansonsten übrigens ein durchaus lesenswerter Artikel, die Verballhornung von Kompanie gefällt mir fast so gut wie Erdoğans Begründung dafür, dass Kobanê eigentlich Ain al-Arab heiße. Wie wohl das Wetter in Byzantion gerade ist?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 03.11.2014 um 12.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27226

Auch sonst weit verbreitet, besonders süddeutsch, wohl nach frz. il y a, dieses wie auch spanisch hay nach spätlat. habet.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 03.11.2014 um 11.48 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27225

Vielleicht sagen die Schweizer deswegen "es hat".
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 02.11.2014 um 17.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27218

Oft steht ja bei dem seltsamen "es gibt" der Nominativ, als habe man das Synonym "existiert" gebraucht. Aber es gibt auch andere Entgleisungen:

Religionen haben und gibt es in allen menschlichen Gesellschaften. (Rüdiger Vaas/Michael Blume: Gott, Gene und Gehirn. Stuttgart 2009:12)

Wie kann man einen so einfachen Sachverhalt so umständlich und so verkehrt ausdrücken?

(Blume glaubt übrigens, der Religion etwas Gutes zu tun, wenn er verkündet, religiöse Gesellschaften hätten im Durchschnitt mehr Kinder als nicht-religiöse. Er behauptet auch: "Wenn wir als Menschen nicht nur vor uns hinleben, sondern uns wirklich einer Sache verschreiben wollen, brauchen wir tiefe religiöse Überzeugungen." So hätten sie es gern.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 16.10.2014 um 12.46 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#27070

Dabei war er weder, wie Heidegger oder Carl Schmitt, in die Partei eingetreten, noch hatte er sich antisemitischer Überzeugungen schuldig gemacht. (Joachim Dyck in der Welt 2.9.03 über Benn)

Können Überzeugungen schuldhaft sein? Menschen sind wegen eines falschen Glaubens umgebracht worden, das finden wir aber heute nicht mehr richtig.
 
 

Kommentar von Manfred Riemer, verfaßt am 06.07.2014 um 13.31 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#26254

Interessant, wie diese Darstellung in der heutigen FAS (S. 1) leicht abgewandelt wurde:

Zum fünften Mal in Serie steht die Mannschaft im Halbfinale bei einem großen Turnier, zum vierten Mal nacheinander vor dem Sprung ins WM-Endspiel.

Das nacheinander ist wohl erforderlich geworden, weil kurz danach ein deutscher Spieler zitiert wird:
"Das vierte WM-Halbfinale in Folge ist ..."
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 05.07.2014 um 13.39 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#26243

Fremdwörter sind oft ungenauer als deutsche Wörter. Meiner Meinung nach drücken "in Folge" und "nacheinander" die zeitlichen Unterschiede besser aus als "in Serie".
Vielleicht bin ich vorbelastet, weil in der Technik bei der Serien- oder Reihenschaltung von Widerständen nur bei hohen Frequenzen oder Dirac-Impulsen die Laufzeit eine Rolle spielt. Sonst ist eine Serie von Widerständen nur ein Widerstands-Summe.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.07.2014 um 06.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#26240

Nachdem das deutsche Nationalteam zum vierten Mal in Folge ein WM-Finale und zum fünften Mal in Serie unter Beteiligung von Bundestrainer Joachim Löw die Vorschlussrunde eines großen Turniers erreicht hat, macht sich im Hinblick auf das große Traumziel eines Titelgewinns doch gewisse Hoffnung breit. (FAZ online 5.7.14)

Man sieht richtig, wie der Verfasser sich bemüht, zwischen den beiden neumodischen Synonymen für "nacheinander" auch noch einmal abzuwechseln, obwohl die schlichte Wiederholung sogar den Vorteil einer ikonischen Darstellung geboten hätte...
 
 

Kommentar von ppc, verfaßt am 10.06.2014 um 17.37 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#26015

Das hatten wir hier schon mal, und mIr fällt die galoppierende Kompletteritis schon seit Jahren auf, etwa:

"kompletter Idiot" statt "Vollidiot" (für "complete idiot")
"komplett kostenlos" für "kostenlos"
"die Familie komplett gerettet" statt "die gesamte Familie gerettet"
"komplett kaputt" statt "völlig kaputt"
"komplett allein" statt "allein"
"komplett überarbeitet" statt "umfassend überarbeitet"
"komplett neu"
"komplett aus Holz" statt "nur/ausschließlich aus Holz"
"die kompletten Unterlagen" statt "alle Unterlagen" (halbe Unterlagen gibt's auch...)
"Transfer komplett" statt "Transfer abgeschlossen" (für "transfer complete")

und so weiter und so fort. Das Modewort "komplett" verdrängt komplett Wörter wie "ganz", "völlig", "vollständig", "gesamt", "total" ("Wollt Ihr den kompletten Krieg?") und oft sogar Leerzeichen, nämlich wenn es komplett überflüssig ist. Gerade der Unterschied zwischen "die komplette/gesamte Familie gerettet" und "die Familie komplett gerettet" (oder wird "komplett arbeitslos") wird komplett ignoriert, Hauptsache ist, man hat das Modwort irgendwie reingewürgt, egal ob schriftlich oder mündlich, egal ob von Legasthenikern geschriebene Computer-Fachzeitschrift oder Tageszeitung, das macht alles kompletten Sinn.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 07.06.2014 um 11.28 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#25974

Und es gibt Tetris, das die komplette Geschichte der Videospiele beeinflusst hat und jedem Spieler ein Begriff ist. (http://www.wiiux.de/neuigkeiten/4442-tetris-wird-heute-30-jahre-alt 7.6.14)

Warum klingt das schräg? komplett deckt sich nicht mit ganz, die beiden überlappen einander bloß. komplett bedeutet "vollständig", was hier offensichtlich nicht paßt. Ebenso:

Stirbt die AEG, werden komplette Familien arbeitslos. (Nürnberger Nachrichten 9.12.05)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 30.05.2014 um 05.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#25913

„Der besondere Ausdruck ist besser als der allgemeine“, lehren die Stilbücher, und wir haben schon gesehen, wie es sich auswirkt (z. B. hier).

Heute liest man bei welt.de:

Als sich Detlef Cordes um fünf Uhr in der Früh auf seinem Bauernhof im niedersächsischen Stade aus dem Bett schälte, beschlich ihn schnell ein eigentümliches Gefühl. Der 55-jährige Landwirt schlüpfte in seine Arbeitsklamotten und ging zu den Ställen hinüber...

= Als Detlef Cordes um fünf Uhr in der Früh auf seinem Bauernhof im niedersächsischen Stade aufstand, hatte er ein eigentümliches Gefühl. Der 55-jährige Landwirt zog sich an und ging zu den Ställen hinüber ...

Wer schält sich denn heutzutage noch aus dem Bett? In Oberhessen wurde der Bauer für den Winter in eine Art Strampler eingenäht und im Frühjahr wieder herausgeschält. Das erzählte mir während des Studiums ein Marburger Mediziner, der mit den hygienischen Folgen der Sitte beschäftigt war.

Der Artikel steht unter der Überschrift Auf Deutschlands Bauernhöfen verschwinden die Kühe – man erfährt dann aber, daß Viehdiebstahl sehr selten vorkommt. So schlimm sind die Polen nun auch wieder nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 22.04.2014 um 04.17 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#25639

Unsere Journalisten können einfach nicht vom Urnengang lassen. Kein normaler Mensch nennt eine Wahl Urnengang, ("Und nach dem Urnengang gehen wir essen!") Mich schüttelt's richtig, wenn ich dieses Wort lese.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 13.04.2014 um 04.26 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#25587

Man hat beobachtet, daß z. B. beige nur von Artefakten und handelbaren Gegenständen gesagt werden kann. Das ist ähnlich „irrational“ wie bei blond. Sand kann weder blond noch beige sein. Das sind also keine reinen Farbwörter. Die Substrate lassen sich aber auch nicht erschöpfend aufzählen.
 
 

Kommentar von Bernhard Strowitzki, verfaßt am 06.03.2014 um 16.56 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#25325

Mir fällt da ein altes Zitat ein, auf Anhieb weiß ich allerdings nicht, auf wen es sich bezieht (ein Philosoph oder Schriftsteller): "Er beobachtete eine Frau, die sich umbrachte, und er hat ihr nicht geholfen."

 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 06.03.2014 um 06.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#25319

Zudem soll Geld für die Unterstützung rauschgiftabhängiger Jugendlicher gesammelt werden. (nämlich durch das neue Magazin „Il mio Papa“ laut FAZ 6.3.14)

An einer früheren Stelle hatte ich geschrieben:

"helfen und unterstützen werden für gleichbedeutend erklärt, und die Verfasser wundern sich dann über die unterschiedliche Rektion – ein fast schon klassischer Irrtum, vgl.: Damals bildete er sich ein, Napoleon zu sein. Sein Psychiater hat ihn unterstützt vs. Sein Psychiater hat ihm geholfen. (http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=914)

So kommt mir auch der Beleg aus der FAZ leicht schief vor. Man denkt unwillkürlich, die Jugendlichen sollten mehr Geld bekommen, damit sie sich den Stoff besorgen können. Vielleicht wollte der Verfasser aber auch nur zweimaliges für (für Hilfe für) vermeiden.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 28.01.2014 um 14.29 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#24963

Bei "pontifex" muß ich immer zuerst an Bauingenieure denken. Im Brückenbauen waren die Römer weltweit Spitze.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 28.01.2014 um 07.54 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#24962

Zur Zeit wird der "Pontifex" wieder erwähnt, allerdings aus einem bedenklichen Anlaß:

„In Italien wurde in der Nacht eine Blutreliquie des polnischen Papstes Johannes Paul II. gestohlen. Die Polizei spekuliert, dass es sich dabei um einen Auftragsdiebstahl handelt. Bei der Ampulle handelt es sich um eine von insgesamt drei Blutreliquien des verstorbenen Pontifex.“ (focus.de 28.1.14)

Früher hieß es aber doch, es gebe fünf Blutreliquien. Vgl. http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1103#22787
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 19.11.2013 um 07.35 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#24416

Sogar Wolf Schneider, der mehr als jeder andere gegen die Imponiersprache gekämpft hat, kann sich dem Druck der "gehobenen" Synonyme nicht ganz entziehen:

Die Redakteure haben also mit der Arbeit dort aufgehört, wo sie hätten beginnen müssen, wenn sie den Wunsch besessen hätten, sich auf die Bedürfnisse ihrer teuer zahlenden Benutzer einzustellen.

Einen Wunsch "besitzt" man nicht, eher ist man von ihm besessen.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 21.03.2013 um 23.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#22846

Karl Valentin: Der Mensch ist gut, aber die Leut' san a Gschwerl.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2013 um 13.08 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#22835

So ungefähr hatte ich es ja auch gemeint, mit der Auserwähltheit. Das sieht man auch an der Rührung oder Erschütterung, wenn jemand, den man gerade eben über alle anderen hinaus erhöht hat, sich wieder herabläßt und mit "den Menschen" redet, als wäre er einer wie du und ich.

Vor ein paar Tagen kreidete ein Journalist es dem neuen Papst als "Arroganz" an, so bescheiden aufzutreten. Damit versündige er sich gegen das hohe Amt, dem man schließlich Verehrung angedeihen lassen wolle und mit dem sich der Amtsträger gefälligst nicht verwechseln dürfe.

Das ist ganz folgerichtig gedacht; man darf nur nicht ans NT denken (wenn ich mir diesen protestantischen Schlenker erlauben darf, dem der neue Papst aber womöglich zustimmen würde, seinen ersten franziskanischen Äußerungen zufolge).
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.03.2013 um 12.18 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#22834

Noch ein Nachtrag: Im Politikerjargon hat »die Menschen« in den letzten Jahren das früher übliche »die Leute« weitgehend verdrängt, vielleicht weil es die Politiker menschlicher erscheinen läßt, wenn sie sich um die Belange von Menschen kümmern und nicht von Leuten.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 21.03.2013 um 12.13 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#22833

Wenn Politiker, Könige oder der Papst auf »die Menschen« zugehen, dann sind damit ja nicht die Vertreter der Gattung Mensch gemeint, sondern – so verstehe ich es zumindest – die gewöhnlichen Menschen, die Normalbürger. Die Formulierung soll gerade den (vermeintlichen) Unterschied zwischen dem hochgestellten Würdenträger und den Normalsterblichen verdeutlichen. Auf andere Menschen zugehen kann jeder, auf die Menschen zugehen können nur Auserwählte, nämlich diejenigen, die der Autor für etwas Besseres hält.

Man könnte das Ganze sogar noch etwas weiterspinnen: »die Menschen« sind hier im Grunde eine anonyme Masse, auch wenn sich der Auf-sie-Zugehende einzelne Exemplare mehr oder weniger willkürlich herausgreift, um fünf Sekunden lang mit ihnen zu sprechen oder ihnen auf die Schulter zu klopfen. Nicht umsonst heißt es von denen, die auf »die Menschen« zugehen, sie nähmen ein »Bad in der Menge«.

Die Formulierung mag sprachlich etwas krumm sein, ich finde sie aber nicht merkwürdiger als mit den Wählern reden usw., denn auch ein Politiker ist ja ein Wähler.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.03.2013 um 07.21 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#22830

Wie von anderen Politikern sagt man nun auch vom Papst gern, er gehe auf die Menschen zu. Das mag sachlich zutreffen, aber sprachlich ist es eine Merkwürdigkeit. (Das haben natürlich auch andere schon bemerkt.)
Mir ist bei meinen Studien zur Synonymik und Wiederholungsvermeidung vor Jahren aufgefallen, daß in manchen Fällen die reine Wiederholung fast zwingend durch ein auch oder ebenfalls gemildert werden muß, aus dem der Hörer entnehmen kann, daß der Sprecher die Wiederholung bemerkt hat und aus sachlichen Gründen nicht vermeiden konnte:

Aus der Nähe besehen, sind sie (die Elstern) allerdings recht bunt: der Kopf schillert grün, die Flügel glänzen – besonders im Sonnenlicht – blau, violett und ebenfalls grün.

Etwas ähnliches liegt nun vor, obwohl es nicht um Wortwiederholung geht: Wer selbst ein Mensch ist, geht auf andere Menschen zu, nicht einfach auf die Menschen (als sei er selbst keiner).
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 14.03.2013 um 08.14 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#22800

In der Papst-Berichterstattung muß das Wort Papst naturgemäß oft wiederholt werden. Um das zu vermeiden, schreiben Journalisten gern Pontifex. Das scheint mir aber – im Gegensatz zum innerkirchlichen Gebrauch – einen spöttischen Klang zu haben, der oft gar nicht beabsichtigt ist. Das antiquierte Gebot der Wiederholungsvermeidung führt dazu, daß man etwas anderes sagt, als man sagen will.
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 31.12.2012 um 16.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#22231

Es ist berechtigt, wenn die Bayern mit Franz Beckenbauers Worten sagen: "Schaun wir mal, dann sehn wir schon."
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 31.12.2012 um 12.20 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#22229

Auf den ersten Blick könnte man meinen, daß (an-)sehen, schauen, blicken bloß regionale und stilistische Varianten seien, aber dem ist nicht so.

Laß dich mal ansehen!
Laß dich mal anschauen!
? Laß dich mal anblicken!

Sieh mich an!
Schau mich an!
? Blick mich an!

Sieh nicht hin!
Schau nicht hin!
? Blick nicht hin!

Blicken und seine Komposita scheinen nicht so intentional zu sein wie die anderen Verben. (Die fraglichen Ausdrücke sind nicht unmöglich und sicher belegbar, aber doch viel seltener.) In den Wörterbüchern steht davon nichts.
 
 

Kommentar von Wolfram Metz, verfaßt am 12.09.2012 um 19.36 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#21451

Den Segen der Dudenredaktion hat der Autor:

»a) tadelnswerte Unwissenheit, Kenntnislosigkeit in Bezug auf jemanden, etwas:
politische Ignoranz; seine Antwort zeugt von ziemlicher Ignoranz; Sie wurde ein armes, verzweifeltes Tier, das an der Ignoranz der Umwelt eingeht (Welt 14. 7. 65, 5);

b) (selten) das Ignorieren:
eine Entschuldigung zu finden für die Ignoranz, mit der sie … den … Informationen über den Massenmord begegnet sind (Hochhuth, Stellvertreter 248, Nachwort).«

(Quelle: DUDEN – Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, 4. Auflage, Mannheim 2012)

Mir ist Bedeutung b nicht vertraut. Das Beispiel scheint mir jedenfalls unglücklich gewählt. Würde man das Wort nicht zunächst unwillkürlich im Sinne von Bedeutung a verstehen, wenn man liest: »eine Entschuldigung […] für die Ignoranz, mit der […]«?
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 12.09.2012 um 17.40 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#21449

Auf Steinmeier geht sie so gut wie gar nicht ein. Ignoranz ist die höchste Form der Strafe in der politischen Auseinandersetzung. (SZ online12.9.12 über Merkel im Bundestag)

Gemeint ist Ignorieren. Knapp vorbei ist auch daneben.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.06.2012 um 15.10 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#20915

Zypern erwägt Hilfsantrag (SZ 21.6.12)

Nach meiner Beobachtung bedeutet Hilferuf usw. einen Ruf nach Hilfe, während Hilfsarbeiter einen zusätzlichen, unterstützenden Arbeiter bezeichnet. Es wäre also Hilfeantrag zu erwarten. Ich weiß aber, daß das nicht regelmäßig gilt und wohl auch euphonische Gründe eine Rolle spielen.

Die Einführung des dauerhaften Euro-Rettungsschirms... (Pressemeldungen 21.6.12)

Na ja, das ist wohl eher Wunschdenken. Realistischer wäre vorläufig unbefristet.
 
 

Kommentar von Horst Ludwig, verfaßt am 21.04.2012 um 19.52 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#20505

Nun ja, "laut" muß ja nicht immer "extrem laut" sein, sondern ist auch "einfach hörbar" (der Satz lautet; "Denn er sagte laut: 'Die etwas fragen, die verdienen Antwort.'" [Brecht, "Legende ...]). Deshalb kann wohl das Gegenteil "leise" (wie in "Sei leis") ohne weiteres auch "unhörbar" sein (er ging leise weg). Ob sich bei unserer Mobilität heutzutage noch bei sowas "regionale" Unterschiede feststellen lassen, — ich weiß nicht. (Und bei all dem kann man jemanden auch noch leise berühren.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2012 um 15.51 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#20503

Danke für den Hinweis! Das kommt mir jetzt auch plausibel vor. Man müßte mal Belege aus verschiedenen Regionen sammeln.
 
 

Kommentar von Andreas Blombach, verfaßt am 21.04.2012 um 15.33 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#20501

Sind Sie sich sicher, dass das auf Interferenz zurückzuführen ist? Gerade hier im süddeutschen Sprachraum habe ich oft "Ach, sei leis'!" u.ä. gehört, Google bringt auch massenhaft Ergebnisse in diesem Sinne (ähnlich viele wie für "sei ruhig", weniger als für "sei still").
Natürlich können die Wörter verschieden verwendet werden - ruhig und still, um sich auf (weitgehende) Bewegungslosigkeit zu beziehen, leise, um sich auf geringe Lautstärke zu beziehen, aber da Bewegungslosigkeit und Geräuschproduktion oft zusammenfallen, ergibt sich ein Bereich, in dem es relativ egal ist, welches Wort man verwendet, um etwas zu erreichen. Kategorisch kann man die Wörter deshalb wohl nicht trennen.
(Eine kontextunabhängige, absolute "Bedeutung" von Wörtern gibt es m.E. sowieso nicht, aber das führt zu weit.)
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2012 um 11.47 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#20500

Eine Person, die als Kind meist Englisch gesprochen hat, sagt immer noch sei leise, wenn sie meint sei still. Der Unterschied scheint in einigen Sprachen kaum vorhanden zu sein. Im Duden-Universalwörterbuch ist er auch nicht richtig erfaßt: "(... still (...) b) ruhig (2 b), leise: sie ist eine -e Mieterin; er verhielt sich s.; sei doch [endlich] s.! (...)"

Es geht aber um folgendes:
leise sein = keinen Lärm machen
still sein = nichts sagen
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2012 um 11.43 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#20499

annehmen sieht zwar wie die genaue Übersetzung von akzeptieren aus, die beiden Verben sind aber nicht gleichbedeutend.
Der 48-Jährige hatte bereits erklärt, er werden die Berufung als Nachfolger des Italieners Romano Prodi akzeptieren. (Nürnberger Nachrichten 30.6.04)
Das ist wohl schlecht übersetzt. Er wollte die Wahl annehmen. akzeptieren bedeutet eher "hinnehmen, sich damit abfinden", und zwar u. U. auf die Wahl eines anderen bezogen.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 21.04.2012 um 11.38 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#20498

Glück wünschen - beglückwünschen - gratulieren

Diese drei Ausdrücke bedeuten keineswegs dasselbe, auch wenn es in manchen germanistischen Texten so dargestellt wird.

Glück wünscht man jemandem für die Zukunft, dagegen beglückwünscht man ihn zu einem schon vorliegenden erfreulichen Ereignis oder einem Erfolg (bestandene Prüfung, Geburt eines Kindes). Das ist gewissermaßen überraschend, wenn man nur an die Wortbildung denkt. gratulieren liegt näher an beglückwünschen, es gibt aber Unterschiede. Wenn man jemanden zum 70. Geburtstag beglückwünschte, könnte es allenfalls den Sinn haben: daß du es so weit geschafft hast! Zum neuen Jahr wünscht man Glück, aber man gratuliert nicht.
 
 

Kommentar von Theodor Ickler, verfaßt am 05.05.2010 um 17.07 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#16185

Nach Pressemeldungen feiert Altbundeskanzler Kohl seinen Geburtstag in Dankbarkeit für ein "angefülltes Leben". Das kommt mir ungewöhnlich vor, und tatsächlich fragt Google zurück: "Meinen Sie ausgefülltes Leben?" Auch "erfüllt" ist üblich. Anders bei weiteren Bestimmungen: "mit Arbeit angefülltes Leben". Aber schön ist das auch nicht.
füllen und seine Zusätze sind überhaupt interessant. Löcher in Zähnen werden gefüllt, ebenso Krapfen usw., Flaschen werden befüllt (in Befüllungsanlagen), Schlaglöcher und Bombenkrater werden verfüllt, weil man nämlich hinterher keine gefüllten Löcher, sondern überhaupt keine Löcher mehr haben will, und das drückt man mit ver- aus ("durch Füllen beseitigen").
 
 

Kommentar von Germanist, verfaßt am 05.10.2008 um 11.34 Uhr  
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#13221

Mein dickes altgriechisches Wörterbuch von 1884 sagt (oo für Omega):
onoma Name, Benennung; onomazoo benennen;
homoonymeoo denselben Namen haben; homoonymia Gleichnamigkeit; homoonymios und homoonymos gleichnamig, einerlei Benennung habend, gleichlautende Wörter, die verschiedene Begriffe ausdrücken, zweideutig;
synoonymeoo gleiche Bedeutung haben; synoonymia Gleichheit des Namens oder der Bedeutung; synoonymos von gleichem Namen, von gleicher Bedeutung.
Wie von anderen altgriechischen Wörtern haben unterschiedliche Wissenschaften unterschiedliche Auslegungen gemacht, wobei jede die ihre für die allein richtige hält. (Siehe Soziologen und Naturwissenschaftler, die sich trotz gleicher Wörter nicht verstehen.)
 
 

Kommentar von Christoph Schatte, verfaßt am 04.10.2008 um 22.23 Uhr   Mail an
Adresse: http://www.sprachforschung.org/ickler/index.php?show=news&id=1058#13215

Wenn "Fachleute" wie Andreas Gardt trotz Studium der Germanistik etwas von sich geben wie:

"Der Ausdruck Synonym entstammt dem Griechischen und enthält die Bestandteile syn (= zusammen) und ónoma (= Name). In einem landläufigen Sinne handelt es sich bei Synonymen demnach um Gleichnamige, um Wörter, die dieselbe Bedeutung tragen",

dann fragt man sich, ob solche Fachleute jemals gelernt haben, Bezeichnung (Name) und Bedeutung (Bezug) auseinanderzuhalten. Schön ist auch "in einem landläufigen Sinne", denn es wirft die Frage auf, wie viele solcher es denn wohl geben mag bzw. welcher gerade gemeint ist. Daß der Duden-Verlag für sein Synonymwörterbuch nicht Kompetentere gewinnen konnte, stimmt bedenklich.

Letztens mußte ich in einem Promotionsverfahren hören, daß Chomsky die Nachfolge von Saussure angetreten habe, und meinte, das dürfe ja wohl nicht wahr sein. Aber siehe da, im Duden-Synonymwörterbuch kann jemand nicht die fundamentale Differenz zwischen Platons und Saussures (später Weigerbers) Sprachverständnis unterscheiden. Kann es noch schlimmer werden?
 
 

nach oben


Ihr Kommentar: Sie können diesen Beitrag kommentieren. Füllen Sie dazu die mit * versehenen Felder aus und klicken Sie auf „Kommentar eintragen“.

Sie können in Ihrem Kommentar fett und/oder kursiv schreiben: [b]Kommentar[/b] ergibt Kommentar, [i]Kommentar[/i] ergibt Kommentar. Mit der Eingabetaste („Enter“) erzwingen Sie einen Zeilenumbruch. Ein doppelter Bindestrich (- -) wird in einen Gedankenstrich (–), ein doppeltes Komma (,,) bzw. ein doppelter Akut (´´) werden in typographische Anführungszeichen („ bzw. “) umgewandelt, ferner werden >> bzw. << durch die entsprechenden französischen Anführungszeichen » bzw. « ersetzt.

Bitte beziehen Sie sich nach Möglichkeit auf die Ausgangsmeldung.
Für sonstige Diskussionen steht Ihnen unser Diskussionsforum zur Verfügung.
* Ihr Name:
E-Mail:
(Wenn Sie eine E-Mail-Adresse angeben, wird diese angezeigt, damit andere mit Ihnen Kontakt aufnehmen können.)
* Kommentar:
* Spamschutz:   Hier bitte die Zahl einhundertvierundfünfzig (in Ziffern) eintragen.
 


Zurück zur vorherigen Seite | zur Tagebuchübersicht


© 2004–2017: Forschungsgruppe Deutsche Sprache e.V.

Vorstand: Reinhard Markner, Walter Lachenmann, Jan-Martin Wagner
Mitglieder des Beirats: Herbert E. Brekle, Dieter Borchmeyer, Friedrich Forssman, Theodor Ickler, Michael Klett, Werner von Koppenfels, Hans Krieger, Burkhart Kroeber, Reiner Kunze, Horst H. Munske, Adolf Muschg, Sten Nadolny, Bernd Rüthers, Albert von Schirnding, Christian Stetter.

Webhosting: ALL-INKL.COM